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Reizdarmsyndrom (RDS) | Krankheitslexikon

Reizdarmsyndrom (RDS) | Krankheitslexikon

Reizdarmsyndrom

Bauchschmerzen und Völlegefühl nach jeder Mahlzeit? Schmerzende Krämpfe? Durchfall, Verstopfung oder beides abwechselnd? Unter dem Reizdarmsyndrom leidet jeder vierte Österreicher. Bei vielen ist der Reizdarm noch nicht klar diagnostiziert: Sie leiden still, nicht nur unter den Symptomen, auch unter mangelnder Lebensqualität.

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Die Initiative Gesunder Darm beschreibt das Reizdarmsyndrom (kurz RDS) als eine funktionelle Störung der Darmfunktion, die mit Schmerzen im Bauchbereich und einer veränderten Verdauung und Stuhlentleerung einhergeht. Funktionell bedeutet, dass keine organische Ursache für die Symptome gefunden werden kann. Der Darm sieht gesund aus. Andere funktionelle Erkrankungen sind z.B. Reizmagen, Reizblase, aber auch die meisten Fälle von Bluthochdruck.

Symptome

Bauchschmerzen sind das Hauptproblem, hinzukommen Verstopfung oder Durchfall. Wenn diese Kombination von Verdauungsbeschwerden während des zurückliegenden Jahres, auch mit Unterbrechungen, für mindestens zwölf Wochen andauerte, ohne dass Ärzte einen konkreten Grund entdecken können, sprechen Mediziner von einem Reizdarmsyndrom. Die Erkrankung, auch „Colon irritabile“ genannt, ist recht häufig. Früher standen Betroffene leicht im Verdacht, eingebildete Kranke zu sein, die ihrer Verdauung zu viel Aufmerksamkeit schenken. Doch mittlerweile ist das Reizdarmsyndrom (RDS) als Krankheit akzeptiert, wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind:

Mindestens zwölf Wochen lang Bauch- oder Unterleibsschmerzen und wenn dazu zwei der folgenden Merkmale hinzukommen:

  • Beschwerden bessern sich nach einem Stuhlgang
  • das Aussehen des Stuhls verändert sich
  • Häufigkeit des Stuhlgangs ändert sich

Achtung: Das Reizdarmsyndrom ist nicht die einzige Erkrankung, die diese Symptome hervorrufen kann. Auch Nahrungsmittelunverträglichkeiten wie Laktoseintoleranz (Unverträglichkeit für Molkereiprodukte) oder Sprue (Zöliakie), eine Unverträglichkeit für ein Eiweiß, enthalten in Weizen und anderen Lebensmitteln, müssen als Ursache der Beschwerden ausgeschlossen werden.

Diagnose

Um ein Reizdarfmsyndrom zu diagnostizieren sind vorher einige Untersuchungen notwendig. Vor einer Diagnose sollte ein intensives Gespräch mit dem Hausarzt erfolgen, um andere (bedrohlichere) Krankheiten definitiv auszuschließen. Laborbefund, ein Stuhltest, Ultraschall, Magenspiegelung, Darmspiegelung und andere gehören wohl leider dazu.

Ursachen des Reizdarm Syndroms (RDS)

Warum manche Menschen an RDS leiden und andere nicht? Das ist derzeit noch nicht genau geklärt. Psychische Faktoren, wie Stress und Ärger, aber auch negative Erlebnisse in der Kindheit, können Auslöser für ein RDS sein. Das ist aber nicht bei allen Patienten der Fall. Auch eine veränderte Darmflora (Besiedelung des Darmes mit natürlicher Weise vorkommenden Mikroorganismen) wird als Auslöser eines RDS diskutiert.

Ursache für die Symptome ist eine veränderte Wahrnehmung von Reizen aus dem Verdauungstrakt. Aus Magen und Darm werden andauernd Signale zum Gehirn ausgesendet. Normalerweise werden diese Signale aber nicht bewusst wahrgenommen. Bei RDS-Patienten reagiert der Darm in erhöhtem Ausmaß auf normale Reize, wie z.B. Füllung mit Speisebrei oder Stress. Dadurch kommt es zu veränderten Muskelbewegungen im Darm, d.h. zu Verstopfung oder Durchfall und zur Schmerzwahrnehmung.

Die Forschungen bezüglich der Ursache eines RDS konzentrieren sich derzeit auf Serotonin. Serotonin ist ein Botenstoff im Gehirn, aber auch im so genannten „Bauchhirn“. Es überträgt Informationen, auf die das Nervensystem des Verdauungstraktes („Bauchhirn“) reagieren kann. Das „Bauchhirn“ empfängt und sendet Informationen an das zentrale Nervensystem (Gehirn), arbeitet aber unabhängig von diesem. Es reguliert die Verdauung, die Beweglichkeit des Magen-Darm-Traktes und liefert Informationen über Sättigung, Übelkeit, Schmerzen, Blähungen, usw. Serotonin ist dabei ein wichtiger Überträgerstoff dieser Informationen. Es steuert dadurch z.B. die Muskelbewegungen des Darmes, damit Nahrung weitertransportiert werden kann, es ist aber auch an der Wahrnehmung von Darmbewegungen, und somit beim RDS an der Schmerzwahrnehmung beteiligt.

Behandlung

Auch wenn Reizdarm keine bedrohliche Krankheit ist, so ist die Lebensqualität bei einer Reihe von Betroffenen drastisch eingeschränkt u. a. durch die ständigen Schmerzen, unangenehme Stuhlgewohnheiten, Krankschreibungen und durch die Entwicklung sozialer Phobien.

Eine zuverlässige Behandlungsmethode des Reizdarmsyndroms gibt es bislang nicht. Bei einigen Menschen bessern sich Beschwerden auch ohne Medikamente. Manchmal ist eine Linderung mit Quellmitteln, krampflösenden Medikamenten und Antidepressiva möglich.

Ein grundsätzliches Problem von Medikamenten gegen Darmbeschwerden dieser Art sind aber ihre Nebenwirkungen. Man muss damit rechnen, dass ein Mittel gegen Durchfall Verstopfungen auslöst, wenn es zu stark wirkt. Umgekehrt können Mittel gegen Verstopfung zu Durchfall führen. Solche Nebenwirkungen würden also letztlich nur ein Problem gegen ein anderes austauschen.

Infohotline / Beratung über die Initiative Gesunder Darm

Linktipps:

– Medizinlexikon: Reizdarmsyndrom
– Papaya-Präparat verspricht Hilfe bei Reizdarmsyndrom
– Das Bauchgehirn – Erkenntnisse der Neurogastroenterologie
– Österreichische Arbeitsgemeinschaft Zöliakie
– Verband der Dipl. DiätassistentInnen Österreichs
– Steigendes Warenangebot für Patienten mit Laktoseintoleranz
– Lebensmittelunverträglichkeit – Ernährung bei Histaminintoleranz
– Therapie: neues Medikament verspricht Hilfe bei Sodbrennen
– Vorsorge-Corner: Gesundenuntersuchung

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