Kopfläuse bei Kindern: kein Grund zur Panik!

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Läuse

Kopfläuse sind lästig, aber zum Glück ungefährlich. Und ihr Auftreten hat nichts mit mangelnder Hygiene oder dem sozialen Umfeld zu tun. Bei sachgerechter Behandlung wird man sie überdies recht schnell wieder los.

IngrubarSchon die alten Ägypter hatten unter diesen Parasiten zu leiden, wie man an Mumien nachweisen konnte. Schlechte hygienische Bedingungen fördern die Verbreitung der Kopfläuse zwar, aber auch in Ländern mit hohem hygienischem Standard kommt es immer wieder zu Läuseepidemien in Schulen und Kindergärten. „Lausbefall ist keine Frage der Sauberkeit, sagt Dr. Beatrix Jirak, Ärztin für Allgemeinmedizin aus Neulengbach in Niederösterreich, „jeder Mensch kann Läuse bekommen, völlig unabhängig davon wie genau er es mit der Körperpflege nimmt“. Denn die kleinen Krabbler marschieren einfach von Wirt zu Wirt, und machen dabei keinen Unterscheid, auf wessen Kopfhaut sie Blut saugen, und an wessen Haare sie ihre Eier kleben. In den meisten Kindergärten und Schulen kommt es zwei bis drei Mal im Jahr zu einer Lausepidemie, so die Erfahrung der Ärztin.

Der Befall mit Kopfläusen ist zwar lästig, aber nicht gefährlich. Die einzige Gefahr liegt in der schnellen Übertragung auf andere Personen in einer eng zusammenlebenden Gruppe, wie zum Beispiel innerhalb der Familie oder in Kindergarten und Schule. Darum sollte man alles daran setzen, dass die kleinen Blutsauger rasch entdeckt und ausgerottet werden. „Natürlich kann es durch den Juckreiz und das unvermeidliche Kratzen zu Entzündungen der Kopfhaut und Ekzemreaktionen kommen“, meint Dr. Jirak, „Schwere, eitrige Reaktionen gibt es aber in Österreich heute praktisch nicht mehr“. Warum juckt es überhaupt: Weil die Parasiten mehrmals am Tag mit ihren Stechrüsseln Blut aus der Kopfhaut zapfen und in den mikroskopisch kleinen Wunden ihr Speichelsekret einbringen.

Mich laust der Affe …

Der lästige Juckreiz ist der auffälligste Hinweis auf einen Lausbefall, gut sichtbar sind bei näherer Betrachtung auch die Lauseier, Nissen genannt, die von den Plagegeistern an den Haaren abgelegt werden. Sie kleben extrem fest und lassen sich, im Gegenteil zu Schuppen, mit denen sie unter Umständen zunächst verwechselt werden, nicht abstreifen.

Warum sind in unseren Regionen hauptsächlich Kinder betroffen? „Überall dort, wo viele Kinder beisammen sind, finden Läuse ideale Verhältnisse für einen Wechsel vor“, erklärt die Allgemeinmedizinerin, „Kinder stecken ihre Köpfe zusammen, in der Schule hängen Kappen oder Hauben dicht nebeneinander , Schmusetiere und Pölster werden gemeinsam benutzt“. So können die Parasiten ungehindert von einem zum nächsten wandern, und schon kratzen sich alle am Kopf. Wenn auch nur der geringste Verdacht auf einen Besuch der kleinen Krabbler besteht, ist rascher Handlungsbedarf angesagt. Auf gar keinen Fall sollte aus falscher Scham darauf verzichtet werden, einen Arzt zu befragen. Genauso gehören Kindergarten und Schule sofort verständigt, will man eine sogenannte Kleinraumepidemie vermeiden.

Seit jeher besteht übrigens die Vermutung, Kopfläuse verbreiten sich über Kopfbedeckungen, Kopfkissen oder andere Gegenstände. Wie australische Forschungsarbeiten zeigen konnten, ist dies nicht der Fall. Im Gegenteil, Forscher untersuchten reihenweise Mützen von Kindern, die mit Kopfläusen befallen waren und fanden in deren Kopfbedeckungen nicht eine einzige Laus.

Laus, Laus, komm heraus …

Die rund drei Millimeter große Laus kann weder fliegen noch springen, dafür aber sehr flink laufen. Meist leben nicht mehr als 20 Tierchen im Haar, wenn die kleinen Patienten zum Arzt kommen. Die Kopfläuse siedeln sich bevorzugt an den Schläfen, hinter den Ohren und im Nackenbereich an. Die erwachsenen Läuse haben eine hellgraue, wenn sie mit Blut vollgesogen sind, ein eher braune Farbe. Das Weibchen legt pro Tag vier bis fünf Eier, die unmittelbar über der Kopfhaut an die Haarschäfte geklebt werden und mit ihnen auswachsen. Am Abstand der Nissen von der Kopfhaut lässt sich feststellen, wie lange der Befall zurückliegt. Nach acht bis zehn Tagen schlüpft aus der Eikapsel eine Larve, die nach weiteren zehn Tagen fortpflanzungsfähig wird. So entsteht rund drei Wochen nach der Eiablage eine neue Läusegeneration. Nach dem Schneeballprinzip wäre schon nach wenigen Wochen eine unüberschaubare Menge Läuse im Haar. Eine Reihe von chemischen Mitteln sorgen dafür, dass es nicht soweit kommt.

Wie wird man die Läuse am schnellsten wieder los?

Einerseits gibt es Präparate, in Form von Haarshampoos oder Sprays, deren Gifte sowohl den Läusen als auch deren Larven schnell den Garaus machen. Diese chemischen Behandlungsmethoden werden von Wissenschaftlern allerdings unterschiedlich bewertet. Einige Untersuchungen haben gezeigt, dass Kopfläuse gegen die Hauptwirkstoffe – vor allem das aus der Chrysantheme gewonnenen Pyrethrum – Resistenzen gebildet haben und die Präparate daher unwirksam sein könnten. Bei der Anwendung  sollte jedenfalls vermieden werden, dass die Substanz in die Augen oder in den Mund gelangt. Nach erfolgreicher Behandlung enthalten die sichtbaren Nissen nur noch leere Eier. Mit Essigwasser kann man den Nissenklebstoff auflösen und die letzten Reste mit einem möglichst feinzinkigen Nissenkamm aus Metall auskämmen. Spätestens nach zehn Tagen müsste dann dank dieser Prozedur das Problem gelöst sein.

Eine immer häufiger zur Anwendung kommende Alternative sind physikalisch wirkende Produkte. Diese enthalten Substanzen wie Silikonöl, die in die Atemwege und Poren der Kopflaus eindringen und damit die Atmung und andere lebenswichtige Funktionen blockieren. Somit ersticken die Läuse, anstatt vergiftet zu werden. Die Produkte sind sowohl gegen die ausgewachsene Kopflaus, gegen die heranwachsende Larve, als auch gegen die Nissen wirksam. Hersteller sprechen davon, dass bei derartigen Präparaten weniger Nebenwirkungen zu erwarten seien. Für einige Produkte liegen bezüglich Wirksamkeit und Verträglichkeit gute Studienergebnisse vor.

Haarbürsten, Kämme und Haarspangen etc. können zur Sicherheit ausgekocht werden, auch wenn kaum damit zu rechnen ist, dass sich darauf Kopfläuse befinden.

Bei anderen Gegenständen kann man sich eine Schwäche der Läuse zunutze machen: Stecken Sie die Stofftiere, Polster oder Mützen für einige Tage in einen Plastiksack und verschließen sie ihn gut. Die Tierchen überleben bei Zimmertemperatur nur zwei Tage lang ohne Blut, bei kühleren Temperaturen verhungern sie ohne ihren Wirt nach spätestens einer Woche. Noch schneller geht es im Tiefkühlfach: eine Nacht in eisiger Kälte genügt, um die Lausplage besser in den Griff zu bekommen. „Parallel dazu müssen Bettwäsche, Handtücher und Kopfbedeckungen der ganzen Familie bei mindestens 60 Grad ausgewaschen werden“, rät Dr. Jirak, „Polstermöbel oder Autositze kann man mit speziellen Sprays behandeln“.

Wer von chemischen Mitteln Abstand nehmen möchte, kann auch die Skinhead-Methode anwenden. Die Läuse und auch die Nissen verschwinden prompt, wenn die Haare ganz kurz geschnitten oder zur Gänze abrasiert werden. Zumindest für Buben eine mögliche Alternative. Am besten, Sie nehmen den Kopf Ihres Sprösslings rechtzeitig unter die Lupe, wenn es heißt: Achtung, es gibt wieder Läuse! Denn: je früher die Behandlung beginnt, desto schneller sind Sie die unangenehmen Zeitgenossen wieder los.

Quelle: webfamilie.at / zwillinge.at – Kontentkooperation

Linktipps

– Kinder-Corner
– Kleiderläuse
– Filzläuse

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