Tabuisierung von Erektionsstörungen ist lebensgefährlich

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Erektile Dysfunktion, Potenzstörung beim Mann

Die erektile Dysfunktion (ED), gelegentlich auch einfach als „Potenzstörung“ bezeichnet, gehört zu den häufigsten Sexualfunktionsstörungen des Mannes überhaupt. Seriösen Schätzungen zufolge dürften in Österreich etwa 730.000 Männer an ED leiden. Doch obwohl eine unbehandelte Erektionsstörung Vorbote einer beginnenden Erkrankung der Herzkranzgefäße sein kann, wird über dieses Thema von Betroffenen nur allzu gerne geschwiegen.

Erektile Dysfunktion ist eine häufige und weit verbreitete Erkrankung. Man spricht von einer Krankheitshäufigkeit von 52 % bei Männern im Alter von 40 bis 70 Jahren. Weltweit wird mit einem Anstieg dieser Störung gerechnet, und es wird prognostiziert, dass bis zum Jahr 2025 mehr als 300 Millionen Männer an erektiler Dysfunktion erkranken werden. Mehr als die Hälfte der Männer mit ED haben kardiovaskuläre Erkrankungen (also eine Erkrankung der Herzkranzgefäße), von denen sie oft noch nichts wissen, aber nur 17 Prozent der österreichischen Männer gehen regelmäßig zum Urologen, dem Spezialisten für Erektionsstörungen.

Um dem Problem besser begegnen zu können, haben Experten aus den Bereichen Allgemeinmedizin, Urologie und Innere Medizin/Kardiologie gemeinsam Empfehlungen hinsichtlich Diagnose- und Therapiemethoden erarbeitet. Tenor der Experten: die Ärzte müssen die Patienten aktiv auf Potenzprobleme ansprechen.

Erektionsstörung als Hinweis für eine Erkrankung der Herzkranzgefäße

Experten sind sich einig, dass Erektionsstörungen ein Hinweis für eine mögliche Erkrankung der Herzkranzgefäße sein können. Nach letztem Wissensstand ist Erektile Dysfunktion in erster Linie eine Erkrankung der Blutgefäße. Stephan Madersbacher von der Abteilung für Urologie und Andrologie am SMZ Ost in Wien ist einer jener Experten, die die Empfehlungen ausgearbeitet haben. Er erklärt: „Eine Vielzahl von Untersuchungen – so auch eigene mit über 2.000 Männern – konnten nachweisen, dass die Erektile Dysfunktion ein Hinweis auf eine beginnende Erkrankung der Blutgefäße sein kann. Männer mit Erektiler Dysfunktion sollten sich deshalb unbedingt nach Symptomen für solche Krankheiten untersuchen lassen, um ihr Risiko einer tatsächlichen Erkrankung abzuklären.“

Die Blutgefäße des Penis sind aufgrund ihres kleineren Durchmessers so etwas wie eine hochempfindliche Antenne für Erkrankungen der Blutgefäße insgesamt. Der Zeitraum vom ersten Auftreten von Erektionsstörungen bis zu spürbaren Auswirkungen einer Erkrankung der Herzkranzgefäße beträgt im Durchschnitt drei bis fünf Jahre. Männer mit Erektiler Dysfunktion entwickeln im Vergleich zu Männern ohne Erektionsstörung häufiger schwere Formen von Erkrankungen der Herzkranzgefäße.

Sie haben ein um 80 Prozent erhöhtes Risiko für z. B. Herzrhythmusstörungen oder einen Herzinfarkt. Bei Männern mit Erektiler Dysfunktion im Alter zwischen 40 und 60 Jahren ist diese Risikoerhöhung besonders ausgeprägt. Univ.-Prof. Dr. Hermann Toplak von der Universitätsklinik für Innere Medizin des Klinikum Graz betont daher die Relevanz der Krankengeschichte eines Patienten: „Ein großer Teil der Patienten mit Übergewicht im mittleren Lebensalter haben unerkannt eine Erektile Dysfunktion. Da hilft uns nur eine gezielte Anamnese, mit der wir Risiken, welche die Blutgefäße betreffen, rechtzeitig erkennen. Durch frühzeitige Therapie erreichen wir auch mehr Lebensqualität für unsere Patienten.“ Eine rechtzeitige Diagnose bietet daher die Chance zur Früherkennung anderer Gefäß-Erkrankungen und einer allfällig notwendigen Therapie.

Das Schweigen brechen

Um aber überhaupt zu einer Diagnose zu kommen, muss das Thema Potenzstörung erst einmal auf den Tisch. Ärzte aller relevanten Fachrichtungen sollten deshalb Patienten, vor allem Männer mittleren Alters (40- bis 60-Jährige), bei denen die positiven Auswirkungen einer Risikoreduktion besonders deutlich werden, aktiv nach Potenzproblemen fragen. „Eine enge Zusammenarbeit der Spezialgebiete ist erforderlich zur optimalen Betreuung unserer gemeinsamen Patienten“, unterstreicht Kurt Huber, Vorstand der 3. Medizinischen Abteilung mit Kardiologie im Wiener Wilhelminenspital, die Wichtigkeit des interdisziplinären Austauschs. Besonders die Praktischen Ärzte sind als erste Anlaufstelle gefordert, Patienten auf die Problematik Erektionsstörung anzusprechen und, wenn notwendig, zur weiteren Abklärung an Kollegen anderer Fachrichtungen zu überweisen.

Diagnose und Therapie

Doch auch die Männer selbst sollten ein Erektionsproblem als mögliches Warnsignal für eine Herzkreislauf-Erkrankung ernst nehmen und sich nicht scheuen, mit ihrem Arzt darüber zu sprechen. Eine genaue Diagnose mittels Blutdruckmessung, der Bestimmung von Blutfett- und Blutzuckerwerten und gegebenenfalls auch des Testosteronspiegels gehören zur Befunderhebung bei Erektiler Dysfunktion. Dazu kommt die Erfassung der gemeinsamen Risikofaktoren für Erektile Dysfunktion und Erkrankungen der Herzkranzgefäße: Alter, Rauchen, erhöhter Blutfettspiegel, Diabetes, Bluthochdruck, Übergewicht und Bewegungsmangel. Und schließlich auch die familiäre Krankengeschichte.

Die Erektile Dysfunktion ist bei vielen Männern ein erstes Warnsignal für eine Erkrankung des Herzkreislaufsystems. Mit Lebensstiländerung, Gewichtsreduktion und speziellen Medikamenten kann man wirkungsvoll sowohl das Risiko gefährlicher Komplikationen – eines Herzinfarkts etwa – reduzieren als auch die Potenz und somit die Lebensqualität der Betroffenen verbessern.

Aus diesen Gründen wurden gemeinsam mit der Ärztekammer, der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie und dem Berufsverband der Österreichischen Urologen folgende Empfehlungen herausgegeben:

  • Männer ab dem 40. Lebensjahr sollten beim ärztlichen Gespräch nach dem Vorliegen von Erektionsstörungen befragt werden.
  • Männer sollten regelmäßig zur Gesundheitsvorsorge zu ihrem Allgemeinmediziner oder Internisten gehen.
  • Damit Potenzstörungen nach Möglichkeit gar nicht erst entstehen, sollten Risikofaktoren wie Alkohol, Rauchen, Arteriosklerose oder Diabetes rechtzeitig erkannt und behandelt werden.

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