Was darf man sich von Dating-Apps erwarten und worauf muss man achten

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Dating Apps

Von Dating-Apps haben wir alle schon mal gehört, und es klingt doch einfach zu schön: auf Knopfdruck den perfekten Partner finden. Aufgrund von persönlichen Angaben errechnet ein Algorithmus, wer zu uns passen könnte -so versprechen uns die Apps die Partnersuche grundlegend zu erleichtern. Aber wie sieht’s in der Realität aus? Bewähren sich die Gadgets oder versprechen sie mehr als sie halten können? Wir haben uns umgesehen um Ihnen eine Überblick zu geben und sagen Ihnen auch, worauf Sie in jeden Fall achten sollten!

Zunächst gilt es zwischen Dating-Apps und Sex-Apps zu unterscheiden. Während es bei Dating-Apps um das an sich harmlose Kennenlernen einer fremden Person geht, gibt es auch digitale Helfer am Smartphone, die uns versprechen, uns direkt mit Sextipps zu versorgen – doch um die soll es heute nicht gehen. Wir nehmen verschiedene Dating-App Anbieter unter die Lupe und verraten Ihnen bei welchem Anbieter Sie auf welche Partner hoffen können.

Denn natürlich gibt es auch bei Datings unterschiedliche Erwartungen und nicht alle Apps können allen Erwartungen gerecht werden. Und es gibt auch Unterschiede hinsichtlich des Zwecks des gesuchten Dates: Während manche Angebote eindeutig sexuellen Charakter haben, geht es bei anderen – zumindest zum Anfang – tatsächlich um ein Kennenlernen.

Überblick – Dating and more

Die Dating App Branche hat in Österreich 2016 einen Umsatz von insgesamt 19 Millionen Euro erwirtschaftet, das ist ein Plus von zwei Prozent zum Vorjahr. Der Markt wächst mittlerweile aber langsamer als noch ein Jahr davor, als die Wachstumsrate bei rund vier Prozent lag. Europameister beim Online-Dating sind übrigens die Briten: In GB ist der Markt besonders groß, zuletzt lag der Jahresumsatz bei knapp 240 Millionen Euro, gefolgt von Deutschland mit rund 200 Millionen und Frankreich mit knapp 120 Millionen.

Dating Portale via App sprechen vor allem jüngere Leute an; die höherpreisigen Online-Partnervermittlungen wie Parship oder Elitepartner haben bei der Partnersuche vor allem bei den älteren Semestern nach wie vor die Nase vorn. Diese kostenpflichtigen Internet Anbieter machen ’seriöse‘ Partnervorschläge auf Basis ausgeklügelter psychologischer Tests, währen die Apps sich notgedrungen nur auf die freiwillig gemachten Angaben stützen können.

Tinder – die Mutter aller Dating Apps

Tinder war der Prototyp: Wisch nach links, weg ist er oder sie, wisch nach rechts – mal sehen, ob das Gefallen auf Gegenseitigkeit beruht – wenn, ja, steht einem ersten Plaudern via App dann nichts mehr im Wege. Das Prinzip ist einfach aber effektiv und funktioniert bei allen Dating-Apps ähnlich.

Tinder nutzt persönliche, im Handy gespeicherte Daten wie Profil-Foto, Alter, Interessen, Wohnort sowie die Freundesliste (den Zugriff darauf via FB müssen sie vorab Ihre Zustimmung erteilen). Der Suchradius, in dem ein möglicher Partner gesucht werden soll, lässt sich einstellen, ebenso die Altersgruppe, in der gesucht werden soll und das gewünschte Geschlecht. In Folge screent die App anhand dieser Informationen potenzielle Dating-Partner und schlägt diese via Bild vor.

Die App sendet Ihnen dann Vorschläge anderer Tinder-Teilnehmer samt Name und Alter. Zusätzliche Informationen wie zum Beispiel gemeinsame Freunde oder Interessen kann man sich ebenfalls anzeigen lassen. Und dann muss man sich entscheiden, ob eine Kontaktaufnahme gewünscht würde, oder eben nicht. Gibt es ein „match“, sind also beide der Meinung, dass jeweils der andere gefällt, kann der Flirt via Chat beginnen. Ob und wann man sich auch persönlich treffen will, ist dann individuell vereinbar – die App stellt nur den Kontakt her. Tinder ist kostenfrei, unkompliziert und konzentriert sich auf das Wesentliche – das ist wohl auch das Geheimnis des Erfolgs.

Dating-Apps funktionieren alle nach dem gleichen Prinzip: Zunächst lädt man ein Foto hoch (oder lässt das App auf Fotos zugreifen) und legt sein eigenes Profil an. Je nach Anbieter hat man dann die Möglichkeit Wunschvorstellungen bezüglich Alter, Aussehen, Religion, Raucher/Nichtraucher und ähnliches des Wunschpartners anzugeben. Dann grenzt man am Besten den geographischen Radius ein, um den Traumpartner nicht auf den Fidschi Inseln zu finden. Und los geht’s!

Dating Apps, die mehr können

Whispar funktioniert nach einem ähnlichen Prinzip wie Tinder, allerdings hört man zunächst die Stimme und die persönliche Vorstellung des potentiellen Partners, während das Profilbild erst langsam scharf wird. An sich eine gute Idee, aber in Österreich kaum im Einsatz.

Bumble ist Tinder für Feministinnen: alles ist gleich wie bei Tinder, allerdings muss im Fall eines ‚Match‘ – also beide finden Gefallen aneinander – die Frau den ersten Schritt machen, bzw. die erste Nachricht versenden. Der Hintergrund dieser Idee: ‚Sie‘ braucht sich niemals sagen lassen, dass ‚sie‘ ja den ersten Schritt gemacht hat, und er eh kein Interesse gehabt hätte. Erfahrungswerte zeigen jedenfalls, dass ‚frau‘ auf Bumble eher auf Männer trifft, die kein Problem mit starken Frauen haben:-).

Once: man ‚wischt‘ sich durch einen Katalog von Vorschlägen und bewertet die potentiellen Flirtpartner mit eins bis fünf Sternen. Einmal am Tag erhält man dann lediglich EINEN auf Basis eines Algorithmus berechneten Vorschlag, den man annehmen oder ablehnen kann. Wenn beide annehmen, kann der Chat starten.

Hater: Hier wird über die Bekanntgabe dessen, was man hasst, Übereinstimmung gesucht. Sie hassen Jazz und wünschen sich einen Partner, der ihren Musikschmack teilt? Sie hassen Steaks, weil sie Vegetarier sind und wünschen sich einen Partner, der auch ausschließlich Gemüse isst? Sie hassen Fußball und erwarten von Ihrem potentiellen Partner, dass er diesen Hass teilt – bei Haters können Sie’s kund tun und das System findet für Sie Partner mit gleichen ‚Hassobjekten‘.

Manche Dating-Apps sind kostenfrei, manche sind kostenpflichtig, bei manchen sind die Basisfunktionen gratis, aber für Zusatzfunktionen muss man zahlen. Schauen Sie sich doch einfach durch, und probieren Sie’s aus. Ein Abenteuer und eine neue Erfahrung ist es in jedem Fall, und ob Sie sich dann auf ein Date im ‚Real Life‘ einlassen, bleibt immer noch Ihnen überlassen.

EXKURS: Suche nach Erotikpartnern

Während Datingportale langsamere Wachstumsraten verzeichnen, läuft die Entwicklung von Portalen für die Suche von Erotikpartnern stabil. Wir haben uns zwei Plattformen näher angesehen.

Feeld

Hier finden Singles und Pärchen Gleichgesinnte – wem es um rein erotische Abenteuer geht, ist auf Feeld gut aufgehoben. Feeld Nutzern geht es darum, das Sexleben um ein paar aufregende Erfahrungen zu erweitern. Singles oder Pärchen, die sich sexuell austoben wollen und Gleichgesinnte suchen finden sich meist unter Nicknames- richtige Namen sind hier eher die Seltenheit. Aber Nicknames sind ohnedies meist aussagekräftiger und geben bereits erste dezente Hinweise auf mögliche (sexuelle) Vorlieben.

Das Prinzip funktioniert ansonsten exakt wie bei ‚klassischen‘ Dating Apss: Potenzielle Partner in der Umgebung werden angezeigt, und wechselseitige Likes vorausgesetzt steht einer Kontaktaufnahme nichts mehr im Weg. Wer Feeld nutzt, sollte sich aber bewusst sein, dass das Ziel hier tatsächlich Sex ist, und man nicht erst langsam zum Kennenlernen trifft, sondern es üblicherweise gleich beim ersten Treffen zur Sache geht, wenn nicht Gravierendes dagegen spricht.

Pure

Wenig Spielraum bietet auch die App „Pure“. Auf ein romantisches Dinner will sich hier keiner treffen, hier geht es ausschließlich um Sex. Entsprechend sind auch die Informationen stark reduziert. Zwar lassen sich Fotos hochladen – freizügige Posen sind allerdings untersagt – aber viel mehr an Information gibt’s nicht preis zu geben.

Nutzer müssen lediglich das gewünschte Geschlecht angeben – dann gilt es bei gegenseitigem Gefallen nur mehr die Frage zu klären, wo man zur Sache kommen will. Ein kurzes „Yes“ oder „No“ reicht aus und es geht los – oder eben nicht.

Pure besitzt eine Feedback-Funktion, und suggeriert dadurch eine gewisse Sicherheit – doch Achtung, das heißt natürlich noch lange nicht dass potentielle Flirtpartner auch tatsächlich ’sicher‘ sind.

Überhaupt gilt es bei allen Dating Apps ein paar grundsätzliche Dinge zu beachten, um sich nicht unnötig in Gefahr zu bringen, sondern die Sache als das zu sehen, was sie ist: eine (zusätzliche) Möglichkeit Menschen und potentielle Partner, kennen zu lernen.

Worauf Sie achten sollten

Ganz wichtig: Bewahren Sie zunächst Ihre Anonymität! Ob Nickname oder Vorname ist relativ egal, weil allein mit Ihrem Vornamen kann niemand Unfug treiben, aber weitere Daten, wie Wohnort, Nachname, Telefonnummer oder auch Facebook Account sollten Sie zunächst für sich behalten.

Immer wieder versuchen ‚Sparefrohs‘ und Pfennigfuchser, die Basisinvestitionen für Datingapps bei zahlungspflichtigen Angeboten zu vermeiden. Sie leiten dann die Kontaktaufnahmen zwar über diese Apps ein, weitere Chats werden dann aber auf Facebook oder Whats App angeboten um etwaige anfallende Kosten zu sparen.

Doch Achtung: Die meisten von uns verraten auf Facebook mehr als sie wollen und mehr als ihnen möglicherweise bewusst ist – Ihre Anonymität ist dann eventuell nicht mehr gewährleistet. Via Facebook passieren oft auch Schlampigkeitsfehler und private Nachrichten werden doch mal öffentlich gepostet, oder ähnliches Ungeschick offenbart mehr über Sie als Ihnen lieb ist. So besteht die Gefahr, dass Freunde, Freunde von Freunden, Kinder oder Berufskollegen Dinge erfahren, die sie ganz sicher nichts angehen. Denn ganz ehrlich – wer von uns hat schon alle Face Book Funktionen so perfekt im Griff, dass ihm noch nie ein Hoppala passiert ist?

Whats App, Viber oder ähnliche Kommunikationskanäle bergen eine andere Gefahr: Wenn Sie einer Kommunikation über diese Kanäle zustimmen, dann haben Sie Ihre Telefonnummer preisgegeben. Abgesehen von möglichem Telefonterror, den Sie sich einhandeln können, falls sich das Date als doch nicht optimal herausstellt, besteht auch die Gefahr, dass Sie über Ihre Telefonnummer Ihre Anonymität aufgeben – wenn Sie Pech haben, sind Sie über Ihre Mobilnummer schlichtweg über Google zu finden…

Tipp: Bleiben Sie zunächst bei der Kommunikation via Dating App, bevor Sie andere private Kontaktdaten hergeben. So bleiben Sie auf der sicheren Seite und können, wenn Sie merken, dass das Match doch nicht perfekt ist, auch rasch wieder raus aus der Kommunikation ohne zu viel von sich preisgegeben zu haben. So gut wie alle Dating Apps verfügen über die schliche, aber superbrauchbare Funktion ‚Verbindung trennen‘.

Wenn Sie sich zu einem persönlichen Kennlernen entscheiden: Erste Treffen sollten prinzipiell an öffentlichen Orten stattfinden. Bloß keine ersten Dates zu Hause!! Und informieren Sie zumindest einen Freund/einen Freundin über ihr geplantes Date. Sie werden sehen – Sie fühlen sich so viel sicherer und allein das macht Sie selbstbewusster in Ihrer Ausstrahlung.

Der Erfolg beim Online-Dating hängt selbstverständlich auch maßgeblich vom Geschick des Suchenden selbst ab. Überlegen Sie also gut, wie Sie sich selbst präsentieren wollen. Verwenden Sie aktuelle Fotos und schummeln Sie nicht beim Alter – nichts ist ernüchternder und sinnloser als zu glauben, man trifft den blondgelockten Jüngling und sitzt dann dem gesetzten älteren Herren mit Halbglatze gegenüber. Umgekehrtes gilt ebenso: Kein Mann findet es sexy mit einem photogeshopten Bild geködert zu werden, wenn die Realität dann nicht hält, was die Ankündigung verspricht.

Schummeln ist sinnlos – die Wahrheit kommt ans Licht und nichts ist ungeschickter, als eine neue (mögliche) Beziehung mit einer Lüge, die ohnedies nicht halten wird, zu starten. Das schafft Frustration bei allen Beteiligten. Seien sie kreativ aber authentisch in Ihrer Selbstdarstellung – nur so können Sie sich von Mitbewerbern abheben und erhöhen so die Chancen auf ein echtes ‚Match‘.

Linktipps

– Lust in Zeiten der Digitalisierung
– Flirten & Verführen
– Das erste Mal
– Die größten Verhütungsirrtümer
– Stalking

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