Gibt es Spermaallergie wirklich?

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (4 Bewertungen, Durchschnitt: 3,75 Sterne von 5)

Spermaallergie

Manchmal wird behauptet, dass Frauen eine Allergie gegen das Sperma ihres Partners entwickeln können. Was lange Zeit bloß eine vage Vermutung war, hat sich als Tatsache herausgestellt. Betroffene Frauen reagieren dann mit Asthma, Nesselsucht und Schmerzen im Unterleib. Weltweit sind zwar bislang nur um die hundert solcher Fälle beschrieben worden, es wird aber eine wesentlich höhere Dunkelziffer vermutet. Die Ursache dafür ist ein winziger Eiweißbestandteil im Sperma, der übrigens bei allen Männern vorkommt – ein Partnerwechsel würde somit nichts bringen.

Extrem allergisch reagieren aus noch nicht ganz geklärten Gründen einige Frauen auf die männliche Samenflüssigkeit – während des Koitus kann Sperma bei diesen Frauen sogar einen lebensbedrohlichen Schock auslösen.

Eine direkte allergische Reaktion auf das Sperma ist jedoch äußerst selten und bisher weltweit nur rund 80 Mal berichtet worden. Viel eher werden die Probleme durch Nahrungsmittel oder Medikamente verursacht (z.B Nüssen oder Spuren eines Antibiotikums, die der Mann zu sich genommen hat). Die Symptome dieser Allergien sind unter anderem starker Juckreiz oder Brennen im Intimbereich. Hier könnten Kondome helfen, vorausgesetzt natürlich, man hat keine Latexallergie!

Spermaallergie: vom Mythos zur medizinischen Gewissheit

Was lange Zeit bloß eine Vermutung von Dermatologen und Allergologen war, deren Ursache unbekannt war, konnte 2005 erstmals nachgewiesen werden: Da entdeckte der Allergologe Dr. Johannes Ring vom Forscher-Team Weidinger und Köhn der TU München die Ursache für die sogenannte Sperma-Allergie. Es ist ein Protein im Ejakulat, das bei jedem Mann vorkommt. Das Eiweiß mit der Bezeichnung Kallikrein, ist ein Bestandteil des Prostatspezifischen Antigens (PSA), das normalerweise das Ejakulat flüssiger macht. Die Frau reagiert also bei einer Sperma-Allergie nicht auf die Spermien selbst, sondern auf eben dieses Protein im Ejakulat jedes Mannes.

Wenngleich Frauen in den allermeisten Fällen die betroffenen sind, haben tests gezeigt, dass auch Männer auf dieses Protein im Ejakulat allergisch reagieren können, im schlimmsten Fall sogar auf ihr eigenes.

Spermaallergie – Schutz & Vorbeugung

Im Falle der Sperma-Allergie treten die Beschwerden bei Betroffenen sehr schnell und ausnahmslos nach jedem Kontakt auf. Frauen, die an einer Sperma-Allergie leiden, können sich also durch Präservative schützen, eine lebenslange Kondompflicht besteht aber nicht. Wie auch bei Heuschnupfen kann frau hyposensibilisiert, also an den Allergieauslöser Sperma gewöhnt werden, indem das in der Samenflüssigkeit enthaltene Allergen schrittweise in immer höheren Dosen verabreicht wird, so dass sich der Körper langsam daran gewöhnt.

Dies berichtete Prof. Johannes Ring, Direktor der Poliklinik für Dermatologie an der Technischen Universität in München. Anläßlich des 10. Kongresses der Europäischen Akademie für Dermatologie (10. bis 14. Oktober 2001 in München) konnten sich die teilnehmenden Ärzte über diese Erkrankung, ihre möglichen Gefahren sowie über neue Behandlungsmethoden für betroffene Frauen informieren. Weitere therapeutische Maßnahmen sind wie auch bei anderen Allergien Antihistaminika, Cortison oder Adrenalinsprays.

Übrigens können auch Männer auf das eigene Sperma allergisch reagieren, dies wird in der Literatur als Postorgasmic Illness Syndrom (POIS) bezeichnet und wurde erstmals im Jahr 2002 von Marcel D. Waldinger und Dave H. Schweitzer¹ beschrieben.
Ein Test mit Sperma oder isoliertem PSA kann Klarheit schaffen.

Neueste Informationen basierend auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen finden Sie im 2. Teil des Artikels: – Spermaallergie – Allergie gegenüber Spermaflüssigkeit

———————-

Quellen:

¹ Waldinger/Schweitzer – Two Cases, Journal of Sex & Marital Therapy, 2002
² www.derstandard.at

Fotohinweis: sofern nicht extra anders angegeben, Fotocredit by Fotolia.com

Linktipps

– Oralverkehr
– Der männliche Orgasmus
– Allergisches Kontaktekzem
– geringeres Krebsrisiko bei Allergikern?

Das könnte Sie auch interessieren...