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Zahnspangen richtig pflegen

Zahnspangen richtig pflegen

Zahnspangen richtig pflegen

Sie sind im wahrsten Sinne des Wortes in aller Munde: Zahnspangen. Ob herausnehmbar, festsitzend oder unsichtbar dank Invisalign-Methode – Zahnregulierungen gehören zum Alltag vieler Kinder, Jugendlicher und Erwachsener. Umso wichtiger ist es, die Spangen richtig zu pflegen, um Problemen vorzubeugen.



Zahnspangen sind vom typischen Kinder- und Jugendphänomen längst zu einer gängigen Behandlungsmethode auch für Erwachsene geworden. So vielfältig wie die Patienten sind mittlerweile auch die Spangenarten. „Generell unterscheidet man zwischen abnehmbaren und festsitzenden Zahnspangen“, erklärt DDr. Erwin Jonke, Facharzt für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde an der Kieferorthopädie Jonke in Wien. „Welche davon zum Einsatz kommt, hängt von diversen Faktoren ab, etwa der Art der Zahnfehlstellung oder aber auch dem Alter.“

Bei den herausnehmbaren Zahnspangen unterscheidet man zwischen den traditionellen Arten von abnehmbaren Zahnspangen, die nur bei Kindern und Jugendlichen zu empfehlen sind, und den transparenten Kunststoffschienen Invisalign. Festsitzende Zahnspangen werden wiederum in drei Typen unterteilt: Metallbrackets, durchsichtige Brackets und Incognito-Brackets. Während die ersten beiden Varianten von außen auf die Zähne aufgeklebt werden, werden die Incognito-Brackets an der Innenseite des Zahnbogens angebracht und sind somit kaum sichtbar.


Herausnehmbar: Zahnbürste und fließendes Wasser

Wie es der Name bereits suggeriert, zeichnen sich abnehmbare Zahnspangen dadurch aus, dass sie vom Patienten selbständig eingesetzt und herausgenommen werden können. Bei den traditionellen Arten werden am häufigsten zwei Arten von herausnehmbaren Spangen angewendet: aktive Platten und Aktivatoren. Aktive Platten bestehen aus einer Kunststoffbasis, an der Drahtbögen, Klammern und Schrauben aus Edelstahl angebracht sind. Aktivatoren sind Doppelspangen aus Kunststoff, die im Ober- und Unterkiefer ohne zusätzliche Metallelemente angelegt werden. „Beide Modelle lassen sich am besten mit einer Zahnbürste unter fließendem Wasser reinigen, bei Bedarf kann etwas Zahnpasta verwendet werden“, weiß DDr. Jonke.

Als Bürste reicht hier eine einfache Ausführung mit mittelharter Stärke; die Zahnpasta sollte einen Fluorid-Gehalt von mindestens 1.450 ppm aufweisen (z.B. Colgate Total oder Meridol), um Karies an den Stellen vorzubeugen, an denen die Spange direkt am Zahn anliegt. Mit kreisenden Bewegungen, ähnlich denen beim normalen Zähneputzen, lässt sich der gröbste Schmutz entfernen. Besonders gründlich sollte an den Stellen geputzt werden, die mit Gaumen und Zähnen Kontakt haben. Achtung: „Bei Spangen mit Metallteilen immer an der Kunststoffbasis festhalten, nicht an den Drähten oder Klammern. Sie können sich nämlich bei Druck verformen und die ganze Zahnspange unbrauchbar machen“, rät der Kieferorthopäde. Einmal pro Woche empfiehlt sich darüber hinaus ein Reinigungsbad mit speziellen Tabletten aus der Drogerie (z.B. Dontodent oder Kukis Zahnspangenreiniger), um die Spange von Zahnsteinablagerungen zu befreien. Wichtig: Spange nicht mit heißem Wasser auskochen – der Kunststoff kann sich verformen und die Klammer im Anschluss nicht mehr passen.


Unsichtbar: Weiche Zahnbürste und Zahnpasta auf Gel-Basis

Eine spezielle Form der herausnehmbaren Zahnspange ist die sogenannte Invisalign-Methode. Der Begriff setzt sich aus den Worten „invisible“ (=unsichtbar) und „align“ (=ausrichten) zusammen und bezieht sich auf die so gut wie unsichtbare Korrektur der Zähne. „Invisalign-Schienen bestehen aus transparenten Kunststoffschienen, die per 3D-Computertechnologie individuell an den Patienten angepasst werden“, erklärt DDr. Jonke. Über die Zähne geschoben fallen sie fast nicht auf. Die Schienen, auch als „Aligner“ bezeichnet, werden permanent im Ober- und Unterkiefer getragen und alle zwei Wochen ausgewechselt. Bei der Pflege gelten grundsätzlich die gleichen Tipps wie bei den traditionellen herausnehmbaren Zahnspangen: kreisende Putzbewegungen mit Zahnbürste und Zahnpasta unter fließendem Wasser.

Da die transparenten Schienen allerdings sehr empfindlich sind und leicht zerkratzen oder anlaufen, müssen sie besonders schonend behandelt werden. Dazu eignen sich am besten eine weiche Zahnbürste sowie eine Zahnpasta auf Gel-Basis mit mittlerer Abrasivität, um den Kunststoff nicht zu beschädigen (z.B. Meridol). Bei hartnäckigen Verschmutzungen kann auch etwas Seife oder Spülmittel verwendet werden – wichtig ist, die Spange danach gründlich mit viel Wasser abzuspülen. Auch bei den Invisalign-Schienen empfiehlt sich eine wöchentliche Reinigung im Tablettenbad mit speziell dafür erhältlichen Produkten wie Cetron. Auf keinen Fall sollten handelsübliche Gebissreiniger verwendet oder die Schienen in Mundwasser eingelegt werden. Diese Produkte enthalten Reinigungsstoffe, welche die Kunststoffoberfläche angreifen – Folge: Die Spange trübt ein und wird sichtbar.


Festsitzend: Zahnbürste, Zahnseide und Mundspülung

Feste Spangen werden permanent über einen bestimmten Zeitraum im Kiefer des Patienten angebracht. Bei der Behandlung werden kleine Befestigungselemente (=Brackets) auf der Zahnaußenseite oder Zahninnenseite angeklebt und mit Drähten und Gummiringen verbunden. Die Brackets gibt es in verschiedenen Materialausführungen wie Keramik, Metall oder Kunststoff. Zwischen den Halterungen und Drähten der Spange sammeln sich leicht Essensreste, weshalb eine gründliche Reinigung besonders wichtig ist. Dazu wird der Mund zunächst kräftig mit Wasser ausgespült, um grobe Essensreste zu entfernen. Danach kommt als Erstes der Bereich zwischen Zahnfleisch und Bracket an die Reihe – dieser lässt sich am besten mit einer steil gekippten, mittelharten Kurzkopf-Zahnbürste oder einer Schallzahnbürste unter Anwendung von kleinen Rüttelbewegungen putzen. Im Anschluss werden die Brackets selbst mit kreisenden Bewegungen gesäubert, bevor der Bereich unter den Befestigungselementen mit erneut schräg gekippter Bürste gereinigt wird.

Spezielle Interdentalzahnbürsten oder Interspacebürsten sorgen schließlich dafür, dass Verunreinigungen zwischen den Brackets beseitigt werden. Hierfür wird die Bürste vorsichtig unter die Verbindungsdrähte geschoben; wenn möglich kann die schonende „Rot nach Weiß“-Reinigungsmethode, sprich vom Zahnfleisch wegführende Bürstenbewegungen angewendet werden. Die schwer zu erreichenden Zahnzwischenräume sollten zusätzlich täglich mit Zahnseide gereinigt werden. Dazu wird die Seide unterhalb des Drahtbogens zwischen den Brackets eingefädelt und im Anschluss auf und ab bewegt. Eine tägliche antibakterielle Mundspülung (z.B. Parodontax) sowie eine Munddusche eignen sich zusätzlich, um eine rundum gründliche Reinigung zu gewährleisten.

Mangelnde Hygiene hat Folgen

Gerade weil Zahnspangen über einen längeren Zeitraum hinweg getragen werden, sind Mundhygiene und Pflege besonders wichtig. Essensreste, die nicht gründlich entfernt werden, können zu schlechtem Atem, Verfärbungen und im schlimmsten Fall Karies und Zahnfleischentzündungen führen. Es versteht sich somit von selbst, dass Zahnspangenträger noch größeren Wert auf eine gewissenhafte Mund- und Zahnpflege legen müssen als Menschen ohne Zahnregulierung. Eine gute Prophylaxe beginnt schon bei der Wahl der Nahrungsmittel: Klebrige Süßigkeiten wie Karamell, Gummibärchen oder Kaugummi erschweren die Reinigung, harte Nahrungsmittel wie Nüsse, trockenes Brot oder rohes Gemüse können die Spangen beschädigen. Generell sollten auch Speisen und Getränke mit hohem Zuckergehalt vermieden werden, um das Kariesrisiko zu verringern.


Richtiges Zähneputzen das A und O

Neben der richtigen Pflege der Zahnspange bleibt für Spangenträger das oberste Gebot: Zähne gründlich putzen. Am besten nach jeder Mahlzeit. Sollte dies nicht möglich sein, reicht es fürs Erste, den Mund kräftig mit Wasser auszuspülen. „Beim Putzen selbst eignet sich am ehesten eine Zahnbürste mittelharter Stärke – so werden die Zähne sauber und das Zahnfleisch geschont“, weiß DDr. Jonke. Bei festsitzenden Spangen funktioniert es, die Bürste schräg in einem 45-Grad-Winkel zwischen die Zähne zu führen und mit kreisenden Bewegungen zu putzen. Wichtig: Jeden Zahn einzeln berücksichtigen. Eine regelmäßige, professionelle Mundhygiene beim Zahnarzt hilft zusätzlich, Risiken wie Karies und Entzündungen zu vermindern.


Gratis Zahnspangen

Ab Juli 2015 werden in Österreich die Kosten für Zahnspangen von Kindern und Jugendlichen bis zum 18. Geburtstag von der Krankenkasse übernommen. Die diesbezüglich zwischen der österreichischen Zahnärztekammer und dem Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger geschlossene gesamtvertragliche Vereinbarung wurde am 16. Februar 2015 unterzeichnet.

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Quellen:

¹ Zahnspangenarten
² Kieferorthopädie Jonke
³ Bundesministerium für Gesundheit: Gratis Zahnspangen

Linktipps:

– So haben Sie gut lachen: Tipps für die richtige Zahnpflege
– Welche Möglichkeiten bietet die kosmetische Zahnheilkunde?
– Klammerprothese, Geschiebe- und Teleskopprothese
– Behandlung beim Zahnarzt

Kave Atefie





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