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Wieviel Gift ist in unserem Essen?

Wieviel Gift ist in unserem Essen?

Gift im Essen

Zugegeben, eine reisserische Frage, auf die es natürlich keine Pauschalantwort gibt. Doch eine von GLOBAL 2000 und ihrem europäischen Dachverband in Auftrag gegebene Studie liefert nun Details. Fazit: Bei drei von zehn Österreichern sind Rückstände des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat im Harn nachgewiesen worden. Und das ist längst nicht der einzige bedenkliche Stoff in unserem Essen. Trotz umfangreicher Lebensmittelkontrollen enthält unsere Nahrung Substanzen, die krank machen können. Und meistens ist das auch völlig legal.



Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat im Harn

Egal ob in Obst, Gemüse oder Getreide, Rückstände von Spritzmitteln finden sich in zahlreichen Lebensmitteln. Konkret dürfte das nun im menschlichen Harn nachgewiesene Herbizit Glyphosat von den Testpersonen über Brot, Gebäck und Cerealien aufgenommen worden sein, denn das Spritzmittel wird vor allem beim Getreideanbau verwendet.

Bei der ersten Studie dieser Art wurden 182 Personen aus 18 Ländern getestet, allesamt Stadtbewohner, die angaben mit dem Mittel nicht direkt in Berührung gekommen zu sein. Eine notwendige Zusatzangabe, da Glyphosat auch in Unkrautvernichtungsmitteln für den privaten Garten enthalten ist und von Konsumenten über Baumärkte bezogen werden kann.

Pro Land wurden zwischen acht und zwölf Personen untersucht, wobei der Anteil positiv auf Glyphosat bzw. auf AMPA getesteter Personen innerhalb der 18 europäischen Staaten signifikante Unterschiede aufwies. So wies Malta bei den Untersuchungen die höchsten Werte auf: unglaubliche 90% der Testpersonen hatten dort Glyphosat im Körper. Immerhin 80 Prozent waren es in Deutschland, gefolgt von Polen und Ukraine mit 70 Prozent, und Belgien mit 64 Prozent. Österreich und Georgien liegen mit 30 Prozent im besseren Drittel, die Schweiz mit 17 Prozent und Mazedonien mit 10 Prozent wiesen die besten Werte auf.

Wie gefährlich ist Glyphosat für die Gesundheit?

Bei Glyphosat handelt es sich um ein Herbizid („Unkrautbekämpfungsmittel“),es ist der weltweit am häufigsten eingesetzte Wirkstoff und bereits seit 1974 als Hauptbestandteil im Mittel „Roundup®“ (Firma Monsanto) auf dem Markt. Interessantes Detail: parallel zu Roundup vertreibt Monsanto gentechnisch verändertes Saatgut, das eine Resistenz gegenüber der herbiziden Wirkung von Glyphosate aufweist.

Wie sich Glyphosat (langfristig) auf den Menschen auswirkt, ist noch nicht ausreichend geklärt. Die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH, kurz AGES, bescheinigt dem Mittel aufgrund der vorhandenen validen, nach internationale Standards durchgeführten Untersuchungen hinsichtlich der akuten Toxizität:

– sehr geringe orale Giftigkeit
– sehr geringe dermale Giftigkeit
– sehr geringe inhalatorische Giftigkeit
– keine Hautreizung
– keine allergisierenden/sensibilisierenden Eigenschaften

Allerdings werden explizit die augenreizenden Eigenschaften hervorgehoben.

Hinsichtlich der chronischen Toxizität gibt es dagegen kaum Informationen über Auswirkungen für den Menschen. Es wird sogar darauf hingewiesen, dass die Auswirkungen der nachgewiesenen schädigenden Wirkung an den Feten von Ratten (Entwicklungsverzögerungen und Skelettvariationen) durch das Pflanzenschutzmittel Roundup bisher mangels geeigneter Testmethoden für humantoxikologische Prüfungen für den Menschen unbekannt sind.

GLOBAL 2000, weist allerdings auf die hormonelle Wirkung des Mittels hin: „Bei Glyphosat handelt es sich um ein Pestizid, das in Tierversuchen hormonelle Wirkung zeigt und in zahlreichen wissenschaftlichen Studien mit Störungen der Fortpflanzungsfähigkeit und der embryonalen Entwicklung in Zusammenhang gebracht wird“, kommentiert Helmut Burtscher, Umweltchemiker von GLOBAL 2000. Hormonell wirksame Pestizide stellen für die menschliche Gesundheit deshalb ein besonderes Risiko dar, weil hormonelle Effekte schon bei kleinsten Dosierungen auftreten.

Der Umweltmediziner Dr. Hanns Moshammer wiederum warnt vor Panikmache, sieht aber auch keinen Grund dem Mittel einen Persilschein auszustellen. Er schließt zwar eine unmittelbare Gefährdung aus, weist aber darauf hin, dass es wichtige Hinweise dafür gibt, dass das Mittel schädigende Einflüsse auf die Embryonalentwicklung habe und daher für schwangere Frauen nicht unbedenklich ist.

„Bio“ als sinnvolle Alternative?

Dass Bioprodukte das Problem lösen könnten wird von Global 2000 zumindest angedeutet. Fakt ist, dass in der Herstellung von Bioprodukten keine künstlichen Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden dürfen. Gewisse Rückstandsmengen können aber auch in/auf Bioprodukten nicht gänzlich ausgeschlossen werden.

„Es darf darüber spekuliert werden, ob der Bio-Anteil in Österreichs Landwirtschaft, der im europäischen Vergleich der höchste ist, zu dem Ergebnis beigetragen hat. Gesicherte Erkenntnisse, auf welchem Eintrittspfad dieses Pestizid in unseren Körper gelangt, gibt es bislang aber nicht. Dass Österreich mit dreißig Prozent belasteten Personen im besseren Drittel liegt, ist aber noch lange kein Anlass zur Freude, da Pestizide in unserem Körper grundsätzlich nichts verloren haben.“, analysiert Heidemarie Porstner, Landwirtschaftssprecherin von GLOBAL 2000.

Die Umweltorganisation fordert daher einen österreichweiten Zulassungs-Stopp für Glyphosat für die Landwirtschaft, den öffentlichen Raum und den Hausgarten. Eine Forderung, die für Umweltmediziner Dr. Moshammer keine Priorität hat, denn er sieht eine ungleich größeres Gefahrenpotenzial in Pestiziden, die zur Vernichtung von Insekten eingesetzt werden. Und das deshalb „… weil die meisten eingestzten Insektizide Nervengifte sind, die auch für den Menschen gefährlich sind.“

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Quellen:

Global 2000 (marktcheck.at)
AGES – Institut für Pflanzenschutzmittel Geschäftsfeld Ernährungssicherung

Linktipps:

– Gefährliche Lebensmittelverpackungen
– Lebensmittelkennzeichnung: über Inhaltsstoffe Bescheid wissen
– gesund.co.at sponsert Lebensmittelretter foodsharing.at
– Geschmacksverstärker: unnötig und nicht ganz ungefährlich
– Alte Getreidesorten