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Wie sinnvoll sind Nahrungsergänzungsmittel?

Wie sinnvoll sind Nahrungsergänzungsmittel?

Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll

Nahrungsergänzungsmittel sind beliebt wie nie – der Markt boomt! Aminosäuren sollen bei der Gewichtsreduktion helfen, Biotin für einen strahlenden Teint sorgen. Doch laut Wissenschaftler scheinen die Wunderpillen überhaupt keine positiven Gesundheitseffekte zu besitzen – eher im Gegenteil. Was Nahrungsergänzungsmittel können und was nicht, hier die aktuelle Bestandsaufnahme.



Zwei Drittel der Österreicher greifen hin und wieder zu Nahrungsergänzungsmittel und Glauben, damit Ihre Gesundheit etwas Gutes tun. Die Wunderpillen sollen uns angeblich leistungsstärker, schöner und gesünder machen – so das Versprechen der Hersteller.

Doch was viele nicht wissen, laut Experten besteht für den größten Teil der Bevölkerung überhaupt kein Grund für die Einnahme zusätzlicher Vitaminpräparate. „Wer sich abwechslungsreich ernährt und sich in keiner besonderen Lebenssituation befindet, braucht keine Nahrungsergänzungsmittel“, erklärt der Mikrobiologe Bodo Speckmann vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam.

Zudem kommen immer mehr Studien zum Ergebnis, dass Nahrungsergänzungsmittel alles andere als gesund sind und in einigen Fällen sogar schädlich sein können.


Risiko für unsere Gesundheit?

Forscher an der Universität in Kopenhagen fanden in einer groß angelegten Vitaminstudie heraus, dass einige Vitamine, vor allem die Vitamine C, E und Beta-Carotin, die eigentlich als stark antioxidativ gelten, freie Radikale beim Angriff auf unsere Körperzellen unterstützen können.

Die dänischen Forscher untersuchten dazu die Ergebnisse von 68 Vitaminstudien mit über 230.000 Teilnehmern. In der 2008 veröffentlichten Metaanalyse kamen Sie zum Schluss, dass die Einnahme antioxidativer Vitamine, das Sterberisiko erhöht!

In anderen Untersuchungen wurden Beta-Carotin und Vitamin E wiederum mit einem erhöhten Lungen- und Prostatakrebsrisiko in Zusammenhang gebracht.

Eine weitere schwedische Studie kam zum Ergebnis, dass Frauen die Multivitaminpräparate und Eisenpräparate über eine längere Zeit einnahmen, eine erhöhte Sterberate sowie ein erhöhtes Brustkrebsrisiko aufwiesen.


Überdosierung mit gefährlichen Nebenwirkungen?

Zudem sind viele Supplemente in hoch dosierter Form erhältlich und übersteigen oft das Vier- bis Fünffache der empfohlenen Tagesdosis.

Das kann besonders gefährlich bei den fettlöslichen Vitaminen A, D, E, und K sein, da diese nicht wie die wasserlöslichen Vitamine rasch über die Niere ausgeschieden, sondern im Körper gespeichert werden und zu lebensgefährlichen Vergiftungserscheinungen führen können.

Nahrungsergänzungsmittel – völliger Unsinn?

Ein gesunder Mensch braucht in unseren Breiten keine Nahrungsergänzungsmittel. Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht gibt es keine generelle Empfehlung zur Supplementierung, da der überwiegende Teil angebotener Substanzen noch nicht eingehend auf sein gesundheitsförderndes Potential untersucht worden ist.¹

Vor allem weisen Ernährungsexperten aber daraufhin, dass selbst wenn die positiven Aspekte einer Zufuhr von Nahrungsergänzungsmittel abgesichert sind, diese eine verantwortungsbewusste Ernährungsweise bestenfalls ergänzen, aber niemals ersetzen kann. Doch genau das erhoffen sich, Umfragen zufolge, aber viele Konsumenten.
Wirklich sinnvoll ist die Extraportion an Vitaminen, Spurenelmenten & Co. nur unter bestimmten Lebensumständen und für spezielle Risikogruppen.

Für folgende Personengruppen können Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll sein.

• Schwangere und Stillende
• Leistungssportler
• Ältere Menschen
• Chronisch Kranke
• Kinder und Jugendliche (bei einseitiger Ernährung)
• Veganer


Nahrungsergänzungsmittel für Schwangere

Während der Schwangerschaft oder Stillzeit hat der Körper einen erhöhten Energiebedarf und benötigt mehr Vitamine und Mineralstoffe als sonst. Es besteht vor allem ein Mehrbedarf an Folsäure, Calcium, Magnesium, Jod und Eisen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt die zusätzliche Einnahme von Omega-3-Fettsäuren. Zudem kann die Einnahme sogenannter „Kombi-Präparate“ (z.B. Jod-Folio-Kapseln) sinnvoll sein.


Nahrungsergänzungsmittel für Sportler

Auch für Leistungssportler, mit einem zusätzlichen Energieverbrauch von mindestens 2.000 kcal pro Woche, können Nahrungsergänzungsmittel eine sinnvolle Ergänzung zur täglichen Ernährung sein.

Kritische Nährstoffe sind hier insbesondere die Vitamine der B-Gruppe sowie die Mineralstoffe Jod, Zink und Eisen, die über den Schweiß ausgeschieden werden.

Achtung: Viele Kraftsportler greifen regelmäßig zu Eiweißkonzentraten, die den Muskelaufbau fördern sollen. Doch ein Zusammenhang zwischen erhöhter körperlicher Aktivität und erhöhtem Proteinbedarf besteht laut DGE nicht. Eine ausgewogene Ernährung (mit durchschnittlich 100 Gramm Eiweiß pro Tag) deckt den Eiweißbedarf von Sportlern vollkommen ab. Eine regelmäßige zusätzliche Proteinzufuhr (mehr als 2 g Eiweiß pro kg Körpergewicht) kann hingegen die Nieren belasten!


Nahrungsergänzungsmittel für ältere Menschen

Probleme beim Kauen oder Schlucken, Appetitlosigkeit oder eine sehr einseitige Ernährung, sind einige der häufigsten Gründe, warum ältere Menschen manchmal mit essenziellen Nährstoffen unterversorgt sind.

Viele nehmen täglich nur noch 1.000-1.500 kcal zu sich! Zudem haben ältere Menschen einen Mehrbedarf an Vitamin A, B-Vitaminen, D, E und Folsäure.
Häufig wird bei Senioren auch ein Mangel an Vitamin B12 festgestellt. Der Grund dafür ist, dass durch Magen-Darm-Erkrankungen oder auch durch Medikamenteneinnahme die Aufnahme des Vitamins B12 gehemmt wird.

Nahrungsergänzungsmittel für chronisch Kranke

Menschen, die regelmäßig Medikamente einnehmen müssen (z. B. Schmerzmittel, Antibiotika, Östrogene) und vor allem Menschen mit chronischen Erkrankungen (z. B. Magen-Darm-Erkrankungen, Diabetes mellitus, chronische Dialyse, Krebserkrankungen, rheumatische Erkrankungen und Lebererkrankungen), können unter Umständen mehr essenzielle Nährstoffe benötigen, als mit der üblichen Ernährung aufgenommen wird.


Nahrungsergänzungsmittel für Kinder

Bei Kindern und Jugendlichen tritt häufig das Problem auf, dass sie zu wenig oder sehr einseitig (z. B. nur wenig Obst und Gemüse oder kein Fleisch) essen. Da Kinder und Jugendliche einen höheren Nährstoffbedarf als Erwachsene haben, kann eine zusätzliche Supplementierung vorübergehend die Versorgung unterstützen.

Vorsicht ist in diesem Zusammenhang auch bei Diäten geboten! Denn mit der Verkleinerung der Portionen wird automatisch die Zufuhr von Vitaminen und Mineralstoffen gesenkt.


Nahrungsergänzungsmittel für Veganer

Wenn die Ernährung von der üblichen Mischkost (besteht in der Regel aus Lebensmitteln wie Vollkornprodukten, Obst, Gemüse, Milchprodukten, Fisch und Fleisch) abweicht, kann eine Unterversorgung oder Mangel mit Vitaminen und Mineralstoffen auftreten.

Da es bei Veganern, die auf sämtliche tierische Produkte in ihrem Speiseplan verzichten, öfters zu einem Vitalstoffmangel kommt, rät der deutsche Veganer- und Vegetarierbund (VEBU) zur Einnahme von Zusatzpräparaten. Als kritische Nährstoffe für Veganer gelten vor allem Vitamin D, B12, B2, B6, Kalzium, Eisen, Zink und Jod.
Zudem warnt die DGE vor einer rein veganen Ernährung bei Kindern in den ersten Lebensjahren, da sie das Risiko für neurologische Störungen und Entwicklungsverzögerungen erhöht.

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Quellen:

¹ Nahrungsergänzungsmittel – Marktsituation in Österreich I. Kiefer, T. Rathmanner, M. Kunze
² 1. Hahn A, Wolters M. Nahrungsergänzungsmittel – eine Bestandsaufnahme. Erno 2000; 1: 167–75.

Linktipps:

– Mineralstoffe und Spurenelemente von E wie Eisen bis Z wie Zink
– Die besten Ernährungstipps für Sportler
– Eiweiß – das A und O für einen gesunden Körper
– Eiweißpulver – Was bringt das eigentlich?