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Was tun gegen Gallensteine und woher kommen sie?

Was tun gegen Gallensteine und woher kommen sie?

Was tun gegen Gallensteine?

Oft treten bei Gallensteinen lange Zeit keine Beschwerden auf, erst wenn sie sich verklemmen und den Abfluss der Galle behindern, kommt es zu Entzündungen und heftigen Koliken. Krampfartige Schmerzen im rechten Oberbauch, die in den Rücken und die rechte Schulter ausstrahlen sind oftmals ein Zeichen für ein Gallensteinleiden. Besonders Frauen besitzen ein erhöhtes Risiko an Gallensteinen zu erkranken. Aber auch Übergewicht und genetische Aspekte erhöhen das Risiko. Doch was tun gegen Gallensteine? Prof. Dr. Albert Tuchmann, Primarius der Chirurgischen Abteilung des SMZ Floridsdorf der Stadt Wien, gibt Auskunft über Diagnose, moderne Therapieformen und Möglichkieten zur Vorbeugung von Gallenleiden.



Wenn von der „Galle“ die Rede ist, ist üblicherweise entweder die Gallenflüssigkeit oder die Gallenblase gemeint. Erstere wird von der Leber gebildet und ist für den Körper während der Verdauungsphasen notwendig. Die Gallenblase wiederum fungiert als Speicherorgan für die Gallenflüssigkeit für Zeiten des vermehrten Bedarfes, da die Leber mehr Gallensaft produziert als üblicherweise notwendig. Hier wird der Gallenflüssigkeit Wasser entzogen und dabei auf etwa 10 % ihres Volumens eingedickt wordurch sie auch die typische Grünfärbung erhält.


Gallebeschwerden

Gallebeschwerden (asymptomatische Gallensteine, Gallenkoliken, chronische Gallenblasenentzündung, Gallengangsentzündung) äußern sich in Form von krampfartigen Schmerzen im rechten Oberbauch, in den Rücken und die rechte Schulter ausstrahlend. Manchmal bestehen Schmerzen in der Magengrube oder unspezifische Oberbauchschmerzen. Die sogenannte Gallenkolik (krampfartige Schmerzen im rechten Oberbauch mit Ausstrahlung, siehe oben) dauert meist nur wenige Minuten. Besteht ein Dauerschmerz über mehrere Stunden sowie ein druckempfindlicher rechter Oberbauch, eventuell auch Fieber, so kann man von einer Gallenblasenentzündung ausgehen.

Hervorgerufen wird die Situation meist durch einen Stein, der sich am Gallenblasenausgang festsetzt und die Entleerung behindert. Durch die daraus resultierende Überdehnung wird die Gallenblasenwand schlechter durchblutet, wodurch Bakterien auf die Gallenblasenwand einwirken können. Der Rückstau der Galle in die Leber kann Zeichen einer Gelbsucht bewirken mit Gelbfärbung der Haut, der Skleren und Dunkelfärbung des Urins. Dagegen äußert sich die fehlende Galle im Stuhl durch Entfärbung (zementgrau).

Rund 15% der weiblichen Bevölkerung und etwa 8% der Männer haben Gallensteine.


Therapie & Behandlung

Gallensteinleiden werden – durch Entfernung der Gallenblase – nach wie vor haupsächlich operativ behandelt. Doch die Beeinträchtigung des Patienten ist durch die technische Entwicklung stark minimiert worden. Mittels laparoskopischem Eingriff (die sogenannte „Schlüssellochchirurgie“) kann der Operationszugang stark verkleinert werden, wodurch die chirurgische Therapie mittlerweile als minimal invasiver Eingriff gilt.

Seit 23 Jahren steht in Österreich die minimal invasive Chirurgie (laparoskopische Chirurgie) des Gallensteinleidens zur Verfügung. Durch diese bereits jahrzehntelange Erfahrung können mehr als 90% der Gallenblasenoperationen minimal invasiv angeboten werden. Das Risiko nicht laparoskopisch operiert werden zu können („Umstieg auf die offene Operation“) steigt mit dem Entzündungsgrad der Gallenblase: So werden 98 bis 100% der laparoskopisch begonnenen Gallenblasenoperationen im entzündungsfreien oder -armen Stadium auch laparoskopisch beendet. Bei schwerer Entzündung oder Verwachsung (Verschwartung) nach durchgemachter Entzündung im Bereich der Gallenblase kann die Umstiegsrate auf die offene Operation 10 bis 20% betragen. Beim Gallenblasencarcinom (etwa 1% aller Gallensteinträger) wird immer offen operiert.

Alternativen wie Gallensteinzertrümmerung mit Schallwellen sowie Gallensteinauflösung werden wegen schlechter Langzeitergebnisse nicht mehr angeboten. Bei wenigen PatientInnen, bei denen eine Operation aus allgemeinen Gründen nicht in Frage kommt, steht bei Entzündung der Gallenblase auch eine Antibiotikatherapie zur Verfügung.

Gallensteinerkrankungen gehören (gemeinsam mit den Leistenbrüchen) zu den häufigsten Operationen in der Chirurgie. Daraus geht hervor, dass ChirurgInnen durch die tägliche Konfrontation mit dieser Krankheit, sowohl in Diagnostik als auch Therapie (Operation) besonders gut bescheid wissen. Die Beratung, wann und wie (Operation überhaupt?, minimal invasiv, SILS, NOTES, usw.) behandelt werden soll, wird im Gespräch mündiger PatientIn – kompetenter ArztIn entschieden.


Was tun gegen Gallensteine?

Im Gespräch mit Prof. Dr. Albert Tuchmann, Primarius der Chirurgischen Abteilung des SMZ Floridsdorf der Stadt Wien und Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Chirurgie (ÖGC), klärten wir die Möglichkeiten der Behandlung und die Funktionsweisen der Therapieformen ab.

Kann man hinsichtlich des Gallensteinleidens vorsorgen?

Prof. Dr.Tuchmann: Grundsätzlich ist jedem Menschen eine gesunde Ernährung anzuraten. Andererseits weiß man, dass weder „schlecht Essen“ noch Übergewicht oder Fettsucht zwangsläufig zum Gallensteinleiden führen. Als Ursache des Gallensteinleidens wird vielfach eine Mobilitätsstörung (Beweglichkeitsstörung) der Gallenblase angesehen. Ein diesbezügliches Eingreifen der Medizin zur Verhinderung der Steinentstehung ist bis dato nicht bekannt. Gallensteine treten genauso bei jungen und/oder sportlichen Menschen auf. Eine generelle Prophylaxe ist nicht möglich.

Kann man Gallensteine feststellen, bevor sie noch Beschwerden machen? Was ist dann zu tun? 


Prof. Dr.Tuchmann: Eine einfache schmerzlose Ultraschalluntersuchung, die jedes Röntgeninstitut macht, kann Aufschluss geben, ob ein Mensch Gallensteine hat oder nicht. Die Treffsicherheit der Ultraschalluntersuchung liegt bei 95%. Ein Gallensteinleiden ohne Beschwerden (asymptomatisches Gallensteinleiden) kann nach den Regeln der Schulmedizin nur beobachtet werden. Lediglich beim Diabetiker ist eine prophylaktische Operation angezeigt wegen der größeren Neigung zur Gallenblasenentzündung. Bei allen anderen Patienten entscheidet das Gespräch Patient-ChirurgIn, ob nicht doch prophylaktisch operiert werden kann: Gerade Menschen, die viel reisen, stellen die Frage nach einer prophylaktischen Operation.

Das Risiko bei asymptomatischem Gallensteinleiden doch Beschwerden zu bekommen, liegt bei 3% pro Jahr. Das Risiko einer laparoskopischen Gallenblasenoperation (Cholecystektomie) beim nicht komplizierten Gallensteinleiden, d.h. bei „leicht durchführbarer“ Operation liegt weit unter 1%. Das ist in jedem Fall individuell abzuwägen. Die Entscheidung wird im Gespräch mündiger Patient-kompetenter Arzt getroffen!

Soll nach einmaliger Gallenkolik bereits operiert werden?

Prof. Dr.Tuchmann: Es soll operiert werden, da man aus Statistiken weiß, dass sich die Beschwerden wiederholen und auch Komplikationen dazu kommen, wie Gallenblasentzündung, Ausdehnung des Gallensteinleidens auf den Gallengang (Choledocholithiasis), Gallengangsverschluss mit Gelbsucht (Ikterus), Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) und Gallenblasenkrebs, zwar nur zu 1%, aber nur bei Gallensteinträgern vorkommend.

Zusammenfassend ist die hohe Wahrscheinlichkeit der Komplikation eines einfachen Gallensteinleidens der Grund, warum der Chirurg/Chirurgin bereits nach einmaliger Kolik zur Operation rät.

Wie funktioniert die Operation?

Prof. Dr.Tuchmann: Die Operation erfolgt immer in Vollnarkose(Allgemeinanästhesie) und grundsätzlich laparoskopisch: Dazu muss über eine spezielle Sicherheitsnadel Gas in die Bauchhöhle eingebracht werden, damit sich die Bauchdecke von den Eingeweiden abhebt. Als nächster Schritt werden vier jeweils 5 bis 12 mm dicke Sonden in die Bauchhöhle eingebracht. Durch eine Sonde, meist am Nabel, wird eine Optik eingeführt. Diese Optik ist mit einer Kamera verbunden, die somit eine Fernsehdirektübertragung aus der Bauchhöhle auf einen Bildschirm ermöglicht. Durch die anderen Hohlsonden werden Instrumente eingeführt, mit denen der Operateur an der Gallenblase (und genauso an anderen Organen) operieren kann. Durch die große Erfahrung an vielen chirurgischen Abteilungen in Österreich ist diese Operation sehr sicher. Der Operateur sieht das Operationsfeld zwar nur zweidimensional (also kein plastisches Sehen), dafür aber in Farbe und in Vergrößerung.

In letzter Zeit wurden zahlreiche Möglichkeiten gefunden, die Operation noch weniger invasiv also noch weniger traumatisierend zu gestalten: Einerseits durch Reduktion der Zugänge (der eingeführten Sonden) von vier auf drei, weiters durch Reduktion der Sondendicke von 12 bzw. 5 mm auf 5 bzw. 3 oder 2 mm. Andererseits wurde die SILS-Technik (Single Incision) in die laparoskopische Chirurgie eingeführt: Dabei wird nur ein operativer Zugang am Nabel gewählt, durch den sämtliche Instrumente zur Operation in die Bauchhöhle eingebracht werden. Auch die NOTES-Technik wird gelegentlich verwendet: Der operative Zugang wird durch den Magen oder durch die Scheide gewählt, um jegliche sichtbare Narbe am Bauch zu verhindern. In allen Operationstechniken gibt es in Österreich auch reichlich Erfahrung.

Zusammenfassend kann Ihnen nur der Chirurg/Chirurgin ihres Vertrauens Auskunft geben, welche minimal invasive Technik für den Patienten/Patientin am besten ist! Oberstes Gebot in der Chirurgie ist, nicht zu schaden („Nil nocere“).

Nach laparoskopischer Gallenblasenoperation (Cholecystektomie) bleiben Patienten in der Regel 1-3 Tage im Spital. Der postoperative Verlauf ist schmerzarm bis schmerzlos. Nach weiteren 2-3 Tagen ist leichte berufliche Tätigkeit möglich. Sportliche Betätigung kann nach 8-10 Tagen begonnen werden.

Kann man ohne Gallenblase normal leben?

Prof. Dr.Tuchmann: Die Gallenblase dient zur Sammlung und Eindickung der Galle (=eine Flüssigkeit, die von der Leber produziert wird). Im Falle einer operativen Gallenblasenentfernung übernimmt der Gallengang die Funktion des Galletransportes in den Dünndarm, wo Galle zur Verdauung (von Fett) benötigt wird. Nach laparoskopischer Cholecystektomie ist ein vollkommen normales Leben möglich. Eine spezielle Diät ist daher nicht sinnvoll und wird auch nicht empfohlen.

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Linktipps:

– Gallenblase und Galle | Medizinlexikon
– Gallenblase | Körperatlas
– Die Leber – Aufbau, Funktion und Erkrankungen
– Gesundenuntersuchung

Kave Atefie





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