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Pearl Index – Was ist das?

Pearl Index – Was ist das?

Was ist der Pearl Index?

Ungeplante Schwangerschaft – ein Thema, das alle Frauen dieser Welt seit Menschengedenken beschäftigt. Die wichtigste Fragen in diesem Zusammenhang: welche Verhütungsmethoden gibt es, wie sicher und praktikabel sind diese, und welche Methode passt zu wem? Genau auf diese Fragen gibt der Pearl Index Antwort. Als Maß für die Sicherheit und Zuverlässigkeit der verschiedenen Verhütungsmethoden (Pille, Kondom, Verhütungspflaster, Spirale & Co) hilft er bei der Wahl des richtigen Verhütungsmittels.



Was ist der Pearl Index

Der Pearl-Index ist nach dem amerikanischen Biologen Raymond Pearl (1879–1940) benannt. Pearl war theoretischer Biologe und Genetiker sowie Mitbegründer der medizinischen Statistik. Der nach ihm benannte Pearl Index gibt an, wie hoch der Anteil sexuell aktiver Frauen ist, die trotz Verwendung einer bestimmten Verhütungsmethode innerhalb eines Jahres schwanger werden. Dabei gilt: je niedriger der Pearl-Index desto sicherer ist die Methode.

Um die Aussagekraft des Pearl Index einschätzen zu können ist es wichtig sich entsprechende Referenzwerte bewusst zu machen. Der wichtigste Referenzwert ist die durchnittliche Fruchtbarkeitsrate innerhalb eines Jahres ohne Verhütungsmittel. So beträgt bei regelmäßigem, ungeschütztem Geschlechtsverkehr ohne jegliche Form der Empfängnisverhütung der Pearl-Index bei 20 jährigen Frauen 85, er sinkt dann kontinuierlich bis zum Einsetzen der Menopause auf 0 ab. Anders gesagt: Wenn einhundert 20-jährige Frauen ein Jahr lang (= 1.200 Monate) kein Mittel zur Verhütung an, so sind nach Ende des Jahres 85 Schwangerschaften zu erwarten.

Ein Pearl-Index von 2 gibt hingegen an, dass von 100 Frauen, die mit einer bestimmten Methode ein Jahr lang verhüten, nur 2 schwanger werden.

Pearl-Index der wichtigsten Verhütungsmethoden

Sehen wir uns den Pearl Index der einzelnen Verhütungsmethoden an, so lässt sich Interessantes feststellen. Zunächst: 100%ige Sicherheit gibt es nicht. Aber es macht für die individuelle Familienplanung schon einen Unterschied, ob mit einer Methode mit einem Pearl Index von 0,05 oder 27 verhütet wird. Zudem gibt es wie bei jeder Statistik eine gewisse Unschärfe, weshalb bei seriösen Studien auch immer ein ‚von – bis‘ Wert angegeben wird. In dieser Unschärfe ist auch die Diskrepanz zwischen theoretischem Indexwert bei fehlerfreiem Gebrauch und praktischem Wert bei typischem Gebrauch mitberücksichtigt. Anders ausgedrückt: wenn mit Kondom verhütet wird und sichergestellt ist, dass immer eine absolut sachgemäße Anwendung stattfindet, erzielt man ‚theoretisch‘ einen Pearl Index von 2; bei der praktischen Anwendung eines Kondoms wird hingegen nur mehr ein Pearl Index von 15 erreicht.

Weiters zu beachten: manche Methoden werden jedes Mal aufs neue angewendet (z.B Verhütungszäpfchen oder Kondom), manche unterliegen einem Monatsrythmus (Pille, Verhütungsring, Verhütungspflaster) manche wirken 3 Monate (Monatsspritze) und andere über Jahre (Kupferspirale, Hormonspirale, Hormonzäpfchen). Auch diesen zeitlichen Faktor muss man bei der Beurteilung des Pearl Index im Hinterkopf haben. Schliesslich ist die ‚Fehlerhäufigkeit‘ bei Methoden, die immer wieder ’neu‘ angewendet werden bzw. an die man täglich denken muss, wie z.B an die Pille eine höhere als bei Methoden, die gleich 3-5 Jahre Empfängnisschutz versprechen.

Die wichtigsten Verhütungsmethoden und ihr Pearl Index

Anbei die diversen Methoden zur Familienplanung und ihr jeweiliger Pearl-Index – von A wie Antibabypille bis Z wie Zäpfchen. Zur Erinnerung: je niedriger der Wert des Pearl-Index, desto sicherer die Verhütungsmethode.

  • Verhütungsstäbchen: Pearl Index: 0,05 – 0,08
  • Antibabypille: Pearl Index: 0,1 – 0,9
  • Hormonspirale: Pearl-Index 0,2
  • Dreimonatsspritze: Pearl-Index 0,3-3
  • Verhütungspflaster: Pearl-Index 0,3-8
  • Verhütungsring: Pearl-Index 0,3-8
  • Kupferspirale: Pearl-Index 0,9-3,0
  • Diaphragma: Pearl-Index 1-20
  • Kondom: Pearl-Index 2-15
  • Zäpfchen/Gel/Cremes/Tablette: Pearl Index 3-29
  • Temperaturmethode: Pearl Index: 3,8-20
  • Verhütungsschwamm: Pearl Index 5-10
  • Coitus Interruptus: Pearl Index 5-27

Zu den sichersten Verhütungsmethoden zählen also die Pille, die Hormonspirale, Verhütungsstäbchen, die Dreimonatsspritze, das Verhütungspflaster und der Verhütungsring.

Endgültige Verhütungsmethoden

Wer aus welchen Gründen auch immer sicher ist, keine Kinder (mehr) bekommen zu wollen, für den ist die sicherste Methode der Empfängnisverhütung die Sterilsation: Bei der Sterilisation des Mannes, auch Vasektomie genannt, wird der Samenleiter unterbrochen. Kinderwunsch sollte aber defintiv keiner mehr bestehen, denn diese Art der Sterilisation ist nicht immer umkehrbar. Dafür gilt ein Pearl Index von 0,1 bis 0,2. Bei der Sterilisation der Frau (Pearl Index 0,2 – 0,5) werden die Eileiter verschlossen oder seltener auch teilweise oder komplett entfernt. Dadurch können Ei- und Samenzellen die Eileiter nicht mehr passieren, wodurch keine Befruchtung möglich ist. Die Sterilisation der Frau ist unumkehrbar, weshalb Frauen bestimmte Kriterien erfüllen müssen um die Operation tatsächlich in Anspruch nehmen zu können.

Fazit: je niedriger der Wert des Pearl Index und je enger die ‚von-bis‘ Spanne, desto sicherer ist die Empfängnisverhütungsmethode. Die sichersten Methoden, die Sterilisation entweder des Mannes oder der Frau, sind allerdings auch jene, die meist nicht mehr rückgängig gemacht werden können. Der Pearl Index kann also immer nur ein Richtwert sein – letztlich entscheiden, welche Methode aufgrund der eigenen Lebensumstände die Richtige ist, muss jeder für sich alleine.

Wer allerdings auf Nummer sicher gehen will, dem steht es noch immer offen zwei Verhütungsmethoden zu kombinieren (z.B Antibabypille und Kondom). Gerade bei Unregelmässigkeiten bei der Pilleneinnahme ist dies jedenfals zu empfehlen um den Wert des Pearl Index zu minimieren und ‚ganz sicher‘ zu sein.

[abo]

Linktipps:

– Das richtige Verhütungsmittel
– Wirksamkeit Pearl Index
– Pearl Index Tabelle
– Sterilisation zwecks Empfängnisverhütung