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Was ist chronische Migräne?

Was ist chronische Migräne?

Was ist chronische Migräne?

Migräne ist eine der häufigsten Erkrankungen der Welt. In Österreich leiden ca. 10 bis 15 Prozent der Bevölkerung daran. Wenn die Kopfschmerzen in verschieden großen Abständen auftreten, spricht man von episodischer Migräne, die sich jedoch ohne erkennbaren Grund oder auch durch bestimmte Risikofaktoren zu einem chronischen Leiden entwickeln kann. Chronische Migräne ist nicht bloß regelmäßig wiederkehrender Kopfschmerz, die Betroffenen leiden unter schlimmsten Schmerzzuständen. Wir haben mit dem Leiter der Kopfschmerzambulanz über die Behandlungsmöglichkeiten gesprochen.




Was ist Chronische Migräne?

Chronische Migräne ist eine neurologische Erkrankung bei der Betroffene in regelmäßigen Abständen und großer Häufigkeit unter ausgeprägten Kopfschmerzen leiden. Nach gängiger Definition treten die Symtome in einem Zeitraum von mindestens drei Monaten an 15 Tagen pro Monat (oder häufiger) auf. Die chronische Migräne schränkt Betroffene in ihrem Alltag enorm ein. Diese Einschränkungen finden sich sowohl im beruflichen Umfeld, einhergehend mit Leistungseinbußen oder Arbeitsausfällen, als auch im Privatleben. Vor allem Frauen im Alter zwischen 18 und 49 Jahren sind betroffen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zählt Migräne zu den am schwersten behindernden Erkrankungen des Menschen.

Über Symptome, Entstehung und Risikofaktoren von Migräne sprechen Assoc. Prof. Priv. Dr. Gregor Brössner, Präsident ÖKSG Universitätsklinik für Neurologie, Medizinische Universität Innsbruck, Univ. Prof. Dr. Thomas Sycha, Leiter der Ambulanz für Botulinumtoxinbehandlungen, Universitätsklinik für Neurologie, AKH Wien und Univ. Prof. Dr. Christian Wöber, Leiter der Kopfschmerzambulanz, Universitätsklinik für Neurologie, AKH Wien.

Chronische Migräne – Interview mit Prof. Prof. Dr. Christian Wöber & Kollegen

 

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Eine Vielfalt von Behandlungsmöglichkeiten

Betroffene sind enorm in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt. Entsprechend der diversen möglichen Auslöser der Schmerzen, wird neben der Verabreichung von Medikamenten auch eine nicht medikamentöse Vorbeugung empfohlen, die aus physischen, mentalen und psychischen Maßnahmen bestehen kann. Aktuelle Studien zweifeln die Effizienz der häufig ärztlich verordneten Lichtvermeidung bei chronischer Migräne an. Anstelle Licht zu entfliehen, was die Empfindlichkeit der PatientInnen sogar erhöhen könnte, wird die Desensibilisierung gegenüber Lichtreizen erforscht.

Chronische Migräne – Interview mit Assoc. Prof. Priv. Dr. Gregor Brössner, Univ. Prof. Dr. Thomas Sycha und Univ. Prof. Dr. Christian Wöber und einer Patientin

Dr. Sycha: Migräne ist eine primäre Kopfschmerzform. Dabei handelt es sich um einen Kopfschmerz, der keine erkennbare Ursache im Gehirn hat, aber sehr unangenehm ist. Eine Migräne ist symptomatisch dadurch charakterisiert, dass es ein zumeist einseitiger und pulsierender Kopfschmerz ist, der sich bei Bewegung verstärkt und zu vegetativen Symptomen wie Übelkeit, Lichtempfindlichkeit, Lärmempfindlichkeit und Erbrechen führen kann. Die Patienten, die an einer Migräneattacke leiden, müssen häufig im Bett liegen, brauchen ein abgedunkeltes Zimmer und sind nicht einsatzfähig.

Patientin: Im Grunde merke ich relativ bald in der Früh, dass Kopfschmerzen kommen. Meist sind sie abwechselnd einseitig links oder rechts. Es kann aber durchaus auch die ganze Stirn betroffen sein. Es handelt sich am Anfang um einen leichten Druck und innerhalb vier bis fünf, manchmal auch acht Stunden, wird der Schmerz einfach heftiger. Die Intensität kann sich dann entweder so steigern, dass ich gar nichts mehr machen kann außer zu liegen oder ich mich relativ oft zu übergeben, was mir jedoch nur noch relativ selten passiert. Oder der Schmerz erreicht eine gewisse Intensität, die beherrschbar ist und ich kann den Tag so ablaufen lassen, wie ich es eigentlich geplant habe.

Anmerkung: Noch stärker als bei der episodischen Migräne, fällt diese Beeinträchtigung im Alltag bei der chronischen Migräne aus.

Dr. Brössner: Typischerweise ist es so, dass PatientInnen, die eine episodische Migräne erleben danach eine Phase ohne Kopfschmerzen haben und dann wieder Schmerzen bekommen. Irgendwann gibt es einen Punkt, wo die Kopfschmerzen immer mehr werden. Jene Tage an denen der Kopfschmerz stattfindet, werden immer mehr und Tage pro Monat ohne Schmerzen werden immer weniger. Irgendwann erreicht man man einen Punkt, wo an mehr als der Hälfte der Tage Kopfschmerzen vorhanden sind. Ab dann spricht man von einer chronischen Migräne.

Anmerkung: Die Unwissenheit über die Ernsthaftigkeit der Krankheit findet sich sowohl in der Berufswelt als auch im privaten Umfeld wieder. Betroffenen wird der Umgang mit ihrem Leiden dadurch zusätzlich erschwert.

Dr. Brössner: Die Patienten haben in der Regel eine Migräne, die irgendwann immer mehr wird. Es gibt aber Risikofaktoren, die dieses Mehrwerden begünstigen können. Diese sind in vielen Fällen noch unentdeckt, aber es gibt Hinweise darauf, dass Übergewicht, übermäßige Einnahmen von Schmerzmitteln und psychische Faktoren wie zum Beispiel Depression eine wichtige Rolle spielen. Auch zu häufiger Koffeingenuss, aber auch übermäßige Stressbelastung in der Familie oder am Arbeitsplatz begünstigen die Chronifizierung, also die Zunahme der Schmerzhäufigkeit.

Dr. Wöber: Das interessante Phänomen ist, dass alle zur Verfügung stehenden Kopfschmerzmedikamente bei zu häufiger Anwendung, also an zehn oder mehr Tagen im Monat, Kopfschmerzen verschlimmern. Kopfschmerzen treten noch häufiger auf, werden dann wieder mit einem Schmerzmedikament behandelt und so entsteht ein Teufelskreis.

Anmerkung: Menschen, die an Migräne leiden wenden sich oft viel zu lange nicht an einen Arzt und glauben ihre Attacken durchstehen zu müssen. Eine nicht behandelte episodische Migräne hat ein erhöhtes Risiko sich zu einer chronischen Migräne zu entwickeln.

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Quellen:

¹ Lichtvermeidung bei Migräne
² Kopfschmerzambulanz der Univ.-Klinik für Neurologie MedUni Wien | AKH

Linktipps:

– Migräne | Krankheitslexikon
– Diagnose: Chronische Migräne
– Wenn Kinder unter Migräne leiden
– Botox: Nervengift für die Schönheit?

Kave Atefie





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