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Warum rauchen wir eigentlich? Die Neurobiologie gibt Antworten …

Warum rauchen wir eigentlich? Die Neurobiologie gibt Antworten …

Warum rauchen wir?

Wie kann ein Mittel, dass der Körper nicht für das Überleben benötigt, den Verstand dazu nötigen es dennoch nahezu wie ein Grundbedürfnis zu behandeln? Und das obwohl alle die brutale Wahrheit kennen: Rauchen ist ungesund, teuer und lässt die Haut extrem rasch altern. Dennoch brauchen Raucher, die in eine Abhängigkeit verfallen sind, scheinbar Zigaretten täglich ebenso wie Nahrung, Wasser oder Schlaf. Die Neurobiologie bringt etwas Licht ins Dunkel und gibt Aufschlüsse zu Rauchverhalten und Nikotinabhängikeit.



Ein Tag ohne die regelmäßige Pause durch eine Zigarette ähnelt einer Qual und der Widerstand ist groß. Doch was genau lässt den Körper nach dem Nikotin flehen? Was verändert sich, dass der Körper plötzlich der Meinung ist, er brauche Nikotin nachdem er es einmal mit einer Regelmäßigkeit erfahren hat?


Was ist Neurobiologie?

Die Neurobiologie ist ein Teilgebiet der Biologie, das sich mit Aufbau und Funktion der Nerven und des Nervensystems befasst. Erforscht wird wie dabei Informationsverarbeitung abläuft, die hochkomplexen Abläufe beim Menschen sind im Detail allerdings nach wie vor weitgehend unklar. Die Neurobiologie untersucht aber auch die physiologischen Grundlagen des Lernens, der Wahrnehmung sowie aus der Psychologie bekannte Verhaltensweisen und Prozesse.

Im Fokus: das Verhalten von Menschen und was diese zu Handlungen bringt, die für andere irrational erscheinen. Ein unkontrollierter Gefühlsausbruch, ein Angstzustand oder ein plötzlich aufkommendes physiologisch nicht erklärbares Unwohlsein. Im Bereich der Suchtverhalten liegt der neurobiologische Schwerpunkt eindeutig bei der Gehirnforschung.

Vereinfacht gesprochen gilt folgende Grundannahme: jedes Verhalten, jede Reaktion, jedes Handeln und auch jedes Gefühl im Gehirn entsteht und von dort auch gesteuert wird. Des Weiteren vertritt die Neurobiologie die Annahme, dass das Unterbewusstsein das ganze Leben im Detail abgespeichert hat.

Dazu gehören beispielsweise positive wie auch negative Erfahrungen und die Erziehung. Diese Faktoren nehmen Einfluss auf die Reaktion in Stresssituationen. Das Unterbewusstsein nimmt stets Einfluss auf das Verhalten von Menschen und färbt es mit Emotionen ein. Dabei wird die „Farbe“ der Emotion mit den hinterlegten Erfahrungen bestimmt. Menschen erinnern sich an viele Dinge aus ihrem Leben nicht mehr, zumindest glauben sie das. Die Hirnforschung zieht hier allerdings völlig andere Schlüsse.


Das Gehirn gleicht einer Landkarte

Ein Gehirn kann mit einer Erinnerungs-Landkarte verglichen werden. Bildlich gesprochen trampeln Menschen während ihres Lebens Pfade in diese Landkarte.

Am besten lässt sich dies bei der Benutzung eines Computerprogramms verdeutlichen, das seit Jahren angewandt wird und bei dem der Umgang mit Leichtigkeit erfolgt. Mitarbeiter, die seit Jahren das herkömmliche Programm zur Erledigung Ihrer Aufgaben benutzen haben sich ihre individuelle Landkarte in ihr Gehirn „getrampelt“, da sie den Vorgang wieder und wieder durchgeführt haben und das Gehirn dafür eine Art Gewohnheit angelegt hat. Auch das ist ein natürlicher Prozess. Für neue Aufgaben benötigt das Gehirn volle Konzentration und bringt Energie für den Lernprozess auf. Sobald das Handeln vermehrt erfolgt, beginnt das Gehirn eine Routine dafür festzulegen.

Sobald die Routine entstanden ist, kann der Prozess erfolgen, ohne Energie oder Konzentration im früheren Maße zu benötigen. Demnach liebt das Gehirn Routine. Der Schalthebel beim Autofahren wird mit einer Selbstverständlichkeit bedient. Bei den ersten Fahrstunden hat genau diese Aufgabe noch eine erhöhte Konzentration abverlangt. Das Computerprogramm wird nach einer Einführungsphase mit schnellen klicken bedient und Aufgaben können erledigt werden. Dieser Vorgang im Gehirn ist überlebenswichtig.

Das Gehirn muss in der Lage sein Prioritäten zu setzen. Würde das nicht der Fall sein, könnte ein Mensch nicht lange überleben. Er würde alle Geräusche, alles Gesagte sowie alle Reize um sich herum bewusst wahrnehmen und müsste allen Ereignissen gleichzeitig und gleich viel Aufmerksamkeit widmen. Das ist neurobiologisch nicht möglich. Aus diesem Grund ist das Gehirn in der Lage Prioritäten zu setzen.

Doch was passiert, wenn die bevorzugte Routine im Gehirn gestört wird, indem umgelernt werden muss?

Bleiben wir bei unserem Beispiel: ein neues Computerprogramm wird nun eingekauft, dass aufgrund der modernen Welt neu erlernt werden muss, weil es Abläufe drastisch beschleunigt und Zeit erspart. Aufgrund der Vorliebe des Gehirns für die Routine, kann ein Umdenken, im Sinne der Gehirnfunktion als nicht wünschenswert angesehen werden. Für das Gehirn bedeutet jede Veränderung Schmerzen.

Neurobiologisch wird, sobald eine Veränderung stattfindet, dass Schmerzzentrum im Gehirn stimuliert. Deshalb reagieren Menschen auf alle Veränderungen, der eine mehr, der andere weniger, mit Abneigung und Konfrontation. Der Hintergrund ist, dass Gehirn möchte die Routine gern beibehalten, um für andere Vorgänge genügend Energie als Reserve zu haben und reagiert mit Abwehr. Ein Gehirn muss bei einer Veränderung schließlich die alten Pfade verlassen und neue Synapsen verknüpfen, um neue Pfade entstehen zu lassen. Das ist ein hoher Aufwand für das Gehirn.

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Was passiert im Gehirn von Rauchern?

Greift ein Mensch zur gewohnten Zigarette wird im Gehirn Dopamin freigesetzt. Denn das Gehirn weiß sofort was geschieht und setzt bereits Dopamin frei, ein sog. Glückshormon, welches das Belohnungssystem im Gehirn stimuliert. Die Herleitung ergibt, dass die Motivation gesteigert wird und ein gewisser Antrieb die Folge ist. Demnach strebt das Gehirn nach diesen positiven Gefühlen und möchte immer wieder das Belohnungssystem animieren, indem Dopamin ausgeschüttet wird. Das Gehirn verbindet den Konsum von Zigaretten mit einem positiven Gefühl und strebt nach mehr.

Selbst der geübte Griff zur Zigarettenschachtel oder das Betätigen des Feuerzeugs kann bereits erste Stimulationen im Gehirn bewirken.

Daraus kann festgehalten werden, dass der erste Schritt im Kopf geschehen muss. Der Raucher muss sich bewusst für das Nicht-rauchen entscheiden und die erste Veränderung im Gehirn einleiten. Dazu ist der erste Schritt der schwierigste, da das Gehirn den Raucher am Aufhören hindern möchte. Das Gehirn ist regelrecht süchtig nach den künstlich hergestellten Dopamin Ausstößen und möchte diese selbstverständlich nicht missen.

Zusätzlich „vergisst“ das Nervensystem nichts. Der bereits erfolgte Griff zur Zigarette bis hin zum Genussempfinden ist weiterhin im Unterbewusstsein vorhanden und gespeichert. Für einen Rückfall in alte Gewohnheiten reicht manchmal allein der Geruch von einer Zigarette und die früheren Nervenzellen werden wieder stimuliert. Der Griff zur Zigarette kann nicht gestoppt werden, wenn das Umdenken im Kopf nicht bewusst stattgefunden hat.

Der Veränderungsprozess im Gehirn kann auch gezielt durch die Einnahme von Medikamenten unterstützt werden, erklärt Gesundheitsexperte Andreas Hirsch von der Online Klinik meds4all.at. Gängige, auf dem Markt erhältliche Medikamente setzten genau an dem beschriebenen Belohnungseffekt im Gehirn an und unterdrücken diesen. Ziel solcher Medikationen sei es, die Lust auf Zigaretten wirkungsvoll zu hemmen. Um den ersten Schritt in ein Rauch-freies-Leben zu tätigen sei die Einnahme von Medikamenten jedoch nur der unterstützende Schritt zum festen Entschluss mit dem Rauchen aufzuhören, führt der Gesundheitsexperte weiter aus.

Zusammenfassend sind also ein starker Wille und der gefasste Entschluss oberste Priorität. Die Wissenschaft sucht gezielt nach Hintergrundwissen über die Abläufe des Gehirns in Verbindung mit der neurobiologischen Sucht nach Nikotin, um Menschen dabei zu helfen, den Prozess zu verstehen. Denn nur wer die Abläufe kennt, kann sich bewusst mit seinem Problem auseinandersetzen und so Licht ins Dunkle bringen, wieso der Verzicht auf die nächste Zigarette so schwer fällt.

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Foto-Copyright: Sergey Peterman / SHUTTERSTOCK®
Quellen:

¹ Einführung in die Neurobiologie der Sucht (pdf)
² Rauchen – Suchterkrankung oder schlechte Angewohnheit?

Linktipps:

– Neurobiologische Faktoren des Suchtverhaltens (pdf)
– Rauchstopp: mit fünf Tipps zum Nichtraucher
– Nikotinpflaster & Co. zur Raucherentwöhnung?
– Raucherentwöhnung – Informationen zu Behandlungsmöglichkeiten

Kave Atefie





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