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Wandern: gesund & trendy

Wandern: gesund & trendy

Wandern als Trendsport

Während die Industrie immer neue, ausgefallenere Sport- und Freizeitgeräte für die verwöhnte Kundschaft entwickelt, hat sich das gute alte Wandern heimlich, still und leise zu einer regelrechten Trendsportart entwickelt. Jedenfalls – das bestätigen Tourismusvertreter – ist die Anzahl jener Menschen, die gerne in freier Natur auf Schusters Rappen unterwegs sind, in den letzten Jahren konstant gestiegen. Es scheint, als hätte Wandern das verstaubte Rentner-Image abgelegt und sich zum Wohlfühlsport für alle Altersgruppen entwickelt.



Tatsächlich lässt sich der Imagewandel nicht nur an der stetig steigenden Anzahl von Wanderangeboten ablesen, sondern auch an zahlreichen Magazinen und Publikationen, die speziell zum Thema Wandern auf den Markt gebracht wurden. Unterstützt wird der Trend durch zahllose neue Produkte der Ausrüstungsindustrie, welche funktionale Qualität mit Lifestylefaktor bieten und damit auch ein jüngeres Zielpublikum ansprechen.

Daneben hat die Rückbesinnung auf spirituelle Werte dem Trend Vorschub geleistet, denn auch Pilgern steht wieder hoch im Kurs. Historisch betrachtet finden sich ja im Überwinden von Wegstrecken aus vornehmlich religiösen Motiven überhaupt die Wurzeln des heutigen Wanderns.

„Ich bin dann mal weg!“ – als sich der deutsche Moderator und Entertainer Hape Kerkeling vor wenigen Jahren nach Santiago de Compostela verabschiedete und danach mit dem gleichnamigen Buch über seine Erlebnisse auf dem Jakobsweg einen großen Erfolg erzielen konnte, leitete er einen regelrechten Boom des Pilgertourismus ein.


Wandern für das persönliche Wohlbefinden

Als Hauptfaktor für die ständig steigende Beliebtheit gilt aber zweifellos der immer höhere Stellenwert eines gesundheits- und bewegungsorientierten Lebensstils, in dem Aktivität, Gesundheit und zwanglose Bewegung in der Natur eine wachsende Rolle spielen. Dies bestätigt auch eine groß angelegte Wanderstudie des Europäischen Tourismus Instituts an der Universität Trier (ETI). Demnach werden bei den über 4.000 befragten Wanderern fünf Motivbündel für die Faszination an der Freiluftaktivität genannt:

  • Gesundheit/Aktivität: mit den Motiven „sich bewegen/aktiv sein“, „aktiv Sport treiben“, „frische Kraft sammeln“, „etwas für die Gesundheit tun“.
  • Auszeit nehmen: mit den Motiven „sich auf sich selbst besinnen“, „frei sein“, „meine Ruhe haben, Stille erleben“, „den Alltag vergessen“, „zu sich selber finden, Selbstreflexion“ und „Stress abbauen“.
  • Natur/Umwelt erleben: mit den Motiven „Natur erleben“, „etwas Neues entdecken“, „eine Region erleben“, „neue Eindrücke gewinnen“.
  • Kultur und Bildung: mit den Motiven „den Horizont erweitern“, „religiöse Beweggründe“.
  • Spaß und Geselligkeit: mit den Motiven „viel erleben“, „in Geselligkeit sein, Gemeinschaft erleben“.


Wandern ist gesund

Die Umfragen der Trier Wanderstudie sind der beste Beweis: Demnach fühlen sich neun von zehn Menschen nach einer Wandertour besser als vorher, 83 Prozent gaben außerdem an, sich „glücklich und zufrieden zu fühlen“, 74 Prozent fühlten sich „seelisch ausgeglichener“. Den positiven Effekt verstärkt dabei der Umstand, dass Wandern nicht als Belastung empfunden wird, da die gleichmäßigen Schritte durch die Landschaft als absolut natürliche Bewegungsform wahrgenommen werden.

Und dass es sich beim Wandern tatsächlich um eine höchst gesunde Freizeitaktivität handelt, ist in der Medizin unumstritten. Tatsächlich profitieren Wanderer in doppelter Hinsicht, denn einerseits wird der Körper trainiert, andererseits ist der Ausflug in die Ruhe der Natur – nicht nur für zivilisationsgeplagte Städter – eine Erholung für die Psyche.

Regelmäßiges Wandern fördert die allgemeine Ausdauerleistung, hat positive Auswirkungen auf das Herz-Kreislaufsystem, aktiviert das Immunsystem und wirkt ausgleichend auf den Blutdruck. Die Atmung wird intensiviert, wodurch sich die Lungenfunktion verbessert. Außerdem sorgt Wandern insgesamt für eine bessere Durchblutung und Versorgung des Körpers mit Sauerstoff, es regt den Stoffwechsel an und senkt erhöhte Cholesterinwerte.

Besonders günstig wirkt sich Wandern auf den Stütz- und Bewegungsapparat aus: Regelmäßige Wanderungen mit guter Ausrüstung stärken Knochen, Knorpel, Bandscheiben, Gelenke, Bänder, Sehnen und Muskeln, und beugen so etwa Haltungsschäden und Osteoporose vor. Außerdem tragen sie zu einem gesunden Muskelaufbau bei und führen insgesamt zu einer Verbesserung der körperlichen Konstitution.

Ein weiterer Pluspunkt: Wer regelmäßig ausgedehnte Spaziergänge oder Wanderungen unternimmt, verbessert seine Gehirnleistung und beugt einem Gedächtnisverlust im Alter vor. Schon wer zehn Kilometer pro Woche zu Fuß geht, senkt laut einer Langzeitstudie der Universität Pittsburgh das Demenzrisiko signifikant.


Die richtige Ausrüstung

Gute, feste Schuhe sind bei einer Wanderung das A und O. Sie schützen vor Umknicken, Ausrutschen, Feuchtigkeit und Kälte. In den Wanderschuhen werden entweder spezielle Wandersocken oder dicke Wollsocken, am besten mit verstärkter Fersenpartie, getragen. Die Sohlen der Schuhe müssen kräftig sein und gutes, rutschfestes Profil haben, um auch auf groben Steinen gut gehen zu können. Beachten Sie, dass weiche Trekkingschuhe im freien, schroffen Gelände ungeeignet sind.

Bei der Schuhauswahl ist es besonders wichtig, auf die richtige Größe zu achten. Während in der Länge durchaus eine Schuhgröße Spielraum sein sollte, sollten die Schuhe in der Breite unbedingt fest sitzen, sonst wird die Wanderung leicht zur Qual oder gar gefährlich. Vor einer größeren Tour ist es ratsam, die Schuhe zumindest ein- bis zweimal einzulaufen. Ein Blasenpflaster und etwas Hirschtalg sollten außerdem zur Standardausrüstung zählen, denn Wandern mit Blasen an den Füßen kann die ganze Tour vermiesen.

Bei der Bekleidung hat sich die Anwendung des Schichtenprinzips (Zwiebelschalenprinzip) bewährt: Ein gutes T-Shirt, zwei dünnere Woll- oder Fleece-Pullover und eine wind- und wasserdichte, nicht zu kurze Regenjacke mit großer Kaputze sind perfekt. Dann kann man beim Aufstieg fast alles ausziehen und oben bei der Rast, nach der Abkühlung, alles wieder anziehen.

Ob Funktionstextilien (etwa Multifunktionsjacke und -unterwäsche) zum Einsatz kommen oder nicht, ist eine Frage des Geldbeutels und Geschmacks. High-Tech-Materialien wie beispielsweise Gore-Tex sind nicht nur leichter, sondern beinhalten mit atmungsaktiven Membranen Komfort wie Leichtigkeit und Wasserdichte, der Komfort hat jedoch seinen Preis. Bei Tagestouren sind High-Tech-Textilien jedenfalls nicht unbedingt notwendig.


Das gehört in den Rucksack:

  • Wanderkarte der Region (Maßstab 1:30.000)
  • ausreichend Getränke (Wasser, Tee oder verdünnte Fruchtsäfte)
  • Proviant für die Pause
  • Wind- und Regenschutz
  • Sonnenschutz (Kopfbedeckung, Sonnenbrille, Sonnencreme mit entsprechendem Lichtschutzfaktor)
  • Taschenmesser

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Quelle: Europäisches Tourismus Institut an der Universität Trier GmbH (ETI)
Prof. Dr. Heinz-Dieter Quack, Dr. Bert Hallerbach, Peter Herrmann

Linktipps:

– Wandern und Walking
– Tipps für sicheres Wandern
– www.wanderverband.de
– Rückenleiden: So stärken Sie Ihr Kreuz