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Vasektomie: Sterilisation des Mannes | Gesundheit, Lust & Liebe

Vasektomie: Sterilisation des Mannes | Gesundheit, Lust & Liebe

Vasektomie

Die Vasektomie bezeichnet die Sterilisation des Mannes, d.h. jenen medizinischen Eingriff, der einen Mann unfruchtbar (d.h. unfähig zur Fortpflanzung) macht. Immer öfter stellt sich nach abgeschlossenem Kinderwunsch in Partnerschaften die Frage, nach einer optimalen Möglichkeit der Verhütung. Nach wie vor trägt die Frau die Hauptlast der Kontrazeption, während der Anteil der Vasektomie weltweit nur bei ca. 10 % liegt – wobei hier vor allem in den USA die Zahl der jährlich vasektomierten Männer mit etwa 850.000 besonders hoch ist.



Insgesamt stellt die Unterbindung eine gute und kostengünstige Alternative zu den Verhütungsmethoden der Frau (Pille, Spirale, Implantat) dar und ist die sicherste Methode zur Kontrolle der Zeugungsfähigkeit beim Mann. Der Eingriff ist in 97,2 – 99 % aller Fälle erfolgreich, die Versagerquote liegt unter 1 %. Der Eingriff kann ambulant in Lokalanästhesie durchgeführt werden.

Sterilisation des Mannes: Was geschieht beim Eingriff?

Die Vasektomie (richtiger wäre der Begriff Vasoresektion) gilt als die derzeit sicherste, effektivste und einfachste Methode zur Fertilitätskontrolle beim Mann. Die Funktion der Hoden (Hormonproduktion) bleibt erhalten – dies im Unterschied zur Kastration, die die operative Entfernung der Geschlechtsdrüsen (beim Mann die Hoden, bei der Frau die Eierstöcke) bedeutet. Sich dort bildende Samenzellen werden vom Körper resorbiert. Auch die Fähigkeit zur Erektion und Ejakulation bleiben erhalten. Das Ejakulat enthält aber keine Samenzellen, eine weitere Vaterschaft ist damit fast ausgeschlossen.

Pearl-Index: 0,1

Was ist der Pearl-Index? Der Pearl-Index gibt die Zahl der Schwangerschaften trotz der jeweils verwendeten Verhütungsmethode an, also die „Versagerquote“ eines Verhütungsmittels. Pearl-Index 2 würde z.B. bedeuten, dass zwei von hundert Frauen trotz Verhütung schwanger werden. Der Pearl-Index der Pille liegt bei eitwa 0,1 bis 0,9 und beim Kondom bei etwa 2 bis 12. Die Zahlen weichen in den Literaturquellen häufig voneinander ab. So geben Hersteller oft nur die Sicherheit der Methode an. Andere Tabellen berücksichtigen auch Fehler, die bei der Anwendung passieren können (Kondome!). Jeder Mensch ist außerdem ein Individuum und kann auf die Methoden unterschiedlich ansprechen. Die Zahlen sind daher nur richtungsweisend.

Alle bisherigen Versuche, mittels Hormonen oder anderen spermiogenesehemmenden Medikamenten eine wirksame Kontrolle der Männlichen Fertilität zu erlangen (Steroidhormone, LHRH – Analoga, LHRH-Vakzine, Gossypol), sind sowohl aufgrund der beobachteten Nebenwirkungen, ungewisser Sicherheit als auch wegen noch nicht abgeschlossener Forschungen zumindest in den westlichen Industrieländern, wo man von einer Kontrazeption möglichst 100%ige Sicherheit erwartet, inakzeptabel.

Die Operation selbst ist recht unkompliziert, sie wird meist ambulant und unter örtlicher Narkose durchgeführt. Der Arzt legt mit zwei kleinen Schnitten die Samenleiter frei, durchtrennt und verschließt diese dann wieder. Die Enden werden im Gewebe versenkt, damit sie nicht wieder zusammenwachsen. Es kommt in wenigen Fällen zu Hodenschmerzen, die aber vorübergehend sind. Manche Männer klagen über zeitweilige Schwellungen und Blutergüsse. Selten kann es auch zu Entzündungen der Nebenhoden oder der Bildung eines Spermagranuloms (schmerzhafte kleine Schwellung aufgrund einer Spermastauung an der Verschlussstelle) kommen. Eine Kontrolluntersuchung des Spermas erfolgt einige Zeit nach der Operation und wird wiederholt, so lange noch Spermien gefunden werden.

Im Wesentlichen gibt es fünf unterschiedliche Operationstechniken, von denen die Ligaturtechnik derzeit noch am weitest verbreiteten ist. Mittels einer Tuchklemme wird dabei der Samenleiter fixiert und die Skrotalhaut 1-1,5 cm indiziert. Nach Präparation des Ductus deferens werden 2-3 cm Samenleiter exzidiert, die Enden unterbunden und noch zusätzlich u-förmig umgeschlagen.

Die messerlose Samenleiterunterbindung (No Scapel-Vasektomie) stellt die modernste Art der Samenleiterdurchtrennung dar und wird in der Regel in lokaler Betäubung durchgeführt. Diese Methode erfordert aber ein intensives Training selbst von in der Vasektomie erfahrenen Operateuren, um die Methode zu beherrschen. Bei dieser Operation wird zuerst lokales Betäubungsmittel entlang der beiden Samenstränge eingespritzt, um die Haut und das Operationsgebiet schmerzunempfindlich zu machen. Mit einer Dissektionsklemme wird die Hodenhaut entlang der Hautfasern gespreizt, um eine möglichst blutungsarme Operation zu ermöglichen. Durch diese Technik kann auf einen Hautschnitt verzichtet werden und es wird damit eine Verletzung der unter Haut liegenden Blutgefäße vermieden.

In weiterer Folge wird der Samenleiter mit einer Klemme soweit freipräpariert, dass er mit einem Spezialinstrument gefaßt werden kann. Es wird dann ein Stück des Samenleiters herausgeschnitten und unter dem Mikroskop untersucht. Die beiden Samenleiterenden werden mit einem Elektrokauter verkocht, sodass das Gefäß nicht mehr duchgängig ist. Es wird noch zusätzlich eine Unterbindung der Samenleiter mit einem Faden, der sich nicht von selber auflöst, durchgeführt. Die beiden Samenleiterenden werden dann so in das Hodenfach zurückverlagert, dass noch eine Bindegewebsschicht zwischen den beiden Enden liegt, sodass man mit 99,9%iger Sicherheit davon ausgehen kann, dass es zu keiner Rekanalisierung kommt (Wiederzusammenwachsen der Samenleiter). Die beiden Samenleiterenden werden dann in den Hodensack zurückverlagert und die kleine Wunde verschließt sich ohne Anlegen einer Hautnaht von selbst. Die Operationszeit selbst beträgt ca. 20 min.

Sicherheit und Nebenwirkungen dieses Eingriffs

Auch bei technisch einwandfreier Durchführung des Eingriffes kann es in Einzelfällen durch spontane Rekanalisation zur unerwünschten neuerlichen Durchgängigkeit der Samenleiter kommen. Aus diesem Grund müssen nach der Vasektomie mehrere Spermiogramme abgegeben werden um den kompletten Verschluß nachzuweisen. Eine Rückoperation kann jederzeit wieder durchgeführt werden, wobei die Durchgängigkeitsrate bei ca. 70 – 75 % und die Schwangerschaftsrate bei ca. 20 – 25 % liegt, somit besteht die Chance, dass eine natürliche Befruchtung nach erfolgter Rückoperation sehr wahrscheinlich ist. Allerdings muss darauf hingewiesen werden, dass die Vasektomie eine endgültige Operation sein sollte und dass die Rückoperation von den Krankenkassen nicht bezahlt wird und die Operationskosten zwischen 2.000.- und 3.000.- EUR betragen.

Wie bei jedem operativen Eingriff kann es auch bei der Vasektomie zu Einblutungen und Wundinfektionen als Operationsfolge kommen, diese sind in der Regel harmlos und nur von kurzer Dauer. Sie sind allerdings dringend aufgefordert sich bei Beschwerden unverzüglich in ärztliche Behandlung zu begeben. Die früher veröffentlichte Behauptung, dass durch die Vasektomie Prostatakarzinome (Prostatakrebs) ausgelöst werden kann, sind durch Studien und sorgfältige Analysen widerlegt worden.

Was sollte vor dem Eingriff bedacht werden?

Voraussetzung zur Durchführung einer Vasoresektion ist eine ausführliche Aufklärung des Ehepaares. Folgende Punkte müssen eingehend besprochen sein:

1. Die Unwiderruflichkeit des Eingriffs – auch wenn es sehr erfolgreiche Refertilisierungsmöglichkeiten gibt – wegen des möglichen Mißerfolges.
2. Die zur Anwendung kommende Operationstechnik.
3. Postoperative Komplikationsmöglichkeiten.
4. Eine postoperative Fertilität durch noch in den Samenwegen befindliche Spermatozoen bis über 6 Monate.
5. Ablauf und Bedeutung der postoperativen Spermiogrammkontrollen.
6. Eine spontane Rekanalisation (d.h. die Spermien finden wieder einen Weg nach draußen), die zwar extrem selten, aber selbst nach Azoospermie in den üblichen Kontrollspermiogrammen auch noch nach Jahren vorkommen kann. Damit bietet die Vasektomie eine gute, aber keine vollständige (100%ige) Sicherheit.
7. Die Kosten einer Vasektomie inkl.obligatorischen Gewebeprobe und Nachuntersuchung liegt je nach Operationstechnik zwischen 400.- und 600.- EUR. Diese Kosten werden in Österreich und Deutschland in der Regel nicht von den Krankenkassen übernommen!

Linktipps:

– Sterilisation bei der Frau
– Was ist eine Vasektomie
– Verhütungsmethoden
– Vaterschaftstest: Klärung der Verwandtschaftsverhältnisse