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Ulipristalacetat und Levonorgestrel – Wirkstoffe zur Notfallverhütung

Ulipristalacetat und Levonorgestrel – Wirkstoffe zur Notfallverhütung

Pille danach - Ulipristalacetat und Levonorgestrel

Die umgangssprachliche „Pille danach“ kann nach einem Unglück wie einem geplatzten Kondom ein echter Segen für Frauen sein, die eine Schwangerschaft unbedingt vermeiden möchten. Auf dem deutschsprachigen Markt sind verschiedene Präparate auf dem Markt, welche auf zwei unterschiedlichen Wirkstoffen basieren. Die für die Notfallverhütung zugelassenen Wirkstoffe sind Ulipristalacetat und Levonorgestrel. Beide Wirkstoffe sind dabei grundverschieden.




Was bewirkt die Einnahme von Levonorgestrel im Körper

Die exakte Wirkung von Levonorgestrel ist abhängig von der Dosis und dem Einnahmezeitpunkt innerhalb des weiblichen Menstruationszyklus. In geringen Dosierungen ist die ‚Pille danach‘ in gewöhnlichen Antibabypillen enthalten, in den Pillen zur Notfallverhütung ist die Dosierung wesentlich höher.

Wie genau der Wirkstoff im Rahmen der Notfallverhütung wirkt, ist nicht gänzlich geklärt. Vermutungen legen nahe, dass Levonorgestrel in einer entsprechenden Dosierung den Eisprung hemmt. Bereits in geringen Dosierungen führt der Wirkstoff dazu, dass das Sekret des Gebärmutterhalses zäher wird und somit der Spermientransport zur Gebärmutter erschwert wird. Die Erschwerung der Nidation (Einnistung der befruchteten Eizelle) bzw. gar die Verhinderung der Einnistung ist wissenschaftlich umstritten, wird jedoch vermutet.

Die Einnahme der ‚Pille danach‘ ist in der Regel bis zu 72 Stunden nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr effektiv, allerdings sinkt der Schutz mit fortschreitender Zeit. Wird das Präparat innerhalb der ersten 24 Stunden eingenommen, kann eine ungewollte Schwangerschaft zu etwa 95% verhindert werden. Obwohl die Wirkung und mögliche Nebenwirkungen von Levonorgestrel umfassend erforscht werden, ist derzeit nicht ganz klar, wie es bei der Einnahme zu einer Verzögerung oder Unterdrückung des Eisprungs kommt. Die meisten Frauen vertragen die Behandlung sehr gut und erleben keinerlei Nebenwirkungen.


Was bewirkt der Wirkstoff Ulipristalacetat?

Ulipristalacetat ist in Deutschland bereits seit 2009 zugelassen. Der Wirkstoff ist in der Pille ellaOne enthalten. In einer geringeren Dosierung wird der Wirkstoff unter dem Namen Esmya auch zur Behandlung von gutartigen Tumoren in der Gebärmutter eingesetzt.

Ulipristalacetat unterdrückt den Eisprung und kann gleichzeitig hemmend auf die Bildung von Tumoren wirken. Der Wirkstoff Ulipristalacetat hemmt die Bindung des körpereigenen Gestagens Progesteron an die entsprechenden Rezeptoren und verhindert so die Ovulation (Eisprung). Äquivalent zum Wirkstoff Levonorgestrel wird Ulipristalacetat unterstellt, die Einnistung der befruchteten Eizelle in die Gebärmutterschleimhat zu hemmen. Auch hier ist diese Wirkung jedoch medizinisch nach wie vor nicht nachweisbar.

Der große Vorteil des Wirkstoffs Ulipristalacetat ist, dass er wesentlich länger wirkt, als Levonorgestrel. So kann die Notfallverhütung mit Präparaten wie ellaOne eine Schwangerschaft bis zu 120 Stunden nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr verhindern. Dennoch gilt auch hier, dass die Effektivität der Pille danach höher ist, je früher sie eingenommen wird. Bei einer Einnahme innerhalb der ersten 24 Stunden nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr verfügt die Pille über ihre größte Wirkung.


Die Pille danach ist kein Verhütungsmittel

Die Notfallverhütung, bzw. die Pille danach ist ein hohes Gut unserer modernen Gesellschaft und kann in ungewollten Situationen effektive Abhilfe schaffen. Dennoch sollte die Notfallverhütung niemals als gängiges Verhütungsmittel interpretiert werden. Wie jedes rezeptpflichtige Medikament weisen auch Ulipristalacetat und Levonorgestrel nicht unerhebliche Nebenwirkungen auf. Die Dosierung beider Wirkstoffe ist in den Präparaten der ‚Pille danach‘ relativ hoch. Daher sollte die Bezeichnung Notfallverhütung wörtlich genommen und die ‚Pille danach‘ immer nur im Notfall eingenommen werden! Aufklärung und Umdenken sindangesagt, denn aktuell sind mehr als ein Viertel aller befragten Jugendlichen der Meinung, dass die Pille danach ein „normales Verhütungsmittel“ ist. Doch die Pille danach ist – wie der Name schon sagt – eine ‚Notfallverhütung‘ und kein Verhütungsmittel für den täglichen Gebrauch!

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Ein Blick auf den Pearl Index zeigt, wie falsch viele Jugendliche mit ihrer Annahme liegen. Die Pille danach ist mit einem Pearl Index von 1-30 im Vergleich zu herkömmlichen Antibabypillen mit einem Pearl Index von 0.2-2 definitiv keine sichere Sache – und belatsend für den Körper! Die große Spanne von 1-30 existiert, da die Wirkung so stark vom Zeitpunkt der Einnahme abhängt.

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Quellen:

¹ Pharmazeutische Zeitung online: Pille danach – Diskussion um Wirkmechanismus
² Österreichische Gesellschaft für Familienplanung: Notfallverhütung

Linktipps:

– Die Pille danach
– Levonelle (Pille danach)
– EllaOne (Wirkstoff Ulipristal)
– Notfallverhütung: Nachträgliche Verhütungsmittel
– Antibabypille – Risiken und Nebenwirkungen der Pille

Fotocredit: Image Point Fr / Shutterstock