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Tabuthema Pädophilie

Tabuthema Pädophilie

Pädophilie

Die Veranlagung von Menschen, ihre Sexualität nur oder vornehmlich mit Kindern ausleben und/oder erleben zu wollen, wird als Pädophilie = Kinderliebe bezeichnet. Als Päderastie (griech. erastes = Liebhaber) wird dabei die „Liebe“ von Männern zu Jungen bezeichnet. Dabei sollte aber unbedingt zwischen der reinen Veranlagung, die wahrscheinlich stark genetisch geprägt ist, und dem tatsächlichen Missbrauch von Kindern unterschieden werden. Nicht jeder pädophil veranlagte Mensch tritt auch durch den Missbrauch von Kindern in Erscheinung!



Täter zumeist in Sexualentwicklung stecken geblieben

Psychiater Max Friedrich unterteilt Kinderschänder in mehrere Typen, vielfach seien die Täter „in ihrer Sexualentwicklung stecken geblieben“: Zum einen gebe es jenen Typus, der sich über den „kleinen Bub, der um die Wette weit pinkelt“, nicht hinausentwickelt hat. „Solche Männer sind stark exhibitionistisch veranlagt“, so Friedrich. In der Phase des „Vater-Mutter-Kind“- oder „Doktor-Spielens“ verbliebene Männer nähern sich ihren Opfern im Vorschulalter häufig über Hygienehandlungen wie Hilfe beim Toilettenbesuch oder beim Waschen.

Dann gibt es den so genannten Ödipalen Täter: „Im fünften, sechsten Lebensjahr waren wir alle dem gegengeschlechtlichen Elternteil innig zugetan. Diese Täter kehren die Situation als Erwachsene dann um“, erläuterte Friedrich. Sexuell in der Pubertät stecken gebliebene „Petting-Täter“ beschriebt der Psychiater auch als „Zuwedrucker im Aufzug oder der Straßenbahn“. Solche Männer erfahren „nie die reife Sexualität“ oder einen vollzogenen Geschlechtsverkehr. Als „Mr. Higgins“, den selbstgerechten Professor aus dem Musical „My Fair Lady“, beschreibt Friedrich Männer, „die glauben, sie sind der einzige, der weiß, wie Sexualität geht. Solche Männer sagen noch vor Gericht, das Opfer könne doch froh sein, dass ‚gerade ich es ihm gezeigt habe‘.“

Täter: Zumeist Familienangehörige

„Der überwiegende Teil nähert sich auf leisen Pfoten, ohne Gewalt und oft spielerisch“, warnte Max Friedrich. „Das Umfeld der Täter ist dem Kind meist bekannt.“ Die Schänder sind Familienangehörige oder Bekannte. „So wie es bei den Opfern kein ‚Syndrom des Missbrauchs‘ gibt, gibt es bei den Tätern auch kein ‚Kainsmal‘ – sie kommen aus allen Schichten.“

Veränderungen im Verhalten des Opfers

Entdecken könne man möglichen Missbrauch durch Veränderungen im Verhalten des Opfers: „Wenn ein leises Kind auf einmal laut wird, ein schüchternes sich plötzlich der Obszönsprache bedient, Kinder wieder beginnen einzunässen oder nicht durchzuschlafen“, so der Experte. Solche Anzeichen können auf Probleme in der Schule, aber eben auch auf Misshandlung und Missbrauch hinweisen.

Im Familienkreis – aus dem allzu oft der Täter stammt – trauten sich Kinder häufig nichts zu sagen. „Kindergärtnerinnen und Lehrerinnen sind die wichtigsten Ansprechpartnerinnen“, betont daher Friedrich, sie gehören nicht zur Familie und sind dennoch „vertraut und Bezugspersonen“.

Das Thema in Österreich

Besonders aufsehenerregend war der Fall des Wiener Kardinals Hans Hermann Groer. Der am 13. Oktober 1919 in Wien geborene Groer wurde 1986 als Nachfolger des als liberal geltenden Kardinals König vom Papst gegen erhebliche Widerstände zum Kardinal und Erzbischof von Wien ernannt. Er wurde durch zahlreiche Predigten gegen die moralische Zügellosigkeit und Verkommenheit der heutigen Zeit auch weit über Österreich hinaus bekannt. Im Jahr 1995 wurden zahlreiche Missbrauchsvorwürfe gegen ihn, vor allem aus seiner Zeit als Religionslehrer in Hollabrunn an unmündigen Jungs bekannt. Er gab darauf nach zahlreichen Protesten sein Amt noch in dem selben Jahr auf. Er verstarb am 24. März des Jahres 2003 in St Pölten in Österreich.

Die gelebte Sexualität von Erwachsenen – meist Männern – mit Kindern wurde sehr lange öffentlich kaum entsprechend diskutiert und oft sogar verdrängt, verschwiegen oder sogar zumindest heimlich gebilligt. So gab es beispielsweise in Deutschland auf einem Landesparteitag der damaligen Grünen den Antrag einer bestimmten Gruppe, im Parteiprogramm dieser Partei einen Passus aufzunehmen, der die Sexualität zwischen Kindern und Erwachsenen legalisieren sollte. Als einer der Gründe für den Antrag wurde angeführt, dass auch Kinder ein Recht auf das Erleben ihrer Sexualität hätten – heutzutage eine geradezu abenteuerliche Vorstellung, der eher in Sekten vermutet würde. Der Antrag wurde auf dem Parteitag übrigens mit sehr großer Mehrheit abgelehnt.

Es gibt wohl neben Mord und Totschlag nur wenige Verbrechen, die so widerwärtig sind wie die Tatsache, dass Erwachsene das Vertrauen und die Hilflosigkeit von Kindern – oft sogar noch im Kleinkindesalter – für ihre sexuelle Befriedigung oder auch nur zum Geldverdienen (Kinderpornographie – In Italien wurden seit 1998 75.000 Web-Seiten angezeigt, die pädophiles Material anboten, andere 150.000 wurden von der Polizei verdunkelt. Schätzungen internationaler Organisationen zufolge erwirtschaftet der Markt der Pädophilie übers Internet rund fünf Milliarden Dollar (4,38 Mrd. Euro) pro Jahr. Bilder mit missbrauchten Kindern kosten zwischen 30 und 100 Euro, ein Film kann bis zu 300 Euro kosten.

Um diesem Tun an hilflosen Kinder dennoch so weit wie möglich entgegen treten zu können, bedarf es aber der Kenntnis über derartige Verbrechen. Daher sollte jeder bei einem begründeten Verdacht auf ein derartiges Verbrechen polizeilichen oder anderen (juristischen) Rat einholen.

Linktipps:

– die Boje – Ambulatorium für Kinder und Jugendliche in Krisensituationen
– Lust & Liebe-Corner: Umfassende Infos zu den Themen Sexualität & Partnerschaft
– Kinder-Corner: Tipps von A bis Z
– Sexualpraktiken: Lexikon ohne Tabus
– Sexualität & Pubertät

Kave Atefie





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