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Die Superfrucht Açaí Beere

Die Superfrucht Açaí Beere

Superfrucht Açaí Beere

Egal ob als Schlankmacher in Lebensmitteln oder als Faltenkiller in Kosmetikprodukten – die schwarzviolette Açaí Beere aus Südamerika gilt als wahre Superfrucht. Sie zählt damit wie die Acerola Kirsche, Goji-Beeren, Aronia, Moringa oder Chia-Samen zur Kategorie Superfoods – also Lebensmittel, deren Inhaltsstoffe besonders gesund sein sollen. Doch was ist dran am Hype? Was ist beim Bezug und der Zubereitung zu beachten?



Die 1 bis 2 cm großen dunkelblauen Beeren entstammen der südamerikanischen Palmenart açaizeiro (Kohlplame), sie sehen aber der heimischen Heidelbeere zum Verwechseln ähnlich. Die Palme ist in Mittel- und Südamerika beheimatet, sowohl die Früchte als auch die Palmherzen sind essbar.

In der Beere befindet sich ein Kern, der fast 90 % der Frucht ausmacht. Dieser kann nicht gegessen werden. Die wertvollen Inhaltsstoffe – Antioxidantien, Vitamine und Mineralstoffe – befinden sich in der Schale und dem Fruchtfleisch.


In Südamerika Grundnahrungsmittel, bei uns Superfood

Frische Acai Beeren gibt es bei uns nicht im Supermarkt um die Ecke, da die empfindlichen Beeren den Transport nach Europa nicht überstehen würden. In Südamerika gehört die Beere allerdings zur alltäglichen Nahrung. In einigen Regionen gilt diese sogar als Grundnahrungsmittel, das 40% der täglichen Energiezufuhr liefert.

Die frische Beere hinterlässt einen erdigen und teilweise nussigen Geschmack mit leicht fettigem Abgang. Für die europäischen Geschmacksnerven ist dieses Nahrungsmittel jedenfalls etwas gewöhnungsbedürftig. Da frische Açaí Beeren aber sowieso in der Regel bei uns nicht erhältlich sind, wird auf tiefgefrorene Früchte, oder Produkte in Form von Kapseln bzw. Pulver zurückgegriffen, diese sind mittlerweile in gut sortierten Fachgeschäften, Drogerien und im Biohandel erhältlich.

Zu beachten ist, dass Açaí-Beeren am besten als Saft oder Püree genossen werden sollten. Açai sollte auch nicht erhitzt werden, da durch die Hitze die meisten der wertvollen Inhaltstoffe zerstört werden. Geschmacklich passt Açai wunderbar zu Joghurt, Topfen und Obstsalaten und eignet sich perfekt für Smoothies, Shakes und Säfte.

Doch wie wurde aus den unspektakulären kleinen Beeren, die in ihrem Herkunftsland Brasilien ein ganz gewöhnliches Nahrungsmittel sind, Trendbeeren?

Wesentlichen Anteil daran dürfte die US-Moderatorin Oprah Winfrey haben, denn sie hat Açai Beeren als Superfood in ihrer Talkshow vorgestellt und erklärt, dass sie diesen wegen der vielen enthaltenen Antioxidantien ihr jugendliches Aussehen zu verdanken habe.


Ein Blick auf die Inhaltsstoffe der Acai Beere

Tatsächlich ist der hohe Gehalt an Vitaminen (Vitamin A, C, D und E), Mineralien (Kalzium, Natrium, Eisen) und Antioxidantien in der Frucht erwähnenswert. Weitere Inhaltsstoffe in der Übersicht:

• Proteine
• hoher Gehalt an Ballaststoffen
• Gesättigte Fettsäuren (ein- und mehrfach ungesättigten Fettsäuren)
• Magnesium
• Kupfer
• Zink
• Kalium
• Phosphor

Aufgrund der appetithemmenden und den Stoffwechsel anregenden Wirkung wird die Beere vor allem im Internet heftig als Schlankmacher beworben. Der gültige Nachweis rascher und nachhaltiger Gewichtsabnahme ist allerdings noch ausständig. Tatsächlich nachgewiesen wurde ein relativ hoher Gehalt an Polyphenolen, die in mehreren Studien (meits in vitro) mit antioxidativen, antiproliferativen (also gegen Gewebevermehrung gerichtet), entzündungshemmenden und kardioprotektiven (herzschützenden) Eigenschaften in Verbindung gebracht werden.¹


Welche Wirkungsweise wird der Acai Beere nachgesagt?

Während die Früchte in den Ursprungsländern traditionell zur Behandlung von Fieber, Hauterkrankungen und Verdauungsstörungen eingesetzt werden, wird ihnen in unseren Breiten eine gänzlich andere Rolle zugedacht. Açaí Beeren werden hier als Nahrungsergänzungsmittel mit einem breiten Spektrum gesundheitlicher und therapeutischer Wirkung propagiert, die vor allem auf den hohen Gehalt an Antioxidantien zurückzuführen sein soll. Antioxidantien schützten den Körper vor freien Radikalen und einer vorzeitigen Zellalterung und werden von Werbung und Marketing gerne als Wirkstoffe für die Verlangsamung des Alterungsprozesses (sogenannter Anti-Aging Effekt) bezeichnet. Allzu forsche Werbeaussagen in diesem Bereich hat die US Food and Drug Administration jedoch bereits mehrfach getadelt.

Ungeachtet dessen scheint die Wirkstoffkombination großes Potenzial zu haben: Der Calcium Bestandteil ist äußerst gut für die Knochen und Zähne. Die Stärkung des Immunsystems wird durch Vitamin C unterstützt. Die enthaltenen Vitamine B3 und B6 spielen beim Schutz gegen Nervenschädigungen und zur Verarbeitung von Eiweißen sowie Kohlenhydraten eine wichtige Rolle. Etwaige Konzentrationsschwächen können mit dem ebenfalls enthaltenen Vitamin B2 abgebaut werden. Die in der Acai Beere enthaltenen Omega-Fettsäuren sind essentiell wichtig für den Körper, da sie als Schutz für unser Herz dienen und das gesamte kardiovaskuläre System effektiv unterstützen.²

Im bisher größten Beitrag über gesicherte Studien zu den Wirkungsweisen der Açaí Beere als Arzneipflanze kommt einer der Hauptautoren Prof. Dr. Michael Heinrich (The School of Pharmacy – University of London) zum Schluss, dass zwar der Verzehr von Früchten mit wertvollen Inhaltsstoffen das Immunsystem durchaus stärken kann, aber auch, dass von exotischen Obstsorten keine Wunder zu erwarten sind. Açaí dürfte nach seinem Studium über das gesicherte Wissen über die Phytochemie und Pharmakologie der Pflanze durchaus ein vielversprechendes Potenzial im Bereich kardioprotektiver Wirkung haben, doch seien weitere Untersuchungen notwendig.

Fazit: Wer sich also falsch ernährt und kaum Sport treibt, wird allein durch den gelegentlichen Konsum der Fruchtprodukte seine Gesundheit kaum verbessern. Als Ergänzung zu einer ausgewogenen Ernährung können die dunklen Beeren aber allemal einen wertvollen Beitrag leisten.

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Quellen:

¹ Heinrich, Michael, Tasleem Dhanji, and Ivan Casselman. „Açaí (Euterpe oleracea Mart.) – Portrait einer Arzneimittelpflanze“ Zeitschrift für Phytotherapie 33.03 (2012): 140-150.
² www.acai-beere.de

Linktipps:

– Açaí – schon wieder eine neue Wunderbeere?
– Heidelbeere (Vaccinium myrtillus)
– Beeren & Kirschen: Süßkirsche bis Weichsel
– Heilpflanze Preiselbeere