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Süßholzwurzel: gesunde Wirkung & verführerischer Geschmack

Süßholzwurzel: gesunde Wirkung & verführerischer Geschmack

Süßholzwurzel

Dass Medizin nicht immer bitter sein muss, das beweist die Süßholzwurzel. Sie ist nicht nur essentieller Bestandteil von Lakritze, die Heilpflanze erfreut sie sich auch größter Beliebtheit als Hausmittel bei Erkältungen, Atemwegserkrankungen und Verdauungsbeschwerden. Seine medizinische Verwendung verdankt Süßholz Glycyrrhizin, einem Inhaltsstoff, der beinahe die fünfzigfache Süßkraft von Rohrzucker besitzt.




Süßholzwurzel (Lakritze bzw. Glycyrrhiza glabra)

Süßholz, auch Lakritze genannt, ist eine mehrjährige holzige Pflanze mit gefiederten Blättern aus der Familie der Schmetterlingsblütler. Die Blätter sind oftmals an der Unterseite etwas klebrig. Im Laufe der Zeit entwickelt die bis zu 1,5 m hohe Pflanze einen großen Wurzelstock mit vielen langen Wurzelausläufern. Wie der Name schon verrät, schmeckt die Pflanze außerordentlich süß. Die Wurzeln schmecken sogar 50-mal süßer als Rohrzucker. Verantwortlich dafür ist die Substanz Glycyrrhizin. Aus dem eingedickten Wurzelsaft entsteht Lakritze – die bekannte schwarze Süßigkeit, die zu Pastillen, Bonbons und Schnecken verarbeitet wird.

Die Süßholz-Staude bevorzugt ein warmes Klima und gedeiht am besten in den Subtropen. Das Hauptvorkommen liegt in den Ländern des Mittelmeerraumes, sowie in China, Rußland und in Südwestasien. Die Haupterntezeit für hochwertiges Süßholz aus Ägypten und Pakistan ist Februar, da dann der Zuckergehalt in den Wurzeln am höchsten und das Aroma am intensivsten ist.


Süßholz: gesunde Nascherei oder echte Heilpflanze?

Es ist kein Zufall, dass die Süßholzwurzel von der Universität Würzburg und der Naturschutzorganisation WWF zur Arzneipflanze des Jahres 2012 gewählt wurde. Die heilsame Wirkung der getrockneten und heiß aufgebrühten süßen Wurzelpflanze ist schon seit Jahrtausenden bekannt. Sowohl in der chinesischen Medizin als auch in der ayurvedischen Gesundheitslehre wird die Wirkung von Süßholz besonders gelobt. Aber auch hierzulande gilt die Pflanze – vor allem in der Klostermedizin – als altes wirksames Heilmittel.

Der berühmte Pharmakologe des Altertums, Dioskurides beschrieb die Heileffekte der Pflanze ausführlich in seinen Werken: als Hauptanwendungsgebiete nennt er Husten, Heiserkeit und asthmatische Beschwerden. Tatsächlich regen bestimmte Inhaltsstoffe die Bronchialschleimhaut dazu an, mehr dünnflüssiges Sekret zu bilden. Dadurch lässt sich zäher Schleim leichter abhusten, was bei Erkältungen hilfreich ist. Andere Wirkstoffe besitzen antientzündliche Effekte, vermindern die Magensäurebildung und können sogar den Magenkeim Helicobacter pylori bekämpfen.

In jüngster Zeit ist auch die Süßholzwurzel als Mittel gegen Herpes im Gespräch. In Studien wurde festgestellt, dass die Süßholzwurzel von Herpesviren befallene Zellen im Körper „enttarnt“ und diese vom Immunsystem dann entsorgt werden können. Im Labor wurden verschiedene Zellkulturen angelegt und zum Teil mit dem Herpesvirus infiziert. Alle Kulturen wurden mit Süßholzzucker behandelt. Die nicht infizierten Zellen reagierten überhaupt nicht auf die Behandlung, die kranken Zellen jedoch starben innerhalb von neun Tagen ab. Offenbar blockert der Zucker die Produktion eines der Virusproteine, das eigentlich dafür zuständig ist, den Erreger so zu tarnen, dass die Abwehr im Körper ihn nicht entdecken.¹

Süßholzwurzel oder genauer die Glycyrrhizinsäure greift auch in den Hormonstoffwechsel des Körpers ein. Sie hemmt den Abbau des körpereigenen natürlichen Cortisolspiegels im Blut. Dieser bleibt also längere Zeit erhöht, der Aldosteronspiegel wird dadurch niedrig gehalten. Dies kann bei empfindlichen Menschen zu einem Blutdruckanstieg, Herzrasen, Durst und Kopfschmerzen, Wassereinlagerungen und gesteigertem Appetit führen. Eine Überdosierung kann u.a. zu Ödembildung und Bluthochdruck führen. Deshalb dürfen Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion, Bluthochdruck, Diabetes, Schwangere und Kinder Süßholzwurzel gar nicht oder in nur sehr geringen Mengen zu sich nehmen.

Gesunde Erwachsene sollten die tägliche Höchstmenge von 50 Gramm Lakritz (etwa 200 bis 600 Miligramm Glycyrrhizinsäure, je nach Güte der Lakritze) nicht regelmäßig überschreiten. Dies ist allerdings sowieso auch bei den Größten Lakritze-Fans sehr unwahrscheinlich, denn selbst der Konsum von zwei Kilogramm Lakritze im Jahr (exakt jener Pro-Kopf-Verbrauch, der die Niederländer zu den Lakritz-Weltmeistern Europas macht) bedeutet lediglich eine Tagesmenge von 5 Gramm.


Tee, Kosmetik, Hustensaft

Auch abseits der Süßware Lakritz ist der Extrakt der Süßholzwurzel gefragt – besonders für Tees, Erkältungsprodukte und Kosmetika wird er gerne verwendet. Verwendung findet Süßholz auch in der Getränke- und Spirituosenindustrie. Zahlreiche Softdrinks und einige alkoholische Getränke (Bier) verwenden Süßholzextrakt zur Aromatisierung. Gern wird Süßholzpulver auch zum Kochen benutzt, vornehmlich die chinesische Küche bedient sich am Süßholz – dort ist es u.a. Bestandteil zahlreicher Gewürzmischungen wie dem bekannten „Fünf-Gewürze-Pulver“.

Und natürlich wird Süßholz häufig zur Geschmacksverbesserung in Medikamenten verwendet. Außerdem ist Süßholzwurzelextrakt ist einer von vielen Aromastoffen, die Zigarettentabak beigemischt werden. Dadurch schmecken diese dann milder, außerdem verhindert der Extrakt ein brennendes und kratzendes Gefühl auf den Schleimhäuten von der Nase bis in die Lungenflügel beim Inhalieren des blauen Dunstes.

Lakritze-Tee bei Magenbeschwerden:

Ein tolles Hausrezept bei Sodbrennen, Blähungen und Bauchkrämpfen ist ein schneller Lakritzetee:

  • 1/4 Liter Wasser
  • 20 Gramm Lakritze
  • 5 Gramm Kamillenblüten

Die Kamille mit dem kochenden Wasser übergießen, 10 Minuten ziehen lassen, abseihen und die Lakritze darin unter Rühren auflösen.
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Quellen:

¹Licking latency with licorice – Jeffrey I. Cohen, Medical Virology Section, Laboratory of Clinical Infectious Diseases, Bethesda, Maryland, USA.
²Lakritz-Inhaltsstoff wirkt auch gegen inaktive Form der Herpesviren

Linktipps:

– Die Kraft der Kräuter nutzen
– Tee und seine Wirkung
– Phytopharmazie – Arzneimittel aus Pflanzen

Kave Atefie





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