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Stress & Sucht: Abhängigkeiten in der modernen Leistungsgesellschaft

Stress & Sucht: Abhängigkeiten in der modernen Leistungsgesellschaft

Stress und Sucht

In der modernen Hochleistungsgesellschaft wachsen die Anforderungen an Arbeitnehmer rasant in lichte Höhen. In immer kürzeren Intervallen machen neue Innovationen Arbeitsabläufe noch schneller und der Mensch hechtet hinterher. Stress und Druck im Job, die Angst vor einer Kündigung oder zu hohe Maßstäbe, die der Einzelne an sich selbst anlegt, führen dazu, dass immer mehr, gerade junge Arbeitnehmer, an Erschöpfungszuständen leiden. Damit einhergeht, in vielen Fällen, eine erhöhte Suchtgefahr.



Es sind entweder Upper oder Downer oder die Kombination aus beiden, zu denen gegriffen wird. Entweder sollen die Mittel eine Leistungssteigerung während der Arbeitszeit bewirken oder die Unruhe nach Feierabend kurieren. Schnell und meist unbemerkt geraten Betroffene in einen Zog der Sucht, aus dem sich nicht mehr alleine entkommen können. Dies hat fatale Folgen für die Betroffenen, aber auch für die Wirtschaft.


Die Technik gibt das Tempo vor – ständige Erreichbarkeit kann krank machen

Natürlich, sind Tablets und Smartphones eine sehr nützliche Erfindung, sie haben allerdings auch dazu beigetragen, dass die Grenzen von Arbeitszeit und Freizeit immer mehr verschwimmen. Es ist dabei nicht immer nur der Druck seitens des Arbeitsgebers, der Angestellte vor dem PC sitzen oder ständig auf das Smartphone schauen lässt.

Die digitalen Kommunikationsmittel der modernen vernetzen Gesellschaft selbst, sind zu einem Suchtmittel geworden. Die Angst, etwas zu verpassen, die breit gefächerten Wege des Austausches und das Gefühl, immer und auf alles sofort reagieren zu müssen, können ebenso krank machen, wie Drogen es tun.


Immer mehr Arbeitsausfälle aufgrund von Suchterkrankungen

Druck und Stress im Job, ständige Erreichbarkeit und das immer schneller werdende Tempo der Gesellschaft gehen an dem Einzelnen nicht spurlos vorbei. Immer mehr Menschen greifen zu Suchtmitteln, um mit der täglichen Belastung fertig zu werden. Alkohol und Tabak sind nach wie vor die häufigsten Gründe, warum es zu Arbeitsausfällen kommt, doch auch Cannabis ist heute in allen Schichten der Gesellschaft verbreitet. Daneben greifen viele Betroffene zu aufputschenden oder beruhigenden Medikamenten, zum Beispiel, um stressbedingte Schlafstörungen zu kurieren. Neben den katastrophalen Auswirkungen, die dies auf die Gesundheit der Betroffenen hat, darf auch der Schaden, der dadurch für die Wirtschaft entsteht, nicht unterschätzt werden.

So greifen, dem Fehlzeitenreport 2013 nach, etwa zehn Prozent der Beschäftigten in Österreich in missbräuchlicher Weise zu Suchtmittel. Aber auch die Medien- die Informations- und die Arbeitssucht sind auf dem Vormarsch. Dauerhaft können sie ebenso krank machen und zum Beispiel zum Burn-out führen. Rund 2,5 Millionen Fehltage sind in Österreich allen auf psychische Belastungen und Burn-out zurückzuführen.

Auch in anderen europäischen Ländern sind Suchtmittel in der Arbeitswelt ein ernst zu nehmendes Problem. Die wirtschaftlichen Kosten, die durch die Abhängigkeit von Tabak und Alkohol entstehen, belaufen sich in Deutschland zum Beispiel auf circa 62,5 Milliarden Euro im Jahr.

Eine Studie der deutschen Krankenkasse AOK brachte hervor, dass die Zahl der Fehltage von Arbeitnehmern, aufgrund von Suchtmittelmissbrauch, um rund 17 Prozent angestiegen ist und das in den letzten zehn Jahren. Während es im Jahr 2002 noch 2,07 Millionen Fehltage auf das Jahr gerechnet waren, stieg die Zahl bis zum Jahr 2012 auf 2,42 Millionen Fehltage.


Leistungssteigernde Suchtmittel sind auf dem Vormarsch

Im Jahr 2011 kostete die Behandlung von Alkoholkranken den Österreichischen Staat rund 375 Millionen Euro. Rund 500 Millionen Euro Kosten werden durch die Folgen des Rauchens verursacht. Interessant ist, dass die Wahrscheinlichkeit des regelmäßigen Konsums von Alkohol parallel zum Bildungsniveau ansteigt. Genau umgedreht verhält es sich mit dem Konsum von Tabak. Dort finden sich die meisten Raucher vor allem in den niedrigeren Bildungsschichten.

Seit einiger Zeit geht der Trend nun allerdings auch verstärkt in die Richtung von Suchtmitteln zur Leistungssteigerung. Dabei handelt es sich in den meisten Fällen um Psychopharmaka oder Amphetamine. Etwa fünf Prozent der arbeitenden Bevölkerung greift, Befragungen zu Folge, regelmäßig zu Medikamenten, um mit dem Stress im Beruf besser umzugehen. Die Dunkelziffer dürfte aber weitaus höher liegen.


Suchtmittel machen auch vor der Chefetage nicht halt

Mit Suchtmitteln gegen den Stress vorzugehen, ist nicht nur bei Arbeitnehmern verbreitet. Die konsumierten Drogen decken dabei die gesamte Palette von Alkohol über Psychopharmaka bis hin zu Kokain oder Speed ab.

Kokainkonsum von Führungskräften

Gerade Führungskräfte werden stark über ihre berufliche Rolle und weniger über ihre Person wahrgenommen, was zu einem Gefühl von Isolation führen kann. Die Sucht von Führungskräften findet in der Regel länger im Verborgenen statt, als die von Personen, die in der Hierarchie weiter unten stehen. Ein Vorsitzender, ein CEO oder ein Abteilungsleiter unterliegt einer viel geringeren Kontrolle und kann seine Sucht deshalb meist länger vor der Außenwelt geheim halten.

Auch der Stresslevel ist bei Menschen, die eine Führungsposition innehaben, meist größer. Ob es zu einer Sucht kommt, hängt allerdings von vielen Faktoren ab. Neben dem Umfeld und der psychischen Verfassung sind es auch genetische Einflüsse, die eine Rolle spielen.


Prävention ist entscheidend, damit es gar nicht erst zur Sucht kommt

Es gibt zahlreiche Ansätze, Projekte und Programme zur Prävention von Suchterkrankungen. Suchtprävention kommt dabei die Aufgabe zu, das Risiko einer Sucht zu minimieren.

Aufklärung ist ein wichtiger Teil der Suchtprävention. Dies muss schon in der Familie beginnen, so der Ratgeber zum Thema Suchtprävention von universal.at. Kinder müssen immer schneller eigenständig werden und sehen sich schon früh mit einem hohen Leistungsdruck konfrontiert. In der modernen, meist hektischen Gesellschaft fehlt oft die Zeit für den intensiven Austausch.

Je stärker das Selbstbewusstsein und die Persönlichkeit eines Menschen ausgeprägt sind, desto seltener greift dieser zu Suchtmitteln. Aber es ist nicht nur die psychische Komponente, die über das Risiko einer Abhängigkeit entscheidet, auch genetische Faktoren spielen eine Rolle. So besteht für Kinder von alkoholkranken Eltern ein höheres Risiko, ebenfalls einmal der Alkoholsucht zu verfallen. Dies hängt mit der Anzahl der hergestellten Neurotransmitter im Gehirn zusammen, welche vererbbar ist.

Stress kann die Entstehung einer Sucht begünstigen und gerade in der modernen, schnelllebigen und von Erfolgsdruck geprägten Gesellschaft, sehen sich viele Menschen ständigem Stress ausgesetzt. Suchtprävention ist richtig und wichtig, allerdings sollte schon einen Schritt früher angesetzt werden, indem die Ursachen für den Stress und den enormen Leistungsdruck größere Beachtung finden. Es müssen Möglichkeiten entwickelt werden, die Arbeitsweise an die neue immer schneller werdende und vernetzte Welt anzupassen, um es den Menschen so zu erlauben, zur Ruhe zu kommen.

Natürlich sollte auch jeder Einzelne für sich einen Weg finden, den Stress zu bewältigen und sich einen Ausgleich zum beruflichen Leben zu schaffen. Die alarmierenden Zahlen der Studien in Bezug auf den Zusammenhang von Stress und Sucht zeigen jedoch, dass es dabei um ein grundsätzliches, die ganze Gesellschaft betreffendes, Problem geht, für das Lösungen gefunden werden müssen. Im Sinne jedes Einzelnen, aber auch im Sinne der Wirtschaft.

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Quelle: Wirtschaftskammer Österreich 2012, Fehlzeitenreport

Linktipps:

– Risiko Sucht – Suchtrisiko
– Die “neuen” Süchte: Arbeitssucht, Kaufsucht, Sexsucht
– Techniken der Angst- und Stressbewältigung lernen
– Stress abbauen: Tipps & Tricks für eine gesündere Lebensweise
– Wie gesund ist ihr Arbeitsplatz?

Kave Atefie





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