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Slow Food oder Fast Food?

Slow Food oder Fast Food?

Slow Food oder Fast Food?

Ein voller Terminkalender, Stress und Hektik. Wenn es besonders schnell gehen muss, greifen wir gerne mal zu Fast Food und Fertigprodukten. Geschmack ist dabei Nebensache. Dem Trend des schnellen Essens setzen Vertreter der Slow-Food-Bewegung eine Kultur des bewussten Genießens entgegen.



Fast Food ist praktisch und beliebt. Ein Burger oder ein Döner lässt sich gut im Gehen verschlingen, macht satt (zumindest kurzzeitig), ist vergleichsweise kostengünstig und schmeckt in allen Ländern mehr oder weniger gleich. Doch als gesunde Mahlzeit eignen sich die schnellen Sattmacher nicht. Das Fertigessen enthält nicht nur viel Fett und Kalorien, sondern auch eine Reihe an künstlichen Zusatzstoffen wie Geschmacksverstärker, Aromen und Farbstoffe. Der Film „Super Size Me“ (2004) von Morgan Spurlock zeigt deutlich, wie schädlich der einseitige Essenskonsum von McDonald’s & Co. sein kann.


„Super Size Me“ – 30 Tage Fast Food

Spurlock verfilmte ein 30-tägiges Selbstexperiment, wobei er sich nur noch von McDonald’s-Essen ernährte. Dabei musste er folgende Regeln beachten:

  • Alle Nahrungsmittel, die er in den 30 Tagen zu sich nahm, mussten ausnahmslos vom McDonald`s-Konzern stammen.
  • Er musste dreimal am Tag bei McDonald`s essen.
  • Er durfte nicht mehr als 2000 Schritte am Tag laufen.
  • Wurde ihm das Menü in „Supersize“ angeboten, der damaligen Übergröße, musste er es bestellen.
  • Er musste jedes McDonald’s-Produkt auf der Karte mindestens einmal bestellen.

Bereits nach den ersten beiden Wochen seines Selbstversuchs zeigten sich erste Spuren der einseitigen Ernährung: Spurlock nahm rapide zu, sein Cholesterinwert erhöhte sich von 186 auf 230 mg/dl und die Leberwerte wurden bedenklich. Am Ende seiner Burger-Odyssee hatte er elf Kilo an Gewicht zugelegt und sein Körperfettanteil war um sieben Prozent gestiegen! Zudem hatte Spurlock eine Fettleber, ein verdoppeltes Herzinfarkt-Risiko und litt an Erschöpfungszuständen, Depressionen, Stimmungsschwankungen und Potenzproblemen.


Warum Fast Food krank macht

Klassisches Fast Food enthält einen erheblichen Anteil an ungesunden tierischen Fetten, viel Zucker, ebenso viel Salz und eine Menge an künstlichen Zusatzstoffen. Ballaststoffe, Vitamine und Mineralstoffe sind hingegen fast gar nicht enthalten. Eine derart einseitige Ernährung führt zwangsläufig dazu, dass man krank wird. Zudem haben Forscher herausgefunden, dass Fast Food abhängig macht und zur sogenannten Fettsucht führen kann, da es das chemische Gleichgewicht im Hirn ähnlich aushebelt, wie jedes andere Suchtmittel.

Adipositas (Fettleibigkeit) ist nicht nur ein großer Risikofaktor für Arteriosklerose, Diabetes und Krebs. Auch das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall steigt. Zudem bewegen sich Übergewichtige weniger und werden inaktiv. Depressionen und Stimmungsschwankungen sind die Folge.

Doch auch der Zeitfaktor spielt eine wichtige Rolle. Burger, Pommes und Döner werden meistens in einer sehr kurzen Zeit verschlungen. Man nimmt sich keine Zeit richtig zu kauen, wenn man schnell im Auto isst. Doch kauen ist wichtig, um Magensäure zu produzieren und richtig zu verdauen.

Selbstverständlich tun die großen Fastfoodketten derlei Aussagen entweder als üble Propaganda ab, oder verweisen darauf, dass „niemand ausschließlich Fast Food konsumiert“, weshalb derlei Untersuchungen vollkommen praxisfremd seien. Wie realitätsnah wiederum solche Statements sind, sind leicht an den Statistiken zur Fettleibigkiet in den USA abzulesen. Möge sich jeder sein eigenes Urteil bilden.


Slow Food – Protestbewegung gegen Burger, Pizza & Co.

1986 sorgte die geplante Eröffnung einer McDonald’s-Filiale, direkt an der spanischen Treppe in Rom, für Aufregung. Carlo Petrini, ein italienischer Publizist, nahm die Eröffnung des Restaurants zum Anlass und gründete noch im selben Jahr die Organisation „Arcigola“. Im Jahr 1989 entwickelte sich daraus die Slow-Food-Bewegung, eine internationale Vereinigung, die heute rund 100.000 Mitglieder, in etwa 150 Ländern, umfasst. Doch was bedeutet der Begriff Slow Food?

Die Slow-Food-Bewegung versteht sich als Gegenbewegung zu Fast Life und Fast Food und hat sich zur Aufgabe gemacht, die Kultur des Essens und Trinkens zu pflegen. Slow Food steht für einen genussvollen und bewussten Umgang mit Lebensmitteln, die auf natürliche und ursprüngliche Art und Weise hergestellt werden. Das Logo von Slow Food ziert eine Schnecke als Symbol für Langsamkeit.

Der Erhalt alter Nutztierrassen und regionaler Pflanzensorten ist den Mitgliedern der Organisation Slow Food ein besonderes Anliegen. Mit der „Arche des Geschmacks“, einem Katalog, in dem bedrohte Nutztiere und –pflanzen aufgelistet werden, versucht der Verein, die Nachfrage nach diesen Produkten wieder anzukurbeln.

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Slow Food besser als strenges „Bio“?

Slow Food kann, muss aber nicht 100% bio sein. Da die Vermarktung von Bio-Ware strengen Regeln unterworfen ist, die kleine Produzenten oft nicht einhalten können (man denke nur an den Nachweis von garantiert biologischen Futtermitteln in der Milchwirtschaft und der Viehzucht usw.), besteht die Organisation „Slow Food“ nicht auf Bio-Qualität im Sinne der Industrie.

Ein paar Überlegungen, weshalb der Slow Food Gedanke mitunter sinnvoller ist als die Bio-Zertifizierung:

1. Slow Food unterstützt die nachhaltige Entwicklung einer Region. Slow Food steht für Produkte mit authentischem Charakter (regional, saisonal), die auf traditionelle oder ursprüngliche Weise hergestellt und genossen werden. Bio-Obst und Bio-Gemüse werden hingegen auch außerhalb der Saison, in Gewächshäusern gezüchtet oder auf langen Wegen aus dem Ausland nach Österreich transportiert. Die Regionalität und Saisonalität, die für Slow Food wichtig sind, geht hier verloren. Zudem leidet die Umwelt unter dem Energieverbrauch auf den Transportwegen.

2. Slow Food fördert die Ess- und Genusskultur. Jungen Menschen wird eine gesunde Ernährung immer wichtiger. Schnellrestaurants und Imbissstände mit Bio-Fast-Food schießen wie Pilze aus dem Boden. Mittlerweile gibt es alle gängigen Fertigprodukte auch in Bio-Qualität. Der Trend zum schnellen Essen setzt sich fort.

3. Slow Food fördert die regionale Wirtschaft und setzt sich für ökologisch nachhaltige Produktionsweisen ein. Zudem dient das Slow-Food-Projekt dem Erhalt der Artenvielfalt in der Landwirtschaft. Ob Supermarkt, Discounter oder Drogerie – die Einkaufsregale sind vollgestopft mit Bio-Produkten. Bio-Lebensmittel sind längst zur Massenware geworden. Die Folge: Bauern werden nicht zu mehr Qualität ermutigt, sondern zur Massenproduktion gezwungen.

Im In- und Ausland gibt es immer mehr „Bio-Agrarfabriken“ die ihre Flächen in Monokulturen bewirtschaften. Sie senken die Artenvielfalt von Tieren und Pflanzen. Viele Bio-Bauern halten sich lediglich an die Mindestanforderungen der EU-Öko-Verordnung für den Schutz von Tieren. Oft bedeutet „Bio“, dass Tausende Tiere, eingesperrt in Eisenkäfigen sind.

Zudem bringt der Bio-Boom größeren Preisdruck in die Branche. Während große Betriebe noch größer werden, können Kleinbauern dem Preiskampf nicht mehr standhalten und verlieren Absatzmöglichkeiten.

Viele junge Landwirte, die nach ökologischen Kriterien arbeiten, fehlt das Geld ihre Höfe zertifizieren zu lassen. Oft entsprechen ihre Produkte nicht den strengen und komplizierten Kriterien der EG-Bio-Verordnung. Sie werden aus der Produktion gedrängt und müssen teilweise schließen.

4. Slow Food tritt für die Wertschätzung von Lebensmitteln ein. Die Zeit als Ökofreaks im Bioladen schrumpelige Äpfel in ihre Jutebeutel packten, ist längst vorbei. Äußerlich ist Bio-Ware nicht mehr von standardisierten herkömmlichen Produkten zu unterscheiden. Eigenwillig gewachsenes Gemüse, das man noch im Sortiment der ersten Bioläden fand, hat mittlerweile keine Chance mehr. Die Folge: Produzenten werfen hochwertige Ware einfach weg.

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Quellen:

¹ Slow Food in Österreich
² Bio gegen Bio (spiegel.de)

Linktipps:

– Nachhaltiger Genuss: BIO ohne Schmäh
– Transfettsäuren – die unbekannte Gefahr
– Falsche Ernährung bereits im Kleinkindalter?
– Biofisch, frischer Fisch, Tiefkühlfisch, Dosenfisch?
– Alpenkoch