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Skihelm & Skiverletzungen

Skihelm & Skiverletzungen

Skihelm & Skiverletzungen

Wenngleich die Zahl der Verletzten im Wintersport zuletzt auf hohem Niveau stagnierte, dürfte der Grad der Kopf-, Knie- und Schulterverletzungen in den letzten Jahren stark angestiegen sein. Experten nennen neben den bekannten Gründen, Selbstüberschätzung und Alkoholisierung, vor allem modernes Skimaterial, aber auch fehlende Schutzausrüstung als Hauptursache. Helme und Protektoren könnten Abhilfe schaffen.



Mit der Entwicklung der Carvingtechnologie ist es im Skisport zu fundamentalen Änderungen in der Fahrtechnik gekommen. So sehr die taillierten Ski Anfängern, wie auch Fortgeschrittenen durch die vereinfachte Skiführung den Fahrspaß erhöhten, so sehr steigerten sie die Belastung für bestimmte Muskel und Sehnen. Denn Carving-Ski ermöglichen dem Fahrer bei kurzen, wie bei langen Schwüngen auch bei hohen Geschwindigkeiten extreme Radien. Doch während das Material damit keine Probleme hat, ist die Beansprachung für den Menschen oftmals bereits zu hoch. Was kurz gefasst zwar weniger Stürze, dafür umso schwerere Verletzungen zur Folge hat.

Viele Tote auf Österreichs Skipisten

Neben 60.000 Verletzten, sind in Österreich in der Wintersaison 2008/09 auch 44 Todesopfer zu beklagen gewesen.

Angesicht dieser dramatischen Zahlen, werden auch heuer wieder Warnungen der Experten ausgesprochen, das Verletzungsrisiko beim Skisport nicht zu gering zu schätzen. Immer häufiger wird die Einführung einer bundesweiten Helmpflicht – zumindest für Kinder und Jugendliche – gefordert.

Schwere Kopfverletzungen

Rund 56.000 Schifahrer und Snowboarder werden sich laut Prognose des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KfV) in der Wintersaison 2009/2010 so schwer verletzen, dass sie im Krankenhaus behandelt werden müssen.

„Durchschnittlich zehn Prozent aller Verletzungen betreffen den Kopf. Und die Unfallstatistik zeigt: Ohne Helm ist das Risiko einer schweren Kopfverletzung doppelt so hoch wie mit Helm“, so Dr. Anton Dunzendorfer vom KfV.

Selbstüberschätzung, Übergewicht & Alkohol

Die Ergebnisse der Skiunfallerhebung 2008, durchgeführt vom Institut für Sportwissenschaften der Universität Innsbruck zeigen, dass der selbstverschuldete Einzelsturz mit 87% die am weitaus häufigsten auftretende Unfallursache ist. Personenkollisionen stehen mit ca. 10% an zweiter Stelle. Aufprall, Liftunfälle, Herzinfarkte und sonstige Ursachen machen zusammen knapp 3% aus. Verletzungen treten am häufigsten an den unteren Extremitäten und hier vor allem am Kniegelenk (39%) auf. Im Gegensatz dazu ziehen sich die Snowboarder vor allem im Bereich Schulter/Rücken/Nacken (16%) und im Armbereich (41%) die häufigsten Verletzungen zu.¹

„Die Skiautobahnen mit perfekt präparierten Pisten und die kurzen, leicht zu drehenden Carvingskier fördern die Selbstüberschätzung“, sagt Wolfgang Viehauser, Sprecher des Salzburger Berufsskilehrerverbandes. Ein weiteres Problem ist, dass rund ein Drittel der Verletzten übergewichtig sind. Und dies kann sich bei Stürzen als Handicap erweisen, das für schwerere Verletzungen sorgt, denn durch körperliche Fitness sinkt das Risiko schwerer Verletzungen nachweislich.

Dazu ein altbekanntes Problem, welches scheinbar nur schwer in den Griff zu bekommen ist: Viele Skiunfälle passieren, weil die Skifahrer und Snowboarder während einer Pause Alkohol trinken und alkoholisiert weiterfahren. Die häufigsten Unfälle ereignen sich wenig überraschend daher auch am frühen Nachmittag, wenn viele Skifahrer schon stundenlang auf den Brettern stehen und die Konzentrationsfähigkeit bereits stark nachgelassen hat. In Kombination mit Alkohol führt dies dann häufig zu überhöhter Geschwindigkeit, falscher Risikoeinschätzung und in weiterer Folge zu Stürzen und Kollissionen mit besonders hohem Verletzungsgrad.

Beim Kuratorium für alpine Sicherheit in Innsbruck etwa rät man deshalb, sich beim Skifahren öfter eine Ruhepause zu gönnen und sich regelmäßig sportlich zu betätigen, um damit auch fürs Skifahren fit zu sein und das Unfallrisiko zu senken. Und selbstverständlich raten die Experten zum Tragen eines Skihelms, denn diese senken das Risiko einer schweren Kopfverletzung enorm. Tatsächlich lässt sich aufgrund der größeren Verbreitung von Sturzhelmen auch bereits ein deutlicher Rückgang bei den schweren Schädelhirntraumata feststellen.²

„Oben ohne“ auf der Piste war gestern – Tipps für den Helmkauf

Da die Auswahl an Helmen mittlerweile riesengroß ist, rät der Deutsche Skiverband (DSV), sich Zeit zu nehmen beim Einkauf. Am wichtigsten ist die perfekte Passform, sonst bietet der Skihelm zu wenig Schutz. Anprobieren im Fachhandel ist deshalb unerlässlich, Kinderhelme dürfen auf keinen Fall zu groß gekauft werden. Der Kopfschutz sollte jedenfalls angenehm zu tragen sein und gut aussehen. Nur dann wird er an jedem Skitag aufgesetzt – auch von den kleinen Brettl-Fans.

  • Damit der Helm größtmöglichen Schutz bietet, muss er zudem genau an die individuelle Kopfform angepasst werden können. Deshalb sollte er auch ein Kopfband zur Feineinstellung haben. Beim Tragekomfort ist auf Gewicht, Belüftungsmöglichkeiten, Sichtfeld und Geräuschwahrnehmung zu achten. Zudem sollten die Verschlüsse des Helms auch mit Handschuhen bedienbar sein.
  • Der Helm muss so fest sitzen, dass er bei einem Sturz nicht vom Kopf gestreift wird.
  • Nach einem schweren Sturz muss der Helm ausgetauscht werden, auch wenn er äußerlich keine Schäden aufweist. Zudem sollte er alle drei bis fünf Jahre erneuert werden, da die UV-Strahlung im Gebirge die Helmschale angreift.
  • Die Skibrille oder Sonnenbrille sollte stets zusammen mit dem Helm anprobiert werden. Viele Hersteller bieten die Brille mit der optimalen Passform gleich mit an.
  • Auf keinen Fall Fahrradhelme zum Skifahren oder Snowboarden verwenden! Dazu das bayerische Verbraucherschutzministerium: „Hier fehlt die Durchdringungsfestigkeit. Sie sind auch nicht auf Kältefestigkeit geprüft.“
  • Skihelme müssen die CE-Kennzeichnung tragen. Damit bestätigt der Hersteller, dass der Helm den gültigen Europäischen Richtlinien entspricht.³

Quellen:

¹ Medical Sports Network – Verletzungen beim Wintersport (Skisport)
² Prim. Franklin Genelin (Salzburg24.at) – Weniger schwere Kopfverletzungen wegen Skihelmen
³ Deutscher Skiverband (DSV) und Bayerisches Staatsministerium für Justiz und Verbraucherschutz.

[red]

Foto: Kave Atefie

Linktipps:

– Skiunfälle vermeiden
– Bessere Vorbereitung verringert das Unfallrisiko auf der Skipiste
– Sportverletzungen vorbeugen
– Sportverletzungen: Prellungen, Stauchungen, Zerrungen
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– Prellungen & Verstauchungen
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