1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (4 Bewertungen, Durchschnitt: 4,00 Sterne von 5)
Sexualität während der Stillzeit | Gesundheit, Lust & Liebe

Sexualität während der Stillzeit | Gesundheit, Lust & Liebe

Sexualität nach der Geburt

Nach der Geburt Ihres Kindes wird oft erwartet, dass der Alltag wieder völlig normal und ohne Störungen weiter läuft. Diese Erwartung kann nicht erfüllt werden, schließlich verändert Ihr Neugeborenes Ihren Tag und Nacht indem es Sie als Mutter wirklich rund um die Uhr beansprucht. Für ein Baby zu sorgen strengt eine Frau körperlich, aber auch seelisch sehr an. Die Stillzeit ist eine gemeinsame Kennenlernzeit, die Nerven kostet und Sie als Mutter an die Grenzen Ihrer Belastbarkeit führt. Besonders betroffen sind hierbei alleinerziehende Mütter, die möglicherweise nur geringe Unterstützung erhalten. Wenn Sie in einer festen Partnerschaft leben, muss dies aber nicht unbedingt so sein.



Obwohl zum Glück für die jetzigen Generationen sich die Väter heute viel engagierter und hilfreich verhalten. Bedingt durch die besondere Beziehung zu Ihrem Kind, ist es verständlich, wenn Sie kein Interesse und emotionale Kraft haben, Ihre Liebe körperlich mit dem Partner zu teilen. Diese innige Liebe zu Ihrem Baby ist aber auch ganz bedeutsam und seit Urzeiten üblich, um einem Kind das Überleben zu ermöglichen und es vor allen Gefahren zu schützen.


Der Vater muss es verkraften, nicht mehr der alleinige Mittelpunkt zu sein

Neue Rollenverteilung: für den Mann, der nun Partner und Vater eines Kindes ist, ist die Umstellung sehr schwer und er muss seine eigenen Wünsche in der Partnerschaft zurückstellen. Aber es verändert sich auch oftmals die Beziehung zum Partner positiver und sie wird stärker und stabiler. Dann ist es auch möglich, dass über die Liebe zum Kind eine besonders intensive und tiefe Verbindung zum Partner gerade auch in der sexuellen Beziehung entsteht.

Auf jeden Fall wird durch das Stillen das sexuelle Verlangen bei Ihnen als Frau beeinflusst und viele Frauen erleben ihre eigene Körperlichkeit anders und neu und möglicherweise mit verstärkten Selbstbewußtsein. Es ist aber auch oft möglich, dass bei einer stillenden Mutter nur geringes Interesse an Sexualität existiert. In der Literatur wird erklärt, dass der niedrige Östrogenspiegel hierfür verantwortlich ist. Je älter das Baby wird und die Menstruation (Monatszyklus) wiedereinsetzt, kann der Wunsch nach Sexualität wird zunehmen, bedingt durch die verantwortlichen Hormone, die den Eisprung auslösen. Aber diese Annahme beruht auf Vermutungen, die ich in Gesprächen mit Stillenden herausfand. Sehr oft erwähnen stillenden Mütter in ihren Stillfragen in der Stillgruppe, dass sie während der Stillzeit das Problem einer trockenen Schleimhaut der Scheide haben. Dadurch wird der Geschlechtsverkehr als schmerzhaft und unangenehm empfunden.

Abhilfe können eine längere Stimulanz sowie eine andere Position oder auch ein Gleitmittel sein. Auf keinen Fall brauchen Sie als Frau und Mann während der Stillzeit auf ihre körperliche Liebe zu verzichten. Während des Verkehrs kommt es zu hormonellen Schwankungen und so kann durchaus der Milchspendereflex ausgelöst werden. Das kann für Sie Beide erschreckend sein oder auch nur als störend empfunden werden und deshalb ist es empfehlenswert zuvor Muttermilch auszustreichen oder das Kind vorher anzulegen, damit die Milch abgetrunken ist. Durch das geringere Interesse an der Sexualität kann Ihr Partner unter Umständen sich vernachlässigt und in seinen eigenen Gefühlen gekränkt fühlen. Diese Zeit der Partnerschaft ist voller Stress und eine Belastungsprobe für eine Beziehung.

Aber als Mutter stillen Sie auch Ihren Wunsch nach Zärtlichkeit beim Versorgen des Babys und während des Stillens. Wenn dann eine Übermüdung über längere Zeit dazukommt, ist es nur verständlich, dass sie kaum weitere Berührungen mag. Ganz wichtig ist in solch einer Situation, dass Sie und Ihr Partner miteinander reden und in diesen Gesprächen die eigenen Gefühle dem anderen erklären. Für den Mann ist es auf jeden Fall auch wichtig, dass er sicher sein kann, dass Sie ihn weiterhin lieben und begehren, aber bedingt durch die veränderte Familiensituation vorübergehend geringeres Interesse an Zärtlichkeit und körperlichen Liebe haben. Im Grunde sind das hormonelle Nebenwirkungen der Geburt und Stillzeit.


Tipps & Tricks

Gespräche zwischen Ihnen und Ihrem Partner verhindern, das ein Teufelskreis entsteht indem Sie sich beide vernachlässigt fühlen. Aber diese Situation muss und darf nicht auf Dauer bestehen! Vor allem für ein Elternpaar ist es sehr wichtig, sich miteinander als Paar zu erleben und gezielt geplant, einige Stunden zu Zweit zu verleben. Zum Beispiel kann ein besonderes Abendessen mit schön gedeckten Tisch oder ein gemütlicher Brunch oder ein Abend mit Musik wieder an die Zeit erinnern, als Sie Beide ohne Kind und nur auf sich konzentriert waren. Das können Sie durchaus zu Hause organisieren, denn viele stillenden Mütter fühlen sich in der Anfangszeit beruhigter, wenn das Baby in der Nähe ist.

Bestimmt kann Ihr Partner bei der Hausarbeit verstärkt helfen und vorkochen. Dieses Umsorgen ist eine große Anerkennung der Stillzeit und der Nachgeburtsphase von Mutter und Kind. Aber auch Ihrem Partner gegenüber ist es wichtig, dass Sie weiterhin an seinen Freuden und Sorgen teilnehmen und ihn auch tüchtig loben, wenn er bei der Hausarbeit hilft obwohl er selbst geschafft nach seinem Arbeitstag ist und wenn dann die Wäsche mal in einer anderen, als in der gewohnten Farbe strahlt. Gehen Sie weiter aufeinander ein und so haben Sie die Chance, als Elternpaar weiterhin ein Liebespaar zu bleiben.

In Zusammenarbeit mit © www.kidnet.de

Linktipps:

– Tipps zum richtigen Stillen
– Verband d. Still- und Laktationsberaterinnen Österreichs
– La Leche Liga Österreich (Stillberaterinnen & Stillgruppen)