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Sexualität in der Pubertät | Gesundheit, Lust & Liebe

Sexualität in der Pubertät | Gesundheit, Lust & Liebe

Sexualität in der Pubertät

Wenn Kinder erwachsen werden, hat das harmonische Familienleben ein Ende. Keine Pubertät verläuft ganz ohne Konflikte. Teenager verhalten sich plötzlich rätselhaft und Eltern verstehen die Welt nicht mehr. Die Teenies sind launisch, geben sich cool und verschlossen, gehen immer häufiger auf Konfrontation, hängen nur noch rum, beteiligen sich weder am Familienleben noch an den häuslichen Pflichten, ihre ganze Energie gilt nur noch eigenen Interessen.



Pubertät – Zeit des Wandels von Körper …

Mit dem Begriff Pubertät (dt: „Geschlechtsreife“) bezeichnet man die Übergangszeit vom Kind zum Erwachsenen. In diesem Abschnitt des Lebens passieren viele körperliche und seelische Veränderungen. Zwischen dem zehnten und dem zwölften Lebensjahr beginnt der Körper verstärkt Geschlechtshormone zu produzieren. Sie sorgen dafür, dass die äußeren und inneren Geschlechtsorgane und -merkmale sich entwickeln und wachsen. Bei Mädchen bedeutet das: Die Brüste vergrößern sich, weil jetzt die Drüsen wachsen, in denen Milch für ein Baby produziert werden kann. Scheide, Venuslippen und Kitzler werden größer. Unter den Achseln und um die Scheide wachsen Haare. Der Zyklus beginnt. Das heißt, in den Eierstöcken reift monatlich eine Eizelle und wandert nach dem Eisprung in die Gebärmutter. Dort wird gleichzeitig die Gebärmutterschleimhaut aufgebaut, um ein befruchtetes Ei aufzunehmen. Wenn keine Schwangerschaft zustande kommt, werden Schleimhaut und Eizelle als Monatsblutung ausgeschieden.

Beim Burschen bedeutet es: Die Hoden wachsen und beginnen Samenzellen zu produzieren. Das Glied wird länger und dicker. Der Junge kann jetzt einen Samenerguß haben und könnte eine Kind zeugen. Unter den Achseln, am Hodensack und über dem Penis, auf Wangen und Hals, auf Brust, Armen und Beinen wachsen Haare. Erwachsene Männer sind generell stärker behaart als Frauen. Der Kehlkopf wächst, dadurch entsteht erst der Stimmbruch, dann wird die Stimme tiefer. Beginn und Verlauf der körperlichen Entwicklung sind bei jedem Menschen anders. Bei Mädchen setzt die Pubertät meist etwas früher ein als bei Buben.

Die Beschleunigung der körperlichen Entwicklung durch die reichhaltige Ernährung in den letzten Jahrzehnten macht unsere Kinder auch früher geschlechtsreif. Das durchschnittliche Alter beim Eintritt der ersten Regel liegt bei 12,5, Jahren, das des ersten Samenergusses bei 13,5 Jahren und hat in den westlichen Industrieländern in den letzten hundert Jahren um 3 – 4 Jahre abgenommen.

– und Seele

Pubertät ist auch eine Zeit für seelische Entwicklungen. Dazu gehört immer auch ein Durcheinander in den Gefühlen. Das hängt zum Teil direkt mit den Hormonen zusammen, die ein unerklärliches Auf und Ab von Stimmungen verursachen können. Vor allem bedeutet Erwachsenwerden aber auch, selbstständiger werden wollen und müssen, das Leben ausprobieren und neue Erfahrungen machen. Das ist aufregend und macht Spaß, gleichzeitig erlebt man aber auch Enttäuschungen und Ängste. Pubertät ist für die meisten Menschen die Zeit, in der sie sich das erste Mal verlieben und häufig auch den ersten Liebeskummer erleben. In dieser Zeit findet man auch heraus, welche sexuellen Wünsche und Vorlieben man hat.

Abgeschlossen ist der körperliche Veränderungsprozeß normalerweise zwischen dem sechzehnten und dem achtzehnten Lebensjahr. Oft ist es jedoch schwierig, diese Zeit so zu überstehen, ohne dass die Gräben zwischen Kindern und Eltern allzu tief werden.

Erste sexuelle Erfahrungen …

Die Stimme kippt, der Busen wächst, die Stimmung fährt ständig Achterbahn dazu pausenlos Stress mit den Eltern, aber eigentlich interessiert nur das eine …

Mit durchschnittlich 14 Jahren erleben Jugendliche den ersten „richtigen“ Kuss, mit durchschnittlich 15,5 Jahren beginnt der Junge mit dem „Necking“, dem Streicheln des nackten weiblichen Oberkörpers und der Brust, mit 16 Jahren kommen die ersten Pettingerlebnisse hinzu (Streicheln der äußeren Sexualorgane und Berühren des äußeren Scheideneingangs mit der Hand, dem Penis oder auch mit Lippen und Zunge), bevor Jugendliche im Alter von durchschnittlich 17,5 Jahren erstmals mit einem Partner schlafen.

– von Mädchen

Beim ersten Geschlechtsverkehr kommt es für das Mädchen zu einem einschneidenden Erlebnis, nämlich dem Zerreißen des Jungfernhäutchens. Obwohl in der Regel der Schmerz bei diesem Vorgang recht gering ist, vorausgesetzt der Partner ist zärtlich und behutsam, haben wohl alle Mädchen ein wenig Angst vor diesem Ereignis, vor allem auch weil sie sich ängstigen, etwas falsch zu machen. Wenn es dann vorbei ist, sind die meisten Mädchen froh und stolz, unabhängig davon, ob der Sexualakt für sie beglückend war oder nicht.

– von Buben

Das erste Mal ist auch für Jungen nicht immer ein voller Erfolg. Da der Junge keine eigenen Erfahrungen hat und diese auch nicht durch die detailliertesten Darstellungen von Sexszenen in den Medien ersetzt werden können, verläuft der erste Geschlechtsakt häufig etwas ungeschickt. Der Junge hat noch nicht gelernt, seine Gefühle zu zeigen und darüber zu sprechen und hat nur Erfahrungen mit der Selbstbefriedigung, bei der es um einen raschen Orgasmus geht. Häufig bereitet das Ungestüm des Jungen dem Mädchen Schmerzen, die es auch äußert, worauf dem werdenden Mann abrupt die Kraft verloren gehen kann. Selbst wenn das Glied steht, kann der Junge Probleme haben, es in die Vagina einzuführen, weil er entweder vor lauter Aufregung den Weg nicht findet oder weil der wenig zärtliche Umgang mit dem Mädchen verhindert, dass dieses genügend Schleim produziert, der das Eindringen in die Vagina erst möglich macht. Wenn in solchen Situationen das Mädchen die Initiative übernimmt, kann das erste Mal für beide aber doch noch zum beglückenden Erlebnis werden.

Sex oder Liebe ?

Jugendliche unterscheiden anfänglich noch nicht zwischen Sex und Liebe, sie verlieben sich zunächst in die äußere Erscheinung eines Partners, weniger in seine inneren Werte. Zunächst gehen sie miteinander, halten Händchen, verbringen die Freizeit miteinander, küssen sich noch schüchtern auf den Mund und haben das Gefühl zusammenzugehören. Diese erste zarte Liebe hat viel mit Romantik zu tun. Es können Monate bis Jahre vergehen, bevor die Verliebten dann ihre erste intime Erfahrung machen, häufig unter dem Druck des sozialen Umfeldes.

Der Einfluss der Medien und der Druck der Gruppe auf das Sexualverhalten kann in der Pubertät nur deshalb so groß sein, weil das Selbstwertgefühl der Pubertierenden sehr instabil ist und eine große Unsicherheit besteht. Das mangelnde Selbstwertgefühl und die mit den pubertären Veränderungen des Körpers und der Sexualorgane entstehenden Selbstzweifel bewirken, dass das Mädchen die Anerkennung durch die Gruppe braucht und dafür auch bereit ist, nun endlich mit ihrem Freund zu schlafen, um dieses Erlebnis hinter sich zu bringen. Der Junge möchte endlich die Erfahrung machen, die einen Jungen zum Mann macht. Erst am Ende der Puberät beginnen Jugendliche zwischen Liebe und Sex zu unterscheiden. Es kommt zu einer echten ersten Liebe, in der der Partner wegen seiner Werte mehr geliebt wird als wegen seines Äußeren. Es kommt zu einem gemeinsamen Erleben, zum Beispiel von Natur und Musik. Liebe und Sexualität verschmelzen, Treue und Liebe werden zu hohen Werten.

Aufklärung

Die sexuelle Aufklärung sollte zu Beginn der Pubertät längst abgeschlossen sein. Dennoch gibt es immer noch Jugendliche, die kaum eine Aufklärung erfahren haben, weil ihre Eltern aus Scham dieses Thema scheuten. Die Aufklärung in den Schulen sollte zumindest die wichtigsten Fakten über die körperlichen Veränderungen und die aufkeimende Sexualität umfassen. Aber auch die beste Aufklärung in der Schule kann das vertrauensvolle Gespräch mit den Eltern nicht ersetzen.

Da Jugendliche ihre ersten sexuellen Kontakte heute verhältnismäßig früh haben, sind sie meist noch nicht in der Lage, Fragen der Verhütung eigenverantwortlich zu regeln. Das beginnt bei der Entscheidung über die verschiedenen Verhütungsmethoden, bei der die Hilfe der Eltern oft sehr wichtig ist.

Die rechtzeitige Aufklärung erfüllt zwei wichtige Funktionen: Einerseits wird der Jugendliche über die Gefahren und Freuden einer frühen sexuellen Beziehung informiert. Andererseits erlebt er die Eltern als Partner, die offen über Sexualität sprechen und offensichtlich sexuelle Gefühle achten und verstehen. Sie werden damit im Notfall zu wichtigen Ansprechpartnern und können Hilfestellung bei entstehenden Problemen leisten.

Tipps für die Eltern:

  • Besondere Sensibilität ist gefragt beim Thema Sexualität und Intimsphäre! Respektieren Sie auf jeden Fall, wenn Ihr Kind gerade hier verschlossener reagiert, keine Lust mehr auf einen Gute-Nacht-Kuss hat, sich auf einmal im Bad einschließt und nicht mehr nackt durch die Wohnung läuft. Ihr Kind fühlt sich noch fremd im eigenen Körper. Neugierige Blicke von außen sind unerwünscht.
  • Bieten Sie Gespräche zum Beispiel über Sexualität an. Es gibt wissenschaftliche Studien, die belegen, dass offene Kind-Eltern-Gespräche über Sexualität von Kindern positiv aufgenommen werden. So tragen sie dazu bei, dass das Kind geeignete Voraussetzungen für eine glückliche Partnerschaft erhält. Auch hier ist Ehrlichkeit gefragt. Machen Sie ruhig deutlich, dass es auch für Sie nicht einfach ist, zum Beispiel über das „erste Mal“ vollkommen ungezwungen zu reden.
  • Auch beim Kinderzimmer gilt: Tabuzone. Rumschnüffeln und Hinterherspionieren schafft Misstrauen. Wer dagegen anklopft, signalisiert: „Ich achte deine Privatsphäre.“ Das schafft Vertrauen.
  • Nicht gleich beleidigt sein, wenn Sie als Eltern nicht mehr die große Rolle im Leben Ihrer Kinder spielen. Freunde sind jetzt einfach wichtiger als Eltern. Im Freundeskreis sucht Ihr Kind einen Platz und eine neue Heimat. Dort wird getestet, wie man bei den anderen ankommt und wie attraktiv man auf Gleichaltrige wirkt.
  • Nehmen Sie es gelassen wenn Sie Autorität einbüßen. Sie möchten doch auch, dass sich Ihr Kind von Ihrem Rockzipfel trennt. Sorgen Sie dafür, dass Ihr Kind behutsam den Weg in die Selbständigkeit findet. Und seien Sie unbesorgt, so ganz ohne Hilfe der Eltern läuft das ohnehin nicht. Hier ist es wichtig, den Spagat zwischen Grenzen ziehen und loslassen hinzubekommen.
  • Überfordern Sie Ihr Kind nicht mit zu vielen Freiheiten, bleiben Sie aber unbedingt offen für Ihr Kind, auch wenn Sie manchmal verletzt oder sauer sind. Sie sollten immer ein offenes Ohr haben und dem Kind signalisieren, dass Sie jederzeit gesprächsbereit sind, selbst wenn Konflikte unüberbrückbar scheinen.

Linktipps:

– Pornos zur Aufklärung
– Verhütungsmittel
– Pubertät – Achterbahn der Gefühle
– Familienhandbuch: Sexualität in der Pubertät