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Künstlich geformte Körper: Schönheit um jeden Preis?

Künstlich geformte Körper: Schönheit um jeden Preis?

Risiken von Schönheitsoperationen werden oft nicht bedacht

Immer mehr Menschen begeben sich unter das schönheitschirurgische Messer, und die Kunden derartiger ärztlicher Körper-Tunings werden immer jünger, die Eingriffe immer extremer. Die gesundheitlichen Konsequenzen werden oftmals ausgeblendet.



Die ständig steigende Zahl durchgeführter Schönheits-OP’s ruft auch die Politik auf den Plan: In Wien fand bereits 2008 ein Internationaler Kongress zu gesundheitlichen Folgen unerreichbarer Schönheitsideale statt. „Gesellschaftliche Normen prägen für viele Frauen das oft unerreichbare Bild eines Schönheitsideals. Der vermeintlich perfekte Körper erscheint so erstrebenswert, dass dafür vieles in Kauf genommen wird – von chirurgischen Eingriffen, oft schon in jungen Jahren, bis zur permanenten, gesundheitsgefährdenden Diät oder der Körperformung durch sportliche Höchstleistungen“, betonte damals Gesundheits- und Sozialstadträtin Mag.a Sonja Wehsely im Rahmen der Präsentation der Themen des Fachkongresses „Der gemachte Körper – Körperbild(er) zwischen Schlankheitswahn, Schönheitskult und Natürlichkeit“ im Wiener Rathaus.

Wehsely sieht eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe darin, den Frauen den Druck zu nehmen, sich an normierten Idealen orientieren zu müssen: „Wir müssen der Verunsicherung von Frauen und Mädchen entgegenwirken und ihr Selbstbewusstsein stärken. Das oft auch unseriöse Geschäft mit der Schönheit darf nicht auf Kosten der Gesundheit gemacht werden.“

Tendenz: alarmierend

Acht Prozent der Österreicherinnen haben bereits einen Schönheits-Eingriff hinter sich, jede vierte kann es sich vorstellen.

Das Thema Schönheitsoperationen beschäftigt immer mehr Österreicherinnen, wie ao. Univ.-Prof.in Dr.in Beate Wimmer-Puchinger, Frauengesundheitsbeauftragte der Stadt Wien, berichtet: „Acht Prozent der Frauen über 14 Jahren geben an, bereits einen schönheitschirurgischen oder kosmetischen Eingriff hinter sich zu haben“, zitiert die Expertin eine aktuelle Gallup-Umfrage im Auftrag des Wiener Frauengesundheitsprogramms. Weitere 25 Prozent können sich vorstellen, eine solche schönheitsmedizinische Intervention machen zu lassen.

„Diese hohen Werte zeigen, dass Frauen so stark mit normierten Schönheitsidealen konfrontiert sind, dass viele von ihnen glauben, sie nur durch medizinische Eingriffe erreichen zu können“, so Prof.in Wimmer-Puchinger.

„Die gesundheitlichen Folgen unrealistischer Körperbilder sind oft erheblich – von Esstörungen, an denen rund 200.000 Österreicherinnen zumindest einmal in ihrem Leben erkranken, über Komplikationen bei schönheitschirurgischen Eingriffen bis hin zu massiven psychischen Problemen. Wir müssen Frauen dazu ermutigen, andere Wege zur Zufriedenheit mit dem eigenen Körper auszuloten.“

Faltenbehandlungen und Gesichtsstraffungen führen mit 54 Prozent die Liste der gemachten oder gewünschten Eingriffe an, vor Nasenkorrekturen (18 Prozent), Fettabsaugungen (16 Prozent) und Brustvergrößerungen oder -verkleinerungen (15 Prozent).

Nur zehn Prozent sind mit dem Ergebnis ihrer Schönheitsoperation „sehr zufrieden“, elf Prozent sind „sehr unzufrieden“

In scharfem Kontrast zur Popularität von Schönheitsoperationen steht die Zufriedenheit mit deren Resultat. Das Risiko, eine Operation auf sich zu nehmen, führt häufig nicht zum gewünschten Ergebnis, wie die aktuelle Studie zeigt. Elf Prozent der Befragten, die bereits einen einschlägigen Eingriff hinter sich haben, sind „sehr unzufrieden“, das sind mehr als jene zehn Prozent, die „sehr zufrieden“ bilanzieren. „Angesichts dieses äußerst durchschnittlichen Ergebnisses ist zu bezweifeln, ob sich das Risiko einer Operation wirklich lohnt“, so Prof.in Wimmer-Puchinger. „Die Hoffnung, dass ein Schnitt mit dem Skalpell das Leben verändert, bleibt offenbar Illusion.“

Medien beeinflussen das Körperbild mehr als der Partner

Knapp die Hälfte der Frauen hält übrigens den Einfluss der Medien für besonders bedeutend, wenn es um die Zufriedenheit oder Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper geht — das ist deutlich mehr Einfluss als etwa dem eigenen Partner (28 Prozent) oder den Freundinnen (28 Prozent) zugeschrieben wird.

Schönheitstraum als Schuldenfalle

Was die nicht unerheblichen Kosten des Eingriffs selbst betrifft, ortet Prof.in Kickbusch einen anderen alarmierenden Trend: „Es sind keineswegs nur die Reichen und Schönen, die sich unter das schönheitschirurgische Messer begeben, sondern immer häufiger auch einkommensschwache Menschen, die das Geld für die kostspieligen Eingriffe kaum aufbringen können.“ Eine immer häufigere Konsequenz ist die Schönheit auf Pump. Vor allem in den USA bieten spezialisierte „plastic surgery loan companies“ an, Fettabsaugungen, Brustvergrößerungen und Co. zu finanzieren. Aber auch in Europa, zum Beispiel in Deutschland, haben Kreditinstitute die Marktlücke Schönheits-Kredit bereits entdeckt. „Wer Schönheit auf Kredit finanziert, kann rasch in der Schuldenfalle landen“, warnt Prof.in Kickbusch, „insbesondere dann, wenn Komplikationen oder Misserfolge weitere Behandlungskosten erfordern.“

Immer jünger, immer extremer

Es begeben sich nicht nur immer mehr Menschen in schönheitschirurgische oder kosmetische „Behandlung“, sie werden tendenziell auch jünger. „Einer US-Studie zufolge können sich 60 Prozent der 16 bis 24jährigen vorstellen, einen solchen Eingriff an sich machen zu lassen. Jedes fünfte Kind zwischen neun und 14 Jahren wünscht sich einen verschönernden Eingriff, zeigte eine Untersuchung der Deutschen Bundesanstalt für Ernährung und Landwirtschaft“, zitiert Prof.in Kickbusch aktuelle Untersuchungen.

Der Wunsch nach „Köperformung nach Maß“ sei auch längst nicht mehr auf die „Klassiker“ Nasenkorrektur, Faltenbeseitigung, Brustvergrößerung oder Fettabsaugung beschränkt, beobachtet die international tätige Expertin. Aus Russland kommt etwa ein Trend zu extremen Eingriffen: Um möglichst lange Beine zu bekommen, lassen sich vorwiegend junge Frauen etwa die Unterschenkelknochen brechen und dann in langwierigen Prozeduren verlängern. Prof.in Kickbusch: „Ein zunehmender weltweiter Trend sind auch so genannte Vaginalverschönerungen, Frauen lassen sich eine Designer-Vagina formen oder verengen, die Schamlippen verkleinern oder mit Eigenfett unterspritzen.“ Laut American Society of Plastic Surgery ist Intimchirurgie das am schnellsten wachsende Segment der Fachrichtung. „Zur Sicherheit oder den Langzeitfolgen derartiger Eingriffe gibt es allerdings kaum wissenschaftliche Evidenz“, kritisiert Prof.in Kickbusch.

Viele Österreicherinnen für Altersgrenzen

Die Frage, ob es bei Schönheitsoperationen Grenzen geben oder immer der individuelle Wunsch von Frauen respektiert werden soll, polarisiert: Je die Hälfte der Befragten vertritt – allgemein gefragt – jeweils die eher regulierende oder eher freizügige Auffassung. Die konkrete Forderung nach einer Altersuntergrenze für Schönheitsoperationen hat allerdings eine klare Unterstützung: 77 Prozent der Frauen treten für eine solche ein, unter den jüngeren Frauen unter 30 sind es sogar 86 Prozent. „Aus gutem Grund werden solche Altersuntergrenzen derzeit in ganz Europa diskutiert“, so Prof.in Wimmer-Puchinger.

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Quellen:

¹ www.diesie.at – Wiener Programms für Frauengesundheit
² www.essstoerungshotline.at – Wiener Initiative gegen Essstörungen

Linktipps:

– Qualitätskriterien in der ästhetisch-plastischen Chirurgie
– Schönheitschirurgie: Das Geschäft mit der Schönheit
– Botox: Nervengift für die Schönheit?
– Fettabsaugung – im Handumdrehen zur schönen Figur?
– Brustvergrößerung: Methoden, Tipps & Risiken
– Lipolyse: plastische Chirurgen warnen vor Anwendung
– Methoden der Po-Vergrößerung und Po-Modellierung
– Diäten im Test