Di, 22.05.2012
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Schneckengift gegen Schmerzen

Schneckengift gegen Schmerzen

Schnecke hilft Schmerzpatienten

Eine Fleisch fressende Meeresschnecke aus der Gattung Conus könnte die Schmerztherapie revolutionieren. Ihr lähmendes Beutegift kann synthetisch hergestellt und als ein Schmerzmittel eingesetzt werden, das 1000-mal wirksamer ist als Morphine.



“Die Substanz mit der Bezeichnung SNX-111 hat eine völlig andere Wirkungsweise als alle bekannten Schmerzmittel und hilft dort, wo herkömmliche Medikamente nichts mehr ausrichten können”, so Hans Kress, Chefanästhesist am Wiener AKH. SNX-111 blockiert an der Oberfläche von Nervenzellen so genannte Kalzium-Kanäle. Dadurch kann der Schmerz nicht mehr weitergeleitet werden.

Das Schneckengift könnte vor allem jenen Patienten helfen, die an von Nervenverletzungen verursachten Schmerzen leiden. Sie entstehen zum Beispiel nach Amputationen (“Phantomschmerzen”) oder beim Einwachsen von Tumoren in das Nervengewebe. Das Medikament kann auf Grund seiner extrem hohen Wirksamkeit nur in ganz geringen Dosen verabreicht werden. Daher implantiert man in den Körper des Patienten eine Pumpe, die je nach Ausmaß der Schmerzen verschieden hohe Mengen des Medikaments ausschüttet. Die Dosis bewegt sich dabei im Bereich von wenigen milliardstel Gramm.

Internationale klinische Studien, an denen auch das Wiener AKH beteilig war, verliefen sehr erfolgreich. SNX-111 könnte daher schon bald auf den Markt kommen, hofft Kress.

Schon seit einigen Jahren werden in österreich mit großem Erfolg elektronische Methoden zur Schmerzbekämpfung angewendet. Bei der sogenannten Spinal-Cord-Stimulation (SCS) werden in das Rückenmark Elektroden eingesetzt. Sie senden Impulse aus, die chronische Schmerzen völlig verschwinden lassen können, ohne dass der Patient zusätzlich Medikamente einnehmen muss. Das Gerät funktioniert drei bis fünf Jahre. Danach müssen die Batterien ausgetauscht werden.

Bis zu 65.000 österreicher leiden unter schweren chronischen Schmerzen. Einer von ihnen war der Wiener Rudolf Elias, der trotz sechs Operationen und der Einnahme von hochdosierten Morphinen jahrelang an unerträglichen Rückenschmerzen litt. “Durch die SCS-Therapie kann ich wieder normal gehen und meinen Beruf ausüben. Zuvor habe ich 15 Tabletten am Tag geschluckt und war für meine Mitmenschen oft nicht mehr ansprechbar”, erzählt Elias.