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Pilzvergiftungen: Vorbeugung, Symptome und Behandlung

Pilzvergiftungen: Vorbeugung, Symptome und Behandlung

Pilzvergiftungen, Symptome und Behandlung

Weit über 6.000 Pilzarten sind hierzulande bekannt, viele davon sind nicht genießbar, aber nur etwa 150 sind wirklich giftig. Dennoch fordern Giftpilze jährlich ihre Opfer. Bei manchen treten die Vergiftungssymptome erst nach einer langen Latenzzeit zwischen vier Stunden und mehreren Tagen auf, bei anderen treten die typischen Symptome bereits 15 bis 30 Minuten nach dem Verzehr auf. Dann gilt es rasch zu reagieren, um sofort die richtige Behandlung einleiten zu können. Noch besser wäre es allerdings, durch entsprechende Pilzkenntnis Vergiftungen von vornherein zu vermeiden.



Erfahrene Pilzkenner sind oftmals erstaunt über die arglose Vorgehensweise, die Hobbysammler beim Umgang mit Pilzen an den Tag legen. Nicht nur, dass elementare Regeln bei der Pilzernte missachtet werden, fehlt oftmals auch das Grundwissen über den richtigen Transport und die entsprechende Lagerung. Durch die schier unerschöpfliche Artenvielfalt erfordert es zudem jahrelange Erfahrung, um Speisepilze von ihren giftigen Doppelgängern unterscheiden zu können.

Fünf Grundregeln für ungetrübten Pilzgenuss

1. Bevor Pilzliebhaber tatsächlich an die Ernte gehen, sollten sie sich ausführlich über die vorkommenden Pilzarten der Region informieren. Dabei ist stets der Grundsatz zu bedenken, dass es beinahe keinen Speisepilz gibt, der nicht ungenießbare oder giftige Doppelgänger besitzt. Die sicherste Methode, sich nicht mit Pilzen zu vergiften, ist die Fähigkeit, die diversen Arten genau voneinander unterscheiden zu können, deshalb müssen die einzelnen Merkmale der jeweiligen Pilze gut verinnerlicht werden.

Anfänger sollten sich ihre Funde zusätzlich von erfahrenen Pilzkennern erklären lassen, da selbst Bilder und detaillierte Beschreibungen die von Kennern in der Natur erworbene Erfahrung nicht ersetzen können.

2. Es sollten nur gesunde und reife Pilze gesammelt werden, alte, schimmelige, durchnässte oder gefrorene Pilze unbedingt stehen lassen. Bei der Ernte soll darauf geachtet werden, dass die Pilze sanft ausgedreht oder knapp über dem Boden abschnitten werden, sodass die eigentliche Pflanze (Myzel), die sich sich unter der Erde befindet, nicht zu Schaden kommt.

3. Wenn ein Pilz sicher als Speisepilz erkannt wurde, sollte dieser gleich an Ort und Stelle gereinigt werden und alle unbrauchbare Teile entfernt werden.

4. Pilze nur in Mengen sammeln, die bald nach dem Pflücken verarbeitet und verzehrt werden können, denn Pilze eignen sich nicht für längere Frischlagerung. Beim Transport sollte optimalerweise ein Korb verwendet werden, da die Pilze in Plastiksäcken zu schwitzen beginnen und dadurch sehr rasch verderben. Können die Pilze nicht mehr am selben Tag verarbeitet werden, sollten sie zumindest in zwei Hälften oder vier Vierteln aufgeschnitten und auf Papier ausgebreitet werden.

5. Vorsicht vor rohen Pilzen! Nur sehr wenige Arten (z. B. Champignons, Herren- und Steinpilze) sind roh für den Menschen verträglich. Manche Pilze, die zubereitet essbar sind, sind roh sogar giftig. Vorsicht gilt auch im Umgang mit Alkohol, denn in Verbindung mit alkoholischen Getränken können manche Pilzarten gesundheitsschädlich wirken.

Symptome und Behandlung einer Pilzvergiftung

Wenngleich sich die Häufigkeit von Pilzvergiftungen mangels eines zentralen Melderegisters nicht genau bestimmen lässt, lassen sich Trends anhand von Krankenhausaufzeichnungen gut festmachen. So passieren in Österreich etwa zwei Drittel der Pilzvergiftungen in den Monaten August, September und Oktober, wodurch jedes Jahr durchschnittlich 40 Menschen stationär im Spital behandelt werden müssen. Tödliche Vergiftungen sind möglich, kommen aber eher selten vor. Für etwa 90 Prozent der tödlichen Pilzvergiftungen zeichnet der Knollenblätterpilz verantwortlich.¹

Zu den häufigsten Symptomen einer Pilzvergiftung (Myzetismus) zählen:

  • Übelkeit und Erbrechen
  • Schweißausbrüche
  • Magen- und Bauchschmerzen
  • Schwindel und Gleichgewichtsstörungen
  • Herz-Kreislauf-Beschwerden

Erste Hilfe-Maßnahmen bei einer Pilzvergiftung

  • Unverzüglich Arzt oder Krankenhaus aufsuchen – in schweren Fällen Notarzt kontaktieren. Die Vergiftungszentrale am AKH Wien – erreichbar unter der Telefon-Nummer: 01/406 43 43 – bietet rund um die Uhr ärztlich-toxikologische Beratung bei akuten Vergiftungsfällen.
  • Es ist sinnvoll, Pilzreste vom Putzen, Speisereste (auch ungewaschene Teller) oder Erbrochenes zum Arzt oder ins Spital mitzunehmen, um eine schelle Diagnose zu ermöglichen.
  • Ohne ärztliche Weisung nichts zu essen oder zu trinken geben.
  • Trotz anderslautender Meldungen ist es – ohne ärztliche Anordnung – nicht sinnvoll, Erbrechen auszulösen, keinesfalls sollte der Brechreiz jedenfalls mit Milch oder Alkohol gefördert werden.

Die ärztliche Behandlung einer Pilzvergiftung richtet sich nach Art und Schwere der Vergiftung. Sie kann rein symptomatisch erfolgen, aber auch Magenspülungen und die Gabe von Aktivkohle umfassen, um so das Pilzgift aus dem Körper des Patieneten zu entfernen.

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¹ Österreichisches Rotes Kreuz: Richtig reagieren bei einer Pilzvergiftung

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Linktipps:

– Pilze (Schwammerl) – Speisepilze im Überblick
– Pilzinformationen des Marktamtes Wien
– Datenbank der Pilze Österreichs