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Onanie | Gesundheit, Lust & Liebe

10.03.12

Onanie, Selbstbefriedigung oder Masturbation – heute ist es kaum mehr vorstellbar, mit welcher Verbitterung und Hysterie noch vor hundert Jahren das Onanieren wahrgenommen und gesellschaftlich geächtet wurde.

Onanie bedeutet Selbstbefriedigung im weitesten Sinne, sexuell oder nicht. Onanie ist aber als Begriff für geschlechtliche Selbstbefriedigung relativ verbreitet, eigentlich aber falsch, denn der Begriff Onanie wurde von Onan, einer biblischen Figur ( Genesis / 1. Buch Mose, Kapitel 38, Vers 8 – 10) abgeleitet. Tatsächlich wurde Onan aber nicht bekannt, weil er sich selbst befriedigte, sondern weil er seinen Penis kurz vorm Orgasmus raus zog, sich also eines Coitus interruptus “schuldig” gemacht hatte.

So sollte Onan vor circa 3000 Jahren, nach einem altjüdischen Gesetz die Witwe seines Bruders namens Thamar ehelichen, um mit ihr einen männlichen Nachkommen zu zeugen. Dazu hatte er aber keine Lust, deswegen machte er im schönsten Moment den sogenannten «Rückzieher», auch Coitus interruptus genannt; die Nachkommenschaft blieb so natürlich aus.

Onan erfreute sich offenbar auch ohne Zeugungswunsch am Sex und das wurde lange Zeit als Selbstbefriedigung interpretiert. Zu jener Zeit eine Sünde, der Krankheit und Gebrechen nachgesagt wurden. So wurde Onan aus einem Missverständnis heraus der Namensgeber für die Onanie.

Definition:

Onanieren ist gleichzusetzen mit dem lateinischen Verb ‘masturbor`, und ein Onanist, also ‘masturbator`, eine männliche Person die sich selbst befriedigt, nicht zu verwechseln mit der Masturbation ( = allg. Selbstbefriedigung) an sich. Zur sexuellen Selbstbefriedigung gehört im Prinzip jede Stimulierung (Reizung) des eigenen Körpers zum Zweck sexueller Lust. Meist wird darunter das Streicheln und Reiben der eigenen Geschlechtsorgane und anderer erogener Zonen bis zum Orgasmus verstanden. Im wesentlichen unterscheidet man Genital-Masturbation (Stimulierung der Geschlechtsteile) und Anal-Masturbation (Stimulierung der Afterschleimhäute). Hierzu können auch Masturbationsgeräte, wie der Vibrator oder die Penis-Pumpe oder aufblasbare Kunststoffpuppen, früher “Seemannsbraut” genannt, mit einer Öffnung in Form und Größe einer weiblichen Scheide, mit Brüsten und teilweise auch einer Öffnung im Mund der Puppe als Sex-Spielzeug verwendet werden.

Selbstbefriedigung: Die Reise zur eigenen Lust, oder Sünde ?

Selbstbefriedigung galt lange Zeit nicht nur als schwere Sünde, sondern auch als gesundheitsschädlich. Noch bis zu Beginn dieses Jahrhunderts glaubten seriöse Mediziner, Masturbation sei Ursache vieler Krankheiten (z.B. Rückenmarkschwindsucht, Epilepsie, Idiotie, Impotenz). Jugendlichen versuchte man mit strengen Strafen und Bandagieren der Geschlechtsteile und Hände das Masturbieren “auszutreiben”. Heute wissen wir, dass Masturbation keinerlei Gefahr bedeutet, im Gegenteil: die Wissenschaft bestätigt, dass die körperliche und sexuelle Selbsterfahrung der Sexualpsyche förderlich ist.

Es ist heute kaum mehr vorstellbar, mit welcher Verbitterung und Hysterie noch vor hundert Jahren das Onanieren wahrgenommen und gesellschaftlich geächtet wurde, natürlich von vielen Theologen, aber auch von Ärzten und Wissenschaftern. Aktuelle medizinische Forschungsergebnisse hingegen fördern erstaunliches zu Tage, so schützt häufiges onanieren laut Veröffentlichungen des British Journal of Urology (Originalstudie im BJU International, Bd. 92, S. 211; BJU International) Männer sogar vor Prostatakrebs.

Die Wissenschafter verglichen dabei Daten zu Sexualpraktiken von 1.079 Prostatakrebs-Patienten mit denen von 1.259 gesunden Männern im Alter von 20 bis 50 Jahren. Fazit: Wer in seinen 20ern öfter als fünf Mal pro Woche ejakuliert, senkt damit den neuen Ergebnissen zufolge sein Risiko für den am meisten verbreiteten Krebs bei Männern um ein Drittel.

Dieses Ergebnis widerlegt nicht nur Moralisten, die dereinst den Nachwuchs vor Blindheit durch Onanie warnten, sondern ergänzt auch jüngere medizinische Studien, berichtet das britische Fachblatt “New Scientist”. Der Vollständigkeit halber sei hier auch noch ausdrücklich erwähnt, dass eine Ansteckung mit dem HIV-Virus bei Selbstbefriedigung jeglicher Art natürlich völlig auszuschließen ist, soweit benutzte Gegenstände und Geräte nicht gemeinsam mit anderen Personen verwendet werden.

Tabu-Thema Selbstbefriedigung

Obwohl in unserem Kulturkreis Onanie heute als ein völlig normaler und verbreiteter Vorgang angesehen wird, betrachten viele Menschen die Selbstbefriedigung als einen minderwertigen Ersatz für Sex mit einem Partner. Wer masturbiere mache es ja nur, weil er niemanden habe, nicht begehrt sei und sich anderweitig behelfen müsse.

Demgegenüber stehen die Ergebnisse des sogenanten Kinsey-Reports “Das sexuelle Verhalten des Mannes”, der bereits 1948 berichtete, dass 88 Prozent aller männlichen verheirateten Amerikaner im Alter zwischen 16 und 20 Jahren regelmäßig onanieren. Und für über die Hälfte der Unverheirateten galt dies sogar noch im Alter von 50 Jahren.

Selbstbefriedigung ist also ganz und gar nicht als Notlösung zu betrachten: Der Sex mit sich selbst gehört zum Geschlechtsleben wie Küssen, Streicheln, verschiedene Stellungen oder Rollenspiele. Der “Vorteil” ist nur, dass man nicht auf einen Partner angewiesen ist. Das Geheimnis der sexuellen Lust steckt einzig und allein in den eigenen Fingerspitzen.

Übrigens, Selbstbefriedigung ist keineswegs allein Angelegenheit der Männer: 80 Prozent der Frauen und 94 Prozent der Männer machen es regelmäßig. Männer fangen etwa mit zwölf Jahren an und masturbieren dann mindestens zweimal wöchentlich, Frauen einmal pro Woche und oft erst regelmäßig, wenn sie auf die 20 zugehen. Dies haben Sexualforscher in weltweiten Studien herausgefunden.

Sich selbst zu streicheln, zu reiben und mit den eigenen Händen oder einem Hilfsmittel zum Orgasmus zu bringen, tut also offensichtlich gut und entspannt außerordentlich. Ein Orgasmus baut Hemmungen und Stress ab, ist befreiend und wahrscheinlich eines der besten Schlafmittel überhaupt. Viele Menschen sehen jedenfalls in der Selbstbefriedigung den ersten Schritt zu einem erfüllten Liebesleben.

Oder mit den Worten des amerikanischen Schauspielers und Regisseurs Woody Allen: Onanie, das ist Sex mit einem Menschen, den man sehr, sehr liebt.

Linktipps:

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