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Österreich wird dicker: Übergewicht mitverantwortlich für Diabetes

Österreich wird dicker: Übergewicht mitverantwortlich für Diabetes

Dickes Österreich

Herr und Frau Österreicher werden immer dicker! In der internationalen Rangliste der Fettleibigkeit belegt Österreich bereits Platz sechs – nach Griechenland, USA, Großbritannien, Deutschland und Finnland. Wenn Übergewicht zur Fettsucht wird: Die Plattform „Die Dicke Chance“ bietet Rat und Hilfe Bewegung, richtige Ernährung, psychologische und medizinische Betreuung als Kampfansage gegen überflüssige Kilos.



Rund 800.000 Österreicherinnen und Österreicher bringen zu viel auf die Waage, über 80.000 sind sogar krankhaft übergewichtig. Auch der jährlich im Auftrag des Gesundheitsministeriums erstellte „Österreichische Ernährungsbericht“ zeigt akuten Handlungsbedarf auf: 11 Prozent der Österreicher gelten als fettleibig (Body Mass Index über 30), alarmierende 41 Prozent der ÖsterreicherInnen leiden an Übergewicht (Body Mass Index über 25). Besonders alarmierend ist, dass immer mehr Kinder davon betroffen sind.

Mit Maß und Ziel lässt sich den überflüssigen Kilos zu Leibe rücken. Dabei steht nicht die Bikinifigur im Vordergrund, sondern Wohlbefinden und Gesundheitsvorsorge. Denn Tatsache ist: Übergewichtige leiden nicht nur an zahlreichen körperlichen Folgekrankheiten wie Diabetes oder erhöhtem Krebs- und Herzinfarktrisiko, sondern sie sind auch in ihrer Lebensqualität und ihrem Bewegungsspielraum stark eingeschränkt. Der soziale Druck, dem gesellschaftlichen – schlanken – Schönheitsideal zu entsprechen, führt oft zu großen seelischen Belastungen. Österreichweit bietet die Plattform Die Dicke Chance mit der kostenlosen Hotline 0800-190 130 Rat und Hilfe, vermittelt Ansprechpartner und informiert im Internet unter www.diedickechance.at.

Innerhalb Österreichs zeigt sich ein deutliches Ost-West-Gefälle: Leiden in den östlichen Bundesländern bis zu 13 Prozent der Menschen an therapiebedürftigem Übergewicht, so sind es im Westen nur sechs Prozent. Spitzenreiter ist das Burgenland wo rund 13 Prozent der Bevölkerung adipös sind.

Von Fettleibigkeit (Adipositas) spricht man bei einem Body Mass Index (BMI = Körpergewicht in kg, geteilt durch die Körpergröße in Meter zum Quadrat) über 30, krankhaft ist die Fettleibigkeit ab einem BMI von 40.

Untergewicht: < 20
Normalgewicht: 20,0 – 24,9
Übergewicht: 25,0 – 29,9
Adipositas Grad I: 30,0 – 34,9
Adipositas Grad II: 35,0 – 39,9
Adipositas Grad III: > 40

Behandlungsmöglichkeiten bei krankhaftem Übergewicht

Die Behandlung von extremen Formen des Übergewichtes ist durch konservative Maßnahmen langfristig meist aussichtslos. Gelenksprobleme, Rückenschmerzen, soziale Ausgrenzung und depressive Verstimmungen erschweren die Bemühungen um sportliche Betätigung und Änderung des Essverhaltens. Extremer Leidensdruck und ein Body Mass Index (Körpergewichts-Körpergröße-Index) über 40 kg/m² lassen auch einen chirurgischen Eingriff (Bariatrische Chirurgie bzw. Adipositaschirurgie) empfehlenswert erscheinen.

Übergewicht & Diabetes

Diabetes Typ 2 hat sich in den letzten Jahren zu einem der größten medizinischen Probleme entwickelt. Experten sind sich einig, dass im Jahr 2010 annähernd 300 Millionen Menschen weltweit betroffen sein werden. Schon jetzt nehmen die Begleiterkrankungen und Komplikationen des Typ 2 Diabetes wie Schlaganfall, Bluthochdruck, Nierenversagen, Augenveränderungen, Infektanfälligkeit, Haut- und Nervenerkrankungen, Durchblutungsstörungen und Herzinfarkt dramatisch zu. Die häufigste Ursache für die epidemische Ausbreitung dieser Erkrankung ist das Übergewicht, bedingt durch falsche und übermäßige Ernährung sowie mangelnde Bewegung. Fazit: Eine Reduktion des Übergewichtes ist zentral in der Behandlung des Typ 2 Diabetes.

War der Typ 2 Diabetes bis vor 50 Jahren fast ausschließlich bei älteren Menschen anzutreffen („Alterszucker“), so ist dieser, rapide zunehmend, ein Problem der übergewichtigen mittleren Generation und sogar Jugendlicher. Übergewicht und besonders krankhafte Fettleibigkeit (morbide Adipositas) ab einem Bauchumfang von 88 cm bei Frauen und 102 cm bei Männern erhöht das Risiko für diese Erkrankung massiv. Denn das Bauchfett ist ein hormonaktives Gewebe und mitverantwortlich, dass der Blutzucker nicht mehr in die Körperzelle transportiert und dort abgebaut werden kann (Insulinresistenz).

Univ. Doz. Dr. Karl Miller, Vorstand der chirurgischen Abteilung Hallein und Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Adipositaschirurgie, erklärt: „Der erhöhte Blutzucker ist zusammen mit erhöhten Blutfetten ein besonders aggressiver Verursacher von Verkalkungen kleinerer und großer Gefäße (Atherosklerose). Dies führt zu Durchblutungsstörungen lebenswichtiger Organe und zu den bereits genannten Folgeerkrankungen. Eine zentrale Bedeutung in der Behandlung des Typ 2 Diabetes liegt demnach in einer Reduktion des Übergewichtes.“

Aktuelle Untersuchungen am Krankenhaus Hallein zeigten, dass 37 % der Typ 2 Diabetiker zu Zeitpunkt der stationären Aufnahme wegen eines adipositaschirurgischen Eingriffs noch nichts von ihrer Erkrankung wussten.

Adipositaschirurgie bedeutet je nach Verfahrenswahl einen mehr oder minder großen bauchchirurgischen Eingriff mit entsprechenden Risiken sowie Veränderungen am Magen-Darmtrakt. Weltweit sind das verstellbare Magenband (Gastric Banding) und die Magenumgehungsoperation (Magenbypass) die häufigsten derartiger Operationen. Zahlreiche Untersuchungen und klinische Studien belegen die Wirksamkeit chirurgischer Eingriffe zur Gewichtsreduktion und der Verbesserung der diabetischen Stoffwechsellage. Weit über 80 % der operierten Typ 2-Diabetiker mit einem Magenbypass benötigen auf lange Sicht weder Insulin noch Medikamente zur Diabetesbehandlung, eine Verbesserung der so genannten Insulinresistenz wird bei 99% beobachtet. Zahlreiche klinische Studien zeigen besonders beim Magenbypass eine hohe Effektivität in der Normalisierung der Zuckerstoffwechsellage.

Entwicklung von Diabetes Typ 2

Übermäßige Nahrungszufuhr spielt zwar eine wesentliche Rolle, wird aber alleine nicht nur für die Entwicklung von Diabetes verantwortlich gemacht. Nicht jeder Übergewichtige leidet an Typ 2 Diabetes; nur etwa ein Viertel der Patienten mit einem BMI von über 35, ist davon betroffen. Der obere Dünndarmabschnitt scheint nach neuesten Erkenntnissen durch die Produktion verschiedener Botenstoffe (Hormone und Enzyme) bei der Entwicklung aber auch bei der Rückbildung von Typ 2 Diabetes mitverantwortlich zu sein. Regulationsstörungen zwischen Hunger und Sättigung sowie Energieverbrauch sind betroffen. Wird dieser Darmabschnitt wie etwa beim Magenbypass ausgeschaltet normalisiert sich die Insulinempfindlichkeit bereits nach einigen Tagen. Amerikanische Studien zeigen, dass Patienten bereits nach 6 Tagen die Medikamente zur Behandlung von Diabetes reduzieren oder absetzen konnten noch bevor ein signifikanter Gewichtsverlust einsetzte.

Vorsorge und Prävention – Maßnahmen damit es gar nicht erst so weit kommt

Gesundheit und Wohlbefinden sind Wünsche, die in Umfragen immer an oberster Stelle zu finden sind. Veranlagung, Umwelt, Arbeitswelt und der eigene Lebensstil haben einen maßgeblichen Einfluss auf die Gesundheit. Dabei ist jeder Einzelne gefordert, Verantwortung für sich zu übernehmen und Aktivitäten zu setzen. Auch dies sollte ein Grund sein, sich mit der eigenen Gesundheit bewusst auseinander zu setzen und zu erkennen, dass jeder Einzelne zu seinem körperlichen Wohlbefinden beitragen muss. Es gibt viele Möglichkeiten den Organismus zu stärken, sich wohl zu fühlen und aktiv das Leben zu bewältigen. Kleine, aber wesentliche Veränderungen können dauerhaft Lebensenergie steigern, Gesundheit fördern und das Risiko von Übergewicht und Zivilisationskrankheiten (wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Krebs) deutlich mindern.

Ganzheitliches Zusammenspiel der Maßnahmen gegen Übergewicht.

Im ganzheitlichen Sinne ist eine Kombination aus Ernährungsberatung, Bewegung und sportmedizinischer Betreuung sowie psychologischer Begleitung oder psychotherapeutischer Behandlung sinnvoll. Ab einem Body Mass Index von über 40 sind für manche Betroffenen operative Behandlungsmethoden wie das verstellbare Magenband oder der Magenbypass ein Ausweg aus der Krankheit. Effiziente Therapiekonzepte brauchen Zeit und Geduld um den gewünschten Nutzen für die Betroffenen zu bringen und sollten mit einem medizinischen Ansprechpartner abgeklärt werden.

Multidisziplinäres Team sorgt für beste medizinische Betreuung

Bei der Behandlung von krankhaft übergewichtigen Patienten ist Teamarbeit unbedingt notwendig. Ebenso wie bei der Entstehung dieser Erkrankung viele Faktoren eine Rolle spielen, so ist die Betreuung durch Internisten, Ernährungsberater, Sportwissenschafter, Psychologen und im Falle einer Operation auch durch den Chirurg erforderlich. Maßnahmen wie Ernährungsumstellung und regelmäßige Bewegung sind die wichtigsten Maßnahmen in der Vorbeugung dieser epidemischen Erkrankung.

Linktipps:

– Diabetes und Sport
– Ernährungsirrtümer
– Kampf dem Übergewicht: Sport angeblich kaum hilfreich
– Abnehmen am Bauch – gut für Körper und Seele
– Fasten & Entschlacken – das Geschäft mit dem Essensverzicht
– Ausgewogene Diät ohne Einschränkung – geht das?
– Gewichtsentwicklung in der Schwangerschaft
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