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Nachhaltigkeit – das Geschäft der Zukunft?

Nachhaltigkeit – das Geschäft der Zukunft?

Nachhaltigkeit

Steigende Arbeitslosigkeit, Wirtschaftskrise, Umweltskandale, Rohstoffknappheit, skandalöse Arbeitsbedingungen, Kinderarbeit, Klimawandel… Schlagworte, die im Zusammenhang mit Wirtschaftsethik und Nachhaltigkeit stehen, gibt es viele. Immer mehr Konsumenten und Investoren erwarten verantwortungsvolles Wirtschaften in einer Welt, in der unternehmerisches Handeln globale Auswirkungen haben kann. Corporate Social Responsibility (CSR) soll kein reines Marketing-Schlagwort sein.



Unternehmen, die CSR, also Corporate Social Responsibility, ernst nehmen, verfolgen nicht nur monetäre Ziele, sondern erkennen auch ihren gesamtheitlichen Auftrag. Es geht darum, die Interessen der Mitarbeiter im eigenen Betrieb, aber auch in den Erzeugerländern der Waren mit einzubeziehen. Wichtige Voraussetzung: Unternehmen müssen transparent agieren, einen Wertekatalog erstellen, und nach diesem handeln – Überprüfung der Standards inclusive!


Was ist Nachhaltigkeit?

Zusammengefasst geht es bei „Nachhaltigkeit“ um die Prinzipien des nachhaltigen Wirtschaftens, die ­Verantwortung für die Arbeitsbedingungen und um Verbraucherinteressen. Ein Konzern, der auf nachhaltige Prinzipien achtet, übernimmt „soziale Verantwortung” und lässt diese gesellschaftlichen Belange in die unternehmerischen Entscheidungen mit einfließen. Der wertschätzende Umgang mit Rohstoffen, mit Mitmenschen und Natur bildet die Grundlage für nachhaltiges Agieren.

Nachhaltigkeit betrifft also menschliche Arbeitsbedingungen, ökologisch schonenden Umgang mit Ressourcen, Tierschutz, etc. und hat Auswirkungen auf den Herstellungsprozess, den Transport, das Angebot bzw. die Ausgabe oder Ausfolgerung der Ware.

Mittlerweile gibt es eine Reihe von ‚Qualitätssiegeln‘, bzw. Prüfinstanzen, die sich dieser Thematik angenommen haben. Auch manche ISO Zertifizerung geht in diese Richtung. ISO steht für „International Standardization Organization“, die ISO ist also eine internationale Organisation, die sich mit Standardisierung befasst.

Gut zu wissen: Wenn ein Unternehmen nach ISO zertifiziert wird, dann bedeutet das vereinfacht, dass sämtliche Schritte in Produktion und Verwaltung des Betriebes durchgehend nach bestimmten Regeln beschrieben und alle Mitarbeiter mit den sie betreffenden Regeln vertraut sind. Sachverständigengremien überprüfen in regelmässigen Abständen diese Standards. Oft verlangen zertifizierte Unternehmen auch von den Zulieferern eine Zertifizierung, damit die ISO Standards durchgängig gelten.

Ähnlich verhält es sich auch bei Zertifizierungen zum Thema ‚Nachhaltigkeit‘. Je mehr Teilnehmer sich in der Erzeugungskette CSR Standards verpflichten, desto nachhaltiger ist das Endprodukt.


Mögliche Themen einer CSR-Strategie

Eine typische CSR-Strategie berücksichtigt – ja nach Branche – beispielsweise folgende Themen:

Verantwortungsvolle Waldbewirtschaftung z.B. über Beitritt zu FSC®. FSC® steht für Forest-Stewardship-Council®, eine internationale Non- Profit Organisation, die sich weltweit für eine verantwortungsvolle Waldbewirtschaftung einsetzt und diese fördert. Die FSC® Prinzipien beinhalten regelmäßige Kontrollen, dass nur so viel Holz abgeholzt wird, wie auch wieder nachwachsen kann. Damit bleiben natürliche Dämme erhalten und Versteppung wird vorgebeugt.

Auch der routinemäßige Einsatz von Recyclingpapier ist ein zentrale Punkt bei der Ressourceneffizienz. Dadurch werden nicht nur Holz, sondern auch große Mengen von Wasser und Energie gespart.

Nachhaltiger Anbau von Baumwolle z.B. über die Initiative ‚Cotton made in Africa‘ und ‚Bio- Baumwolle‘ ermöglicht einen geringeren Verbrauch an Pflanzenschutz- und Düngemittel sowie Wasser. Die Projekte initiieren auch Schulungen und vermitteln Bauern effiziente und umweltschonende Anbaumethoden.

Klimaschutzmaßnahmen sind auch beim Transport wichtig. Von der Produktion bis zum Versand legt ein Produkt oft weite Strecken zurück. Eine Möglichkeit, hier den ökologischen Fußabdruck zu optimieren, ist der Ersatz der CO2-intensiver Luftfracht durch Transporte mit dem Schiff.

Auch bei der direkten Warenzulieferung an Kunden ist es möglich, auf eine CO2 neutrale Zustellung zu achten. Ebenso ist es natürlich essentiell, schon am Produktionsort den Einsatz alternativer Energieformen zu fördern.

Ein Code of conduct, also eine Sammlung von Richtlinien bzw. Regelungen, die sich Unternehmen im Rahmen einer freiwilligen Selbstbindung auferlegen, um ihrer sozialen Verantwortung gerecht zu werden, formuliert Verhaltensanweisungen die als grundlegende Handlungsorientierung gelten.

Meist werden solche Codes of Conducts in Zusammenhang mit Arbeitsbedingungen erstellt, und gerade im Kontext von Corporate Social Responsibility sind solche Codes häufig zu finden.

Wichtig ist, dass auch Importeure und Lieferanten in den Code miteinbezogen werden und die Richtlinien auch in den Produktionsländern bzw. am Transportweg berücksichtigt werden.

Die in einem Code of Conduct enthaltenen Grundprinzipien basieren üblicherweise auf den Anforderungen der International Labour Organization (ILO) sowie der UN-Konvention zu den Rechten des Kindes und zur Beseitigung jeder Form der Diskriminierung der Frauen.

Dazu gehören die Beschränkung von Höchstarbeitszeiten auf maximal 60 Stunden pro Woche, die Bezahlung von Überstunden, das Verbot von Kinder und Zwangsarbeit und ein dem gesetzlichen Mindestlohn entsprechendes Entgelt.

Kontrolliert wird die Einhaltung entsprechender Standards typischerweise von unabhängigen Audit-Gesellschaften.


Sind CSR Strategien gesundheitsfördernd?

Selbstverständlich muss bei den Arbeitsbedingungen nicht nur auf die Bedingungen in den Produktionsländer eingegangen werden. Vielmehr geht es darum, allen Mitarbeitern in der Produktions-, Transport- und Verkaufskette ein Arbeitsumfeld zu bieten, das die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, sowie die Work-Life Balance fördert. Maßnahmen im weiten Feld ‚Gesundheitsmanagement‘ sollen routinemässig angeboten werden.

Fachliche und persönliche Weiterbildungsprogramme sind dabei ein möglicher Baustein, in verantwortungsbewussten Unternehmen wird darüber hinaus vorausblickend in die Gesundheit der Mitarbeiter und Produzenten investiert. Prophylaktische Gesundheits- und Fitnessprogramme können ebenso angeboten werden, wie z.B. frisches Obst und Gemüse zur freien Entnahme, oder auch Coaching- und Supervisionsprogramme zur Erhaltung der psychischen Gesundheit.

Betriebskrippen und Kindergärten, flexible Arbeitszeitmodelle, Kontaktprogramme während der Karenz, gemeinsame Veranstaltungen für Mitarbeiter und deren Familien sind weitere mögliche Maßnahmen, die physische und psychische Gesundheit der Mitarbeiter zu fördern und eine Investition, die sich jedenfalls lohnt.

Harald Gutschi, Geschäftsführer der Otto Group, die sich seit 25 Jahren dem Gedanken der Nachhaltigkeit verpflichtet fühlt, bringt es auf den Punkt: „Nachhaltigen Wirtschaften, die ­Verantwortung der Arbeitsbedingungen und Verbraucherinteressen, sind essentiell. Ein Konzern, der auf nachhaltigen Prinzipien baut, übernimmt soziale Verantwortung”.

Dabei werden auch gesellschaftliche Belange in die unternehmerischen Entscheidungen mit einbezogen. Der ökologische Erfolg ist ein weiterer Aspekt von nachhaltigem Wirtschaften – der Planet Erde solle auch für die Nachwelt lebenswert bleiben. „Der wertschätzende Umgang mit Rohstoffen, mit Mitmenschen und Natur bildet die Grundlage für nachhaltiges Agieren”, so Gutschi.


Ethischer Konsum wächst

Doch nicht nur Firmen setzen sich mit ethischem Handeln auseinander – auch Investoren, Konsumenten oder Angestellte, bzw. Mitarbeiter legen zunehmend Wert auf den optimierten ökologischen Fußabdruck.

Das wachsende Interesse der Konsumenten für ethisches bzw. ökologisch verantwortungsbewusstes Wirtschaften trägt das Seine dazu bei, dass immer mehr Unternehmen CSR-Konzepte erstellen, bzw. eigene Beauftragte und Abteilungen etablieren. Mittlerweile wird von Unternehmen erwartet, gesellschaftliche Interessen in unternehmerische Entscheidungen mit­ ein zu beziehen und offen darzulegen.

Auch auf Seiten der institutionellen Investoren, allen voran Pensionskassen und Abfertigungskassen, gewinnt das Thema CSR immer mehr an Bedeutung. Wer will schließlich, dass seine Pension oder Abfertigung aus dem Gewinn eines Unternehmens finanziert wird, das für unmenschliche Arbeitsbedingungen berüchtigt ist.

Kehrseite der CSR Medaille: Immer mehr Unternehmen schmücken sich mit ‚hauseigenen‘ Qualitätssiegeln, die toll klingen, aber keine objektive Nachhaltigkeit sicher stellen. Also Vorsicht: es ist nicht alles Gold, was glänzt, und nicht überall wo ‚Nachhaltigkeit‘ drauf stehet, ist auch ‚Nachhaltigkeit‘ drinnen.

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Quellen:

Quelle.at – Nachhaltigkeitsprogramm
Aktuelle Beiträge, Studien und Forschungen zur nachhaltigen Entwicklung in Unternehmen

Linktipps:

– Biolebensmittel
– Fischkauf – richtig gemacht
– Chemie in der Kleidung
– Österreichische Gesellschaft für Umwelt und Technik
– Ökotex – Nachhaltige Textilerzeugung
– Nachhaltigkeit im Test