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Muskelzerrung – Aufwärmen ist besser als Heilen!

Muskelzerrung – Aufwärmen ist besser als Heilen!

Muskelzerrung durch richtiges Aufwärmen verhindern

Schnell ist’s passiert: eine ungeschickte Bewegung beim Sport oder bei anderen Belastungen, der Schmerz schießt in den betroffenen Muskel, dieser lässt sich nicht mehr richtig bewegen – Muskelzerrung. Die Muskelzerrung stellt eine sogenannte geschlossene Muskelverletzung dar. Die Gefahr dabei: Fährt man mit dem Sport oder der Belastung fort, können Teile des Muskels beim nächsten beherzten Antritt reißen.



 

Was können die Ursachen sein?

Die Muskelzerrung ist eine der häufigsten Sportverletzungen überhaupt. Ein schneller Antritt, Sprung und explosiver Richtungswechsel wie im Fußball, Handball, Basketball und Hockey – der Muskel wird übermäßig gedehnt und erleidet eine Zerrung. Selbst Marathonläufer sind vor Muskelzerrungen nicht gefeit, provoziert durch chronische Über-bzw. Fehlbelastung der Muskeln während der Langzeitaktivität. Falsches oder ungewohntes Schuhwerk ist in diesem Zusammenhang „Gift“ für die Muskulatur des Marathonläufers.

Begünstigt wird das Auftreten einer Zerrung durch nicht ausreichend aufgewärmte Muskulatur und niedrige Umgebungstemperaturen. Deswegen ist ein ausreichendes Aufwärmen der Muskulatur im Rahmen eines Warm-up-Programms vor allem bei niedrigen Temperaturen besonders wichtig.

Wie macht sich eine Muskelzerrung bemerkbar?

Grundsätzlich kann eine Muskelzerrung in allen Muskelpartien auftreten: Von Waden- und Oberschenkelmuskeln, über Rücken- und Schultermuskulatur bis hin zu Oberarm- oder Bauchmuskeln. Unabhängig von der betroffenen Muskelgruppe verlaufen Zerrungen immer ähnlich: Es fühlt sich an, als ginge ein „kalter Luftzug“ durch den Muskel. Dieser „macht zu“, beginnt sich zu verkrampfen und fühlt sich plötzlich hart an. Übt man Druck auf die verletzte Stelle aus, spürt man meist einen punktartigen und stechenden Schmerz. Dabei sollte man die Belastung sofort unterbrechen, um weitere Folgen, wie etwa einen Muskelfaserriss, zu vermeiden.

 

Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Muskelzerrungen

Ist es nun zu einer Muskelzerrung bis hin zu einem Muskelriss gekommen, tritt sofort die „PECH-REGEL“ in Kraft. Bei den darin beschriebenen Maßnahmen zählt tatsächlich jede Minute:

P steht für Pause. Das heißt: Nicht die Zähne zusammenbeißen und weitermachen, sondern sofort mit dem Sport oder der Belastung aufhören. Der verletzte oder schmerzende Körperteil sollte unverzüglich ruhig gestellt werden.
E steht für Eis. Die betroffene Stelle umgehend mit Eis, fließendem kaltem Wasser oder einem kalten Umschlag behandeln. Kälte reduziert die Muskelspannung, Blutungen und Schwellungen. Die Einwirkzeit sollte wenn möglich 20 Minuten betragen. Kältepackungen jedoch niemals direkt auf die Haut legen, sondern die betroffene Stelle vorher mit einem Tuch abdecken. Vorsicht: Bei offenen Wunden keine Kälte anwenden!
C steht für Compression. Einen festen Verband mit einer elastischen Binde anlegen, am besten um einen kalten Umschlag herum. So wird das Ausbreiten von Hämatomen (Blutergüssen) in Grenzen gehalten.
H steht für Hochlagerung. Dadurch wird die Blutzufuhr verringert. Flüssigkeit, die aus den Blutgefäßen in das umliegende Gewebe ausgetreten ist, wird leichter abtransportiert. Die Schwellung vermindert sich ebenso wie die damit verbundenen Schmerzen. Nach etwa drei Tagen ist die Anwendung milder Wärme ratsam, um den Regenerationsprozess im Muskel zu beschleunigen. Schonende Bewegungen – wie Spazierengehen – oder das Auflegen einer Wärmflasche sorgen für eine ausreichende Durchblutung. Gut durchblutetes Gewebe regeneriert schneller. Zur völligen Wiederherstellung sollte der Muskel jedoch einige Wochen nicht zu stark belastet werden.

Altbewährte Hausmittel

Schon unsere Großeltern wussten Muskelzerrungen wirksam zu behandeln. Hier einige Tipps, die rasche Erleichterung bringen können:

  • äußerlich Hamamelis- oder Arnikasalbe (oder -Lösung) leicht einmassieren
  • Obstessig auf ein Tuch geben und im Bereich der Zerrung auf die Haut legen
  • Moorbäder nehmen
  • zerquetschte Majoranblätter mit etwas Honig mischen und dies im Bereich der Zerrung auftragen
  • die gute alte Ringelblumensalbe kann ebenfalls helfen, Schmerzen zu lindern
  • Franzbranntwein – ausschließlich äußerlich angewandt!
  • eine Mischung aus einem Bund zerhackter Petersilie und einem steifgeschlagenen Eiweiß in ein Leintuch geben, dies auf die Zerrung für mehrere Stunden auflegen
  • essigsaure Tonerde (z. B. als Umschlag) auf die Zerrung legen

Wann zum Arzt?

Verschwindet der Schmerz nicht innerhalb kurzer Zeit und sind Bewegungsfähigkeit und Muskelkraft eingeschränkt, sollten Sie umgehend den Arzt aufsuchen. Schildern Sie den Unfallhergang, dadurch erhält der Arzt erste Hinweise auf die Art der Verletzung. Mit spezifischen Bewegungstests lässt sich das Ausmaß der Einschränkung bestimmen. Eine Ultraschalluntersuchung zeigt, ob es sich um einen Riss oder Bluterguss handelt, wo sich der Ausgangspunkt der Verletzung befindet und wie groß deren Ausmaß ist.

 

Vorbeugung

Die beste und effektivste Vorbeugung von Muskelzerrungen besteht darin, die Muskulatur vor jedem Training ausreichend aufzuwärmen und vorsichtig zu dehnen („Stretching“). Auch nach dem Sport sollte man seine Muskeln noch einmal dehnen, keinesfalls jedoch der Kälte aussetzen. Am besten duscht man gleich nach dem Training warm, da sich die Muskulatur auf diese Weise gut entspannen kann. Außerdem ist beim Sport Betreiben eine ausreichende Magnesiumversorgung wichtig, da Magnesium die Muskelelastizität und die Entspannungsfähigkeit begünstigt. So treten im Sommer Zerrungen deutlich häufiger auf als im Winter. Grund ist ein Magnesiummangel, ausgelöst durch vermehrte Magnesiumverluste über den Schweiß in der warmen Jahreszeit.

Bei überdurchschnittlich häufig auftretenden Muskelzerrungen empfiehlt es sich zu prüfen, ob chronische Erkrankungen vorliegen und diese sich auf muskulärer Ebene auswirken. Oft handelt es sich dabei um Erkrankungen, die man nicht mit dem Auftreten von Muskelschmerzen in Zusammenhang bringen würde: chronische Infekte im Körper, wie Zahnwurzelentzündungen, Mandel- oder Kieferhöhlenentzündungen usw. Die Praxis beweist, dass nach der Therapie dieser Erkrankungen auch die muskulären Beschwerden oft deutlich zurückgehen.

Linktipps:

– Kryotherapie – heilen mit Kälte
– Fibromyalgie (Faser-Muskel-Schmerz)
– Muskelkater – Was tun, wenn die Muckis brennen?
– Sportordination: Muskelzerrung
– Muskelzerrung: Tipps und Hausmittel

Verfasst von Nadeschda Schukoff