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Muskel-Skelett-Erkrankungen im Arbeitsalltag

Muskel-Skelett-Erkrankungen im Arbeitsalltag

Muskel-Skelett-Erkrankungen

Unter den Begriff Muskel-Skelett-Erkrankungen (MSE) fällt eine Reihe von Krankheitsbildern, zum Beispiel Erkrankungen des unteren Rückens, wie Bandscheibenvorfälle, Hernien sowie Muskel- und
Gewebeverletzungen. Nicht nur im Büroalltag, sondern auch in vielen anderen Berufen gelten Rückenschmerzen bereits als die Norm. Seit Jahrzehnten führt das „Kreuz mit dem Kreuz“ die Statistik der Gründe für Arbeitsunfähigkeit an. Experten raten Betroffenen zu mehr Aktivität – ganz nach dem Motto: ein starker Rücken schützt vor Schmerzen.



Unter den Begriff Muskel-Skelett-Erkrankungen (MSE) fällt eine Reihe von Krankheitsbildern, zum Beispiel Erkrankungen des unteren Rückens. Diese umfassen Bandscheibenvorfälle, Hernien, Muskel- und Gewebeverletzungen. Auch Arthrosen, beispielsweise der Knie, und Entzündungen der Schulter-, Arm- und Handgelenke fallen unter den Oberbegriff MSE. Die meisten arbeitsbedingten Muskel- und Skeletterkrankungen werden von der Arbeit selbst oder vom direkten Arbeitsumfeld des Arbeitnehmers verursacht.

Bei der Entstehung und Verschlimmerung von Muskel-Skelett-Erkrankungen spielen die Arbeitsbedingungen eine wesentliche Rolle. Ursachen für Fehlbelastungen des Muskel-Skelett-Systems sind u.a. das Heben und Tragen schwerer Lasten, Zwangshaltungen und Vibrationen ebenso wie einseitige Belastungen (z.B. durch vorwiegend sitzende oder stehende Tätigkeit) oder eine bewegungsarme Arbeitsgestaltung. Die Kombination mit psychischen Fehlbelastungen – durch Arbeitsverdichtung, Zeitdruck, eingeschränkte Handlungsspielräume oder fehlende soziale Unterstützung (mehr Infos) – führt zu einem erhöhten Erkrankungsrisiko.

Muskel-Skelett-Erkrankungen weit verbreitet

MSE sind ein weit verbreitetes Problem in Europa. Erhebungen der Europäischen Stiftung für die Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen zufolge klagen 25 % der Arbeitnehmer über Rückenschmerzen. Weitere 23 % geben an, unter Muskelschmerzen zu leiden. Statistiken gehen sogar von 30 – 40 % Betroffenen innerhalb der österreichischen Bevölkerung aus. Schmerzen, aber auch langwierige Behandlungen führen schließlich zu Arbeitsausfällen, die sowohl den Arbeitnehmer als auch die Kollegen und Arbeitgeber belasten.

Kreuzschmerzen und chronische Rückenschmerzen sind die häufigsten Beschwerden innerhalb der Gruppe der muskulo-skelettalen Erkrankungen. Für den betroffenen Mitarbeiter bedeuten sie persönliches Leid und Einkommensverluste, für den Arbeitgeber bewirken sie eine Schwächung der Unternehmenseffizienz und für den Staat führen sie zu einer Erhöhung der Sozialversicherungskosten.

Arbeitsmedizin: Gesundheitsförderung und Prohylaxe

Viele Probleme können verhindert oder deutlich verringert werden, wenn die bestehenden Rechtsvorschriften für Sicherheit und Gesundheitsschutz eingehalten und die Hinweise der Arbeitsmedizin auf gute praktische Lösungen beachtet werden. Dazu gehört die Bewertung der einzelnen Tätigkeiten, die Einführung vorbeugender Maßnahmen und die Überprüfung ihrer Wirksamkeit.

Die Arbeitsmedizin beschäftigt sich mit den Wechselbeziehungen zwischen den Anforderungen, Bedingungen und Organisationen der Arbeit sowie dem Menschen, seiner Gesundheit und seiner Beschäftigungsfähigkeit. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, arbeitsbedingte Gesundheitsschäden und Berufskrankheiten vorzubeugen, zu erkennen sowie Arbeitsplätze und Arbeitsabläufe ergonomisch zu gestalten. Auch die Integration von chronisch Kranken und Behinderten und die Wiedereingliederung nach längeren Krankenständen zählen zu ihren Schwerpunkten.

Erkenntnisse über die Ursachen und Präventionsmöglichkeiten von MSE gelten zwar mittlerweile als Standard, sie sind aber in vielen Betrieben und zahlreichen Aufsichtsbehörden noch nicht im erforderlichen Umfang handlungsrelevant geworden.

Ein starker Rücken schützt vor Schmerzen

Mediziner sprechen von chronischem Kreuzschmerz, wenn die Beschwerden länger als zwölf Wochen andauern. Viele Betroffene reduzieren aus Angst vor Schmerzen ihr Bewegungsprogramm und verfallen in ungesunde Schonhaltungen. Laut den Patientenleitlinien für chronischen Kreuzschmerz sollen Medikamente wie Schmerzmittel jedoch vor allem dazu dienen, Aktivitäten im Alltag so gut es geht beizubehalten. Eine alleinige oder dauerhafte Behandlung mit Schmerzmitteln ist nicht sinnvoll, weil Schonung, fehlende Muskulatur und Verspannungen die Beschwerden verschlimmern können.

„Bei chronischen Rückenschmerzen kann man selbst sehr viel tun“, betont auch Professorin Erika Gromnica-Ihle, erfahrene Rheumatologin und Präsidentin der Deutschen Rheuma-Liga. „Halten Sie sich und damit Ihren Rücken fit. Kräftigen Sie Ihre Rückenmuskulatur durch regelmäßige Bewegung, zum Beispiel Laufen, Wandern, Radfahren oder Schwimmen. Suchen Sie sich eine Bewegungsform, die Ihnen Spaß macht, denn nur dann bewegen Sie sich auch regelmäßig. Am besten nehmen Sie die Angebote in den Gruppen der Deutschen Rheuma-Liga wahr. Mit Gleichgesinnten zusammen macht Bewegung einfach mehr Spaß“, rät Gromnica-Ihle.

Steckt noch mehr hinter den Schmerzen?

Halten die Schmerzen trotz Bewegung länger als drei Monate an, steckt möglicherweise eine rheumatische Erkrankung hinter den Beschwerden: Laut Untersuchungen in Allgemeinarztpraxen haben etwa fünf Prozent der Patienten mit chronischen Rückenschmerzen eine entzündliche Wirbelsäulenerkrankung, wie Morbus Bechterew. Kurz nach Auftreten der ersten Symptome lässt sich diese Erkrankung nur im Kernspin-Tomographen nachweisen – im Röntgenbild sind die typischen Veränderungen durch die Entzündung erst nach Jahren sichtbar. Auch andere entzündliche Rheumaformen können Schmerzen im Rücken verursachen. Neben Schmerzmitteln helfen dann spezielle Medikamente, die Entzündung im Körper zu reduzieren.

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Quellen:

¹ Österreichische Gesellschaft für Arbeitsmedizin (ÖGA)
² Deutschen Gesellschaft für Arbeits- und Umweltmedizin (DGAUM)

Linktipps:

– Rückenleiden: So stärken Sie Ihr Kreuz
– Wie gesund ist ihr Arbeitsplatz?
– Bandscheibenvorfall | Krankheitslexikon
– Fit im Büroalltag
– Arbeits Inspektion: Arbeitsbedingte Erkrankungen

Kave Atefie





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