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Lärm macht krank

Lärm macht krank

Lärm macht krank

Lärm verursacht nachweislich Gesundheitsschäden – sogar dann, wenn man ihn gar nicht bewusst wahrnimmt oder auch nicht als störend empfindet. Denn gesunde Regeneration braucht Stille, und gerade an der mangelt es in unserer lauten und schnelllebigen Zeit immer mehr. Hier die besten Tipps für Sie, um dem Lärm oder zumindest seinen schädlichen Auswirkungen möglichst zu entkommen.



Ob in der Freizeit, zu Hause oder am Arbeitsplatz: Dauerbeschallung – vulgo auch Lärm genannt – ist allgegenwärtig. Doch Lärm kann sich auf die Gesundheit schlagen, warnen Ärzte. Umweltmediziner erkennen signifikante Zusammenhänge zwischen Bluthochdruck, Herzinfarkten Schlaganfällen und Lärm.

Doch was tun? Wir haben Tipps für Sie, um dem Lärm oder zumindest seinen schädlichen Auswirkungen möglichst zu entkommen.

Lärm ist Stress

Das mehr oder weniger dezente Brummen des Strassenverkehrs, ein eingehender Telefonruf, eine einlangende SMS, das Dudeln von Musik im Einkaufscenter oder aus den Kopfhörern des Sitznachbarn in der U-Bahn – ein permanenter Geräuschpegel ist zu unserem dauerhaften Begleiter geworden.

Oft genug wird die Dauerbeschallung gar nicht mehr bewusst wahrgenommen, was aber nichts an deren negativer Wirkung ändert: dauerhafter Lärm schadet nicht nur dem Gehör, sondern hat auch immense Auswirkungen auf den Allgemeinzustand.

Der menschliche Körper reagiert auf zu viel Lärm mit Stress und produziert Stresshormone. Der Grund dafür ist evolutionsbedingt: Lärm hat für unsere Vorfahren Gefahr bedeutet und war ein Hinweis auf eine möglicherweise kurz bevorstehende körperliche Auseinandersetzung, auf die es sich vorzubereiten galt – eben durch das Ausschütten von Stresshormonen.

Mit dieser geht eine Steigerung des Blutdrucks einher und ein erhöhter Blutdruck kann Herzinfarkte und Schlaganfälle auslösen. Stresshormone wirken also auf den ganzen Organismus – und das zum Teil sogar unbewusst.

Denn das Tückische dabei ist, dass dieser Prozess auch automatisch im Schlaf abläuft, ohne dass wir das bewusst registrieren, da das Ohr selbst im Schlaf alle Geräusche wahrnimmt und entsprechende Signale aussendet.

Konkrete Auswirkungen von zuviel Lärm

Lärm setzt auch der Psyche zu: Konzentrationsprobleme, Nervosität und Gereiztheit sind die Folge von zu viel Lärm – und diese psychischen Auswirkungen haben natürlich erst recht wieder Einfluss auf das körperliche Wohlbefinden.

Doch Lärm hat auch soziale Implikationen. Es gibt Beweise dafür, dass die Sprachentwicklung von Kindern darunter leidet, wenn diese in einer lauten Umgebung aufwachsen. Und das ist auch ganz einfach nachzuvollziehen, da Lärm schlichtweg dazu führt, dass sich Eltern weniger mit ihren Kindern beschäftigen (können)!

Der Schlafrhythmus von Menschen, die dauerhaft einer unangenehmen Geräuschkulisse ausgesetzt sind, leidet auch dann, wenn diese nicht einmal mehr bewusst wahrgenommen wird. Umweltmediziner erklären das dadurch, dass nächtlicher Lärm das Gehirn eben auch dann beschäftigt, wenn der Mensch schläft – nachweisbar durch Stresshormone im Urin.

Durch den Wirkmechanismus von Schall im Kopf kann sich sogar der Stoffwechsel verändern – bis hin zur Fettstoffwechselstörung.

Herz- Kreislauferkrankungen in Folge zu hohen Blutdrucks sind eine weitere Folge von zu viel Krach, ebenso wie verstärkte Nachfrage nach Psychopharmaka oder Schlafmittel.

Die umfangreichen negativen Folgen von Lärmbelastung werden leider noch immer unterschätzt, was fatalerweise auch dazu führt, dass die Gefahren im Bewusstsein des Einzelnen und der Gesellschaft zu wenig verankert sind und noch immer entsprechend wenig Verständnis und Rücksichtnahme erfolgen.

Arten von Lärm

Verkehrslärm ist eine allgegenwärtige Belästigung. Rund die Hälfte der Deutschen und Österreicher fühlt sich vom Straßenlärm belästigt, 20 % leiden unter Schienenlärm. Züge verursachen zwar nicht permanent Krach, allerdings kann ein vorbeidonnernder Zug die Lautstärke eines Presslufthammers erreichen. Auch Menschen, die in Flufghafennähe wohnen, leiden stark unter der Dauerlärmbelastung und entsprechende Initiativen versuchen zumindest vereinzelt Nachtflugverbote durchzusetzen.

Bürolärm als Stressfaktor wird nach wie vor stark unterschätzt. Ein erhöhter Schallpegel im Büro kann der Gesundheit zu schaffen machen und der Trend zu Großraumbüros verstärkt das Problem. Die Leistungsfähigkeit von Mitarbeitern sinkt durch Bürolärm um fünf bis zehn Prozent, wobei als größter Störenfried die Gespräche von Kollegen genannt werden.

Zwar ist ein Büroarbeitsplatz beim Thema Lärm nicht mit einer Fabrik zu vergleichen, (Gesprächs-)Lärm im Büro hat aber eine andere Dimension und wirkt sich eher auf das vegetative Nervensystem aus: die Leistungen des Arbeitsgedächtnisses lassen schlichtweg um bis zu 10% nach, wenn man durch die Unterhaltung von Kollegen abgelenkt wird.

Da unser Gehirn auf Sprachverarbeitung ausgerichtet ist, hat jede im Hintergrund stattfindende Unterhaltung Auswirkungen auf die Aufmerksamkeit – und damit auch auf die Leistungskraft. An andere Geräusche, wie z.B. Kirchenglockenläuten, Züge oder Telefongeklingel können sich Menschen insofern gewöhnen, dass sie entsprechende Geräusche sogar ausblenden können.

Bei Sprache funktioniert das Ausblenden aber nicht. Arbeitsmediziner haben entsprechend festgestellt, dass es in einem Großraumbüro nahezu unmöglich ist, wissenschaftliche Texte zu schreiben oder komplexe Berechnungen anzustellen.

In Fabriken oder beim Bau sind Arbeitnehmer anderen Belastungen und Lautstärken ausgesetzt. Die Lärmschwelle erreicht hier meist Limits, die ohne Gehörschutz gar nicht ertragen werden und sehr rasch zu Hörschäden führen könnten. Hier gibt es gesetzliche Vorgaben zum Arbeitnehmerschutz um dauerhafte Schäden möglichst zu verhindern.

Fazit: Die Mechanismen, dass der Körper bei Lärm mit Stress reagiert, funktionieren seit Urzeiten – mit dem Unterschied, dass Geräusche wie Büro- oder Autolärm keine Bedeutung ‚Achtung Gefahr‘ mehr haben. Der Körper reagiert aber dennoch darauf – mit Stress und der Ausschüttung entsprechender Hormone. Und diese Stresshormone gezielt abzubauen kann wesentlich zur Aufrechterhaltung unserer Gesundheit beitragen.

Ruheoasen finden

Leider ist es so gut wie unmöglich, vor dem Lärm einfach zu fliehen. Aber was kann man sonst tun, um den Lärmstress wieder ab zu bauen? Umweltmediziner und Psychologen empfehlen Sport oder Entspannung wie Yoga, Autogenes Training oder Meditation. Auch Spaziergänge im Wald oder an anderen ruhigen Plätzen sind zu empfehlen, um einen bewussten Kontrapunkt zur Dauerbeschallung zu setzen.

Auch wenn Sie in der Stadt wohnen, gibt es solche Inseln der Stille: Gehen Sie in Bibliotheken, Museen oder Kirchen und nehmen Sie sich ein paar Minuten Auszeit. Nach nur 15 Minuten Ruhe verlangsamt sich der Puls und der Mensch beginnt sich zu entspannen.

Überlegen Sie vor den gewohnheitsmäßigen Griff zum Radio oder TV Gerät. Vielleicht können Sie zur Abwechslung ja die Geräte auch mal ausgeschalten lassen?

Gehen Sie bewusst ins Loslassen und freuen Sie sich auf die Ruhe. Nehmen Sie die akustische Leere mit all Ihrer Aufmerksamkeit wahr. Genießen Sie die Geräusche der Natur und schalten Sie in der Stille vom Alltag ab.

Achten Sie bei der Einrichtung Ihrer Wohnung darauf, dass Sie die Schlafzimmer in den ruhigen Teil der Wohnung legen. Sollte es aber auch im ruhigeren Teil der Wohnung einen unangenehmen Geräuschpegel geben: Halten Sie die Fenster geschlossen.

Kontaktieren Sie Lärmschutzhotlines oder konsultieren Sie ein Lärmschutzunternehmen. Entsprechende Investitionen in Beratung und fachmännische Schalldämmung zahlen sich aus!

Erkundigen Sie sich in Ihrer Gemeinde welche Ruhezeiten gelten und halten Sie sich daran. Dann werden auch Ihre Nachbarn Verständnis dafür aufbringen können, wenn Sie diese auf etwaige Mittagsruhepausen, in denen z.B. nicht Rasen gemäht werden sollte, hinweisen.

Aber bedenken Sie: Gerade in Nachbarschaftsangelegenheit macht der Ton die Musik. Ein friedliches Zusammenleben mit den Nachbarn ist für die Nerven ebenso essentiell wie ab und an ein bisschen Ruhe!

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Quellen:

¹ Tag gegen Lärm
² Österreichische Lärminfo
³ Lärm macht krank

Linktipps:

– Umweltmedizin – Informationen
– Stressfaktor Lärm
– Hals, Nase, Ohren
– Wie gesund ist Ihr Arbeitsplatz
– Österreichischer Arbeitsring für Lärmbekämpfung