1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (6 Bewertungen, Durchschnitt: 3,17 Sterne von 5)
Kunst als Medizin

Kunst als Medizin

Kunst als Medizin

Auf den ersten Blick haben Kunst und Medizin nicht viel gemeinsam. Kreativität, Freigeist und Experimentierfreude treffen auf Präzision, naturwissenschaftliches Fachwissen und Verantwortung für Menschenleben. Doch beide Welten ergänzen einander auf erstaunliche Weise.



Medizin umfasst nicht notwendigerweise ausschließliche rationale Naturwissenschaft, sondern kann auch die Kunst des Heilens insgesamt einschließen. Und die bildende Kunst wiederum hat sich im Laufe der Jahre als wertvolle Therapieform bewährt. Und so ist es wenig erstaunlich, dass manch berühmter Schriftsteller wie Gottfried Benn oder der Maler Carl Gustav Carus nicht nur Künstler, sondern zugleich auch Mediziner gewesen sind.

Künstler und Mediziner befassen sich mit dem Körper und der Psyche des Menschen. Auch ein ausgebildeter Künstler kennt die Anatomie des Menschen sehr genau und Ärzte der Antike schulten sich an den griechischen und römischen Skulpturen, lange bevor das Sezieren als Form des Körperstudiums zu einer gebräuchlichen Methode wurde. Die anatomischen Studien Leonardo da Vincis im 15. Jahrhundert dienten maßgeblich der Entwicklung der Medizin.


Kunst ist Medizin für die Sinne

Genauso wie Musik kann sich auch Kunst als therapeutisch wirksam erweisen. Viele Symptome lassen sich durch das Betrachten von Bildern zumindest temporär lindern. Kunst kann Emotionen hervorrufen, die den Stresslevel senken und einen positiven Einfluss auf die Gesundheit haben. Eine angenehme Farb- und Motivwahl und eine harmonische Komposition rufen beim Betrachter bestimmte Assoziationen hervor und können beruhigen, anregen, oder fröhlich und glücklich stimmen.

Ein Besuch im Lieblingsmuseum oder in einer Ausstellung kann das Glückshormon Serotonin freisetzen und Entspannung fördern. Dass optische Reize wie das Betrachten von Bildern eine positive Wirkung auf die Gesundheit haben können, hat eine klinische Studie bestätigt. Die Forscher fanden heraus, dass besonders der Anblick von Fotos mit Angehörigen die Schmerzen der Patienten lindern kann.¹ Wer den positiven Effekt der Bilder auf das Wohlbefinden ausprobieren will, muss heute keineswegs mehr auf Originale zurückgreifen. Professionelle Reproduktion von Kunstwerken oder auch der eigenen Fotos können mittlerweile bequem in höchster Qualität im Großformat ausgedruckt werden. Online-Anbieter wie Whitewall o.ä. geben auch privaten Fotos eine kunstvolle Galerie-Qualität.²


Kunsttherapie: sanfte Heilmethode

Nicht nur die Betrachtung eines Bildes kann entspannend oder belebend wirken. Die aktive Beschäftigung mit der Kunst hat sich in den letzten Jahren als eine wirkungsvolle und sanfte Therapieform bewährt. Kunsttherapie existiert an vielen Universitäten als wissenschaftliche Disziplin, die sich an den tiefenpsychologischen und verhaltenstherapeutischen Ansätzen orientiert. In der Therapie können die Patienten mithilfe von Materialien der Bildenden Kunst die inneren Prozesse sichtbar machen.

Die Kunsttherapie zählt zu den psychodynamischen Therapieformen mit dem Ziel der Persönlichkeitsbildung und Gesundheitsförderung. Anwendung findet Kunsttherapie in der Psychosomatik, der psychosozialen Therapiepraxis und der Bearbeitung von Traumata. Sie ist eine noch junge Therapieform, die sich hauptsächlich Medien der bildenden Kunst bedient. Dazu zählen Grafiken und Malereien ebenso wie plastisch-skulpturale Medien und Fotoarbeiten.

Die Kunstrichtungen der Moderne wie der Expressionismus und der Surrealismus haben sich bereits im 20. Jahrhundert mit dem Unbewussten des Menschen und dessen Ausdrucksmöglichkeiten in Form von Kunst beschäftigt. Durch gestalterische Prozesse können Patienten die Selbstwahrnehmung und die Wahrnehmung der Umwelt positiv verändern, mehr Lebensfreude gewinnen und Heilungsprozesse beschleunigen.

Da, wo das gesprochene Wort keine Verbesserung bringt, kann die Kunsttherapie helfen, ist unter anderem der österreichische Fachverband für Kunst- und Gestaltungstherapie überzeugt. Neben der Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen – vor allem in pädagogischen Zusammenhängen -, ist die kunsttherapeutische Arbeit mit alten Menschen und in der klinischen und ambulanten Praxis mit Krebspatienten mittlerweile etabliert.

———–

Quellen:

¹ Bilder können Schmerzen lindern (pharmazeutische-zeitung.de)
² WhiteWall

Fotocredit: © kave.at

Linktipps:

– Die Kraft der Farben
– Tanztherapie: Heilung durch Rhythmus?
– Musiktherapie: Möglichkeiten und Wirkungen
– Österreichischer Fachverband für Kunst- und Gestaltungstherapie (ÖBKT)