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Neurodermitis | Krankheitslexikon

Neurodermitis | Krankheitslexikon

Neurodermitis Hand

Ohne Zweifel gehört die Neurodermitis zu den häufigsten Krankheitserscheinungen unserer heutigen Zeit. In der Bundesrepublik Deutschland sind schätzungsweise vier Prozent der Bevölkerung betroffen. Der Anteil bei Kindern liegt sogar noch höher.



THERAPIE

Die Behandlung der Erkrankung ist kompliziert. Basis jeder Therapie ist eine sorgfältige Hautpflege, für die es keine allgemeingültigen Richtlinien gibt. Welche Produkte oder Medikamente in Frage kommen, muss der Arzt mit jedem Neurodermitiker individuell abstimmen. Stark fetthaltige Cremes sollten möglichst vermieden werden, da sie auf Dauer die Eigenfettung der Haut unterdrücken. Wasser und Seife wirken austrocknend und sollten im Bereich der Hautentzündungen nicht angewendet werden. Harnstoffhaltige Cremes binden Feuchtigkeit in der Haut, haben aber den Nachteil, dass sie auf entzündeten Hautstellen stark brennen.

DEFINITION

Die Neurodermitis – in der medizinischen Fachsprache auch als Atopische Dermatitis oder endogenes Ekzem bezeichnet – ist eine entzündliche Hauterkrankung, die chronisch in wechselnden Schüben verläuft und meist schon in den ersten Lebensjahren beginnt. In der Regel bessert sie sich nach der Pubertät bzw. mit zunehmendem Alter. Ihr liegt eine familiär auftretende Überempfindlichkeit von Haut und Schleimhäuten zugrunde.

URSACHEN

Die Ursachen dieser Erkrankung sind noch immer nicht vollständig bekannt und werden sehr kontrovers diskutiert. Sicher ist, dass die Neurodermitis auf einer erblichen Grundlage beruht. Sie wird jedoch durch zahlreiche weitere Faktoren beeinflusst. Man spricht daher auch von einem multifaktoriellen Geschehen. Zu den Einflussfaktoren gehören Allergene, verminderte Zellabwehr, Klimaverhältnisse und psychische Faktoren. Als Ausdruck der allergischen Komponente findet sich bei Neurodermitikern meist ein deutlich erhöhter Anteil an Abwehrkörpern (Immunglobulin) vom Typ IgE. Dieser Fehler im Immunsystem könnte unter anderem dafür verantwortlich sein, dass die Haut der Betroffenen so empfindlich reagiert.

SYMPTOME

Das Krankheitsbild gestaltet sich bei jedem Neurodermitiker individuell verschieden. Der Verlauf lässt sich daher nicht vorhersagen. Schon bei Säuglingen kann in den ersten Lebensmonaten der sogenannte Milchschorf auftreten, mit stark nässender und krustiger Haut vor allem im Kopfbereich. Meist klingen die Erscheinungen bis zum fünften Lebensjahr ab. Die Krankheit kann aber auch erst im Jugend- oder Erwachsenenalter zum Ausbruch kommen. Beim Neurodermitiker ist die Hornschicht der Haut in ihrer Funktion beeinträchtigt.

Durch zu starke Wasserabgabe trocknet sie aus, es bilden sich Risse und Schuppen. Typischerweise sind die Armbeugen, Kniekehlen, Handgelenke, Hals und Nacken betroffen. Die Haut ist gerötet und wirkt oft derb oder geschwollen. Es finden sich auch Krusten oder nässende Stellen. Ein charakteristisches Merkmal ist der Juckreiz, der so stark sein kann, das manche Neurodermitiker ein Bild des ständigen Kratzens und Reibens bieten. Das Kratzen führt zu Entzündungserscheinungen, die selbst wiederum Juckreiz auslösen. Dieser Teufelskreis kann in aggressiven Kratzanfällen enden, die erst aufhören, wenn die Haut blutig aufgekratzt ist. Bei den meisten Neurodermitikern verläuft die Erkrankung schubweise. Beschwerdephasen wechseln mit mehr oder weniger langen, symptomfreien Intervallen ab. Häufig verstärken sich die Hauterscheinungen im Zusammenhang mit Stress oder Veränderungen der Lebensumstände. Einige Betroffene reagieren auch auf bestimmte Nahrungsmittel.

Bei Kindern sollten die Fingernägel stets kurz geschnitten sein, um ein unnötiges Aufkratzen der Haut zu vermeiden. Gegen starkes nächtliches Jucken und damit verbundene unkontrollierte Kratzattacken kann eventuell ein juckreizstillendes Medikament vor dem Schlafengehen verabreicht werden. Auch Öl-Bäder zweimal die Woche wirken lindernd. Manche Betroffene profitieren von einer Nahrungsergänzung mit Zink oder Gamma-Linolensäure bzw. von medizinischem Heilfasten. In sehr schweren Fällen werden cortisonhaltige Salben angewendet. Bei eitriger Infektion der Haut sind eventuell Antibiotika-Gaben notwendig.

PRÄVENTION

Es existiert keine Möglichkeit, sich vor einer Erkrankung an Neurodermitis zu schützen. Wenngleich zwar die Veranlagung zur Neurodermitis vererbt wird, bedeutet dies jedoch nicht, dass man daran auch automatisch erkranken muss. Ist ein Elternteil Neurodermitiker, so besteht für ein neugeborenes Kind ein Risiko von ungefähr 20 Prozent, ebenfalls zu erkranken. Einige Maßnahmen können den Verlauf der Erkrankung günstig beeinflussen: Allergenarmes Hochgebirgsklima oder sonnenreiches Meeresklima wirken sich meist positiv auf die Beschwerden des Erkrankten aus.

Bei Sommerhitze kann durch das vermehrte Schwitzen andererseits eine Verschlechterung der Symptome eintreten. Daher ist die Wahl der richtigen Kleidungsstücke wichtig. Baumwollstoffe nehmen den Schweiß gut auf und eignen sich besser als Tierfaserprodukte (Wolle, Schurwolle, Seide), die zudem allergen wirken können. Auch emotionale Ausgeglichenheit, Entspannung sowie Stressbewältigung sind wichtige Verhaltenziele. Für Neurodermitiker ist insbesondere die Unterbrechung der Juckreiz-Kratz-Anfälle wichtig: Situationen, in denen häufig gekratzt wird, gilt es, bewusst zu machen und zu vermeiden, oder in diesen Situationen eine gezielte Entspannung einzusetzen. Dabei kann das Erlernen von autogenem Training, progressiver Muskelentspannung, Atemtechniken oder ein Verhaltenstraining hilfreich sein.

Realinformationen:

Universitätsklinik für Dermatologie

Klinische Abteilung für Immundermatologie und infektiöse Hautkrankheiten am AKH Wien
Neurodermitis-Ambulanz

Währinger Gürtel 18 – 20, A-1090 Wien
Tel.: 01/40400-7719
E-Mail: tamara.kopp@akhwien.at

Linktipps:

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