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Kornelkische, Dirndl – gesundes Wildobst

Kornelkische, Dirndl – gesundes Wildobst

kornelkirsche-dirndl

In der Natur vorkommende Wildfrüchte sind nicht nur schmackhaft, sondern auch gesund und reich an wertvollen Inhaltsstoffen. Zu Wildfrüchten gehören zum Beispiel Walderdbeeren, Hagebutten, Blaubeeren, Holunder oder auch die Kornelkirsche. Diese in Österreich auch unter dem Namen Dirndl bekannte einst wichtige Pflanze geriet in Vergessenheit und war lange zeit trotz ihrer vielseitigen Anwendung nur noch als Ziergewächs bekannt.



Verbreitung & Ernte

Die Kornelkirsche (Cornus mas) ist eine typisch europäische Wildfrucht und am ehesten in Süd- und Mitteleuropa wie auch in Mittelasien verbreitet. Die Pflanzen zieren heute häufig öffentliche Parks und Grünanlagen, sind aber auch in freier Natur zu finden. Man kann sie zu einer dichten Hecke schneiden oder als Bäumchen pflanzen. Beides gibt im Frühjahr ein gelb blühendes Bild und leicht nach Honig duftendes Aroma. Im niederösterreichischen Pielachtal ist der Bestand so groß, dass das Tal auch als Dirndltal (die Kornelkirsche ist im österreichischen als Dirndl bekannt) touristisch vermarktet wird.

Erkennen kann man diesen knapp 4 Meter hohen Baum an elliptischen, glänzend grünen Blättern und goldgelben Blüten. Die Kornelkirsche ist durch ihre frühe Blütezeit auffallend, sie blüht bereits von Feber bis April. Durch ihre frühe Blütezeit ist die Pflanze eine wichtige erste Nahrungsquelle für Bienen und die Kirschen sind im Herbst bei diversen Vogelarten beliebt. Die Früchte reifen im August beziehungsweise September.

Heilpflanze

Ist diese Pflanze heute auch teilweise in Vergessenheit geraten und oft nur noch als Zierholz bekannt, so waren die Früchte und vor allem das harte Holz in der Antike wie auch davor und danach wichtiger Bestandteil der Ernährung, des Handwerks und der Kriegskunst.

Die roten Früchte galten bereits bei der Heiligen Hildegard von Bingen als reinigend und heilend für Verdauungstrakt und Magen, die Rinde als lindernd bei Gicht. Als Heilpflanze verwendet man nicht nur die Kornellen selbst, auch die Rinde und die Blätter der Kornelkirsche setzte Hildegard von Bingen ein. Gegen chronische Darmleiden, Durchfall und Blutsturz empfahl sie die Früchte der Kornelkirsche.

Gegen Fieber und Kopfschmerzen helfen ein Fruchtsaft oder Tee aus der Rinde des Baumes. Empfohlen wurde die Kornelle in jeder Form – ob roh oder zubereitet – zur Linderung von Colitis und als stopfend bei Durchfällen. Die nicht verzehrsfähigen Anteile wie Rinde oder Blätter wurden aufgekocht und dem Badewasser beigefügt um ein Abklingen von Gichtbeschwerden zu bewirken. Aus den Kirschkernen wurden billige Rosenkränze geknüpft und die Samen gaben nach Röstung dem Kaffee eine Vanillenote.

Da das Holz des Kornelbaumes sehr fest ist (gehört zur Familie der Hartriegel), wurde es im Altertum auch für militärische Zwecke verwendet. So war die Phalanx (eine Infanterieeinheit) bei Alexander dem Großen mit Lanzen aus Kornelholz ausgestattet und auch Speere wurden aus diesem Material gefertigt. Der Legende nach sollen auch der Bogen von Odysseus oder die Lanze von Romulus aus Kornelholz gebaut worden sein.

Ernährung & Gesundheit

Wie auch andere Wildfrüchte gewinnt die Kornelfrucht wieder an Bedeutung. Die essbaren Früchte sind länglich, rot und leicht säuerlich. Geerntet sollten sie aber erst werden, wenn sie bereits dunkel- bis schwarzrot sind – da schmecken sie süßer und auch die Kerne sind leichter von der Schale zu befreien. Die Kornelkirsche schmeckt aber nicht nur lecker, sie gibt zubereiteten Speisen auch eine rosa Farbe und ist durch ihren Gehalt an Vitamin C von 70 – 130 mg / g eine gesunde Frucht. Das Vitamin C dient dem Körper als Antioxidans d.h. es verhindert die Schädigung empfindlicher Moleküle und beugt somit Arteriosklerose vor, schützt vor Hautalterung oder auch grauem Star.

Neben dem Vitamin C enthält die Kornelkirsche auch Anthocyane. Dies sind Pflanzenfarbstoffe die den Früchten und Blüten ihre rote bis violette Farbe geben. Anthocyane zählen zu den sekundären Pflanzenstoffen und dienen der Pflanze z.B.: zum Schutz vor UV-Licht oder als Lockmittel für Tiere. Beim Menschen fungieren sie, genau wie Vitamin C, als Antioxidantien und schützen somit DNA oder Lipide vor dauerhaften Schäden. Die ältesten Funde einer Verwendung der Kornelkirsche gehen in die Steinzeit zurück.

In der Antike wurden die Blätter zu Tee aufgebrüht und die Kirschen wurden roh genossen oder zu Kompott, Sirup bzw. Marmelade verarbeitet. Als weiterverarbeitetes Produkt hat heute jedoch das Kornelkirschwasser die größte Bedeutung. Dieser Obstbrand ist in Österreich auch als Dirndlbrand bekannt und hat eine lange Herstellungstradition.

Verwendung heute

Auch heute noch gelten Kornelkirschen als heilend für Magen und Darm. Bei Durchfall und anderen Beschwerden kann man die Früchte roh essen, oder auf bereits vorbereitete Marmelade, Mus oder Sirup zurückgreifen. Eine pikante Variante ist, die noch grünen, kaum Reifen Früchte in Salzlauge oder Essig einzulegen und sie ähnlich wie Oliven zu essen. Auch die Kerne kann man weiterverarbeiten indem man sie ordentlich vom Fruchtfleisch säubert, trocknet und dann in Stoff zu Kornelkirschkissen verarbeitet. Auf die Heizung gelegt werden diese schnell warm und wirken lindernd bei Gelenkbeschwerden oder Erkältung.

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Quellen:

¹ www.natur-lexicon.com
² www.botanikus.de

Linktipps:

– Beeren & Kirschen: Süßkirsche bis Weichsel
– Hagebutten – Wildobst für die Herbstküche
– Heilpflanze Preiselbeere
– Vogelbeere | Heilpflanzenlexikon