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Wundermittel Hanf: vom Rausch- zum Arzneimittel

Wundermittel Hanf: vom Rausch- zum Arzneimittel

Hanf als Arzneimittel

Dass Hanf nicht bloß als berauschender Bestandteil von Zigaretten dient, ist auch dem österreichischen Gesetzgeber nicht verborgen geblieben. Immer neue Erkenntnisse aus Wissenschaft und Forschung zum erfolgreichen Einsatz von Hanfbestandteilen als Medikament bringen die Politik in Zugzwang. Die Wirksamkeit von Tetrahydrocannabinol (THC), also des Hauptwirkstoffes der Hanfpflanze, als effektives Schmerzmittel ist wissenschaftlich ebenso gesichert wie der erfolgreiche Einsatz von THC als Wirkstoff im Kampf gegen das Gilles De La Tourette-Syndrom. Außerdem gilt THC als hervorragendes Arzneimittel bei der Behandlung von Multipler Sklerose. Dennoch ist Hanf nach wie vor mit einem weithin negativen Image behaftet.



Hanf ist eine der ältesten und wertvollsten Nutzpflanzen der Menscheit. Doch trotz ihrer Vielseitigkeit – Hanf wird nicht nur als Nahrungs- und Heilmittel verwendet, sondern auch zur Herstellung von Textilien, Dämmmaterial und Seilen – geriet die Pflanze wegen ihrer berauschenden Inhaltsstoffe als Droge in Verruf. Mit seiner Verdammung als Rauschgift (Marihuana – hergestellt aus Blüten und Blättern, Haschisch aus dem Harz der Pflanze) wurde Hanf der Garaus gemacht, und so war er bereits nach dem zweiten Weltkrieg als Nutzpflanze so gut wie unbekannt.

Hanf als Nutzpflanze wiederentdeckt

Auf der Suche nach alternativen Wirkstoffen wurde Hanf Mitte der 1980er-Jahre wiederentdeckt, schon bald kam es zu einem regelrechten Hanf-Boom, der den Anwendungen der Nutzpflanze immensen Vortrieb einbrachte. Kein Wunder, da die Pflanze ausgesprochen anspruchslos ist und praktisch ohne Einsatz von Düngemittel oder Herbiziden auskommt.

Durch die hohe Schädlingsresistenz ist sie zudem die perfekte Pflanze für den biologischen Landbau. Außerdem produziert Hanf mehr Biomasse als jede andere heimische Nutzpflanze und wird in der Wirtschaft mittlerweile wegen seiner hohen Haltbarkeit, Umweltverträglichkeit und niedrigen Energiebilanz sehr geschätzt. Seit 1995 ist Hanf auch in Österreich wieder als Nutzpflanze zugelassen, vor allem im östlichen Waldviertel rund um die Ortschaft Reingers hat sich der Anbau von Industriehanf etabliert. Dabei handelt es sich um Sorten, bei denen der berauschende Inhaltsstoff THC durch Zucht weitgehend eliminiert wurde.

Vom Rausch- zum Arzneimittel

Während Nutzhanf mittlerweile ein fixer Bestandteil am Rohstoffmarkt ist, ist es um die Etablierung von Medizinalhanf noch schlecht bestellt, wie Vertreter der österreichischen Arbeitsgemeinschaft „Cannabis als Medizin“ immer wieder beklagen. Auch wenn der Anbau von Cannabis in Österreich seit der Novelle zum Suchtmittelgesetz im Jahr 2008 für medizinische und wissenschaftliche Zwecke grundsätzlich erlaubt ist, so erschweren zahlreiche Einschränkungen nach wie vor die Produktion.

Diese ist deshalb auch still und heimlich angelaufen: Seit 2008 läuft die Cannabisherstellung über die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES), die dem Gesundheitsministerium unterstellt ist. Seither werden in einer Halle im Norden Wiens auf insgesamt 1.200 Quadratmetern Cannabispflanzen zum Zwecke der Arzneimittelherstellung indoor aufgezogen. Der genaue Standort wird aus Sicherheitsgründen geheim gehalten, außerdem wird die Produktionsstätte streng überwacht, wie die AGES betont.

Durch neueste Erkenntnisse der Wissenschaft über die pharmakologischen Wirkungen von Cannabis, ist das Thema Hanf als Arzneimittel in jüngster Zeit stark in den Fokus der medizinischen Forschung gerückt. Trotzdem unterliegt Cannabis in Österreich einem generellen, dezidiert festgehaltenen Verschreibungsverbot und kann als Medikament nur aus dem Ausland bezogen werden. Eine einzige Ausnahme ermöglicht Cannabismedizin in Österreich, dann nämlich, wenn Tetrahydrocannabinol (THC), also der psychotrope wie therapeutische Hauptwirkstoff von Cannabis, synthetisch hergestellt wird. Synthetisches THC ist unter dem Namen Dronabinol am Markt, gilt nicht als Zubereitung aus Cannabis und ist daher verschreibungsfähig.

Cannabis-Freigabe für medizinische Zwecke?

Die Medizin hat längst die heilende Wirkung von Hanf erkannt, die Politik zögert dennoch mit der Zulassung als Medikament. Die Hanfpflanze enthält über 70 Cannabinoide, einige dieser Substanzen, wie etwa THC, beeinflussen das Bewusstsein, wirken aber auch schmerzstillend und appetitanregend. Wissenschaftler entdeckten, dass bestimmte isolierte Cannabinoide nachweisbare Effekte gegen einige Krankheiten haben. Dazu zählen in erster Linie die Substanzen THC, Cannabidiol (CBD), Cannabinol (CBN) und Cannabichromen (CBC).

Einige Inhaltsstoffe können z. B. entzündungshemmend wirken, andere haben sich in der Behandlung von Nebenwirkungen einer Chemotherapie (Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Depressionen und Ängste) bei Krebs gut bewährt. Auch für die Wirksamkeit gegen Abmagerung bei HIV/Aids sowie Spastik bei Multipler Sklerose und Querschnittserkrankungen liegen gesicherte Kenntnisse vor. Ebenfalls gut belegt ist der wirksame Einsatz von Cannabis bei Glaukom: Der Grüne Star entsteht durch zu hohen Augeninnendruck, Cannabis senkt diesen Druck, sowohl bei oral/inhalativer Aufnahme als auch durch lokales Einträufeln eines wässrigen Auszugs.

Die zunehmende Anzahl positiver Erkenntnisse und die hohen Kosten der synthetischen Herstellung von THC veranlassen mittlerweile immer mehr Länder, über die Zulassung von Cannabis als Arzneimittel, aber auch über einheitliche Zulassungsbestimmungen zu diskutieren.

Linktipps:

– Cannabis gegen Schmerzen
– Cannabis und Gesundheit
– Tetrahydrocannabinol (THC)
– Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin

Kave Atefie





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