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Handystrahlen: Experten plädieren für verantwortungsvollen Umgang mit Mobiltelefonen

Handystrahlen: Experten plädieren für verantwortungsvollen Umgang mit Mobiltelefonen

Handystrahlen

Das Handy ist in unserem Alltag unentbehrlich. Zu möglichen, immer wieder diskutierten Gefahren sind die Angaben widersprüchlich. Auch Kritiker möchten keine Panikmache verbreiten, plädieren jedoch für einen bewussten Umgang mit Mobiltelefonen. Schließlich sind Auswirkungen auf den menschlichen Organismus oft erst Jahrzehnte nach Beginn einer neuen Technologie nachweisbar.



Auch Priv.-Doz. Dr. Camillo Sherif, Facharzt für Neurochirurgie aus dem Krankenhaus Rudolfstiftung, weist auf theoretisch möglichen Gefahren hin: „Unsere Gehirnfunktionen laufen über Mikroströme ab, die mit elektromagnetischen Feldern, wie sie Mobiltelefone erzeugen, zwischenwirken können. Daher ist ein Einfluss dieser Strahlen auf das Gehirn durchaus denkbar“.


Studien belegen Gefahrenpotenzial

Experimentelle Studien – an Tieren oder isolierten Zellen im Reagenzglas – haben gezeigt, dass gewisse Gehirnzellen bei dauerhafter Exposition elektromagnetischer Felder tatsächlich absterben. Eine bereits 2012 publizierte Studie von Yu-xiao Liu et al. zeigte, dass dauerhafte Exposition bei Ratten die Mitochondrien (Zellteile mit eigener Erbsubstanz) der Astrozyten (Zellen im Nervengewebe) schädigte und bei diesen Zellen den Zelltod initiierte. Wie diese Studien im wirklichen Leben sowie beim Menschen zu deuten sind, ist derzeit noch offen. Es gibt jedoch Hinweise, wonach elektromagnetische Strahlen bösartige Hirntumore hervorrufen können.

Eine im Oktober 2014 erschienene Studie von Carlberg et al. behandelte den Zusammenhang zwischen Langzeittelefonieren (mit Handys und Schnurlostelefonen) bei Patienten mit Gliomen, also bösartigen Hirntumoren. Diese Studie zeigte ein kürzeres Überleben bei Patienten mit Grad IV-Astrozytomen, also der bösartigsten Form – nach exzessivem Gebrauch von Mobiltelefonen in der Vergangenheit, besonders bei jenen Patienten, die diese schon vor dem 20. Lebensjahr verwendeten. Die schädlichste Auswirkung wurde für Gliome des Temporallappens gefunden. Ebenso gibt es Studien, die dies nicht bestätigen konnten.


Vorsicht ja, Panik nein

Österreichische Experten vom Institut für Umwelthygiene der Medizinischen Universität Wien sprechen bei „exzessivem Gebrauch“ von Größenordnungen von mindestens einer halben Stunde Telefonieren am Tag über zehn Jahre hinweg. Einige Wissenschafter bezeichnen diese Warnungen als „Panikmache“. Dennoch ist laut dem Wiener Neurochirurgen Sherif prinzipiell Vorsicht geboten:
„Ein bösartiger Hirntumor wie das Gliom ist eine tödliche Erkrankung, die nach heutigem Stand der Wissenschaft leider nicht heilbar ist“, warnt der Experte. „Die Überlebenszeit beträgt selbst bei bester Therapie nur ungefähr 2 Jahre.“ Schon allein aufgrund dieser möglichen Gefahr sollte man kritischen Stimmen Aufmerksamkeit schenken – wenn auch die große Lobby von Industrie und Telefondienstleistern Interesse hat, das „boomende“ Geschäft nicht zu stören.

Klar ist auch, dass Handys aus unserem Alltag nicht komplett wegzudenken sind. Ein verantwortungsvoller Umgang und das Einhalten einfacher Sicherheitsregeln ist jedoch auf jeden Fall ratsam. So wurde nachgewiesen, dass das „Suchen“ des Gerätes an Orten mit schlechtem Empfang viel mehr Strahlung erzeugt als in Bereichen mit gutem Empfang. Deshalb wird auch geraten, möglichst wenig im Auto zu telefonieren, wo sich Sender ständig ändern bzw. überlappen können.

Die Benutzung eines Headsets im Gegensatz zum ständigen „ans Ohr Halten“ minimiert die Strahlenbelastung des Gehörnerven erheblich. Dies ist das Ergebnis einer Anfang 2014 in Italien erschienenen Studie (Mandalá et al., Verona). Die verringerte Strahlenbelastung für den Gehörnerv vermindert das Risiko, ein Akustikusneurinom zu entwickeln. Diese Art von Tumor ist zwar gutartig aber dennoch gefährlich, da er Gehörschäden verursacht und ab einer gewissen Grösse eine Kopfoperation an einer sensiblen Stelle notwendig macht. „Bluetooth“-Geräte funktionieren zwar auch über elektromagnetischen Strahlen, jedoch sind diese viel geringer als die direkt vom Handy erzeugten.

Und auch im folgenden Punkt sind sich die Experten einig: Da das Nervensystem von Kindern noch nicht ausgereift und somit empfindlicher ist, sollte man Handys von Kindern möglichst lange fernhalten.


Schutz vor Handystrahlung

Experten geben folgende Tipps zum verantwortungsvollen Umgang mit Mobiltelefonen:

  • An Orten mit schlechtem Empfang (Tunnel, U-Bahn, bestimmte Gebäude) steigt die handybedingte Strahlenbelastung. Handys daher dort wenig verwenden, am besten abdrehen oder auf Flugmodus schalten.
  • Möglichst nicht im Auto telefonieren
  • Handy nicht direkt ans Ohr halten, sondern „Bluetooth“/ Freisprechanlage / Headset verwenden
  • In der Nacht Handy abdrehen oder auf „Flugmodus“ schalten
  • Handys möglichst selten nah am Körper tragen
  • Kinder bitte möglichst spät an den Gebrauch von Mobiltelefonen gewöhnen

[Dr. Bernadette Grohmann-Németh]

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Quellen:

¹ Exposure to 1950-MHz TD-SCDMA Electromagnetic Fields Affects the Apoptosis of Astrocytes via Caspase-3-
Dependent Pathway
(Liu Y-x, Tai J-l, Li G-q, Zhang Z-w, Xue J-h, et al.)
² Mobile phone use and risk of brain neoplasms and other cancers: prospective study (Victoria S Benson, Kirstin Pirie, Joachim Schüz, Gillian K Reeves, Valerie Beral, Jane Green)

Linktipps:

– Smartphones als Gesundheitsmanager
– Strahlenbelastung durch Körperscanner am Flughafen
– Hirntumor (Glioblastom) | Krankheitslexikon

Kave Atefie





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