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Gesunder Darm durch Probiotika?

Gesunder Darm durch Probiotika?

Probiotika Darmgesundheit

Der Darm ist nicht nur für die Verdauung zuständig, sondern hat auch einen entscheidenden Einfluss auf unser Wohlbefinden. Ob und wie mit Probiotika die Darmgesundheit gefördert werden kann und welche Bedeutung probiotische Bakterien nach einer Darmspiegelung haben erklären Mag. Anita Frauwallner und Prim. Dr. Friedrich Anton Weiser.



Wissenswertes über Darm und Darmflora

Er ist nicht nur für die Verdauung zuständig, sondern hat auch großen Einfluss auf unser gesundheitliches Wohlbefinden: Der Darm. Die Gesamtheit der Mikroorganismen im Darm wird als Darmflora bezeichnet. Die Darmflora ist ein höchst komplexes bakterielles Ökosystem, das beim erwachsenen Menschen aus 10 – 100 Billionen anaeroben Bakterien besteht. Die Besiedelung der Bakterien ist wesentlich von der Ernährung abhängig. Kippt das Gleichgewicht, kann dies weitreichende gesundheitliche Folgen haben.

Probiotika sollen die Darmflora positiv beeinflussen, vor Magen-Darm-Infektionen schützen und bei vielen Erkrankungen – gastrointestinalen wie auch außerhalb des Verdauungstrakts – helfen. Wurde die Effektivität dieser Behandlungsmethode bis vor kurzem äußerst skeptisch betrachtet, so mehren sich in jüngster Zeit die Anzahl kontrollierter Studien, die über Therapieerfolge mit Probiotika berichten. Doch auch wenn uns die Nahrungs- und Arzneimittelindustrie anderes Glauben machen will, Wundermittel sind auch sie nicht und können keinesfalls ungesunde Ernährung ausgleichen.

Gut belegt sind allerdings folgende Effekte bei regelmäßiger Einnahme²:

  • Durchfallerkrankungen treten seltener auf
  • Die Konzentration gesundheitsschädlicher und krebsfördernder Stoffe im Dickdarm wird gesenkt. Das vermindert Entstehung und Wachstum von krebserregenden Verbindungen im Darm. Damit ist aber nicht erwiesen, dass Krebserkrankungen durch Milchsäurebakterien tatsächlich verhindert werden können.
  • Dass das Immunsystem beeinflusst wird ist ebenfalls nachgewiesen, allerdings kennt man die genauen Wirkmechanismen noch nicht.
  • Probiotische Produkte steigern außerdem die Verträglichkeit von Milchzucker, den viele Menschen aufgrund eines Enzymmangels nicht abbauen können.

Wir haben mit Mag. Anita Frauwallner, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Probiotische Medizin und Prim. Dr. Friedrich Anton Weiser, Chirurg in Wien, über das Thema gesprochen.

Probiotika – Interview mit Mag. Anita Frauwallner und Prim. Dr. Friedrich Anton Weiser

 

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Interview mit Mag. Anita Frauwallner und Dr. Friedrich Anton Weiser

Mag. Frauwallner: Das Eine ist unser Immunsystem, das andere der Stoffwechsel. In unserem Darm befinden sich etwa 80 Prozent aller Immunzellen. Geht es dem Darm gut und funktioniert er, dann bleiben wir gesund und unsere Abwehrkraft ist stark. Allerdings, nicht nur Gesundheit und Krankheit durch das Immunsystem laufen über den Darm, sondern auch unsere Vitalität. Da auch der Stoffwechsel über den Darm läuft, können wir durch ihn Vitamine, Spurenelemente und Mineralstoffe gut aufnehmen und sie verarbeiten und dann fühlen wir uns vital und auch im Alter noch jung und gut.

Anmerkung: Eine besondere Rolle spielen dabei die Darmbakterien.

Mag. Frauwallner: Dazu muss man erst einmal wissen, dass wir im Körper etwa zehn mal so viele Darmbakterien haben, wie eigene Körperzellen. Die besiegeln eine riesengroße Fläche. Den meisten Menschen ist nicht bekannt, dass wir 400 Quadratmeter Fläche im Darm haben und diese Fläche sollte von Bakterien besiedelt sein, welche aktive Helfer sind, denn ohne sie könnten wir überhaupt nicht überleben. Wenn zum Beispiel durch schädliche Stoffe wie falsche Nahrung oder Medikamente diese ganze Fläche entzündet wird, dann haben wir ein wirkliches Problem, denn diese Entzündungen gehen auch auf andere Körperteile über. Über die Darmbakterien kann ich diese Entzündungen einbremsen, ich kann verhindern dass sich diese Entzündungen ausbreiten.

Anmerkung: Der gezielte Einsatz von Probiotika kann dabei helfen Entzündungen im Darm und den damit verbundenen gesundheitlichen Problemen vorzubeugen.

Mag. Frauwallner: Wissenschaftlich gesehen besteht ein Probiotikum aus lebenden Keimen, die einen gesundheitlichen Nutzen für uns Menschen haben. Hochqualitative Probiotika¹, die sie in der Apotheke erhalten, wie zum Beispiel Omni Biotic 6, haben zusätzlich noch eine Reihe von Qualitätsmerkmalen. Sie überleben zum Beispiel die Magen-Darm-Passage und können sich tatsächlich im Darm ansiedeln.

Wenn ein Mensch unter hohem Stress steht, dann sterben leider unsere Darmbakterien ab und sie können ihre aufgaben nicht mehr erfüllen. Wesentlich ist es hier für uns gewesen Bakterien zu finden, die den Körper wieder in Gleichklang bringen und das machen wir mittlerweile seit zwei Jahrzehnten. Das ist bei Stress entscheidend. Die meisten Menschen können unter Stress nicht mehr gut schlafen, werden depressiv oder leiden womöglich sogar an Burnout. Hier gibt es ganz spezifische Bakterien, die das ausgleichen können und im Rahmen einer Serotoninsynthese wieder für ausreichend gute Hormone sorgen, die sie glücklich machen und auch wieder gut schlafen lassen können.

Anmerkung: Probiotische Bakterien kommen jedoch nicht nur vorbeugend zur Anwendung, sondern werden auch nach Antibiotika-Behandlungen eingesetzt.

Dr. Weiser: Bei der Antibiotika-Behandlung, können die Antibiotika nicht zwischen guten und bösen Darmbakterien unterscheiden, sondern zerstören Bakterienkulturen an sich. Damit der Darm funktioniert brauchen wir aber eine physiologische, das heißt gesunde Bakterienflora und Probiotika können genau dieses Manko dann korrigieren, indem sie sich im Darm ansiedeln und eine natürliche normale Darmflora unterstützend aufbauen.

Anmerkung: Nach Darmspiegelungen können Probiotika die Ansiedelung der natürlichen Darmbakterien fördern.

Dr. Weiser: Wir haben immer wieder Patienten, die mit ganz unspezifischen Bauchbeschwerden zur Darmspiegelung kommen. Bei der Spiegelung findet sich aber leider kein pathologische Befund, obwohl die Patienten glaubhaft Berschwerden haben. Wir sind draufgekommen, dass sehr oft eine Dysbalance der Darmbakterien daran Schuld ist. Daraufhin nützen wir die ideale Situation, dass durch die Darmspiegelung der Darm auch von Darmbakterien gesäubert ist und die Probiotika ideale Verhältnisse finden um sich im gesamten Dickdarm anzusiedeln und eine neue Darmflora wieder induzieren können. Viele Patienten kommen und sagen sie fühlen sich nach Einnahme der Medikamente wieder wie neu geboren.

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Quellen:

¹ Probiotika sind lebende Mikroorganismen, die in ausreichender Menge in aktiver Form in den Darm gelangen und durch die Besiedelung der Darmflora positive gesundheitliche Wirkungen erzielen.

² Probiotische Lebensmittel – Helfer für den Darm? (Forum Gesundheit)

Linktipps:

– Der Darm – Spiegel des körperlichen Befindens
– Verdauungsstörung – wenn der Darm steikt
– Flohsamenschalen – wirksam bei Durchfall und Verstopfung
– Reizdarm | Medizinlexikon
– Selbsthilfegruppe Darmkrebs Österreich