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Gelbwurz (Kurkuma): mehr als falscher Safran

Gelbwurz (Kurkuma): mehr als falscher Safran

Kurkuma Gewürzpulver aus Gelbwurz

Haben Sie sich auch schon einmal über „Curry-Flecken“ geärgert, die einfach nicht mehr aus der Wäsche zu bekommen waren? An dieser Stelle wollen wir Sie mit dem dafür Hauptverantwotlichen bekannt machen. Und wir hoffen, dass Sie ihn trotz allem lieb gewinnen werden.



Dass Safran den Kuchen gelb macht, besagt schon ein altes Kinderlied. Doch auch die Färbekraft von Kurkuma (auch Curcuma), zu deutsch: Gelbwurz, sollte nicht unterschätzt werden. Leider hat ihr das auch den Namen „falscher Safran“ eingebracht, obwohl sie mit diesem geschmacklich nichts gemein hat und oftmals wird sie nur als Lebensmittelfarbe (E100), etwa für Senf, genutzt. Dabei kann Curcuma wesentlich mehr, sowohl geschmacklich als auch medizinisch.

Tatsächlich findet Kurkuma schon in den Veden, den heiligen Schriften des Hinduismus Erwähnung und ist ein wichtiger Bestandteil der indischen Küche. Nach ayurvedischer Klassifikation ist sie bitter, adstringierend und scharf, seine Energie ist erhitzend. Wie immer kann eine solche Einteilung aber nur eine Hilfestellung sein, denn für eine „bittere Pille“ sollten sie die Gelbwurz keinesfalls halten. Weiters spielt es auch eine Rolle, ob sie sie kurz in Öl oder Ghee anbraten, was das Aroma verstärkt, die Schärfe aber reduziert oder sie direkt beim Kochen hinzufügen wodurch sie Dhals ihren typischen Geschmack verleihen.

Curcuma ist eine Pflanzengattung, die zu den Ingwergewächsen gehört. Der verwendete Pflanzen-teil ist auch hier das Rhizom. Als Gewürz wird vor allem Curcuma Longa genutzt, während andere Sorten gerne als Zierpflanzen kultiviert werden.

In Indien wird Curcuma fast ausschließlich getrocknet und zu einem Pulver gemahlen verwendet,

während man sie in vielen Teilen Südostasiens frisch und ebenso wie Ingwer verwendet.

Da wie dort wird das Rhizom aber auch wegen seiner medizinischen Bedeutung, die im Westen erst seit Kurzem, dafür aber umso intensiver untersucht wird, geschätzt.

Die Anwendung im Ayurveda

Der Ayurveda ist ein eigenständiges medizinisches System und sollte keinesfalls als exotische Ergänzung andere Systeme missverstanden werden. In Indien und anderen Ländern wird er, nicht anders als westliche Medizin, an Universitäten gelehrt und wer Behandlung sucht, sollte auch auf die Qualifikation seines Arztes achten. In Österreich gibt es leider noch keine entsprechende und von Indien anerkannte Ausbildung. Allerdings kennt auch der Ayurveda, nicht anders als die westliche Medizin seine „Hausmittelchen“ und so spielt die Curcuma auch im täglichen Leben eine große Rolle. Sie besitzt zum Beispiel eine stark bakteriozide und entzündungshemmende Wirkung, weshalb man gerne ein wenig des Pulvers auf kleine Verletzungen aufträgt. Aus dem selben Grund lassen sich mit Curcuma auch hervorragende Gurgellösungen und -tees herstellen, sowohl für die tägliche Mund- und Rachenhygiene wie auch zur Behandlung von (nicht-viraler) Pharyngitis und ähnlichen Erkrankungen. Vermengt mit Honig oder Aloe Vera kann sie äußerlich auch bei Verstauchungen, Prellungen, Zerrungen etc. auf die betroffenen Stellen aufgetragen werden und so ihre entzündungshemmende Wirkung entfalten. Je nach Hauttyp kann man Curcuma auch mit Wasser, Milch oder Süßrahm zu einer Paste anrühren und so (etwa mit einer Maske) Hautunreinheiten zu Leibe rücken, aber auch die Narbenbildung verhindern.

Innerlich eingenommen fördert und reguliert Kurkuma den Stoffwechsel und hilft bei der Eiweißverdauung, weshalb es auch, wie oben erwähnt, häufiger Bestandteil von Dhals ist. Neben der Verdauungsfördernden Wirkung ist Curcuma auch blutreinigend und blutbildend, weshalb es bei Anämie und Durchblutungsstörungen angewandt wird. Überhaupt wird ihr eine positive Wirkung auf alle Gewebe zugeschrieben. Schließlich ist Kurkuma auch bei Arthritis und Diabetes indiziert, allerdings sei darauf verwiesen, dass im Ayurveda nur selten Monopräparate eingesetzt werden, da die Mischung die Wirksamkeit der einzelnen Bestandteile stark erhöht.

Curcuma in der westlichen Medizin

Erst seit wenigen Jahren wird Curcuma im Rahmen der westlichen Medizin auf seine Wirksamkeit untersucht. Seither ist die Zahl der Studien allerdings explodiert. Allein vier davon führt, laut der Online Enzyklopädie Wikipedia (engl.) das U.S. National Institutes of Health derzeit durch um die Wirksamkeit von Curcuma bei der Behandlung von Pankreastumoren, Multiplem Myelom, Alzheimer und Kolorektalem Karzinom (einer Form von bösartigem Darmkrebs) zu untersuchen. Eine Studie der University of California LA an Mäusen hatte 2004 eine Wirksamkeit von Curcuma im Kampf gegen Alzheimer gezeigt.¹ Eine Studie der Yale University aus dem selben Jahr, die ebenfalls an Mäusen durchgeführt wurde, zeigte eine Wirksamkeit gegen Mukoviszidose.² Ebenfalls belegt ist, dass Curcuma Melanomzellen (eine Form des Hautkrebses) zerstört³ und das Metastasieren von Brustkrebs verlangsamt, wenn nicht sogar verhindert. Erforscht wird auch die Wirksamkeit bei Arthritis und Diabetes. Allerdings muss hinzugefügt werden, dass die Forschung in allen genannten Bereichen noch am Anfang steht und man Meldungen über „Wundermittel“ generell skeptisch gegenüber stehen sollte. Sicher aber ist, dass das volle Potenzial der Gelbwurz noch lange nicht ausgeschöpft ist.

Und der Fleck?

Kurkuma reagiert mit Basen und wurde deshalb auch für Indikatorstreifen eingesetzt. Wer dem Fleck also erstmal mit Seife zu Leibe rücken will, wird eine böse Überraschung erleben: aus gelb wird dann nämlich rot (ab pH 8 – 9). Zur Vorbehandlung brauchen sie aber trotzdem keine speziellen Reinigungsmittel: Curcumin, verantwortlich für die Farbe, ist alkohollöslich, lässt sich also mit etwas Spiritus leicht entfernen. Und wenn scheinbar gar nichts mehr hilft müssen sie sich auch keine Sorgen machen, denn einen Nachteil hat sogar Curcuma – ihre Farbe ist nicht lichtecht und verschwindet nach einiger Zeit von selbst.

Quellen:

– Vasant Lad, David Frawley; Die Ayurveda Pflanzen-Heilkunde
– Chandrashekhar G. Thakkur; Ayurveda – die indische Heil- und Lebenskunst
– Maya Tiwari; Das große Ayurveda Handbuch
– Maya Tiwari; A Life of Balance

Linktipps:

– Gewürzlexikon
– Zimt senkt Blutzucker
– Heilpflanze Preiselbeere
– Hausmittel bei Schnupfen
– Goji-Beeren oder Bocksdornfrüchte
– Löwenzahn – gesund & schmackhaft

– Ernährungslexikon
– Ernährungspyramide
– Entschlacken & Entgiften
– Kräuter richtig konservieren