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Gefahr Wunderheilung: großes Geschäft mit kleiner Wirkung

Gefahr Wunderheilung: großes Geschäft mit kleiner Wirkung

Gefahr Wunderheilung: großes Geschäft mit kleiner Wirkung

Esoteriker bieten unzählige Wege an, Krankheiten abseits der herkömmlichen Schulmedizin zu behandeln. Von Visualisierungen, der Kraft des positiven Denkens bis Handauflegungen sollen verschiedenste Verfahren den Patienten Linderung verschaffen wenn nicht sogar heilen. Nicht alle diese Methoden mögen schlecht sein, doch welche Gefahren sich hinter der Esoterik verbergen, erklärt der Psychologe Mag. Dr. Felinger, Leiter der Gesellschaft gegen Sekten und Kultgefahren im Gespräch mit gesund.co.at.



Das Geschäft mit der Gesundheit boomt ungebrochen und so auch immer mehr der Trend zu Esoterik. „Besonders Frauen in der Altersgruppe ab 45 Jahren sprechen auf esoterische Heilmethoden an. Speziell Menschen, die mit ihrer aktuellen Lebenssituation unzufrieden sind, oft auch Leute mit Problemen, beschäftigen sich mit übernatürlichen Phänomenen und auch immer mehr junge Menschen fühlen sich von Esoterik angesprochen. Das klassische Motiv ist die Suche nach Antworten“, erklärt Mag. Dr. Martin Felinger.

Dabei gilt, je unzufriedener die Betroffenen mit ihrem Leben, desto eher praktizieren sie auch selbst esoterische Heilmethoden. Es existieren zahllose esoterische Praktiken wie Reiki, Wünschelrutengänge, der Glaube an Engel, Meditation, aber auch Tarot und die Zahl der Behandlungsmöglichkeiten nimmt stetig zu. Problematisch ist, dass es in diesem Bereich oft sektenähnliche Strukturen gibt, die zu seelischen Abhängigkeiten führen. Martin Felinger sieht die Gründe für diese Abhängigkeit in bewusst eingesetzten psychologischen Strategien durch sehr charismatische Persönlichkeiten, die den Kranken immer weiter Hoffnung auf Heilung geben.

Die Aussage: „Am Anfang könnte sich Ihr Zustand verschlechtern.“ oder „Es kann einige Zeit dauern, bis sich eine Wirkung einstellt“, sind ganz typisch, wenn mit einer esoterischen Methode begonnen wird.“, erklärt der Leiter der Gesellschaft gegen Sekten und Kultgefahren im Interview mit gesund.co.at. Zudem sind bei den meisten Erkrankungen die Symptome gewissen Schwankungen unterworfen, leichte Besserungen im Krankheitsverlauf werden mit esoterischen Heilmethoden in Zusammenhang gebracht. So wird der Glaube an eine mögliche Heilung oft über Jahre hinweg aufrecht erhalten oder sogar verstärkt, auch wenn sich der Krankheitsverlauf verschlechtert.

Es gibt so gut wie keine Studien, die die Wirkung esoterischer Heilmethoden beweisen. Diese lassen sich oftmals höchstens als Placebomethode – also gleich der Einnahme wirkungsloser Medikamente – bezeichnen. Obwohl auch Placebos einen positiven Effekt hervorrufen können- einerseits können diese Scheinmedikamtente im Gehirn die Ausschüttung von körpereigenen Schmerzmitteln anregen, andererseits die Hirnaktivität zur Vermeidung negativer Gefühle steigern – erzielen sie zumeist nicht die versprochene Wirkung.

Wunderheilung birgt vielfältige Gefahren

Doch auch wenn sich oft kein Effekt durch esoterische Heilmethoden einstellt, klammern sich viele Patienten an die Hoffnung, dass eine Besserung eintritt. Gefährlich wird der Glaube an esoterische Heilmethoden immer dann, wenn auf schulmedizinische Behandlung verzichtet wird, wobei die Esoteriker hier viel vorsichtiger geworden sind als noch vor ein paar Jahren. „In Vorträgen wird aus rechtlichen Gründen darauf hingewiesen, dass eine schulmedizinische Behandlung nicht durch esoterische Heilmethoden zu ersetzen ist.

Allerdings geschieht dies meist beiläufig und wird von den Patienten nicht ernst genug genommen.“, erklärt Felinger. Problematisch ist für den Esoterikexperten aber auch die psychische Abhängigkeit, die auch über eine mögliche Genesung hinaus erhalten bleibt.“ Es wird kein Ende für eine Behandlungsmethode festgesetzt, es gibt kein klares Ziel und so haben die Patienten oft das Gefühl der Abhängigkeit von der Methode um gesund zu bleiben. Ein weiteres Problem ist der wirtschaftliche Faktor. Behandlungen kosten oft enorme Summen, Familien aus ärmeren Verhältnissen geraten da leicht in finanzielle Notlagen.“, so der Psychologe.Die Gesellschaft gegen Sekten und Kultgefahren ist in den letzten 10-15 Jahren mit einem deutlichen Anstieg an Anfragen zum Thema Esoterik konfrontiert.

Wirkung ist wissenschaftlich nicht belegbar!

Eine aktuelle Studie von Peter Brugger und weiteren Forschern der Neurologischen Klinik des Universitätsspitals Zürich zeigt, dass nicht unbedingt nur psychische Faktoren für den Glauben an Esoterik verantwortlich zu machen sind. Ergebnis ihrer Studie ist, dass ein Dopaminüberschuss -Dopamin ist umgangssprachlich ein Glückshormom- im Gehirn Ursache für einen übermäßigen Glauben an paranormale Phänomene ist.

Gefährlich wird dieses Hoffen auf eine mögliche Wunderheilungen immer dann, wenn das Vertrauen der Patienten in die Schulmedizin verloren geht und ernsthafte Erkrankungen ausschließlich mittels esoterischer Heilmethoden behandelt werden. Denn Fälle von Wunderheilungen, in denen Krebs, HIV oder andere lebensbedrohende Krankheiten nur durch esoterische Methoden geheilt werden konnten, sind bislang nicht bekannt.

[ameis]

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Quellen:

¹ ORF Science – Homöopathie wirkt wie Placebo
² Innovations Report – Dopamin erhöht Glaube an Paranormales

Linktipps:

– Feng Shui: Zusammenhang von Wohnraum & Wohlbefinden
– Reiki – Heilung, Hoffnung oder Humbug?
– Ganzheitsmedizin
– Thermalwasser Heilwirkung
– Sekteninformation