Sa, 18.05.2013
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Functional Food: was ist das eigentlich?

Functional Food: was ist das eigentlich?

functional food

Funktionelle Nahrungsmittel – sinnvolle Ergänzung oder Riesen-Schwindel? Eine Begriffsdefinition, dazu ein Testbericht der besonderen Art.



Zum dritten Mal schwindelt sich der kräftige Gallier in die Warteschlange, um einen Schöpflöffel des Wundermittels zu ergattern, doch der Druide ist nicht zu überlisten:”Nein, du nicht, Obelix! Du bist schon als Kind in den Kessel mit Zaubertrank gefallen”, weist ihn Miraculix zurück. Schon damals war klar, wie man Getränke begehrter macht. “Functional Food” sagt man heute, wenn ein Trank mehr kann, als nur den Durst löschen: gesünder, schlanker oder sexy(!) machen. Doch Zusatznutzen ist nur eine Variante, mit der die Getränkeindustrie stagnierende Umsätze schluckt. Immer wenn der Absatz – etwa wetterbedingt – zurückgeht, ist die Wirtschaft emsig bemüht neue Bedürfnisse zu wecken, bzw. neuen Nutzen zu stiften. Mit Functional Food oder einfach neuen, schrillen Geschmackskombinationen sollen die Umsätze wieder fließen. Dass das auch tatsächlich funktioniert zeigen die mittlerweile enormen Aufwendungen der Lebensmittelkonzerne im Bereich Forschung & Entwicklung.

Was heißt Functional Food?

Jahrzehntelang haben wir uns fettes Fleisch, null Vitamine, dafür Alkohol und Nikotin zugeführt, als gäb´s kein Morgen. Jetzt der Radikalschwenk. Und die Lebensmittelindustrie suggeriert: gesunde Ernährung allein genügt dafür nicht, schließlich ist einiges aufzuholen.

Seit dem Aufkommen der Idee, Lebensmittel mit einem “Zusatznutzen” auszustatten, ist man weltweit auf der Suche nach einer einheitlichen und verbindlichen Definition des Begriffs “Functional Food”. Functional Food (Japan gilt übrigens als Stammland funktioneller Lebensmittel) ist ein unscharf definierter Begriff für Nahrungsmittel, die einen gesundheitlichen Nutzen aufweisen, der über ihren natürlichen Nährstoffgehalt hinausgeht. Um eine gesundheitsfördernde Wirkung zu erreichen, werden diese Produkte mit Zusatzstoffen versetzt. So finden sich beispielsweise Fischöl in Eiern, Kalzium im Müsli und probiotische Bakterien in Milchprodukten.

Generell werden zwei Arten funktioneller Lebensmittel unterschieden: Entweder haben Lebensmittel durch betimmte Inhaltsstoffe bereits besonders gesunde Eigenschaften über den Nähr- und Genussewert hinaus, oder aber sie werden mit solchen Ingredienzien angereichert. Die gängigsten Schlagworte bei funktionellen Lebensmitteln sind:

Probiotika: lebende Mikroorganismen – meist Bakterien -, die Lebensmitteln zugegeben werden. Sie üben eine positive Wirkung auf den Darm aus.

Präbiotika sind unverdauliche Kohlenhydrate. Sie wirken als lösliche Ballaststoffe, die im Dickdarm den probiotischen Bakterien als Nahrung dienen.

Symbiotika sind eine Mischung aus einem Probiotikum und einem Präbiotikum, die das Überleben von lebenden midrobiellen Nahrungsmittelzusätzen im Magen-Darm-Trakt verbessern.

Bei der Fermentation handelt es sich um ein symbiotisches Zusammenspiel von lebenden Milchsäurebakterien und speziellen Hefen. Während der Fermentation entstehen neben wertvoller rechtsdrehender Milchsäure auch Gluconsäure und andere organische Säuren, die den Stoffwechsel aktivieren und den Organismus bei der Entgiftung unterstützen. Gleichzeitig werden Enzyme produziert, die bei der Aufspaltung der Nahrung im Verdauungstrakt helfen.

Mehrere tausend Substanzen in Obst, Gemüse, Kartoffeln und Vollkornprodukten fallen unter den Begriff sekundäre Pflanzenstoffe, sie sollen u. a. krebs- und entzündungshemmend wirken, und verdauungsfördernd, blutdrucksendend und antioidativ sein.

Gesund durch Designer-Food?

Funktionelle Lebensmittel überschwemmen zur Zeit den internationalen Markt. Monat für Monat werden neue Produkte mit einem Zusatznutzen auf den Markt implementiert. Japan war der Auslöser dieses neuen Lebensmitteltrends, die USA folgten dem Land der lächelnden Sonne und seit einigen Jahren ist Europa am Zug.

Viele Menschen stolpern zuerst eher rein zufällig über den Begriff Functional Food in den Medien. Erst nach einer gewissen Zeit wird ihnen bewusst, dass sie eigentlich bereits zu den Konsumenten von funktionellen Lebensmitteln gehören. Zu funktionellen Lebensmitteln zählen neben den natürlichen Produkten wie Obst und Gemüse, vor allem diverse Milchprodukte, wie probiotische Joghurts und Milchmischgetränke. Sie dominieren den Markt des Functional Food. Probiotische Joghurts beinhalten lebende Joghurtkulturen, sogenannte Bifiduskulturen, die sich positiv auf die Darmflora auswirken sollen.

Die positiven, gesundheitsfördernden Wirkungen von funktionellen Lebensmitteln werden von den Herstellern dieser Produkte verständlicherweise gerne in den Vordergrund gestellt. Dabei wird gerne verdrängt, daß in vielen Fällen ein wissenschaftlicher Beweis für den gesundheitlichen Nutzen der Gesamtprodukte noch fehlt, oder nicht klar ist, ob in Functiona Food enthaltene “gesundheitsfördernde” Einzelstoffe ihren Nutzen nicht vielleicht nur beim Zusammenwirken mit anderen Stoffen entfalten.

Da die Erzeuger von Functional Food (auch Designer Food bzw. Nutraceutical) damit werben, dass diese Nahrungsmittel über den Nährwert und den Genuss hinaus dem Verbraucher einen, meist gesundheitlichen, Vorteil verschaffen sollen, sollten die Konsumenten kritisch sein.

Denn in in diesem angepriesenen zusätzlichen Nutzen liegt auch das Problem: Rechtlich ist in Österreich und Deutschland ein Lebensmittel, das mit dem Hinweis auf z. B. seine cholesterinsenkende Wirkung verkauft wird, kein Lebensmittel mehr, sondern ein Arzneimittel. Diese müssen aber klinisch auf Nebenwirkungen untersucht werden. Eine Prozedur, die man sich bei Lebensmitteln schon allein wegen der Kosten kaum vorstellen kann. Für Lebensmittel gilt außerdem das Verbot der gesundheitsbezogenen Werbung, so darf z. B. nicht damit geworben werden, dass ein Lebensmittel ihr Kind vor Osteoporose im Alter schützt. Diese Lebensmittel dürfen nicht in Kapseln, Pillen oder Pulverform angeboten werden. Sieht man sich die Aussagen, mit denen manche Functional Foods beworben werden, unter diesem Aspekt an, wird deutlich, dass sich viele rechtlich, vor alle aber ethisch auf dünnem Eis bewegen.

Wellness Drinks im trend-Test:

Bewertet wurden von der Redaktion der Zeitschrift “trend”:

1) Anmutung der Verpackung,
2) Geschmack,
3) Preis/Leistung und
4) Wirkung.

Dafür wurden Punkte von 1-5 (1 = sehr gut, 5 = nicht genügend) vergeben und daraus ein Gesamtwert gebildet. Diese Wertung beruht auf rein subjektiven Wahrnehmungen der o.a. Tester.

Kombucha/Stock Vital,

“Die braune Glasflasche versprüht exakt den gleichen Charme wie damals die Bottle mit dem grauslichen Essig im Keller daheim im Gailtal. Urrggahh, der Geschmack abgestandenen Blumenwassers erzeugt bestimmt Läuse im Bauch. Das kann ja nur gesund sein! Der Preis für diese Zumutung ist allerdings völlig daneben. Aber meiner Seel – was ist denn das? Ich glaub, ich spür deutlich, wie sich meine Seele reinigt und erfrischt!” Gesamtnote: 3

H2PRO/Functional Food GesmbH – 0,33l

“Auf der schlichten Glasflasche, die das Flair einer Haltbarmilch hat, sind Inhaltstoffe, Wirkungsweise und Ansprechpartner verzeichnet. Das wirkt vertrauenserweckend, zumal auch auf das Versprechen ewiger Glücksgefühle, nebst unerträglicher Schönheit, verzichtet wurde. Durch die Kohlensäure trinkt sich H2PRO weit angenehmer und sättigt weniger schenll als andere Joghurtgetränke, das rechtfertigt den Preis. Bei regelmäigem Genuss soll es den Stoffwechsel aktivieren und das Immunsystem stärken. Gut möglich!” Gesamtnote: 1,75

Gyn Chi/Fa. Mag. Scheler – 0,33l
“Der Anblick der schlammfarbenen Dose erfrischt mich noch nicht wirklich. Der Hinweis ‘Das Lebensmittelgesetz gestattet uns keine näheren Hinweise’ reicht vollkommen aus, um das Vertrauen in den Doseninhalt endgültig zu begraben. Ah, der Geschmack von Himbeerbrause, den habe ich zuletzt vor 35 Jahren gespürt: Macht mich also dramatisch jünger! Damals war`s allerdings noch billiger. Wirkt innerhalb von Sekunden magenverklebend und stoppt daher jedes Hungergefühl. Sollten nicht enorme Zuckeranteile enthalten sein, ist das Gebräu als Appetitzügler durchaus einsetzbar.” Gesamtnote: 3,75

YO vital/Ybbstaler Fruchsaft GesmbH – 1-l-Karton

“Der schlanke Karton passt sicher gut in den Eiskasten. Apfel-Quitte mit Grüntee schmeckt hervorragend. Und die bioaktiven Wirkstoffe kümmern sich jetzt also gerade um allen Mist, der so in meinen Zellen herumfleucht, dabei spüre ich förmlich, wie ich jünger und schöner werde. Dafür kostet die Packung auch mehr als andere Fruchsäfte. Immerhin haben die von Yo die Rezeptur ja europaweit zum Patent angemeldet. Noch ein Schluck: Auf die uneingeschränkte Faltenfreiheit! Wenn’s nicht hilft, hat es wenigstens gut geschmeckt!” Gesamtnote: 2,5

Nöm Balance/NÖM – 4er Packung

“Etwas mühsam zu öffnen, aber die Portionsgröße ist praktisch – auch zum Mitnehmen. Schmeckt vielleicht ein bisschen zu süß, aber trotzdem erfrischend. Seltsam im Abgang. Sieben Schilling scheint mir als Einzelpreis für das Kleinchen etwas hoch. Dafür spüre ich schon, wie der Stress nachlässt, während offenbar die Verdauung mehr als angeregt wurde. Ich darf mich entschuldigen!” Gesamtnote: 3,25

Der grüne Tee/Pfanner – 2-l-Karton
“Harmonie für Körper und Geist steht auf der schwarze-grünen Packung, die selber recht harmonisch wirkt, bis auf das Pfanner-Logo und den grauslichen gelben Verschluss. Wer Geschmacksverstärker mag, wird hier – für knappe 20 Schilling – ausreichend bedient: Marke Zitrone-Kaktus-Feige. ‘Man trinkt Tee, damit man den Lärm der Welt vergisst’ stand auf der Rückseite – oder so ähnlich? Schon vergessen.” Gesamtnote: 3,5

K’atu/K’atu Handelsges.m.b.H. – 375ml
“Ansprechende Flasche mit mystischem Appeal, aber doch modern. Der Geschmack erinnert an frühen Sturm, kann mit normalen Sturm Preisen allerdings nicht konkurrieren. Die anregende Wirkung auf die rechte Gehirnhälfte ist angeblich wissenschaftlich nachgewiesen. Ich registriere vor allem die durch entsprechenden Alkoholgehalt hinlänglich bekannte Wirkung nach Einnahme größerer Mengen – das hellt meine Stimmung enorm auf: Move your mind, kann ich da nur sagen!” Gesamtnote: 2

Vöslauer Balance/Vöslauer – 0,5-l-PET-FLASCHE
“Handlich und praktisch verpackt, auch für unterwegs, sieht es aus wie jedes Mineralwasser, nur etwas trüber. Die Kräuterextrakte – Melisse und Lindenblüte schmecke ich sogar raus – machen es erfrischend und vollmundig. Der Preis liegt – für ein Mineralwasser mit Geschmack – an der oberen Schmerzgrenze. Dafür verspricht es Ausgeglichenheit und Wohlgefühl. Also, worüber soll ich mich aufregen?” Gesamtnote: 2,75

Linktipps:

- Lebensmittelkennzeichnung – Inhaltsstoffe verstehen
- Biolebensmittel: Gesundheitspodcast mit Mag. Petra Lehner (Gesundheitsministerium)
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