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Functional Food: was ist das eigentlich?

Functional Food: was ist das eigentlich?

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Funktionelle Nahrungsmittel – sinnvolle Ergänzung oder Riesen-Schwindel? Egal ob Joghurts, die mit probiotischen Milchsäurebakterien, Zuckerl und Fruchtsäfte mit Vitaminen oder Streichfette, die mit Omega-3-Fett Säuren angereichert wurden, all diese Lebensmittel sollen zusätzlich zu ihrem Nährwert auch noch einen positiven gesundheitlichen Zusatznutzen aufweisen. Das versuchen uns die Konzerne zumindest über aufwendige Werbung tagtäglich einzureden. Die Frage ist: stimmt das eigentlich und wenn ja, brauchen wir das überhaupt?



Es funktioniert wie bei Asterix & Obelix: Zum dritten Mal schwindelt sich der kräftige Gallier in die Warteschlange, um einen Schöpflöffel des Wundermittels zu ergattern, doch der Druide ist nicht zu überlisten:“Nein, du nicht, Obelix! Du bist schon als Kind in den Kessel mit Zaubertrank gefallen“, weist ihn Miraculix zurück. Schon damals war klar, wie man Getränke begehrter macht.

„Functional Food“ sagt man heute, wenn ein Trank mehr kann, als nur den Durst löschen: gesünder, schlanker oder sexy(!) machen. Doch Zusatznutzen ist nur eine Variante, mit der die Getränkeindustrie stagnierende Umsätze schluckt. Immer wenn der Absatz – etwa wetterbedingt – zurückgeht, ist die Wirtschaft emsig bemüht neue Bedürfnisse zu wecken, bzw. neuen Nutzen zu stiften. Mit Functional Food oder einfach neuen, schrillen Geschmackskombinationen sollen die Umsätze wieder fließen. Dass das auch tatsächlich funktioniert zeigen die mittlerweile enormen Aufwendungen der Lebensmittelkonzerne im Bereich Forschung & Entwicklung.

Was heißt Functional Food?

Jahrzehntelang haben wir uns fettes Fleisch, null Vitamine, dafür Alkohol und Nikotin zugeführt, als gäb´s kein Morgen. Jetzt der Radikalschwenk. Und die Lebensmittelindustrie suggeriert: gesunde Ernährung allein genügt dafür nicht, schließlich ist einiges aufzuholen.

Seit dem Aufkommen der Idee, Lebensmittel mit einem „Zusatznutzen“ auszustatten, ist man weltweit auf der Suche nach einer einheitlichen und verbindlichen Definition des Begriffs „Functional Food“. Functional Food (Japan gilt übrigens als Stammland funktioneller Lebensmittel) ist ein unscharf definierter Begriff für Nahrungsmittel, die einen gesundheitlichen Nutzen aufweisen, der über ihren natürlichen Nährstoffgehalt hinausgeht. Um eine gesundheitsfördernde Wirkung zu erreichen, werden diese Produkte mit Zusatzstoffen versetzt. So finden sich beispielsweise Fischöl in Eiern, Kalzium im Müsli und probiotische Bakterien in Milchprodukten.

Generell werden zwei Arten funktioneller Lebensmittel unterschieden: Entweder haben Lebensmittel durch betimmte Inhaltsstoffe bereits besonders gesunde Eigenschaften über den Nähr- und Genussewert hinaus, oder aber sie werden mit solchen Ingredienzien angereichert. Die gängigsten Schlagworte bei funktionellen Lebensmitteln sind:

Probiotika: lebende Mikroorganismen – meist Bakterien -, die Lebensmitteln zugegeben werden. Sie üben eine positive Wirkung auf den Darm aus.

Präbiotika sind unverdauliche Kohlenhydrate. Sie wirken als lösliche Ballaststoffe, die im Dickdarm den probiotischen Bakterien als Nahrung dienen.

Symbiotika sind eine Mischung aus einem Probiotikum und einem Präbiotikum, die das Überleben von lebenden midrobiellen Nahrungsmittelzusätzen im Magen-Darm-Trakt verbessern.

Bei der Fermentation handelt es sich um ein symbiotisches Zusammenspiel von lebenden Milchsäurebakterien und speziellen Hefen. Während der Fermentation entstehen neben wertvoller rechtsdrehender Milchsäure auch Gluconsäure und andere organische Säuren, die den Stoffwechsel aktivieren und den Organismus bei der Entgiftung unterstützen. Gleichzeitig werden Enzyme produziert, die bei der Aufspaltung der Nahrung im Verdauungstrakt helfen.

Mehrere tausend Substanzen in Obst, Gemüse, Kartoffeln und Vollkornprodukten fallen unter den Begriff sekundäre Pflanzenstoffe, sie sollen u. a. krebs- und entzündungshemmend wirken, und verdauungsfördernd, blutdrucksendend und antioidativ sein.

Gesund durch Designer-Food?

Funktionelle Lebensmittel überschwemmen zur Zeit den internationalen Markt. Monat für Monat werden neue Produkte mit einem Zusatznutzen auf den Markt implementiert. Japan war der Auslöser dieses neuen Lebensmitteltrends, die USA folgten dem Land der lächelnden Sonne und seit einigen Jahren ist Europa am Zug.

Viele Menschen stolpern zuerst eher rein zufällig über den Begriff Functional Food in den Medien. Erst nach einer gewissen Zeit wird ihnen bewusst, dass sie eigentlich bereits zu den Konsumenten von funktionellen Lebensmitteln gehören. Zu funktionellen Lebensmitteln zählen neben den natürlichen Produkten wie Obst und Gemüse, vor allem diverse Milchprodukte, wie probiotische Joghurts und Milchmischgetränke. Sie dominieren den Markt des Functional Food. Probiotische Joghurts beinhalten lebende Joghurtkulturen, sogenannte Bifiduskulturen, die sich positiv auf die Darmflora auswirken sollen.

Die positiven, gesundheitsfördernden Wirkungen von funktionellen Lebensmitteln werden von den Herstellern dieser Produkte verständlicherweise gerne in den Vordergrund gestellt. Dabei wird gerne verdrängt, dass in vielen Fällen ein wissenschaftlicher Beweis für den gesundheitlichen Nutzen der Gesamtprodukte noch fehlt, oder nicht klar ist, ob in Functiona Food enthaltene „gesundheitsfördernde“ Einzelstoffe ihren Nutzen nicht vielleicht nur beim Zusammenwirken mit anderen Stoffen entfalten.

Da die Erzeuger von Functional Food (auch Designer Food bzw. Nutraceutical) damit werben, dass diese Nahrungsmittel über den Nährwert und den Genuss hinaus dem Verbraucher einen, meist gesundheitlichen, Vorteil verschaffen sollen, sollten die Konsumenten kritisch sein.

Denn in in diesem angepriesenen zusätzlichen Nutzen liegt auch das Problem: Rechtlich ist in Österreich und Deutschland ein Lebensmittel, das mit dem Hinweis auf z. B. seine cholesterinsenkende Wirkung verkauft wird, kein Lebensmittel mehr, sondern ein Arzneimittel. Diese müssen aber klinisch auf Nebenwirkungen untersucht werden. Eine Prozedur, die man sich bei Lebensmitteln schon allein wegen der Kosten kaum vorstellen kann.

Für Lebensmittel gilt außerdem das Verbot der gesundheitsbezogenen Werbung, so darf z. B. nicht damit geworben werden, dass ein Lebensmittel ihr Kind vor Osteoporose im Alter schützt. Diese Lebensmittel dürfen nicht in Kapseln, Pillen oder Pulverform angeboten werden. Sieht man sich die Aussagen, mit denen manche Functional Foods beworben werden, unter diesem Aspekt an, wird deutlich, dass sich viele rechtlich, vor alle aber ethisch auf dünnem Eis bewegen.

Linktipps:

– Lebensmittelkennzeichnung – Inhaltsstoffe verstehen
– Nahrungsergänzungsmittel und funktionelle Lebensmittel
– Gesunder Darm durch Probiotika?
– Sind Light-Produkte wirklich Schlankmacher?
– Verleihen Energy-Drinks wirklich Flügel?
– Biolebensmittel: Gesundheitspodcast mit Mag. Petra Lehner (Gesundheitsministerium)