1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (3 Bewertungen, Durchschnitt: 4,00 Sterne von 5)
Frühkindlicher Autismus

Frühkindlicher Autismus

Autismus Kind

Der Begriff „Autismus“, der aus dem Griechischen (autos = für sich selbst) stammt, beschreibt schon von der Wortbedeutung her die Hauptsymptomatik: die Isolation bzw. die Selbstbezogenheit auf die eigene Person. Autistische Kinder werden oft beschrieben, als ob sie nicht in dieser Welt und im Austausch mit anderen lebten, sondern im eigenen Ich gefangen seien. Man geht jedoch davon aus, dass diese Kinder Kontakt zu ihrer Umwelt aufnehmen, allerdings auf eine andere, ihnen eigene Art und Weise.



Was sind die Ursachen für frühkindlichen Autismus?

Viele Jahre dachte man, autistische Kinder werden von den Eltern, die sie nicht genügend lieben, autistisch gemacht, d. h. man ging von einem psychischen Hintergrund zur Entstehung der Störung aus. Diese Einschätzung wurde durch die Tatsache gestützt, dass zu früheren Zeiten mit Hilfe der vorhandenen Forschungsmethoden keine neurologischen Auffälligkeiten nachzuweisen waren. Zudem sind die Kinder von ihrem äußeren Erscheinungsbild – im Gegensatz zu geistig behinderten Kindern -unauffällig. Sie sehen gesund aus. Dies verstärkte den Eindruck, Erfahrungen und Erlebnisse der Kinder würden die Symptomatik bedingen.

Trotz vieler offener Fragen ist eines heutzutage auf jeden Fall sicher. Die Ursache einer autistischen Symptomatik ist eine Störung der Hirnentwicklung. Man spricht von einer so genannten „neuroanatomisch-neurochemischen Störung“. Bislang konnte zwar noch keine eindeutige neurologische Grunderkrankung identifiziert werden, es häufen sich jedoch Einzelschicksale, die für eine angeborene oder erworbene Störung der hirnorganischen Entwicklung kurz vor oder nach der Geburt sprechen. Dies ist eine wichtige Information zur Entlastung der Eltern und weiteren Bezugspersonen.

Auch eine erbliche, genetische Veranlagung von Autismus wird seit langem diskutiert. Ob und wie stark die genetische Komponente bei der Entwicklung von Autismus ist, muss jedoch noch belegt werden. Dass bestimmte Verhaltensweisen autistischer Menschen von der Umwelt verstärkt, geändert oder abgeschwächt werden können, wird jedoch nicht ausgeschlossen. So können natürlich, wie bei anderen Kindern auch, bestimmte positive oder negative Lebensereignisse oder der Erziehungsstil der Eltern, kompensierenden oder schädigenden Einfluss auf die allgemeine Entwicklung und die Verhaltensprobleme haben.

Um verstehen zu können, warum es aufgrund die hirnorganischen Grunderkrankung zu genau den beschriebenen Symptomen kommt, zieht man so genannte neuropsychologische Ansätze heran.

Aufgrund der neurologischen Störung sollen die Kinder zum einen nicht in der Lage sein, nachvollziehen zu können, was eine andere Person denkt, glaubt oder fühlt. Zum anderen sollen sie die vielen Informationen, die man in einer sozialen Situation aufnimmt, nicht angemessen verarbeiten können. Es kommt zu einer Art Reizüberflutung. Dies führt diesem Ansatz zur Folge zur tiefgreifenden Beeinträchtigung der Entwicklung und schließlich zur autistischen Symptomatik.

Wie ist der Verlauf und die Prognose?

Die Symptomatik beginnt meist vor dem dritten Lebensjahr, auch wenn nicht immer zu diesem Zeitpunkt schon die Diagnose gestellt wird. Autismus ist jedoch ein Störungsbild, das nicht ausschließlich auf das Kindesalter beschränkt ist, da die gesamte psychische Entwicklung beeinflusst wird. Es handelt sich hier nicht um eine Entwicklungsverzögerung, sondern um einen grundlegend veränderten Entwicklungsverlauf. Obwohl deutliche Verbesserungen der Symptomatik möglich sind, bleiben bestimmte Schwierigkeiten in der Regel bis ins Erwachsenenalter bestehen.

Im Verlauf kommt es immer wieder zu Veränderungen. Es gibt Hochs und Tiefs, Rückschläge und Fortschritte. Einige Merkmale treten erst später in Erscheinung, andere verschwinden mit der Zeit. Während bestimmte Auffälligkeiten, wie z. B. die körperliche Ablehnung und das Nichtreagieren auf Personen, häufig schon von den Eltern innerhalb des ersten Lebensjahres bemerkt werden, zeigt sich meist in der mittleren Kindheit das volle Bild der autistischen Störung. Dies besteht aus der sozialen Zurückgezogenheit, der mangelnden Kommunikationsfähigkeit und dem Beharren auf immer gleichförmig ablaufendem Verhalten.

Die vollkommene Ablehnung von Kontakt kann sich jedoch im Entwicklungsverlauf verändern. Manchen Kindern ist es möglich, den Widerstand gegenüber anderen zu durchbrechen und die Annäherung von Menschen zu akzeptieren, auch wenn sie von sich aus keinen Kontakt aufnehmen. Schließlich gelingt es einigen dieser Kinder, auch aktiv zu werden und spontan Kontakt aufzunehmen. Die Kommunikation ist aber durch sich immer wiederholende Äußerungen oder Befragungen gekennzeichnet. Zudem haben die Kinder mehr Interesse an der Routine dieses Spiels als am gegenseitigen Austausch.

Die größten Schwierigkeiten in der mittleren Kindheit sind Verhaltensstörungen wie Aggression, Selbstverletzungen und Hyperaktivität.

Im Jugendalter kann sich die Symptomatik verschlechtern, was man bisher auf die Pubertät selbst zurückgeführt hat. Intelligente autistische Kinder können sich in dieser Phase ihrer „Andersartigkeit? bewusst werden und leiden mitunter an den Schwierigkeiten, Kontakte aufzubauen. Bei geistig behinderten Kindern kann es zu epileptischen Anfällen kommen. Normalerweise nimmt das Risiko für ein Anfallsleiden aber mit zunehmendem Alter wieder ab. Die oft zuvor anzutreffende Hyperaktivität geht zurück und kehrt sich ins Gegenteil um. Es kann außerdem zu einer starken Gewichtszunahme kommen.

Für die Prognose im Erwachsenenalter hat sich gezeigt, dass ein bis zwei Prozent der Betroffenen im Erwachsenalter ein relativ normales Leben führen. 5 bis 20 Prozent üben einen Beruf aus und gehen Freizeitinteressen nach. Sie entwickeln aber keine persönlichen Beziehungen. 15 bis 20 Prozent zeigen deutliche Verhaltensauffälligkeiten und benötigen pflegerische Betreuung. 60 bis 70 Prozent der Betroffenen leben ständig in Institutionen und sind sehr pflegebedürftig.

In bestimmten Bereichen können autistische Menschen jedoch hervorragende Leistungen erbringen. Einige entwickeln aufgrund ihrer intensiven Beschäftigung mit speziellen Dingen beträchtliches Wissen oder beherrschen besondere Fähigkeiten.

Generell haben Personen mit höherem Intelligenzniveau und Kinder, die vor dem fünften Lebensjahr die Sprache erlernt haben, eine gute Prognose. Der Verlauf kann zudem positiv beeinflusst werden durch eine frühzeitige Förderung des Kindes.

Wie behandelt man frühkindlichen Autismus?

Das Ziel der Therapie von Autismus ist nicht die Heilung. Es handelt sich um eine Störung, deren Schwere und Ausprägung zwar abgeschwächt werden kann, die jedoch im Allgemeinen bis ins Erwachsenenalter bestehen bleibt. Es geht daher in allen zur Verfügung stehenden Verfahren vielmehr darum, unangemessene Verhaltensweisen zu vermindern sowie um den soziale und kommunikative Fähigkeiten aufzubauen. Zudem werden weitere Fertigkeiten wie z. B. das Lesen und Schreiben gefördert.

Zur Zeit liegen insbesondere aus der Verhaltenstherapie gute therapeutische Konzepte vor. Im verhaltenstherapeutischen Vorgehen geht es, grob gesagt, immer um die Belohnung und damit die Verstärkung von erwünschten Verhaltensweisen, z. B. der spontanen Kontaktaufnahme des Kindes zu anderen Menschen. Diesem Ansatz liegen dabei folgende Prinzipien zugrunde:

Die Therapie stützt sich nicht allein auf die Diagnose „Autismus?, sondern geht nach einer eingehenden Diagnostik von den individuellen Verhaltensproblemen des Kindes, seinen Defiziten und Kompetenzen aus. Je nach Alter der Kinder stehen verschiedene Themen im Vordergrund. In den ersten drei Lebensjahren sollen beispielsweise die Fähigkeiten zum gegenseitigen Austausch zwischen Eltern und Kind gefördert werden, im Vorschulalter zusätzlich die Beziehungen zu Gleichaltrigen. In den folgenden Jahren kommen schulische Fertigkeiten und die Selbständigkeit hinzu.

Weiterhin ist ein grundlegendes Ziel neuerer Therapiekonzepte, die Eltern autistischer Kinder – stärker als dies früher praktiziert wurde – in die Behandlung mit einzubeziehen. Dazu gehört zum einen die ausführliche Aufklärung über die Erkrankung. Andererseits werden die Eltern darin geschult, ihre Kinder quasi als Co-Therapeuten im häuslichen Umfeld zu fördern. Dies ist von entscheidender Bedeutung, da das größte Problem der Therapie ist, die ersten Fortschritte und Erfolge auf die häusliche natürliche Umwelt des Kindes zu übertragen. Daher ist es wichtig, dass die Kinder, die z. B. gelernt haben, Blickkontakt zum Therapeuten aufzunehmen, dies auch auf anderen Beziehungen übertragen. Eltern und weitere Bezugspersonen sprechen sich daher in ihrem Vorgehen genau mit dem Therapeuten ab.

Bei körperbezogenen Therapieansätzen werden vorrangig körperliche Funktionen angesprochen, um eine intensive Beziehungsaufnahme zu ermöglichen. Hervorgehoben werden insbesondere die Bedeutung von emotionalen Erfahrungen wie Wärme, Verständnis und Geborgenheit.

So genannte audiosensorische Ansätze gehen davon aus, dass Autismus dadurch verursacht wird, das akustische Reize, d. h. Dinge, die man hören kann, nicht angemessen verarbeitet werden können. Ein Hörtraining soll laut diesem Therapiekonzept positive Veränderungen bringen. Dieses Verfahren allein erscheint aber nicht ausreichend, um die Kinder umfassend zu fördern.

Der „Halteansatz? versucht, durch das Festhalten des Kindes dessen Widerstand gegen Nähe und Körperkontakt zu durchbrechen. Diese Methode kann jedoch im Gegenteil zu einer Zunahme an Gegenwehr gegenüber anderen Personen und aggressiven Gefühlen führen.

Die Ergotherapie bietet verschiedene vielseitige Beschäftigungsmöglichkeiten an. Es wird z. B. gemalt, getanzt oder Musik gemacht. Dieses Verfahren bietet vor allem bei geringem Ausprägungsgrad der Störung gute Fördermöglichkeiten.

Auch die anthroposophische Heilpädagogik bietet mit eher künstlerisch orientierten Therapien Möglichkeiten, z. B. durch Werken, Modellieren, Malen, Tanz und Musik, die sozialen Fertigkeiten des Kindes zu fördern. Zudem gibt es anthroposophisch orientierte Heimsonderschulen und sozialtherapeutische Lebensgemeinschaften, die autistischen Kindern strukturierte Lebensräume bieten.

Bei der „gestützten Kommunikation? handelt es sich um eine mittlerweile berühmte Methode, die jedoch nicht als Therapie bezeichnet werden kann. Man versteht darunter eine Hilfestellung, die es Menschen mit Kommunikationsstörungen ermöglicht, sich ohne Sprache (nonverbal) mitzuteilen. Ein Helfer hält den Arm des autistischen Kindes, während dieses eine Buchstabentastatur oder eine Buchstabentafel benutzt, um etwas mitzuteilen. Neuerdings verwendet man neben Buchstaben auch Fotos, Bilder und Symbole als Mitteilungsobjekte. Obwohl einzelne Erfahrungsberichte den Erfolg dieser Methode beschreiben, fehlen bislang wissenschaftliche Untersuchungen, die die Wirksamkeit des Verfahrens belegen.

Linktipps:

– ZAPSE – Zenttum für Autistik und spezielle Entwiklicgsstörungen
Neurobiologie: Wiener entwickelt einfachen Test für komplexe Persönlichkeitsstörungen
– Erbkrankheiten
– Delfintherapie – Hilfe oder Humbug?

Kave Atefie





SEO-Consultant und Gründer des unabhängigen österreichischen Gesundheitsportals gesund.co.at, das seit Jahren zu einem der beliebtesten Themenportale im deutschen Sprachraum zählt. Der Anspruch auch komplexe Themen leicht verständlich für interessierte Laien aufzubereiten wurde zum Markenzeichen des Portals.