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Erste Hilfe bei Rückenschmerzen

Erste Hilfe bei Rückenschmerzen

Erste Hilfe bei Rückenschmerzen

Ein offenes Fenster im Auto, die Klimaanlage im Büro oder im Kaufhaus, ein offenes Fenster und es zieht – und schon ist es passiert! Der Rücken ist beleidigt und schmerzt. Etwa 70% aller Österreicher wurden bereits mindestens einmal von Kreuzschmerzen heimgesucht.



Oft handelt es sich um unspezifische Rückenschmerzen, die, im Gegensatz zu spezifischen Schmerzen im Rücken bedingt z.B. durch einen Bandscheibenschaden, keine eindeutige Diagnose haben. Und dennoch tut’s höllisch weh! Doch was hilft? Wie kann man den Schmerz lindern – oder besser noch – vorbeugen?


Wie äußern sich Rückenschmerzen

Manchmal reicht eine unbedachte Bewegung beim Zähneputzen oder in der Dusche und schon tut’s weh. Noch ärgerlicher: eine ungünstige Schlafpositionen und man wacht mit Schmerzen auf. Die unangenehmen Zustände werden von Betroffenen als Ziehen, Pochen oder Stechen beschrieben.

Univ. Prof. Dr. Richard Crevenna, Leiter der Universitätsklinik für Physikalische Medizin und Rehabilitation in Wien: “Meist liegt ein akuter, subakuter oder chronischer unspezifischer Rückenschmerz vor, der durch eine Haltungsinsuffizienz mit einer entsprechenden Fehlfunktion der betroffenen Muskelpartien sowie Schmerz und Flexibilitäts- sowie Mobilitätseinschränkungen charakterisiert ist.“

Auf nicht-medizinisch heißt das in etwa: es tut weh, man versucht den Schmerz zu umgehen, indem man bestimmte Bewegungen vermeidet, bewegt sich dadurch unnatürlich und verkrampft, und es tut noch mehr weh…

Bewegungsmangel, einseitige Belastungen, aber auch Stress forcieren diese ‚muskulären Dysbalancen’ und begünstigen ein – leider meist kontraproduktives – ‚Schmerzvermeidungsverhalten’. Von Rückenschmerzen geplagte verharren in vermeintlich ‚günstigen’ Haltungspositionen und nehmen dadurch weitere Verspannungen und Funktionsverlust der Muskulatur in Kauf.


Erste Hilfe Tipps bei Rückenschmerzen

Doch was tun, wenn’s weh tut? Welche Maßnahmen helfen den Schmerz zu lindern anstatt ihn durch Fehlhaltungen zu verstärken? Wir haben mit Experten gesprochen und die wichtigsten Tipps zusammengetragen.

Stufenlagerung: Legen Sie sich am Rücken auf den Boden und legen Sie Ihre Unterschenkel mit angewinkelten Knien auf einen Sessel. So entlasten Sie Ihre gesamte Wirbelsäule. Diese Maßnahme hilft vor allem bei Ischias-Schmerzen oder Hexenschuss als Erstmaßnahme.

Wärmebehandlung: Heiße Wickel, Packungen, Thermosalben- oder Pflaster oder ein heißes Bad: Wärme entspannt verkrampfte Muskeln, lockert das Gewebe und wirkt durchblutungsfördernd. Besonders Nackenschmerzen können durch thermotherapeutische Maßnahmen reduziert werden. Auch ein warmer Thermophor kann Linderung verschaffen.

Aber Achtung: Sollten Sie die Wärme als unangenehm erleben oder sich die Schmerzen sogar verstärken, dann brechen Sie die Wärmebehandlung bitte umgehend ab. Denn wenn die Schmerzen durch eine Entzündung verursacht sind, dann ist Wärme kontraproduktiv – Entzündzungen haben es lieber kühler!

Kälteanwendung: Kälte betäubt – ein kalter Umschlag mit Eis, bzw. entsprechende Kältepackungen drosseln die Durchblutung und hemmen so die Weiterleitung der Schmerzreize. Entzündungen, wie z.B. ‚beleidigte’ Ischiasnerven können mit kalten Umschlägen, die mehrmals täglich – allerdings nicht zu lange – aufgelegt werden, beruhigt werden.

Massagen: Der Klassiker! Wer hat bei verspanntem Nacken oder Rücken nicht schon seinen Partner um eine zarte, lockernde Massage gebeten. Liebevolle, am besten professionell durchgeführte Massagen können Verspannungen lösen und verhärtete Muskulatur aufweichen. Doch auch Alleinstehende brauchen nicht zu verzagen: Ein Tennisball zwischen Rücken und Zimmerwand eingeklemmt massiert durch rollende Auf- und Abwärtsbewegungen auch den Rücken von Singles!

Dehnungsübungen: Bei manchen Rückenschmerzen helfen auch spezielle Übungen um verkürzte Muskeln zu dehnen. Setzen Sie sich z.B. auf Ihre Unterschenkel, strecken Sie Oberkörper und Arme und legen Sie nun Brust und Kopf so weit es geht und gut tut auf den Boden. So entlasten Sie Ihren gesamten Rücken!

Aromatherapie: Wenn sich Ihre Rückenmuskulatur verkrampft anfühlt: Aromaöle können Linderung verschaffen! Rosmarinöl wirkt zudem entzündungshemmend, Wintergrünöl schmerzdämpfend. Auch mit Kiefern- Sandelholz- oder Ingweröl wurden gute Ergebnisse bei unspezifischen Rückenbeschwerden erzielt.

Wenn allerdings nach einigen Tagen trotz ‚Erste-Hilfe-Maßnahmen’ keine Besserung, bzw. sogar eine Verschlechterung der Rückenschmerzen erfolgt, sollte umgehend ein Arzt konsultiert werden, um ernst zunehmende Ursachen auszuschließen, bzw. entsprechende Therapien einzuleiten.


Vorbeugen ist besser als Heilen

Rückenschmerzen sind oft nicht bloß die Folge einer ‚ungesunden’ Haltung, sondern ebenso das Ergebnis von zuviel Stress – und entsprechender Verkrampfung, was einen Teufelskreis in Gang setzen kann! Stressreduktion ist mittel- bis langfristig also eine der wichtigsten und wirksamsten Rückenschmerzprophylaxen. Das Arbeitszeitgesetz sieht nicht umsonst regelmäßige Pausen vor, aber auch und gerade wenn Sie selbständig sind, sollten Sie auf ausreichende Auszeiten achten.

Oft helfen schon einfache Entspannungstechniken, bewusstes Atmen, bzw. Atemschulung oder Muskelrelaxatiostechniken (z.B. nach Jacobsen) in den Pausen bewusst ausgeübt. Noch besser ist es natürlich, wenn man auch spezifische Rückenschulübungen und Beckenbodentrainingseinheiten einbaut.


Bewegung, Bewegung, Bewegung

Auch wenn der Rücken schmerzt: Tagelang das Bett zu hüten ist trotz Scherzen im Rücken nicht sinnvoll! Vermeintliche Schonhaltungen verspannen wiederum andere Muskelpartien und im schlimmsten Fall verschlimmern Sie Ihren Zustand. Vielmehr empfehlen Experten Bewegung im ‚schmerzakzeptablen’ Bereich: Langsames Spazierengehen oder Schwimmen dämpft die Schmerzwahrnehmung und stärkt das Gewebe!

Turne bis zur Urne …

Der eine Grönemeyer hat Flugzeuge im Bauch, der andere, Dr. Dietrich Grönemeyer den Tipp ‚turne bis zur Urne’. Nun, um Rückenschmerzen vorzubeugen ist es sicher besser zu turnen! Und nicht zu vergessen: wer sich nicht bewegt, riskiert nicht nur Rückenschmerzen, sondern gefährdet langfristig auch seine Mobilität – und das kann vor allem im Alter dramatische Folgen haben.

Linktipps:

– Aktives Rückentraining
– Rückenschmerzen und Hexenschuss
– Bandscheibenvorfall – Diskusrolaps
– Rückenschmerzen – Schmerzmittel