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Ergonomisches Büro – Was ist dran am populären Konzept?

Ergonomisches Büro – Was ist dran am populären Konzept?

Ergonomisches Büro

Jahrelange Büroarbeit macht krank – zu diesem Ergebnis kommen zahlreiche Studien. Schon häufig wurde die Gesundheit vieler Menschen, die beispielsweise als Verwaltungsangestellte in einem Büro tätig sind und den Großteil ihres Arbeitsalltags im Sitzen verbringen, untersucht. Wenig überraschend stehen vor allem diverse Rückenleiden auf den fordersten Plätzen für dauerhafte Erkrankungen, die durch die Arbeit ausgelöst werden. Wir haben hilfreiche Tipps für die Anschaffung ergonomischer Arbeitsstühle und Schreibtische zusammengefasst.



Eine falsche oder ungünstige Haltung am Arbeitsplatz ist nicht selten Auslöser unangenehmer, zuweilen chronischer Rückenbeschwerden. Insbesonders bei Bildschirmarbeitsplätzen wurden deshalb schon in den 1990er Jahren EU-Richtlinien auf den Weg gebracht, die seit 1996 in ein nationales Recht umgesetzt wurden.

Mithilfe sogenannter ergonomischer Büros und Gestaltungskonzepte sollen verschiedene Haltungsprobleme während der Arbeitszeit verbessert werden. In erster Linie geht es hierbei um eine Verringerung der Belastung für verschieden Muskel- und Skelettpartien, was sich nachdrücklich auf das Wohlbefinden der Betroffenen auswirken soll. Worum genau es bei einem ergonomischen Büro geht und welche konkreten Vorteile daraus entstehen können, soll nachfolgend aufgezeigt werden.


Tägliche Büroarbeit – Wo liegen die Probleme?

Jede vierte Krankschreibung in Deutschland lässt sich auf eine Erkrankung der Skelettmuskulatur zurückführen, die, wie nicht minder schwer festzustellen ist, letztendlich auf Fehlkonstruktionen des Arbeitsplatzes zurückgeht. Auch der Gesetzgeber ist sich dieser Problematik bewusst und hat folgerichtig wichtige Vorgaben bezüglich der ergonomischen Einrichtung des Arbeitsplatzes gesetzlich festgehalten. Und auch das deutsche Institut für Normung schreibt den Herstellern für Büroeinrichtungen konkret vor, nach welchen Vorgaben Bürostühle, Schreibtische und anderweitiges Arbeitsequipment zu produzieren ist. Ein Überblick über wichtige Gesetze und Normungen:

Gesetze:

• Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG)
• Bildschirmarbeitsverordnung (BildscharbV)
• Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV)

Ausgangspunkt aller österreichischen Regelungen hinsichtlich Bildschirmarbeitsplätze ist die Richtlinie 90/270/EWG über die Mindestvorschriften bezüglich der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes bei der Arbeit an Bildschirmgeräten.

DIN-Normen:

• DIN EN ISO 9241: Ergonomische Anforderungen an die Mensch-Computer-Interaktion
• DIN EN ISO 10075: Ergonomische Grundlagen bezüglich psychischer Arbeitsbelastung


Die perfekte ergonomische Büroeinrichtung

Im Herbst 2013 wurde von Microsoft + Kelton Global eine Studie veröffentlich, die teilweise alarmierende Zahlen präsentiert. So arbeitet in Deutschland ein Großteil der befragten Büroangestellten mehr als sechs Stunden täglich am Computer und knapp drei Viertel geben an dabei eine unbequeme oder unangenehme Haltung einzunehmen. Hieraus ergibt sich gleich eine ganze Reihe differenzierter Beschwerdebilder, die sich etwa in Form von Nacken-, Schulter- oder allgemeinen Rückenschmerzen manifestieren. Auch Schmerzen in den Handgelenken oder in den Händen kommen dabei immer häufiger vor.

Die Betroffenen selbst geben an, dass die Belastungen in erster Linie vom langen Sitzen am Arbeitsplatz oder der Arbeit mit Tastatur und Maus herrühren.


Wie kann eine ergonomische Büroeinrichtung helfen?

Eine ergonomische Büroeinrichtung dient in erster Linie dazu Schmerzen zu vermeiden und Produktivität gleichzeitig zu steigern. Im Fokus stehen dabei vor allem höhenverstellbare Arbeitsgeräte – Schreibtisch, Monitor, Bürostuhl. Je individueller diese Arbeitsgeräte an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden können, umso größer ist der positive Effekt auf Skelett und Muskulatur.

So hat beispielsweise eine Studie von Alan Hedge schon im Jahr 2004 herausgefunden, dass ein höhenverstellbarer Schreibtisch deutlich positive Auswirkungen mit sich bringen kann. Gut drei Viertel aller Studienteilnehmer gaben in seiner Untersuchung an sich mit einem höhenverstellbaren Schreibtisch bei der Arbeit wohler zu fühlen. Sie gaben außerdem an, dass die Produktivität ihrer Arbeit ihrem Empfinden nach gestiegen sei, wohingegen die Schmerzen in Rücken, Nacken und Co. durch den Einsatz des ergonomischen Schreibtischs gesunken wären.

Doch die kurzfristige Steigerung der Produktivität von Büroarbeitern sowie die positivere Einstellung gegenüber der Arbeit aufgrund von einer verringerten Belastung für Rücken und Muskulatur sind nicht die einzigen positiven Effekte, die mit einem ergonomischen bzw. höhenverstellbaren Schreibtisch erreicht werden können. Eine Studie des Pennington Biomedical Research Centers in Louisiana hat beispielsweise herausgefunden, dass Menschen, die weniger als drei Stunden am Tag im Sitzen verbringen, eine höhere Lebenserwartung haben, als Menschen, die mehr als drei Stunden sitzen. Die Unterschiede liegen teilweise bei bis zu 40% und sind damit gravierend.

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Fotocredit: © www.bueromoebel-experte.de

Ein höhenverstellbarer Schreibtisch sorgt dafür, dass die Sitzphasen während der Bürotätigkeit verkürzt werden: Wenn der Rücken zu schmerzen beginnt, wird der Tisch ganz einfach hochgestellt und es wird anschließend im Stehen weitergearbeitet. So werden Skelett und Muskulatur deutlich entlastet. Als besonders empfehlenswert hat sich ein Verhältnis von zwei zu eins herausgestellt.

Der Gesetzgeber macht folgende Vorgaben:

  • Die Anforderungen gemäß ÖNORM EN 527 müssen erfüllt sein.
  • Die Arbeitsfläche für einen Bildschirmarbeitsplatz soll zumindest 160 x 80 cm (Tischflächenmaß) betragen. Die erforderliche Tischtiefe ergibt sich aus der Sehentfernung und der Bildschirmtiefe.
  • Die Tischhöhe muss, sollte (etwa bei Benutzerwechsel), höhenverstellbar sein. Ist dies nicht der Fall, gilt als übliche Empfehlung eine Höhe von 72 cm.
  • Auf einen ausreichend großen Beinfreiraum ist zu achten.


Große Effekte mit vergleichsweise geringen Kosten

Lange Zeit haben viele Arbeitgeber und auch Arbeitnehmer versucht mit Sitzbällen einen wichtigen Beitrag zur Gesundheit zu leisten. Dauerhaften Schädigungen und schmerzhaften Belastungen an Muskulatur und Skelett sollte mithilfe des Einsatzes von Sitzbällen vorgebeugt werden. Solche Sitzbälle sind meist schon für kleines Geld zu haben, ganz im Gegensatz zu einem höhenverstellbaren Tisch, der im ersten Augenblick eine durchaus beachtliche Investition darstellt.

Der Gedanke hinter der Einführung eines Sitzballs für das Arbeiten am Schreibtisch war, dass die Bewegungen des Balls eine Bewegung in Muskulatur und Wirbelsäule des Rückens hervorrufen sollten. Um das Gleichgewicht auf dem Ball halten zu können, muss der Körper diese Bewegungen folglich kontinuierlich ausgleichen. Dies sollte Muskulatur und Skelett entlasten – ständige minimale Positionsveränderungen wurden als gute Maßnahme angesehen, um den dauerhaften Muskelschmerzen im Rücken vorbeugen zu können.

Tatsächlich haben Studien nun aber herausgefunden, dass diese Annahme sich langfristig nicht stützen lässt. Stattdessen sind Sitzbälle in Büros alles andere als empfehlenswert, weil sie ebenso wie nicht verstellbare Bürostühle zu einer verkrampften Haltung führen können, gerade wenn die Betroffenen keine hundertprozentig gerade Haltung auf dem Ball einnehmen. Zudem ist es nicht möglich die Sitzbälle in der Höhe anzupassen, was langfristig ebenfalls negative Konsequenzen für die Körperhaltung haben kann.

Wer kein Geld für die Ausstattung der eigenen Büroräume mit ergonomischen Büromöbeln hat, kann alternativ auch mit verschiedenen Übungen gegen Rückenschmerzen und Haltungsschäden zu Werke gehen. In unserer Kategorie Fit im Büro haben wir zwölf einfache Übungen zusammengestellt, die sich mühelos in den Büroalltag integrieren lassen. Durch kurzzeitige Entlastungen kann sich so eine langfristige und dauerhafte Verbesserung des eigenen Befindens einstellen.

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Quellen:

¹ Studie Microsoft und Kelton Global
² Ansichtsbeispiel ergonomischer/höhenverstellbarer Schreibtisch
³ Statistik: Wichtigste Krankheitsarten für Arbeitsunfähigkeit (Deutschland)

Linktipps:

– Arbeitsmedizin
– Fit im Büroalltag
– Wie gesund ist ihr Arbeitsplatz?
– Wie sich Möbel auf Ihre Gesundheit auswirken können