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Ergonomie in der Küche

Ergonomie in der Küche

Ergonomie in der Küche

Was am Arbeitsplatz schon lange ein Thema ist, wird auch bei der Planung der Küche immer wichtiger, die Ergonomie. Diese sollte in Bezug auf rückenschonendes Arbeiten nicht vernachlässigt werden. Das betrifft sowohl die Anordnung der Schränke und Küchengeräte als auch die richtige Höhe der Arbeitsflächen und die Ausstattung des Schrankinneren. Gerade in der Küche, wo man sich viel bückt, streckt und im Stehen mit Blick nach unten arbeitet, werden Rücken, Schultern und Nacken besonders stark beansprucht. Dabei sollte man auch die Sicherheit der Kleinsten nicht außer Acht lassen.




Platzierung von Ober- und Unterschränken

So wie es unterschiedlich große Menschen gibt, gibt es auch unterschiedliche Ansprüche an die Arbeitshöhe. Dementsprechend müssen die Höhen der Küchenunterschränke individuell angepasst werden. Mittlerweile werden diese in verschiedenen Höhen angeboten, wobei sich die jeweilige Höhe immer auf den Korpus bezieht, also ohne Arbeitsplatte und Sockel. Viele Hersteller bieten zudem auch Sondergrößen an.

Die Unterschrankhöhe ist entscheidend für die letztendliche Arbeitshöhe. Diese sollte der Person angepasst werden, die die Hauptarbeit in der Küche leistet. Aus ergonomischer Sicht sind Auszugsschränke mit Vollauszügen zu bevorzugen, das vermeidet zu tiefes Herunterbücken. Sinnvoll sind auch sogenannte Softeinzüge bzw. spezielle Öffnungssysteme, mit denen mittlerweile viele Küchen serienmäßig ausgestattet sind. Diese lassen sich durch leichtes Drücken öffnen, was die Küchenarbeit zusätzlich erleichtert.

Nicht minder wichtig ist die richtige Aufhängehöhe für Oberschränke. Grundsätzlich sollte hier die Greifhöhe nicht höher als 35 cm über der eigenen Körpergröße liegen. Dabei ist auch die Nischenhöhe zwischen Unterkante des Oberschrankes und Arbeitsplatte zu berücksichtigen. Diese sollte nicht niedriger als 40 cm sein, ideal sind 50-55 cm. Was die Schranköffnungssysteme für Oberschränke betrifft, sollten sich diese nach oben und nicht seitlich öffnen lassen. Diese Funktion bieten beispielsweise Faltklappen-, Schwebeklappen- oder Liftklappenschränke. Auch Unterschränke werden mit entsprechenden Mechanismen angeboten, die sich besonders für Schränke mit einer gewissen Höhe anbieten. Seitlich zu öffnende Schränke bergen Verletzungsgefahr. Man muss ihnen ausweichen, was wiederum den Arbeitsablauf stört.

Bei der Innenausstattung von Küchenschränken sind dreh- oder ausfahrbare Drahtgitter- oder Korbfächer, Innenauszüge oder praktische Einteilungen von Vorteil. Sehr ergonomisch sind zudem sogenannte Gerätehochschränke mit integrierten Küchengeräten wie Spülmaschine, Backofen, Mikrowelle und Co.


Ergonomische Anordnung der Küchengeräte

Die optimale Platzierung der Küchengeräte macht Arbeitsabläufe effizienter und schont den Rücken. Während der Kochbereich eine abgesetzte Position haben sollte, die sich an der Topfoberkante orientiert, sollte die Spüle 10- 15 cm höher sein als die Höhe des Unterschrankkorpuses, um das Spülen rückenfreundlich zu gestalten. In modernen Küchen sind Backöfen, Dampfgarer, Kühl- oder Mikrowellengeräte in Hochschränken auf Greifhöhe angeordnet.

Toaster, Allesschneider oder Küchenwaagen können in Schubladen mit Stromversorgung untergebracht werden. Diese müssen dann lediglich herausgezogen und das Küchengerät hochgeklappt werden. Eine zusätzliche Erleichterung bieten Teleskopauszüge bei Backöfen. Als Einbauhöhe für Backöfen sind je nach Körpergröße zwischen 100 und 120 cm ratsam. Mittlerweile können auch Geschirrspülmaschinen auf einer rückenschonenden Höhe platziert werden.


Ordnungssysteme und Zubehör

Nicht nur die Anordnung der Schränke spielt unter ergonomischen Gesichtspunkten eine wichtige Rolle, auch die Platzierung der Küchenutensilien. So sollten schwere Gegenstände nicht auf einer Höhe oberhalb des Schultergelenks aufbewahrt werden, wie z. B. in Hoch- und Oberschränken. Rückenschonender ist eine Aufbewahrung in Unterschränken vorzugsweise mit Vollauszügen. Flexible und herausnehmbare Ordnungs- oder Trennsysteme für Schubladen können je nach Bedarf um- und eingesetzt werden.

Sie ermöglichen eine ganz individuelle Organisation von Klein- und Kleinstteilen, wie beispielsweise ein einfacher Besteckkasteneinsatz. Sogenannte Relingsysteme, die an der Rückwand der Kochnische direkt im Arbeitsbereich angebracht werden können, ermöglichen den unkomplizierten und schnellen Zugriff auf häufig benötigte Utensilien wie Kochlöffel und Pfannenwender. Derartige Systeme, die sich individuell zusammenstellen lassen, können mit Haken, Halterungen für Alufolie und Küchenrolle sowie Ablageflächen für Gewürze oder Ähnliches ausgestattet sein.


Rückenschonende Arbeitshöhen

Tätigkeiten in der Küche stellen ganz unterschiedliche Anforderungen an den Körper. Um diesen gerecht zu werden und dabei Rückenbeschwerden und Verspannungen zu vermeiden, ist die richtige Arbeitshöhe Grundvoraussetzung. Bislang wurde sie entsprechend der Körpergröße ermittelt und angepasst. Demzufolge sollte die Arbeitshöhe immer nach der Person ausgerichtet sein, die überwiegend in der Küche arbeitet. Die bedarfsorientierte Anpassung der korrekten Arbeitshöhe – also der Höhe der Arbeitsplatte – ist der entscheidende Faktor für gelungene Ergonomie in der Küche.

Die optimale Arbeitshöhe in der Küche
Die optimale Arbeitshöhe in der Küche

Für eine Körpergröße von 185 cm sind infolgedessen Arbeitshöhen von 103 cm empfehlenswert, bei einer Körpergröße von 170 cm sind 95 cm und bei 155 cm Körpergröße eine Arbeitshöhe von 85 cm optimal für rückenschonendes Arbeiten. Eine praktische Übersicht zu den idealen Arbeitshöhen gibt es in Küchenstudios und bei Einrichtungsberatern.

Unter ergonomischen Gesichtspunkten wird die richtige Arbeitshöhe neuerdings an der Ellenbogenhöhe gemessen. Dazu stellt sich der Hauptnutzer der Küche aufrecht und ganz entspannt hin und hält die Arme im 90-Grad-Winkel am Körper. Nun streckt er die Hände in Arbeitshaltung. In dieser Position wird dann die Distanz zwischen Unterarm und Fußboden gemessen. Werden von diesem Maß 10-15 cm abgerechnet, ergibt sich die optimale Arbeitshöhe. Wird die Küche von mehreren Personen unterschiedlicher Größe genutzt, wird von Experten ein Toleranzspielraum von 10 cm nach oben oder 5cm nach unten empfohlen.


Kindersicherheit nicht vergessen

Ergonomie in der Küche schließt Kindersicherheit nicht aus. Für viele Kinder ist die Küche ein spannender Ort, an dem es einiges zu erleben gibt. Doch hier lauern gerade für Kinder viele Gefahren. Um die Küche kindersicher zu machen, gibt es entsprechendes Zubehör. So sorgt ein Herdschutzgitter dafür, dass kleine Kinder nicht auf die heiße Herdplatte greifen oder gar Töpfe vom Herd herunterreißen können. Entsprechende Sicherheitssperren schützen Kinder vor scharfen und anderen gefährlichen Gegenständen und die Finger vor dem Einklemmen.

Die Vorteile eines Backofens in rückenschonender Höhe kommen auch hier zum Tragen, denn Kinder kommen gar nicht erst in den gefährlichen Bereich. Auch scharfe Ecken und Kanten, eine weitere Gefahrenquelle für Kinder lassen sich mit speziellen Kanten- und Eckenschützern aus Silikon entschärfen.

Wenn man all dies berücksichtigt, kann man sich ganz entspannt in einer ergonomischen und zugleich kindersicheren Küche bewegen und entspannt dem Kochen widmen.

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Quellen:

¹ Küche&Co – Küchenergonomie
² Küchenplanung: Gute Küchen für gesunde Rücken

Linktipps:

– Gesundes Wohnen
– Gefahrenzone Haushalt
– Wie die eigenen vier Wände unsere Gesundheit beeinflussen können
– Ergonomie am Bildschirm-Arbeitsplatz