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Endometriose | Krankheitslexikon

Endometriose | Krankheitslexikon

Endometriose

In Österreich leidet ungefähr eine von 10 Frauen an Endometriose – bis zur definitiven Diagnose vergehen aber zumeist über fünf Jahre. Damit stellt dieses Leiden die zweithäufigste Krankheit der Frau dar. Trotz eindeutiger Symptome und der weiten Verbreitung ist die Erkrankung noch immer unzureichend erforscht und ihre Ursache weiterhin unbekannt.



Bei der Endometriose handelt es sich um eine gutartige, aber schmerzhafte und chronische Wucherung der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) außerhalb der Gebärmutter (Uterus). Es wird geschätzt, dass etwa 10 bis 15 Prozent aller Frauen zwischen der Pubertät und den Wechseljahren daran erkranken – damit ist sie eine der häufigsten gynäkologischen Erkrankungen überhaupt.

Symptome der Endometriose

Kardinalsymptome der Endometriose sind mit dem Menstruationszyklus verbundene krampfartige Schmerzen von zunehmend größerer Intensität als „normale“ Regelschmerzen, aber auch chronische Bauch- und Rückenschmerzen vor der Periode, migräneartige Kopfschmerzen und innere Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Typisch ist das Entstehen von sogenannten Endometriosezysten (Schokoladezysten) im Bereich der Eierstöcke, die durch Gebärmutterschleimhautinseln, welche sich im Körper vor allem in und an den weiblichen Geschlechtsorganen oder in der Nähe davon, z. B. Eierstöcke, Gebärmutter, Eileiter, Scheide, aber auch Blase, Harnleiter und Darm ansiedeln, verursacht werden.

Die Beschwerden hängen von der Schmerzintensität ab. Es gibt Frauen mit schwerer Endometriose, die keine Beschwerden haben, und Frauen, die nur punktuelle Herde haben und unter intensiven Beschwerden leiden. Auf keinen Fall aber korreliert die Intensität der Symptome mit dem tatsächlichen Ausmaß einer Endometriose!

Diagnose

Der Verdacht auf Endometriose entsteht meist, wenn eine Frau vorerst unklare, meist zyklische Schmerzen im Unterleib entwickelt, sie an unerfülltem Kinderwunsch leidet oder zufällig im Rahmen einer gynäkologischen Tastuntersuchung oder durch Ultraschall eine Raumforderung im kleinen Becken festgestellt wird. Eine sichere Diagnose und erst recht eine Therapie sind ausschließlich durch einen operativen Eingriff in Vollnarkose, meist in Form einer Bauchspiegelung (Laparaskopie), möglich.

Bewusstsein schärfen – Leid verhindern

„Die Gefährdung entsteht in erster Linie aus der Verzögerung der Diagnosestellung und der inkonsequenten Behandlung der betroffenen Frauen. Es ist bekannt, dass ein langes Intervall zwischen dem Auftreten der ersten Symptome und der Diagnose liegt. Daher entsteht häufig ein sehr hoher Leidensdruck“, berichtet Doreen Jackisch, Leiterin der Beratungsstelle der Endometriose-Vereinigung Deutschland e.V. Es gibt gute Daten aus Amerika und aus England, die besagen, dass in diesen Ländern nach Erstsymptomen die Diagnose erst 6 bis 8 Jahre später tatsächlich feststeht. In dieser Zeit kann die Gebärmutterschleimhaut weiter wuchern und die Beschwerden teilweise auch chronifizieren.

Durch den chronischen Verlauf der Erkrankung kommt es in vielen Fällen zu oft mehrfachen Operationen und in allen Fällen zu starken Schmerzen. Dies zieht anhaltende Arbeitsausfälle und Krankschreibungen nach sich und hat Auswirkungen auf das gesamte soziale Umfeld der Patientin und deren Lebensqualität. Als Stichwörter seien hier zu nennen: Kinderlosigkeit, Partnerschaftsverlust, Einschränkung sozialer Kontakte, Medikamentenmissbrauch. Hier müssen gezielte Verbesserungen im diagnostischen Bereich greifen.

Einen ersten Schritt zur umfassenden Beschreibung der Endometriose und somit zur eindeutigen Klassifizierung bilden die im vergangenen Jahr von der Arbeitsgemeinschaft gynäkologische Endoskopie (AGE) der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) aufgestellten Leitlinien Endometriose. Diese Leitlinien sollen sowohl Medizinern Hilfestellung bei der Erkennung einer Endometriose geben als auch ratsuchende Betroffene ansprechen. Überdies empfehlen die Leitlinien dringend eine sorgfältige Nachbehandlung zur Wiedererlangung des körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens.

Behandlung

Die Therapie richtet sich nach dem Umfang der Krankheit: Man kann die Endometriose mit einer Operation behandeln, indem Herde durch Wärmeeinwirkung verödet (Koagulation), Zysten ausgeschält oder Verwachsungen gelöst werden. Meist ist dies im Rahmen einer Bauchspiegelung möglich, sodass nur bei sehr ausgedehnter Endometriose oder wiederholten Eingriffen ein größerer Bauchschnitt notwendig ist. In besonders schweren Fällen ohne Kinderwunsch bringt erst die Entfernung der Gebärmutter (bei Endometrioseherden in der Uteruswand) und vor allem der Eierstöcke definitive Linderung.

Symptomatisch können die Schmerzen mit Schmerzmitteln wie etwa Acetylsalicylsäure, Buscopan, Ibuprofen, Diclofenac oder Naproxen behandelt werden. Auch die Akupunkturbehandlung hat sich bei der Bekämpfung der Symptome bewährt.

Bisher gibt es keine ursächlichen Behandlungsmöglichkeiten, durch die eine Endometriose grundsätzlich beseitigt oder geheilt werden könnte. Es gibt ebenfalls noch keine Behandlung, die das Entstehen einer Endometriose verhindert.

Linktipps:

– Gebärmutter-Entfernung
– Endometriose-Vereinigung Deutschland e.V.
– Endometriose-Kongress: Neuigkeiten zum Thema
– Unfruchtbarkeit der Frau
– Vorsorge-Corner: Gesundenuntersuchung