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Diabetischer Fuß – was Betroffene tun können

Diabetischer Fuß – was Betroffene tun können

Diabetischer Fuß

Diabetiker leiden nicht selten an diabetesbedingten Beschwerden. Eine dieser Folgeerscheinungen sind diabetische Füße. Das Diabetische Fußsyndrom (DFS), umgangssprachlich auch „diabetischer Fuß“ ist eine häufige Folgeerkrankung eines langfristig überhöhten Blutzuckerspiegels bei Diabetes. Wir haben die diplomierte Gesundheits- und Krankenschwester Waltraud Haas vom LKH-Univ. Klinikum Graz im Interview gefraget, was betroffene Patienten tun können.



Durchblutungs- und Nervenstörungen sowie schlecht heilende chronische Wunden, verursacht durch eine jahrelang unzureichende Blutzuckereinstellung, sind die Hauptmerkmale beim DFS. Im Verlauf eines DFS können sich an den Füßen Geschwüre bilden, so genannte Ulcera, die sich ausdehnen und im schlimmsten Fall zur Amputation der unteren Gliedmaßen führen.

Allerdings kann man als Diabetiker viel dafür tun, dass weder chronische Wunden noch eine Amputation drohen. Neben medikamentösen, physiotherapeutischen oder operativen Maßnahmen sind eine gute Beratung und optimale Pflege dabei entscheidend.

Diabetischer Fuß – Interview mit (DGKS) Waltraud Haas

 

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Folge von Diabetes

Der diabetische Fuß ist eine nicht unübliche Spätkomplikation von mangelhaft behandeltem Diabetes mellitus. Durch eine Schädigung von Nerven und eine Störung des Blutflusses verheilen Wunden am Fuß schlechter und offene Stellen werden relativ spät wahrgenommen. Das Infektionsrisiko ist dadurch sehr hoch. Heutzutage beschäftigt sich vor allem die Dermatologie mit dem diabetischen Fußsyndrom, wobei Antibiotika, Physiotherapie und durchblutungsfördernde Maßnahmen den Heilungsprozess unterstützen können.

Die diplomierte Gesundheits- und Krankenschwester (DGKS) Waltraud Haas von der Ambulanz für Diabetes und Stoffwechsel am LKH-Univ. Klinikum Graz spricht über Maßnahmen, die betroffene PatientInnen präventiv oder akut selbst durchführen können.

DGKS Haas: Circa zwei bis zehn Prozent der Diabetiker leiden am diabetischen Fußsyndrom, wobei die Zahlen weit auseinander gehen. Das Wichtigste ist, die Füße darauf zu kontrollieren, ob eine rote Stelle oder eine Hornhautschwiele vorhanden ist, die durch einen neuen Schuh verursacht werden kann. Wenn der Patient selbst nicht in der Lage ist seine Füße anzuschauen, sollte er seine Angehörigen um Hilfe bitten sie mindestens einmal in der Woche zu kontrollieren und die Zehenzwischenräume anzuschauen. Ebenfalls wichtig ist es die Zehenzwischenräume nach dem Duschen abzutrocknen. Wenn der Patient ein Fußbad macht, sollte er dies nur fünf Minuten lang und mit einer Temperatur von maximal 37 Grad tun.

Anmerkung: Trockene Füße und Hornhaut sind ein Risiko für die Entstehung diabetischer Fußschäden.

DGKS Haas: Der Patient selbst merkt häufig erst, dass eine offene Stelle vorliegt, wenn er einen nassen Fleck im Socken hat. Das Erste, was der Patient selbst wirklich tun kann, ist, diese zu desinfizieren. Dafür kann man jedes herkömmliche Desinfektionsmittel, dass man im Haushalt hat, verwenden und danach die Stelle steril verbinden. Wenn es nach ein paar Tagen zu keiner Besserung gekommen ist, muss man unbedingt einen Arzt aufsuchen. Ein Ulcus (= schlecht heilende Wunde bei Diabetes, Anm. d. Verf.) kann zu einer chronischen Wunde werden und im schlimmsten Fall kann diese sogar zu einer Amputation führen.

Anmerkung: Es gibt 3 Untersuchungsarten für die Erkennung diabetischer Füße.

DGKS Haas: Erstens haben wir die Rydel-Seiffer-Stimmgabel. Hiermit wird das Vibrationsempfinden am Fuß geprüft. Das Vibrieren wird dabei immer weniger, bis es aufhört und die Patienten sagen daraufhin, ab wann sie das Vibrieren nicht mehr spüren. Zweitens haben wir das Semmes-Weinstein Monofilament, womit das Berührungsempfinden überprüft wird. Zuletzt gibt es das „TipTherm“, womit man das Temperaturempfinden testen kann.

Anmerkung: Präventive Maßnahmen liegen vor allem in der Hand des Patienten. Pflegerinnen und Pfleger können den Patienten über Tipps und Hinweise zu Fußpflege, regelmäßige Kontrollen und die ideale Schuhversorgung aufklären.

DGKS Haas: Grundvorraussetzungen sind eine gute Diabetes-Einstellung, eine gute Zuckereinstellung und wenn eine Neuropathie schon vorhanden ist, kann man wirklich versuchen mit regelmäßiger Fußpflege, Selbstkontrolle und Schuhversorgung die eigenen Füße gut zu erhalten.

Anmerkung: Das frühzeitige Erkennen von Risikofüßen und die dazugehörige Information kann im Extremfall Patienten vor Amputationen bewahren.

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¹ DFS – Evidenzbasierte Leitlinie der Deutschen Diabetes-Gesellschaft
² Diabetischer Fuß (Diabetes Ratgeber)

Linktipps:

Informationen für Diabetiker
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