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Welches Verhütungsmittel ist das richtige?

15.07.13

Trotz einer noch nie dagewesenen Vielfalt an modernen Verhütungsmittel, ist es – vor allem für Jugendliche – in den letzten Jahren nicht leichter geworden, den Durchblick im Verhütungsdschungel zu wahren. Gerade neuere Formen der Verhütung wie Hormonpflaster oder Verhütungsring sind unter Jugendlichen kaum bekannt, obwohl sie oftmals besser geeignet wären als die Pille, die neben dem Kondom die beliebteste Verhütungsmethode bei den Jugendlichen ist. Neue Informationskampagnen sollen Jugendlichen nun dabei helfen, die für sie individuell optimale Verhütungswahl zu treffen.

Das ideale Verhütungsmittel muss viele Ansprüche erfüllen: Es sollte absolut sicher und zuverlässig sein, frei von Nebenwirkungen und ohne bleibende Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit. Außerdem sollte es preiswert und einfach in der Anwendung sein und beim Geschlechtsverkehr nicht stören.

Trotz der großen Vielfalt unterschiedlicher Verhütungsmethoden, die diese Ansprüche allesamt erfüllen, sind bei jungen Leuten erhebliche Defizite beim Wissen um die Wirkungsweise hormoneller Verhütungsmethoden festzustellen. Verhütungsmethoden wie Hormonpflaster oder Verhütungsring sind bei Jugendlichen kaum bekannt, obwohl sie oftmals besser geeignet wären als die Pille.

Moderne Verhütungsmethoden oftmals unbekannt

Die Pille ist zwar nach wie vor das am häufigsten verwendete Verhütungsmittel, aber nicht unbedingt das beliebteste. Längst nicht für alle Frauen ist die tägliche Tabletteneinnahme die optimale Wahl, etwa wenn es viele Unregelmäßigkeiten im Tagesablauf gibt oder öfter mal eine Fernreise mit Zeitverschiebung auf dem Programm steht. Wer sich für die Pille entscheidet, muss sie auch diszipliniert jeden Tag in einem gewissen Zeitfenster einnehmen und darf sie nie vergessen, da sonst die Schutzfunktion nachlässt.

Dadurch, dass täglich an Verhütung gedacht werden muss, steigt die Wahrscheinlichkeit von Verabreichungsfehlern. Hier setzen einige andere hormonelle Methoden an, die genauso sicher, ebenfalls gut verträglich und teilweise auch bequemer in der Anwendung sind, etwa der Verhütungsring, das Verhütungspflaster, die Hormonspirale oder das Verhütungsstäbchen. Daneben stehen auch chemische Mittel, Barrieremethoden wie etwa das Kondom sowie die natürliche Empfängnisplanung zur Auswahl.

Doch die Wissenslücken unter den Jugendlichen sind teilweise enorm: “Da viele Jugendliche schlicht zu wenig über Verhütung wissen und entsprechend auch keine Ahnung haben, was bei Verhütungspannen zu tun ist, wäre es dringend notwendig, dass Verhütungsmethoden jugendgerecht vermittelt werden”, so Mag. Sabine Ziegelwanger, Soziologin der Österreichischen Gesellschaft für Familienplanung (ÖGF). “Das bedeutet etwa, im Biologieunterricht auf komplizierte Erklärungen zu verzichten und die Lernmaterialien an die Lebenswelt der Jugendlichen anzupassen. Aber auch zielgruppengerechte, anschlussfähige Informationen an Erwachsene sind nötig, immerhin geben sie das Wissen über Verhütung weiter”, so Ziegelwanger weiter.

Dem kann Dr. Claudia Linemayr-Wagner, Gynäkologin und Präsidentin der ÖGF nur zustimmen: “Natürlich hat jede Methode neben den Vorteilen auch Nachteile, aber je besser man über die biologischen Vorgänge im Körper der Frau und des Mannes Bescheid weiß, desto besser versteht man die Funktionsweise der einzelnen Verhütungsmittel und kann sie den eigenen Bedürfnissen anpassen.” Dementsprechend haben Aufklärung und Information in diesem Zusammenhang oberste Priorität.

Verhütungsberatung kann Schwangerschaftsabbrüche verhindern

Die Bedeutung, die dem Arztgespräch bei der Wahl der individuell passenden Verhütungsmethode zukommt, zeigt die CHOICE-Studie (Contraceptive Health Research of Informed Choice Experience), die in zwölf europäischen Ländern durchgeführt wurde. Nach einem umfassenden ärztlichen Beratungsgespräch entscheiden sich der Studie zufolge mehr Frauen für eine hormonelle Alternative zur klassischen Pille. Neben der Empfehlung des Arztes bzw. der Ärztin kristallisierten sich als häufigste Gründe für die Wahl einer Methode eine einfache Anwendung, hohe Sicherheit sowie Bequemlichkeit heraus.

Welch große Bedeutung eine gute Verhütungsberatung hat, zeigt auch ein Blick auf das Thema Schwangerschaftsabbrüche: ungewollte Schwangerschaften führen zu einer hohen Abbruchrate. “Eine verstärkte Aufklärung über die vielfältigen individuellen Methoden der Verhütung reduziert die Anwendung der letztmöglichen Methode, den Schwangerschaftsabbruch”, so Univ.-Prof. Dr. Christian Egarter, Leiter der Klinischen Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde Wien. Je besser verhütet wird, desto geringer ist entsprechend dazu auch die Rate an Abtreibungen in einem Land.

Das richtige Verhütungsmittel? Initiative „Vielfalt der Verhütung“ informiert!

So individuell wie die Menschen sind, so individuell sind auch die zahlreichen modernen Verhütungsmethoden, die heute zur Verfügung stehen. Um keine ungewollte Schwangerschaft zu riskieren, ist es wichtig, die persönlich passende Verhütungsmethode zu finden. Die Österreichische Gesellschaft für Familienplanung (ÖGF) hat daher die Initiative „Vielfalt der Verhütung“ ins Leben gerufen, um über die zahlreichen Möglichkeiten der modernen Empfängnisverhütung zu informieren: Kombinationspille, Minipille, östrogenfreie Pille, 3-Monatsspritze, Hormonpflaster, Verhütungsring, Verhütungsstäbchen, Hormonspirale, Kupferspirale, Diaphragma, Verhütungskappe (Lea), Kondom, Spermizide, Temperaturmethode oder Kalendermethode.

Sie alle werden auf der neuen Informationsseite verhuetung.at unter Angabe der Verhütungssicherheit (Pearl-Index) vorgestellt. Der Pearl-Index bezeichnet die Sicherheit eines Verhütungsmittels. Je niedriger er ist, desto sicherer ist die Methode. Ein Pearl-Index von 1 bedeutet beispielsweise, dass 1 von 100 Frauen, die mit einer Methode ein Jahr lang verhüteten, schwanger wurde, oder anders ausgedrückt, dass die Methode – bezogen auf einen Zeitraum von einem Jahr – zu 99 % sicher ist.

Auf der neuen Kampagnen-Website der Österreichischen Gesellschaft für Familienplanung werden Vor- und Nachteile moderner Verhütungsmittel einander gegenübergestellt, die Aufklärung erfolgt dabei spielerisch, ersetzt aber natürlich nicht den Arztbesuch.

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Quelle: Österreichische Gesellschaft für Familienplanung (ÖGF) – www.oegf.at

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