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Composite Brustvergrößerung – Kombinierte Brustvergrößerung

Composite Brustvergrößerung – Kombinierte Brustvergrößerung

Composite Brustvergrößerung

Der Einsatz von Brustimplantaten zur Brustvergrößerung zählt zu den klassischen Methoden der ästhetischen Medizin. Doch diese liefern nicht immer optimale Ergebnisse hinsichtlich der natürlichen Anmutung der weiblichen Brust. Die Composite Brustvergrößerung bzw. Kompositaugmentation berücksichtigt genau das. Das vergleichsweise junge Verfahren kombiniert den Einsatz von Implantaten mit der Verabreichung von Eigenfett zur Optimierung der Brustform. Wir haben mit dem Spezialisten Dozent Dr. Georg Huemer über die Vorteile des neuen Verfahren gesprochen und darüber, welche Riskiken generell bei Brust-OP’s beachtet werden müssen.



Brustvergrößerungen zählen zu den häufigsten ästhetischen Operationen, dennoch muss beinahe jede 3. Frau nachoperiert werden. Die häufigste Ursache dafür sind so genannte Kapselkontrakturen – eine natürliche Schutzreaktion des Körpers bei der die Silikonimplantate vom Organismus als Fremdkörper abgekapselt, also mit Bindegewebe umlagert werden. Materialfehler sowie falsche Größe & Form der Implantate sind weitere Ursachen für Nachbesserungen.

Außerdem ist festzuhalten, dass Brustimplantate auch bei einwandfreier Handhabe nicht ein Leben lang halten, die übliche Lebensdauer wird mit ca. 13-15 Jahren angegeben, danach ist eine neuerliche OP notwendig. Trotzdem scheuen viele Patientinnen nicht vor dem Eingriff zurück, auch weil zahlreiche Studien mittlerweile belegen, dass durch eine Brustvergrößerung mit Implantaten das Risiko an Brustkrebs zu erkranken nicht erhöht wird. Selbst die Früherkennung, beteuern Fachärzte, ist durch das Brustimplantat nicht beeinträchtigt.

Wir wollten dennoch etwas tiefer in die Materie vordringen und haben im Interview mit dem Facharzt für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie Dozent Dr. Georg Huemer genauer nachgefragt, wie es sich um die Vorteile neuer Verfahren und die möglichen Risiken und Nebenwirkungen bei derartigen Eingriffen verhält.

Dozent Dr. Georg Huemer im Interview

gesund.co.at: Als Facharzt für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie sind Sie beruflich mit sehr unterschiedlichen Beschwerdebildern konfrontiert. Inwiefern unterscheiden sich die Anforderungen bei „klassischen“ Schönheits-OP’s von jenen bei rekonstruktiven Eingriffen?

Dr. Huemer: Natürlich besteht hier schon mitunter ein sehr unterschiedliches Anforderungsprofil. Nehmen wir einmal die weibliche Brust als Beispiel. Wenn nach der Diagnose Brustkrebs die Brust entfernt werden musste, dann wünscht sich die betroffene Frau einfach nur, dass wieder eine Brust vorhanden ist, da geht es weniger um Form und Größe. Bei einer klassischen Schönheits-Op der Brust geht es auf der anderen Seite darum, die vorhandene Brust in eine bessere und meist jugendlichere Form zu bringen.

gesund.co.at: Kann die Erfahrung in einem Bereich auch im anderen Bereich nützlich sein, Stichwort: Erfahrung?

Dr. Huemer: Meiner Meinung nach auf jeden Fall und zwar sowohl in eine als auch die andere Richtung! Bleiben wir beim Beispiel der Brust: wenn eine Brust komplett neu zum Beispiel aus Eigengewebe vom bauch aufgebaut wird, dann ist es sehr vorteilhaft, wenn man die Anforderungen der ästhetischen Brustchirurgie beherrscht, um ein noch ästhetisch ansprechenderes rekonstruktives Ergebnis zu bekommen. Auf der anderen Seite hilft einem sehr oft in der ästhetischen Brustchirurgie das Wissen um den wiederherstellenden Aspekt, um in schwierigen Situationen das beste Ergebnis zu erhalten.

gesund.co.at: Ästhetische Chirurgie hat in den letzten Jahren einen mächtigen Aufschwung erfahren, die Nachfrage in diesem Breich ist auch in Österreich stark gestiegen. Wenn man den Angaben von Brancheninsidern Glauben schenken darf, werden die Patienten immer jünger. Ab wann wird für Sie ein Eingriff zu einem ethischen Problem?

Dr. Huemer: Das eine ist die rechtliche Seite und das andere die moralische/ethische. Ganz einfach gesagt bedarf es rechtlich der Zustimmung der Eltern wenn sich eine Patientin/Patient vor Erreichen des 18. Lebensjahres operieren lassen möchte. Moralisch gibt es schon Situationen, in denen es meiner Meinung nach vertretbar ist, auch in jungen Jahren zu operieren – vor allem dann, wenn die oder der Betroffene unter der körperlichen Erscheinung sehr leidet.

Beispiele wären hier eine sehr große oder auch fehlende Brust oder abstehende Ohren. Die Nase zum Beispiel ist ein heikles Thema – eine Nase ist vor dem 18./19. Lebensjahr noch nicht wirklich ausgewachsen und sollte daher auch vor Erreichen dieses Alters nicht korrigiert werden. Ich möchte jedoch dazu sagen, dass es ein Klischee ist, dass sich immer mehr jüngere Patienten operieren lassen möchten. Meiner Erfahrung nach sind es durchwegs schon junge Erwachsene, die mit einem solchen Wunsch zu mir kommen!

gesund.co.at: Welche Faktoren gilt es für Patienten ästhetischer Eingriffe zu berücksichtigen? Gibt es eine Art medizinische Risiko-Checkliste, schließlich ist jede OP auch mit Risiken (Infektionen, Narkose usw.) verbunden?

Dr. Huemer: Natürlich gibt es die. Da sind zunächst ganz einfach allgemein medizinische Überlegungen, die notwendig sind, um einen Eingriff in Allgemeinnarkose durchzuführen. Zu nennen sind hier ein unauffälliges Blutbild und normale Herzfunktion. Dann muss natürlich vor jedem Eingriff eine genaue Besprechung der damit verbundenen Risiken und auch mögliche Komplikationen erfolgen. Nur wenn die oder der Patient sich dessen voll bewusst ist, darf operiert werden.

Sehr wichtig ist auch die psychische Komponente – auch hier sollten keinerlei Bedenken vorliegen. Wenn alles oben genannte für mich stimmig ist, dann steht dem Eingriff nichts mehr im Weg.

gesund.co.at: Können Sie uns einen kleinen Einblick in die Patientenstruktur gewähren, wie es um die Verteilung hinsichtlich Geschlecht, Alter, Bildung und Einkommen bestellt ist? Welche Eingriffe werden ihrer Erfahrung nach am häufigsten durchgeführt? Intimchirurgie war zuletzt stark min Mode, soferne man in diesem Bereich von Moden sprechen kann. Welche neuen „Trends“ zeichnen sich ab? Wo sehen Sie die Grenzen des machbaren, wo setzen Sie bewusst Grenzen?

Dr. Huemer: Es ist noch immer so, dass etwa 90% meiner Patienten von der Damenwelt gestellt werden. Hier findet man einen breiten Querschnitt durch unsere Gesellschaft. Es lässt sich hier nicht wirklich eingrenzen, wer mit dem Wunsch einer Veränderung kommt – natürlich sind Patientinnen über 80 Jahre schon sehr selten. Die häufigsten Eingriffe sind auf jeden Fall die Brustkorrektur, die Fettabsaugung und die Nasenkorrektur. Intimchirurgie ist wie der Name schon sagt ein sehr intimes Thema und wird bei uns noch nicht öffentlich diskutiert.

Die Nachfrage ist jedoch in den letzten Jahren definitiv gestiegen. Die Gründe sind hier vielfältig. Es handelt sich hierbei jedoch nicht nur um die klassische Verkleinerung der Schamlippen sondern auch um die Verbesserung des sexuellen Erlebnisses, wenn zum Beispiel durch mehrere Schwangerschaften der Scheideneingang sehr stark überdehnt ist. In solchen Fällen wollen die Frauen ja nichts Ungewöhnliches sondern nur eine Wiederherstellung eines Zustandes, wie es vor den Schwangerschaften war. Insofern stehe ich selten vor der Entscheidung, Grenzen setzen zu müssen.

gesund.co.at: Brustvergrößerungen zählen zu den häufigen Eingriffen und gelten in den letzten Jahren als gut erprobt und daher als recht unkompliziert. Das war nicht immer so, vor wenigen Jahren erschütterten fehlerhafte Gel-Implantate die Branche in ganz Europa. Was hat sich seitdem geändert, inwiefern wurde dieses Risiko entschärft?

Dr. Huemer: Das ist so nicht richtig. Die Brustvergrößerung war immer eine sehr sichere Operation. Es ging und geht immer um die richtige Auswahl der Implantate. Natürlich muss sich der Chirurg auch auf den Hersteller verlassen können, aber man muss schon stutzig werden, wenn die angebotenen Implantate um ein Viertel des Preises für die anderen Implantate zu bekommen sind. Hier muss etwas faul sein. In so einer Situation ist die Einstellung „Geiz ist geil“ absolut nicht die richtige.

Auf der anderen Seite müssen sich aber auch die Patientinnen bewusst sein, dass Qualität etwas kostet und dürfen nicht nur nach dem billigsten Preis eine BrustOp schauen! Die allermeisten Anbieter hochwertiger Brustimplantate bieten heutzutage schon inkludierte Versicherung an, die gewährleisten, das im Falle eines Falles keine Kosten für die Patientin entstehen.

gesund.co.at: Sie gelten als Spezialist der sogenannten Composite Brustvergrößerung, einem vergleichsweise jungen Verfahren im Bereich des Brustaufbaus. Können Sie uns das Verfahren etwas näher vorstellen? Welche Vorteile bringt diese Kombination zweier bewährter Techniken, bei wem kommt sie zum Einsatz?

Dr. Huemer: Bei dieser Art der Brustvergrößerung handelt es sich um die Kombination einer klassischen Brustvergrößerung mit Platzierung eines runden Implantats vor dem Muskel und die gleichzeitige Eigenfettbrustvergrößerung im Zuge einer Fettabsaugung. Die Vorteile sind vielfältig. Durch die Verwendung eines runden Implantats werden die Risiken einer Drehung des Implantats eliminiert. Durch die Platzierung vor dem Muskel wird dieser nicht geschädigt und die Schmerzen nach der Operation sind deutlich geringer. Durch die gleichzeitige Verwendung von Eigenfett werden die Umrisse des Implantats sehr gut bedeckt mit dem Ergebnis eines sehr natürlichen Aussehens.

In diesen Vorteil können auch schlankere Patientinnen kommen. Das Implantat kann kleiner gewählt werden ohne dass die gewünschte Größe limitiert ist. Durch die notwendige Fettabsaugung können meist vorhandene Problemstellen ebenfalls eliminiert werden. Diese Technik wurde von mir und meinem Team weiter entwickelt und kommt unter der Bezeichnung Pjure Breast Composite zum Einsatz. Prinzipiell kann sie bei jeder Frau eingesetzt werden, ausser sie ist sehr schlank.

gesund.co.at: Wird diese Technik auch bei Brustrekonstruktionen – etwa nach Brustamputationen – verwendet? Welche Möglichkeiten gibt es in diesem Bereich für betroffene Patientinnen?

Dr. Huemer: In solch einem Fall ist es nicht meine Empfehlung, ein Implantat zu verwenden, aber das ist eine rein persönliche Meinung. Für die Brustrekonstruktion verwende ich vor allem Eigengewebe, welches unter Verwendung von Mikrochirurgie transplantiert wird. Auch hier können je nach Statur der Patientin „Problemstellen“ individuell ausgewählt werden – zum Beispiel vom Unterbauch, wenn hier ein Bäuchlein vorliegt, oder aber auch vom Po/Oberschenkel, wenn hier die betroffene Patientin zuviel Gewebe hat. Dadurch ergibt sich neben der sehr natürlichen Wiederherstellung der Brust auch ein ästhetischer Vorteil im Sinne einer Bauchstraffung oder Oberschenkelstraffung.

gesund.co.at: Können Sie abschließend einen kurzen Umriss geben, wie eine durchschnittliche Brustvergrößerung abläuft? In welchem zeitlichen Rahmen bewegt sich der Ablauf ab dem Zeitpunkt der Entscheidung für einen Eingriff? Wie lange dauert der Eingriff? Wie lange ist der stationäre Aufenthalt üblicherweise? Welche Zeitspanne müssen Patientinnen für den kompletten Heilungsverlauf einplanen? Welche Nachsorge ist zu treffen? Wie lange sind Implantate der neuesten Generation nutzbar, sprich, wann müssen diese aus medizinischer Sicht erneuert werden?

Dr. Huemer: Wenn eine Patientin zu mir zu einem Beratungsgespräch für eine Brustvergrößerung kommt, dann ist das die Fortsetzung eines bereits langen Entscheidungsprozesses. Die Betroffene kommt nicht spontan zu mir, sondern hat sich in der Regel schon sehr gut vorinformiert und es freut mich immer sehr, wenn ich sie dann den weiteren Weg begleiten darf.

Es ist meist nicht die Frage, ob sie es machen wird oder nicht, denn diese Entscheidung hat sie meist schon getroffen. Es geht dann vor allem um die richtige Auswahl des Chirurgen, was eine sehr wichtige Entscheidung darstellt. Es ist auch so, dass viele Patientinnen dann so schnell wie möglich Ihren Wunsch durchziehen möchten, falls die Chemie stimmt. Üblicherweise lässt sich ein Op-Termin innerhalb eines Monats schaffen, wenn das der Wunsch der Patientin ist.

Der Eingriff selbst dauert in der Regel unter einer Stunde und wird in Vollnarkose durchgeführt. In den meisten Fällen kann man diesen Eingriff ohne Probleme und Einbusse medizinischer Sicherheit tagesklinisch durchführen, dass heißt die Patientin kann am selben Tag wieder nach Hause gehen. Der Heilungsverlauf beträgt in der Regel zwischen einer und drei Wochen, je nach Intensität der Arbeitssituation.

Die unmittelbare Nachsorge besteht in der Kontrolle der kleinen Wunde und ob alles ohne Probleme abheilt. In weitere Folge wird kontrolliert, ob die Schwellung sich normal zurückbildet und wie der Verlauf ist. Das Ergebnis nach einer Brustvergrößerung lässt sich frühestens nach 3-6 Monaten komplett beurteilen. Brustimplantate der neuesten Generation haben kein Ablaufdatum, es ist jedoch so, dass die Haltbarkeit des Ergebnisses von der körpereigenen Reaktion der Patientin auf das Implantat eingeschränkt wird. Man nennt dies Kapselfibrose. Diese muss nicht entstehen und es lässt sich auch nicht exakt vorhersagen, wann diese eintritt.

Realistischerweise muss eine Frau in jungem Alter jedoch davon ausgehen, dass einmal im Leben eine Korrektur wegen dieser narbigen Verkapselung notwendig sein wird!

Wir danken für das Gespräch.

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Zur Person:

Dozent Dr. Georg M. Huemer ist Facharzt für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie in Linz und Wels. Zusätzlich zur österreichischen Facharztprüfung absolvierte Dr. Huemer freiwillig die deutlich strengere europäische Facharztzulassung. Im Jänner 2009 habilitierte er mit dem Thema „Neue Konzepte zur Steigerung des Überlebens in kritisch perfundierten Hautlappenplastiken im Rattenmodell“ an der Medizinischen Universität Innsbruck zum Privatdozenten und war zum damaligen Zeitpunkt der jüngste habilitierte Plastische Chirurg in Österreich. Dr. Huemer gilt als ausgewiesener Spezialist für Brustvergrößerungen mit Eigenfett.

Literaturangaben:

¹ Griffiths SN1, Hawkins S1, Galea M1, Chaudhry A1. 2015 Oct;97(7):543. A novel technique for harvesting fat for breast augmentation. PubMed PMID: 26414370
² Sinno S1, Wilson S, Brownstone N, Levine SM. 2016 Mar;137(3):818-24. Current Thoughts on Fat Grafting: Using the Evidence to Determine Fact or Fiction. PubMed PMID: 26910662

Linktipps:

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