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Borreliose | Krankheitslexikon

Borreliose | Krankheitslexikon

Borreliose - heimtückischer Erkrankung nach Zeckenbiss

Sie verstecken sich im Unterholz, in Wäldern und Wiesen und wenn wir ahnungslos vorbei gehen, dann greifen sie an – die Zecken. Durch einen Zeckenbiss werden häufig Krankheiten übertragen. So zum Beispiel die Borreliose, deren Fallzahl sich in den letzten Jahren vervielfacht hat und durch die Erderwärmung weiter steigen wird. Während man sich gegen die ebenfalls von Zecken übertragene FSME mittels Impfung schützen kann, stehen aktive und passive Immunisierungen gegen Borreliose bisher nicht zur Verfügung.



Wanderröte nach einem Zeckenbiss, Müdigkeit, Gelenkschmerzen und Fieber, all diese Symptome können erste Anzeichen einer Borrelioseinfektion sein. Borreliose ist eine bakteriöse Erkrankung, die durch einen Zeckenstich übertragen wird. Sie ist auch unter dem Namen Lyme Borreliose oder Lyme Krankheit bekannt, da in der nordamerikanischen Ortschaft Lyme häufig Fälle von Borreliose auftauchten.

Auch in Österreich ist die Gefahr an Borreliose zu erkranken groß, denn: „Etwa 15 % aller Österreicher pro Jahr erleben einen Zeckenstich und 2-4 % davon erkranken tatsächlich an Borreliose. Das entspricht geschätzten 30.000 Menschen pro Jahr“, erklärt Univ.-Doz. Dr. Friedrich Breier.

Besonders Menschen, die sich gerne in freier Natur aufhalten, sind gefährdet. Zecken leben nämlich hauptsächlich in Wäldern und auf Wiesen. Sie können vorbeigehende Säugetiere orten und dann an ihnen hoch klettern.

Hat eine Zecke zugebissen, sollte sie so schnell als möglich entfernt werden. Dabei sollte sie mit einer Pinzette oder mit den Fingern vorsichtig herausgezogen werden.

Jeglicher Druck auf den Körper der Zecke sollte vermieden werden. Konnte nicht die ganze Zecke entfernt werden, so stößt der Körper diese meist wenige Tage später ab.

Zu bedenken ist, dass die FSME-Impfung gegen die durch Zecken ausgelöste Gehirnhautentzündung (Frühsommer-Meningoenzephalitis) schützt, aber keine Schutzwirkung gegen Borreliose bietet.

Eine Präventionsimpfung, die vor Borreliose schützt, ist bislang noch nicht bekannt. In den letzten Jahren war bereits ein deutlicher Anstieg an Erkrankungen auszumachen. „Die Zahl der Erkrankungen hat sich von 1986 bis 1984 versiebenfacht, bereits damals lagen die Zahlen der geschätzten Fälle viel höher.“, so Breyer. Die auffallende Wanderröte, die zwischen 2 und 14 Tagen nach einem Zeckenstich vorkommt, lässt am besten auf eine Borrelioseinfektion schließen, kommt aber nicht immer vor.

Fallzahlen werden sich durch den Klimawandel vervielfachen

Forscher erwarten, dass sich die Zahl der Borreliose Erkrankungen in den nächsten Jahren weiter vervielfachen wird. In einem Artikel zum Thema Folgen des Klimawandels beschreibt der Klimaforscher Gerd Jendritzky das Problem:“ Für Borreliose und auch FSME konnte in den letzten Jahren ein deutlicher Anstieg der Erkrankungszahlen registriert werden. Die in den letzten Jahren vermehrt beobachteten milden Winter führten zu einer höheren Überlebensrate von Zecken und kleinen Waldnagern, den natürlichen Wirten der beiden Erreger. Damit konnte der Übertragungszyklus in den darauf folgenden Jahren auf einem sehr viel höheren Niveau beginnen, da nicht erst entsprechende Zecken- und Nagerpopulationen aufgebaut werden mussten.“ Besonders Borreliose wird in den nächsten Jahren zu einem immer größeren Infektionsrisiko im deutschsprachigen Raum. Sie wird allerdings bereits heute durch praktische Ärzte nahezu ausschließlich erkannt und therapiert.

Nur selten treten Spätfolgen oder Komplikationen auf

„Die Borreliose kann durch Einnahme von Breitbandantibiotika entweder peroral oder intravenös behandelt werden, wobei meist eine Therapie mit Penicillin V, Amoxicillin, Doxycyclin oder Cefuroxim axetil für 14 – 21 Tage ausreichend ist“, erklärt Dr. Friedrich Breyer die angezeigten therapeutischen Maßnahmen und betont, dass dauerhafte gesundheitliche Folgen ein Ausnahmefall sind. „Selten sind Langzeitschäden bei zu kurzer, fehlender beziehungsweise Verwendung einer ungeeigneten Antibiotikatherapie als Nervenschmerzen (Neuralgien), Augenentzündungen, Gelenksschmerzen (Arthralgien) Herzrhythmus- oder Gedächtnisstörungen, hier vor allem Kurzzeitgedächtnisstörungen, zu beobachten; manchmal kommt es auch zu einer „Residualsymptomatik“ mit Symptomen einer „symptomarmen Grippe“, die die Patienten beschreiben.“ beschreibt Oberarzt Dr. Breyer.

Eine Ansteckungsgefahr von Mensch zu Mensch ist bei Borreliosen nicht gegeben. Nur selten treten Komplikationen oder Spätfolgen auf, die das Hinzuziehen spezialisierter Ärzte erforderlich machen: „Als Spätfolge einer Borreliose an der Haut kann auch eine sogenannte Acrodermatitis chronica atrophicans mit einer polsterartigen Schwellung, violettfärbigem Hautkolorit und einer zigarettenpapierartigen Fältelung gefunden werden. Bei letzterer ist oft eine Therapie mit Antibiotika über vier Wochen erforderlich. Diese Hautveränderungen sind oft mit einer Parästhesie (Bamstigkeit, verändertes Schmerzempfinden) vergesellschaftet. Hier ist eine Interaktion von Neurologen, Dermatologen und auch Internisten bzw. weiterer beteiligter Fachspezialitäten gefordert“, fasst Oberarzt Dr. Friedrich Breyer mögliche, aber sehr seltene Verkomplizierungen der Krankheit zusammen.

Der beste Schutz ist, Zecken rasch zu entfernen und bei möglichen Symptomen möglichst rasch den Arzt aufzusuchen.

[ameis]

Linktipps:

– Borreliose.at – Infoportal
– alles über Impfungen
– Beginn der Zeckensaison – Impfen schützt
– Gehirnhautentzündung (Meningitis)
– FSME-Zeckensaison
– Medikamente: Infos über Arzneimittel als Kapseln, Pillen, Säfte, Spritzen
– Vorsorge-Corner: Gesundenuntersuchung